Warum die Abseitsregel auf den Prüfstand muss

Warum die Abseitsregel auf den Prüfstand muss

4. Februar 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Auch am zweiten Pokaltag standen zwei Schiedsrichter im Mittelpunkt, entschieden aber regelkonform, Robert Hartmann hatte es mit einem kniffeligen Abseitsvergehen zu tun, bei dem er sich selbst erklärte, die Regel jedoch, aktualisiert werden müsste.

Von Simon Stark und Felix Stark

VfB Stuttgart – Borussia Mönchengladbach 1:2  [TV-Bilder]

(red/ss) Die Partie wurde geleitet von FIFA-Schiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin. Ihm assistierten wie gewohnt Lasse Koslowski und Jan Seidel. Als Vierter Offizieller fungierte Timo Gerach. In Köln beobachteten Tobias Welz und Mike Pickel das Geschehen in der Mercedes-Benz-Arena.

In diesem Pokal Achtelfinale legte der VfB direkt einen Blitzstart hin. Silas Wamangituka vollendete einen Konter der Gastgeber in der 2. Minute zum 1:0. Siebert führte von Anfang an eher eine engere Linie und musste nach 18 Minuten schon in die Tasche greifen. Konstantinos Mavropanos foulte Lars Stindl rücksichtslos uns sah vollkommend zurecht die gelbe Karte. Im weiteren Spielverlauf hatten die Gladbacher zwar mehr Spielanteile, aber der VfB verteidigte gut, sodass sich die Gladbacher unmittelbar vor dem Stuttgarter Tor sehr schwer taten. In der 36. Minute hatte Plea die Chance auf den Ausgleich, sein Schuss aus guten 15 Metern war aber zu schwach. Kurz vor der Pause lag der Ball im Tor von Sippel. Doch Didavi stand zu diesem Zeitpunkt einen halben Schritt im Abseits, super erkannt von SRA 1 Lasse Koslowski, der die Fahne hob. In der Nachspielzeit passierte es dann, die Borussia machte den Ausgleich. Auf Vorarbeit von Stindl schloss Marcus Thuram im Strafraum von der rechten Seite aus ins lange Eck ab. Kurz nach dem Ausgleich pfiff Daniel Siebert zur Pause.

Die Gladbacher kamen besser aus den Kabinen und so konnten sie in der 50. Minute einen Fehlpass vom VfB nutzen, um über die rechte Außenbahn und Alassane Plea zu kontern. Beim Herausgehen rutschte VfB Keeper Bredlow aus, sodass er gegen Plea deutlich zu spät war und der Gladbacher einfach an ihm vorbeilief und ins unbesetzte Tor zum 2:1 einschießen konnte. Doch hinter dem Treffer standen noch ein paar Fragezeichen, war Plea beim Pass von Lainer im Abseits? Wieder ließ SRA 1 Lasse Koslowski die Fahne unten und wieder bestätigte der VAR die knappe Entscheidung. Die Führung der Gladbacher zählte. Der VfB musste offensiv jetzt wieder mehr tun. 7 Minuten nachdem 2:1 der Gladbacher hatte Gonzalez die Chance auf den Ausgleich, schoss aber von der Strafraumgrenze aus über das Gästetor. In der 65. Minute hatten die Stuttgarter eine weitere Chance per Kopf durch Kalajdzic, der den Ball aber nicht endscheidend aufs Tor brachte. Fünf Minuten später hätte dann schon Thuram den Sack für die Borussia zumachen können. Sein lässiger Schuss aus 11 Metern konnte Fabian Bredlow im Stuttgarter Tor jedoch parieren, so blieb das Duell spannend. Die Schlussphase spielte sich sehr körperbetont im Mittelfeld ab, sodass Siebert viele Nickligkeiten rauspfeifen musste. In der 86. Minute hätte Zakaria die Chance auf das 3:1 gehabt, wieder vergab die Borussia die Entscheidung.

In der Nachspielzeit hatte Siebert eine Handspielsituation im Gladbacher Strafraum zu bewerten. Lainer bekam den Ball an den Arm. Siebert ließ weiterlaufen, für uns die richtige Entscheidung, da der Ball unmittelbar vom Körper eines Spielers kam (laut Regel 12 liegt somit kein strafbares Handspiel vor). Auch schwingt der Arm nach hinten, was immer ein Indiz für kein strafbares Handspieldarstellt.

Am Ende hielten die Gladbacher den Spielstand und zogen nach 3 Minuten Nachspielzeit mit einem 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein.

Fazit: Eine super Leistung von Siebert in einem normal zu leitenden Spiel. Die Linie passte er an die Verhältnisse an und zog sie über das gesamte Spiel hinweg durch. Sonderlob gibt es heute für den 1. Schiedsrichterassistenten Lasse Koslowski, der zwei entscheidende und knappe Abseitssituationen auf dem Platz bei sehr hohem Tempo vollkommend korrekt bewertete. Spitze!

SSV Jahn Regensburg – 1. FC Köln 4:3 n.E. (SR: Robert Hartmann) [TV-Bilder]

(red/fs) Erneut sorgte eine Abseitsentscheidung für die strittigste Szene des Abends. Vorab: Da bereits einige Vergleiche zur gestrigen Abseitssituation aufgekommen sind, sei gesagt, dass abgesehen vom Thema ‚Abseits’ nichts vergleichbares vorliegt.

