Wagner: „Miteinander vernünftig umgehen“

Wagner: „Miteinander vernünftig umgehen“

16. Juni 2019 1 Von IG Schiedsrichter

In einem aktuellen Bericht der „ZDF-Sportreportage“ bezog sich das Thema in der Fußball-Story mit dem deutschlandweiten Problem Schiedsrichtermangel.

Der deutsche Fußball hat auf der Position des Schiedsrichters ein Nachwuchsproblem. Er oder Sie hat auf dem Platz das Sagen und trotzdem wollen immer weniger Menschen Schiedsrichter werden. Die Zahl sinkt drastisch. Inzwischen fehlen tausende Unparteiische inzwischen. Warum das so ist und was dagegen getan wird, haben wir aus der Reportage zusammengetragen.

Vor seiner entscheidenden Prüfung stand Dominik Engelbrecht. Der 24-Jährige will Schiedsrichter werden und hat nach seine beiden „Testspielen“ nun zum ersten Mal ein Erwachsenspiel geleitet. Schon bei der Passkontrolle vor dem Anpfiff geht es darum selbstbewusst aufzutreten. Am Ende bewerterte Lehrwart Thorsten Braun seine Leistung und bekam den Schiedsrichter-Ausweis ausgehändigt, der als Lehrgangsbester abschloss.

Anders als in der Bundesliga wo die Schiedsrichter tausende von Euros verdienen, ist dies ein Ehrenamt, worauf immer weniger Menschen Lust haben. Die Zahl der aktiven Schiedsrichter sinkt seit Jahren. Besonders dramatisch war die Lage in der Saison 2017/18,wo fast ein Drittel weniger Leute ausgebildet, als noch vor 10 Jahren. Die Folge:Für immer mehr Amateurspiele, gibt es keine Schiedsrichter.

Lutz Wagner ist ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter und verantwortlich für die SR-Ausbildung in Deutschland. In Vorträgen gibt er seine Erfahrung auch an die Amateure weiter. Er sagt, dass größte Problem ist, zuviele neuausgebildete Schiedsrichter hören nach kurzer Zeit wieder auf, weil sich „die Rahmenbedingungen auf Deutschlands Sportplätzen gerade im Jugendfussball sind teilweise nicht so, wie wir das gerne hätten. Da gibts Übergriffe gegen Schiedsrichter und wenn einer psychisch noch nicht ganz gefestigt ist, dann sagt er einfach, warum tue ich mir das eigentlich an.“

Davon lässt sich Dominik Engelbrecht aber nicht abschrecken. Für ihn ist Fußball eine Herzensangelegenheit. „Am meisten reizt mich die hohe Verantwortung und Entscheidungsgewalt auf dem Platz und im Privatleben.“

Wochenende für Wochenende werden Amateur-Schiedsrichter Opfer von verbaler oder körperlicher Gewalt. In einer Studie gaben knapp zwei Drittel der 900 befragten Unparteiischen an, schonmal bedroht worden zu sein, 27% wurden bereits Opfer vin Gewalt.

Dazu zählt auch Frank Roth, der bei einem hitzigen Derby von einem Spieler geschlagen und zu Boden ging. „Ich wollte nur flüchten, weil ich auch Angst um micht selbst hatte und hab dann gedacht, hoffentlich hält den jemand zurück.“ Roth erlitt eine Gehirnerschütterung und musste ins Krankenhaus. Nach einer Auszeit, pfeift er heute aber weiter. „Ich hab mich entschieden weiter zu machen, es ist jetzt drei Jahre her und hatte (toi toi toi) bis heute keinen Vorfall mehr und ich bin froh, dass ich weiter gemacht habe, denn der Sport gibt mir sehr viel.“ Inzwischen ist Roth seit 30 Jahren Schiedsrichter.

Der Deutsche Fußball-Bund hat auf die Übergriffe reagiert, indem man ihm einen Paten zur Seite gestellt hat. „Es geht darum, dass man ihn vor Publikum und Eltern schützt. Dort kann der Pate mal zu den Störern hingehen und die Situation ein bisschen bereinigt, aber wenn wir ehrlich sind, hilft das nur an den Auswirkungen und da muss man auch an die Ursachen gehen. Und die Ursachen heißen, dass man wieder vernünftig miteinander umgeht und da gehört jeder dazu“, so Wagner.

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