Du betrachtest gerade Respekt für die Schiedsrichter – irgendwann reicht es

Respekt für die Schiedsrichter – irgendwann reicht es

Die Diskussion um Schiedsrichter gehört zum Fußball. Fehlentscheidungen passieren, Entscheidungen werden hinterfragt und Emotionen gehören zum Spiel. Das alles ist völlig normal. Was allerdings längst überhandnimmt, ist der ständige Umgang mit den Unparteiischen.

Nach nahezu jeder strittigen Entscheidung stehen Spieler, Trainer und Verantwortliche beim Schiedsrichter und diskutieren. Es wird gestikuliert, gemeckert und teilweise aggressiv auf die Unparteiischen eingeredet. Und anschließend wird sich darüber beschwert, dass der Schiedsrichter nicht den nötigen Respekt entgegenbringt.

Wie soll das funktionieren?

Auch Schiedsrichter sind Menschen. Sie müssen innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen, die von Tausenden Zuschauern, Spielern, Trainern und anschließend auch noch von Experten und Medien bewertet werden. Und trotzdem wird von ihnen erwartet, dass sie jede Kritik stoisch hinnehmen.

Vielleicht sollte man sich deshalb einmal selbst fragen: Wie lange würde man sich diesen Umgang gefallen lassen?

Die Aussage „Wir sind nicht beim Militär“ mag zugespitzt sein. Aber bevor man Respekt von Schiedsrichtern fordert, sollte man ihn ihnen auch selbst entgegenbringen. Respekt ist keine Einbahnstraße.

Vielleicht wäre es deshalb tatsächlich einmal interessant, wenn die Schiedsrichter für vier Wochen streiken würden. Nicht als Drohung, sondern als Gedankenexperiment. Denn spätestens dann würde vermutlich jeder merken, wie wichtig diese Menschen für den Fußball sind.

Ohne Schiedsrichter geht es nicht.

Natürlich darf man Entscheidungen kritisieren. Natürlich darf man anderer Meinung sein. Aber zwischen Kritik und ständigem Angehen gibt es einen gewaltigen Unterschied.

Der Fußball braucht Emotionen. Er braucht Leidenschaft. Er braucht Diskussionen.

Was er aber nicht braucht, ist eine Kultur, in der es mittlerweile fast selbstverständlich geworden ist, dass sich mehrere Spieler nach jeder Entscheidung um den Schiedsrichter versammeln und auf ihn einreden.

Also vielleicht einfach mal einen Gang zurückschalten.

Respektiert die Schiedsrichter. Akzeptiert auch einmal eine Entscheidung. Und wenn ihr tatsächlich glaubt, dass ihr es besser könnt: Dann pfeift eure Spiele doch selbst. 🫣🤫

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Berthold Schmitz

    Genau das habe ich schon zig mal geschrieben, aber keiner nimmt mal ein Gegenangriff an. Es wird nur geschrieben und immer wieder diskutiert, und die Zeitlupen Gucker und Besserwisser sind meistens die gleichen. Ich kann nicht verstehen, warum der DFB mit seinem Schiedsrichter Ausschuss, das endlich mal massiv thematisiert, damit endlich Respekt und Wertschätzung gezeigt wird. Ich bin seit 1974 bis heute aktiver Schiedsrichter und habe alle Zeiten erlebt, auch als Funktionär.
    Was sich wieder am Wochenende in Mannheim abgespielt hatte, ist ohne wenn und aber asozial.
    Warum nicht endlich Spiele abgebrochen werden, und ein Block ausgeräumt wird, ist mir unerklärlich. Wie kommt due Pyrotechnik in das Stadion, während der Woche ?? Warum ist das stadin während der woch nicht verschlossen und nicht bewacht ?? Ausreden wie, das ist nicht so einfach, kann man nicht mehr lesen oder hören. Es muss endlich etwas passieren, weil es um die Sicherheit und Ordnung geht, und weil die Gesellschaft sich negativ verändert hat. Und die Medien geben auch ihren negativen Teil dazu, nämlich durch die schreienden Kommentatoren und für mich die dauernden Zeitlupen und Wiederholungen, und dasTage und Wochenlang. Es geht nur noch um Geld , Macht, Show und Kriminalität. Schade.

