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Ein Pfiff mit Folgen? Polizei ermittelt gegen Fußball-Schiedsrichter aus dem Rhein-Lahn-Kreis

Dutzende Male erklingt sie während eines jeden Fußballspiels – die Pfeife des Schiedsrichters. Mit bis zu 115 Dezibel, und damit lauter als eine Kettensäge, ertönen die Standardmodelle je nach Intensität. Im Rhein-Lahn-Kreis hat ein solcher Pfiff nun unangenehme Folgen: Die Polizei ermittelt gegen einen Unparteiischen.

Ins Rollen gebracht hat die Ermittlungen die Strafanzeige einer Spielerin, wie Erich Schneider, Schiedsrichterobmann des Fußball-Verbandes Rheinland auf Nachfrage der Rhein-Zeitung, nachdem IG-Schiedsrichter von dem Fall zuerst berichtet hat, erklärte.

Demnach „ist eine Online-Anzeige gegen den Schiedsrichter einer Spielerin bei der Polizei eingegangen, dass sie gesundheitliche Folgen aufgrund eines Schiedsrichterpfiffs davongetragen habe“, erklärte der Chef der Schiedsrichter aus Weisel. Passiert soll das Ganze bei einem Spiel im Rhein-Lahr-Kreis sein.

Laut Schneider habe die Spielerin die Begegnung allerdings zu Ende gespielt und nach der Partie dem Schiedsrichter nichts von dem Vorfall über eine mögliche Hörbeeinträchtigung erzählt, so Schneider weiter.

Sollte es im Rahmen der Spielleitung zu schwerwiegenden Verletzungen kommen, werden diese aus versicherungstechnischen Gründen im Regelfallnach der Partie in den Online-Schiedsrichter-Bericht eingetragen – wenn sie davon Kenntnis erhalten. Doch bei der vorliegenden Partie wurde kein Hinweis über eine Verletzung eingetragen und ohne weitere Kenntnis die Polizei über den Vorfall informiert. Erst wenige Tage später erhielt der Angeschuldigte das böse Erwachen, nachdem er den Anhörungsbogen der Polizei erhielt.

„Der Schiedsrichter war sehr erstaunt. Er ist sich keiner Schuld bewusst und wusste bis zum Brief nichts von dem vermeintlichen Vorfall, dass die Spielerin einen Hörschaden davon getragen habe“. Der Unparteiische wurde bereits auf der Dienststelle in Diez zu diesem Fall angehört, hieß es auf unserer Nachfrage. Aufgrund der laufenden Ermittlungen wolle die Polizei sich aber nicht zu dem Vorfall äußern. Momentan wird der Fall noch bei der zuständigen Polizeidirektion Diez bearbeitet, bevor er an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werde. Erst nach Abschluss des Verfahrens will die Behörde weitere Auskünfte darüber geben.

Erich Schneider, der Schiedsrichterchef des FV Rheinland will dem betreffenden Schiedsrichter auf jeden Fall beiseite stehen. Er selbst habe mit ihm gesprochen und wird den nötigen Beistand leisten, den er benötigt. Bereits in dieser Woche will sich Schneider mit Juristen zu dem Fall beraten und mit Verbandsrechtswart Norbert Weise das weiteren Vorgehen besprechen.

Unweigerlich erinnert der kuriose Pfiff aus dem Rhein-Laar-Kreis an den ähnlichen Fall von Pierre Hackler, einem ehemaligen Schiedsrichter aus Hessen, der bis noch vor wenigen Wochen bundesweite Schlagzeilen machte. Dort soll der Schiedsrichter bei einem Spiel in der hessischen Landeshauptstadt im Oktober 2018 in Folge einer Rudelbildung aus kurzer Distanz einem Spieler in Ohr gepfiffen haben, dass dieser einen Tinnitus erlitten habe und Hackler anzeigte.

Im ersten Prozess vor dem Wiesbadener Amtsgericht wurde Hackler im Juni 2020 zunächst zu 80 Sozialstunden verurteilt, welche er bei seinem Heimveren abgeleistet hat.

Im darauffolgenden Zivilprozess vor dem Landgericht forderte der Kläger vom Schiedsrichter ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro. Infolge eines Vergleiches einigten sich beide zu einer Zahlung von 2.500 Euro zu zahlen in monatlichen á 100 Euro, damit sollte der verhängsnisvolle Pfiff nach 3,5 Jahren endgültig abgeschlossen sein, ohne dass weitere kostspielige Instanzen erforderlich seien.

Ob es im nun neuen Fall im Rhein-Laar-Kreis ebensfalls zu einer Gerichtsverhandlung kommt, ist nach derzeitiger Sachlage völlig offen. Über das weitere Vorgehen werden die Polizei und die Staatsanwaltschaft Koblenz nun entscheiden müssen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Andrea Mathy

    Ohne jetzt den ganzen Artikel gelesen zu haben oder gar die Wahrheit zu kennen…
    Alleine solche Anlässe und die darauf natürlich folgende Berichterstattung wird so manchen möglicherweise Wiiligen oder bereits Aktiven mal wieder ins Grübeln bringen, ob öffentliche (Ehren)Ämter noch erstrebenswert sind.
    So schade…

    Aber ich sage euch :
    es wird ja leider mehr der Mist berichtet, der eben auch passiert und weniger das so viel mehr Gute, dass Du erlebst, wenn du dich engagierst.

    Darum meine Bitte an alle Aktiven:
    haltet mit ganz vielen positiven Berichten dagegen und werbt dafür, es Euch gleich zu tun. Wie und wo auch immer!

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