VAR im Aufwärtstrend – ein Problem aber bleibt

VAR im Aufwärtstrend – ein Problem aber bleibt

10. April 2022 0 Von Simon Schmidt

Auch am 29. Spieltag lief es für die Videoassistenten in der Bundesliga richtig gut. In München griff VAR Welz entscheidend ein, weil Ittrich eine Handspielsituation auf dem Platz falsch bewertete. Felix Zwayer zeigte bei Bochum gegen Leverkusen auf dem Platz ohne VAR auf den Punkt und entdeckte danach mit dem Assistenten gut, dass eine doppelte Berührung des Balles bei Dhabi vorlag. In Fürth traf Schiedsrichter Stieler zunächst eine falsche Entscheidung auf dem Platz, die sehr spät korrigiert wurde. Der Umgang mit den Stadionzuschauern bleibt aber ein systematisches Problem.

FC Bayern München – FC Augsburg 1:0 (SR: Patrick Ittrich)

In der 79. Minute kam Lewandowski im Augsburger Strafraum nach einer Flanke zum Kopfball, die Oxford an dem Arm bekam. Dabei war der Arm sehr weit oben und sehr weit vom Körper abgespreizt. Eine klare Vergrößerung der Körperfläche aufgrund einer unnatürlich Armhaltung. Auch wenn es durchaus normal ist, die Arme in Kopfball-Duellen zur Hilfe hochzunehmen, ist der Arm hier einfach viel zu weit nach außen Richtung Tor weg vom Körper. Schiedsrichter Ittrich stand eigentlich nicht schlecht, ließ trotzdem auf dem Feld weiterspielen, bis ihn VAR Tobias Welz bei der nächsten Unterbrechung an den Monitor zum On-Field-Review bat. Dort war für den Hamburger Bundesliga-Schiedsrichter nach wenigen Wiederholungen klar, dass die korrekte Spielfortsetzung Strafstoß heißen muss. Auch wenn es auf dem Feld durchaus auch schon richtig zu bewerten gewesen wäre, ist das ein Paradebeispiel wie der VAR funktionieren soll und wie er den Fußball eben doch gerechter macht. [TV-Bilder – ab 6:54 Minute]

SpVgg Greuther Fürth – Borussia Mönchengladbach 0:2 (SR: Tobias Stieler)

Nach 20 Minuten kam Lainer im Fürther Strafraum nach zwei Kontakten mit Viergever und Tillman zu Fall. Schiedsrichter Tobias Stieler ließ zunächst weiterspielen, wurde aber dann zwei Minuten später in die Review-Area gebeten. Hier war der Ball sehr lange im Spiel bis zur nächsten Unterbrechung. Dieser lange Zeitraum sollte trotzdem bei vielen Zuschauern im Fürther Ronhof für große Verwirrung sorgen. Denn Schiedsrichter Stieler entschied sich am Monitor um, es gab den Strafstoß für die Borussia, den Plea zum 2:0 verwandelte. Am Ende ist die Entscheidung von Stieler korrekt, weiterspielen ist hier auch durchaus aufgrund des Kontakt am Fuß eine klare Fehlentscheidung. Wahrscheinlich wird Stieler diesen Fußkontakt auch auf dem Platz nicht wahrgenommen haben, sodass beide Eingriffskriterien für den Videoassistenten greifen. [TV-Bilder – ab 2:44 Minute]

Doch das Problem war die Dauer der Überprüfung insgesamt und die Tatsache, dass die Zuschauer im Stadion nur die Information: „Entscheidung auf dem Feld: kein Strafstoß; Grund der Überprüfung: möglicher Strafstoß; Entscheidung: Strafstoß“ als Text auf der sehr kleinen und unscharfen Videowand im Ronhof bekamen. Hier ist seit der Einführung des VARs der Stadion- dem Fernsehzuschauer klar unterlegen. Es wird Zeit, dass die Vereine verpflichtet werden entsprechend ausreichende Videowände in ihren Stadion zu installieren und der Stadionzuschauer auch die entsprechenden Bilder gezeigt bekommt. In vielen Stadion (wie zum Beispiel der Allianz Arena) wäre das überhaupt kein Problem, in einigen aber schon, weshalb die Bilder bisher nicht gezeigt werden.

VAR-Projektleiter Drees hat immer wieder in Interviews argumentiert, dass die Schiedsrichter und der DFB damit auch kein Problem hätten, es aber die Infrastruktur in einigen Stadien unmöglich mache. Das müssten die Vereine selber in der DFL ändern. Für viele Bestandteile der Stadioninfrastruktur wie VIP-Plätze, Flutlicht usw. gibt es klare Vorgaben, wieso kommen da nicht noch konkretere zu Videowand hinzu. Nur so ist es möglich in allen Stadion ausreichende Bedingungen für eine Übertragung der Videobilder zu schaffen. Müssten die Vereine halt selber wollen (wobei natürlich hauptsächlich kleinere Vereine hierfür Geld in die Hand nehmen müssten).

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VfL Bochum – Bayer 04 Leverkusen 0:0 (SR: Felix Zwayer)

Nach einer guten Stunde gab es Strafstoß für die Gäste. Paulinho drang in den VfL-Strafraum ein und kam nach einem Kontakt mit Löwen zu Fall. Zwayer zeigte wirklich sehr schnell auf den Punkt und stand auch sehr gut. In der Realgeschwindigkeit ist die Entscheidung Strafstoß auch durchaus nachvollziehbar, weil Löwen keine Chance hatte den Ball zu spielen und ihn umrempelte. Dabei traf er ihn deutlich am Oberschenkel/Knie. Auch wenn der Leverkusener den Kontakt dankbar annahm, ist der Rempler und Treffer am Bein bei der Geschwindigkeit durchaus ursächlich für das Fallen von Paulinho. Für den VAR bestand hier in jedem Fall kein Grund einzugreifen. [TV-Bilder – ab 2:28 Minute]

Ähnlich auch beim Strafstoß selber, als Diaby wegrutschte und sich so selber anschoss. Das erkannte Zwayer mit seinen Assistenten selber auf dem Platz, was durchaus nicht einfach zu sehen war. VAR Sören Storks bestätigte die Entscheidung im Anschluss. Das doppelte Spielen des Balles durch den Schützen ist beim Strafstoß nicht zulässig, weswegen es zurecht mit einem indirekten Freistoß für den VfL Bochum am Strafstoßpunkt weiterging.

Fazit: Insgesamt wieder ein gutes Wochenende für die DFB-Schiedsrichter und Videoassistenten in der Bundesliga. So wird der VAR auf Dauer deutlich mehr Fans überzeugen, im Stadion besteht aber noch Nachholbedarf. Die Vereine investieren so viel Geld in ihre Infrastruktur, da müssen entsprechende Videowände, auf denen die Zuschauer ähnlich wie im TV die Bilder sehen, einfach verpflichtend werden. Dr. Jochen Drees betonte ja immer dafür grundsätzlich offen zu sein, nur die Bedingungen in den Stadien seien halt noch sehr unterschiedlich (vier riesige Wände in der Allianz Arena <-> eine kleine und unscharfe Videowand im Ronhof). Eine klare Vorgabe vom Verband bzw. der DFL wäre hier angebracht.

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