  2. Frank Pfeifer

    Lieber Berthold,
    Du spricht mir komplett aus dem Herzen. Ich hatte die gleichen Gedankengang wie Du, als ich diese seltsame Pressekonferenz gehört habe. Diese Trainer stellen sich vor die Schiedsrichter, schreien sie an und sind zutiefst beleidigt, wenn dieser im gleichen Tonfall mal zurück schnauzt. Ich war bis März 26 ebenfalls Schiedsrichter und habe nach 45 Jahren die Pfeife an den Nagel gehängt. Einer der Gründe, waren auch solche Trainer. Ich wollte mir das nicht mehr antun.
    Wie wäre es denn, wenn ein Bundesligaschiri solchen Trainer mal den Spiegel vorhält, indem er sie lautstark kritisiert, wenn sie einen Spieler auswechseln, der bis dahin hervorragend gespielt hat. Man stelle sich das mal vor.
    Warum das Spiel in Mannheim vom Kameraden Schröder nicht abgebrochen wurde, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Was muss denn noch alles passieren, bis einer der Eliteschiris endlich mal den Mut hat und den Verantwortlichen sagt: „So, das war‘s. Hier ist für heute Schluss.“ Ohne dabei vielleicht an seine Karriere zu denken. Das kann doch so nicht weitergehen. Wie gesagt, Berthold, ich bin zu 100% bei Dir wenn Du sagst, dass es höchste Zeit wird und die Schiedsrichter endlich anfangen sollen, sich zu wehren. In keiner anderen Mannschaftssportart wagen es Trainer so respektlos mit den Schiedsrichtern umzugehen, wie im Fußball. Warum? Weil das dort hart bestraft wird, wenn sie es tun. So fliegt ein Handballtrainer bei so einem Verhalten sofort aus der Halle. Schickt die Fußballtrainer schneller auf die Tribüne und zieht das ein paar Wochen durch, bis sie es verstanden haben. Von den Spielern will ich erst garnicht anfangen.

    1. Dieter Albrecht

      Ich gehöre nicht zu jenen Personen, die immer sagen: Früher war alles besser. Zu meiner aktiven Zeit, bis in die achtziger Jahre, wurde der Schiedsrichter von den Trainern noch mit größerem Respekt behandelt. Aber das ist ein grundlegendes Problem unserer heutigen Gesellschaft. Der Fußball ist das typische Spiegelbild zur Frustbewältigung.
      Zum konkreten Fall in Mannheim kann ich mich nicht äußern, weil ich dieses Spiel nicht am Fernseher verfolgt habe. Ich gebe aber mit den Herren Schmitz und Pfeifer grundsätzlich konform. Gerade ein höherklassiger Schiedsrichter müsste mit einem erforderlichen Spielabbruch ein Vorbild für alle sein.
      Hier ist auch der DFB mit seinen Instanzen gefordert. Der eine oder andere Trainer sollte als Wiederholungstäter – davon gibt es einige – mit einer längeren Sperre aus dem Verkehr gezogen werden. Das würde bis in den unteren Bereich Wirkung zeigen. Wir dürfen uns nicht wundern, dass viele Jungschiedsrichter nach kurzer Zeit aufhören, weil sie diese Anfeindungen nicht ertragen können.

  3. Hugo

    Genau in diesen Zusammenhang passt ja auch der altbekannte Spruch :“Das sind Emotionen. Die gehören zum Fußball dazu“
    Emotionen ja, aber nicht in einem respektlosen und herabsetzenden Ton gegenüber den Schiedsrichtern. Und das gilt insbesondere für den Umgang mit jungen Schiedsrichtern.

  4. Gregor Trezie

    Vor dem U21-Spiel zwischen Italien und Polen betrat Florian Badstübner betrat die Kabine und schrie Spieler sowie Betreuer an; der Unparteiische verhielt sich äußerst aggressiv und begegnete den Polen respektlos, was bereits vor dem Gang auf das Spielfeld für eine nervöse Atmosphäre sorgte. Darf sich ein Schiedsrichter so verhalten?

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.