VAR-Fehler kostete Freiburg den Sieg

VAR-Fehler kostete Freiburg den Sieg

13. Februar 2022 0 Von Simon Schmidt

Für die DFB-Schiedsrichter war es ein schwieriges Wochenende in der 1. Bundesliga mit einigen Eingriffen. In Mainz ist dem Gespann rund um Schiedsrichter Deniz Aytekin und VAR Sascha Stegemann ein Fehler passiert, der mit dem VAR eigentlich nicht mehr vorkommen dürfte.

Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 0:2 (SR: Frank Willenborg)

Normalerweise kommen die faktischen VAR-Entscheidungen wie Abseits, Handspiel vor der Torerzielung oder Foul innerhalb oder außerhalb des Strafraums nicht in diesen Bericht. Das macht auch keinen Sinn, wenn man nicht mit alternativen Fakten liebäugelt. Als Hinteregger am Samstagnachmittag den Wolfsburger Stürmer Max Kruse an der Strafraumgrenze zu Fall brachte, ergab sich jedoch eine spannende Situation. Das Foul selber ist unstrittig. Nur war der Kontakt noch auf der Strafraumlinie (Linien gehören im Fußball immer zu dem Raum, den sie begrenzen), doch außerhalb oder gar beides? Und wie ist in so einem Fall dann zu entscheiden? Schiedsrichter Frank Willenborg entschied zunächst auf direkten Freistoß. Doch dann meldete sich sein VAR beim ihm und verlegte den „Tatort“ in die Strafraum, die Folge war der Elfmeter, den Kruse zur Führung der Wolfsburger in der 28. Minute nutzte. In diesem Fall ist ein Tritt von Hinteregger eben noch auf der Linie, sodass zum größtmöglichen Vorteil für den Stürmer auf Strafstoß zu entscheiden ist. Ähnlich wäre auch zu entscheiden, wenn ein Verteidiger einen Angreifer außerhalb des Strafraums beginnt zu halten und sich das Vergehen bis in den Strafraum zieht. Am Ende einmal mehr ein richtiger Eingriff des VARs im Bereich „faktische Entscheidungen“.

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Das faktische Entscheidung vom VAR nicht immer richtig sind bzw, dem VAR auch mal ein faktisches Vergehen vor einer Torerzielung entgehen kann, mussten vor allen die Freiburger Fans an diesem Wochenende schmerzlich feststellen. Bei der Mainzer Führung stand Torschütze Hack beim Kopfball seines Mitspielers Kohr im Abseits. Diesen wehrte der Freiburger Keeper zwar noch ab, was aber hier nach Regel 11 dennoch zu einer strafbaren Abseitsposition führt. Der „Kölner Keller“ überprüfte den Treffer zwar wegen eines vermeintlichen Offensivhandspiels in der Entstehung, beachtete aber die mögliche Abseitsstellung überhaupt nicht. So gab VAR Stegemann den Treffer nach der durchgeführten Handspiel-Prüfung frei, ohne das mögliche Abseits zu überprüfen. Auch vom Gespann auf dem Platz kam offensichtlich kein Hinweis, dass es sich möglicherweise um eine Abseitsstellung handeln könnte. Das ist hier besonders bitter, da dieser Fehler zwangsläufig einen direkten Einfluss auf den Spielausgang hatte und den Freiburgern so wohl den Sieg kostete.

Schiedsrichter Deniz Aytekin erklärte die Situation nach dem Spiel vorbildlich gegenüber den Medienvertretern und gestand den Fehler ein. Auch wenn hier auch „nur“ Menschen am Werk sind, die Fehler machen, sollte der Verdacht auf eine Abseitsposition neben dem Gespann auf dem Platz nicht auch noch den zwei VARs in Köln durchrutschen. Doch so war es leider.

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Aytekin: „Das Abseits ist durchgegangen“

 

1. FC Union Berlin – Borussia Dortmund 0:3 (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Hinten im Bild ist zu erkennen, wie der Berliner Angreifer Ujah mit seinem Ellbogen den Dortmunder Verteidiger Akanji im Gesicht traf.

Union Berlin jubelte nach dem vermeintlichen Anschlusstreffer in der 73. Minute durch Kevin Möhwald nur kurz. Am Treffer selber gab es eigentlich nichts auszusetzen, die saubere Flanke von Trimmel verwandelte der Berliner per Kopf. Doch hinter Möhwald kam es zu einem möglichen Foulspiel vom Berliner Angreifer Ujah am Dortmunder Verteidiger Akanji. Schiedsrichter Jöllenbeck wird diesen Treffer mit dem Ellbogen im Gesicht wohl kaum auf dem Feld gesehen haben, weswegen hier VAR Guido Winkmann wegen einer fehlenden Wahrnehmung eingegriffen haben dürfte. Nach dem On-Field-Review nahm Jöllenbeck den Treffer zurück und entschied auf einen direkten Freistoß für den BVB im eigenen Strafraum. An sich eine korrekte Entscheidung. Denn der Treffer mit dem Ellbogen im Gesicht von Akanji ist ein Foulspiel, auch wenn es kaum einen Einfluss auf den Treffer von Möhwald hatte. Es bleibt für die Unioner trotzdem eine harte Entscheidung, denn eine klare Fehlentscheidung ist es sicher nicht. Kaum jemand beschwerte sich auf dem Rasen, Akanji selber fasst sich nach dem Treffer nur kurz ans Gesicht. Der VAR kann aber eben nicht nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Und so wird VAR Winkmann sich korrekt nach dem VAR-Protokoll verhalten haben. Und Schiedsrichter Jöllenbeck am Bildschirm die bessere Entscheidung getroffen, wenn es dennoch einen Beigeschmack hat.

Im Anschluss an das On-Field-Review nahm Schiedsrichter Jöllenbeck den Anschlusstreffer der Unionen zurück.

 

Fazit: Der schwere und spielentscheidende Fehler des Teams rund um Schiedsrichter Aytekin steht an diesem Spieltag über den eigentlich sonst guten Spielleitungen der DFB-Schiedsrichter. Sowas darf einfach mit zwei Videoassistenten in Köln nicht passieren. Die VARs sollte in Zukunft zweimal genau hinschauen, ob bei Treffern neben einer Handspiel-Überprüfung nicht auch noch ein zweites anderes Vergehen möglicherweise vorliegt. Wahrscheinlich wäre der Fehler mit einem VAR-Team, wie es bei einigen internationalen Partien und den großen Turnieren wie Weltmeisterschaften und auch der Europameisterschaft im vergangenen Jahr eingesetzt wird, nicht passiert. Denn dort überprüfen zwei der vier VARs ausschließlich das Abseits bei jedem Treffer. In der Bundesliga sind nur zwei Videoassistenten pro Spiel in Köln tätig. Sollte die DFL (und damit die Vereine) bereit sein mehr Personal einzusetzen, würden solche Fehler zu einer großen Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Vielleicht hilft da aber schon bald die halbautomatische Abseitserkennung der Firma Hawk-Eye (mehr Informationen dazu findet Ihr hier).


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