Ondrej Duda schlug einen Eckball vor den Strafraum, wo ein weiterer Kölner den Ball in Richtung Tor schlug. Dieser wurde geklärt und landete bei Duda, welcher tatsächlich im Abseits stand. Duda’s folgende Flanke landete auf dem Kopf von Benno Schmitz, welcher zum vermeintlichen 1:3 traf. VAR Pascal Müller schaltete sich in der Folge ein und überprüfte die Situation. Dabei wurde dann eine Torabwehraktion des Regensburgers angenommen, weshalb die Abseitsposition von Duda Bestand hatte und das Tor nicht zählte.

Die Regel am engsten Rand ausgelegt spricht davon, dass eine Abwehraktion vorliegt, wenn ein Spieler einen Ball, der ins oder sehr nah ans Tor geht, abwehrt. Der Zusatz „oder sehr nah ans Tor geht“ war hier wohl ausschlaggebend. Sehr nah ans Tor ging aber dieser Ball eher nicht. Auch war schon in der Schussaktion keine Dynamik, sodass für uns der Sinn der Regel hier deutlich zu weit ausgedehnt wurde. Diese Regel bedarf einer deutlichen Präzisierung!

Schiedsrichter Hartmann bei Sky: „Wichtig ist zu wissen, in der Entstehung des Tores, kommt es zunächst mal zu einem Schuss auf das Regensburger Tor, dieser Schuss wurde von einem Regensburger Spieler mit dem Fuß abgewehrt und kommt dann zu einem Spieler der Kölner Mannschaft der sich imVorfeld oder den Zusammenhang im Abseits befand – nämlich in dem Moment als der Torschuss abgegeben wurde. Und jetzt denken natürlich viele, Ball kommt vom Gegner. Das ist in dem Fall nicht so. Bei der Fußabwehr des Regensburger Spielers, handelt es sich um eine sogenannte Torabwehrreaktion (so stehts im Regelwerk) und eine Torabwehrreaktion -kann man vergleichen mit einem Torhüter-. Ein Torhüter hebt das Abseits nicht aus, sondern da bleibt die vorherige Abseitsposition bestehen und deswegen mussten wir nach Rücksprache mi den Kollegen in Köln das Tor anullieren.“ Auch der DFB bezog Stellung.

Diese Situation ist jedoch mit der absoluten Grenze der Regel begründbar. Für uns war dies eigentlich kein „deliberate save“, da der Ball deutlich am Tor vorbeigegangen ist. 

Jan Elvedi blockte einen Ball mit dem deutlich abgestreckten Arm, was einen Strafstoßpfiff nach sich zog. Korrekte Entscheidung, da der Regensburger seinen Arm in die Flugbahn des bewegte.

VfL Wolfsburg – FC Schalke 04 1:0 (SR: Felix Zwayer) [TV-Bilder]

William traf im eigenen Strafraum keinen Ball, dafür aber Gegenspieler Xaver Schlager. Schiedsrichter Felix Zwayer ließ das Spiel zunächst laufen, bekam aber dann ein Signal von VAR Benjamin Brand. Korrekter Eingriff, wobei man aber sagen muss, dass das Foulspiel auch bereits auf dem Platz hätte erkannt werden müssen. Nach Ansicht der Bilder gab es dann den Strafstoß für Wolfsburg. Richtige Entscheidung!

Ein zweiter Punkt kam allerdings noch hinzu: Der Ball wurde bereits vermeintlich von Ralf Fährmann wieder ins Spiel gebracht und rollte beim Pfiff von Zwayer bereits leicht. Allerdings kann man das ob des engen zeitlichen Zusammenhangs nicht als erlaubte Spielfortsetzung durch den Schiedsrichter sehen und es schon gar nicht als sachgerecht anerkennen, dass eine Korrektur durch ein minimales Rollen unmöglich wird. Abgesehen davon ist explizit erwähnt, dass eine Spielfortsetzung noch zurückgepfiffen werden kann, um eine Kontrolle zu ermöglichen. Demnach wurde also alles richtig entschieden!

Mark Uth blieb am Bein von Maxence Lacroix hängen und forderte Strafstoß. Allerdings blieb die Pfeife von Zwayer stumm. Hier lag auch kein Foulspiel vor, da Uth lediglich am völlig passiven Standbein von Lacroix hängen blieb.

Malick Thiaw kam im Zweikampf mit Kevin Mbabu zu Fall und erneut wurde Strafstoß gefordert. Allerdings war auch hier absolut nichts regelwidriges zu sehen, vielmehr ging es schon eher in Richtung der Schinderei! Es war weder ein Halten, noch ein Stoßen zu erkennen, weshalb es völlig richtig war, das Spiel laufen zu lassen.

RB Leipzig – VfL Bochum 4:0 (SR: Bastian Dankert) [TV-Bilder]

Christopher Nkunku brach durch und wollte Bochum-Keeper Patrick Drewes umspielen. Drewes wollte per Grätsche klären, traf aber nur Nkunku. Deshalb blieb Schiedsrichter Bastian Dankert keine andere Wahl, als auf Strafstoß für Leipzig und Verwarnung für Drewes zu entscheiden.

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