Mehr über den Artikel erfahren Recht sportlich: Wenn die rote Karte vor Gericht landet
Schiedsrichter und Rechtsexperten: Dr. Robin Braun und Jan F. Orth laden zum Vortrag

Recht sportlich: Wenn die rote Karte vor Gericht landet

Rote Karte, Strafbefehl, Schadensersatz – was hat das alles mit Fußball zu tun? Mehr, als man zunächst denkt. Bei der nächsten #RechtSo-Veranstaltung treffen Bundesliga-Schiedsrichter Robin Braun und Sportrechtsexperte Jan F. Orth aufeinander und zeigen, wann aus einer Entscheidung auf dem Fußballplatz plötzlich ein Fall für die Justiz wird.

Was haben eine rote Karte, ein Strafbefehl und Schadensersatz miteinander zu tun? Dieser Frage widmet sich am Dienstag, 22. September, die nächste Veranstaltung der Reihe #RechtSo von Justiz und Westdeutscher Zeitung. Unter dem Titel „Recht sportlich – Rote Karte – Strafbefehl – Schadensersatz“ treffen dabei zwei Welten aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: der Fußballplatz und der Gerichtssaal.

Mit Bundesliga-Schiedsrichter Robin Braun und Sportrechtsexperte Jan Orth stehen zwei Referenten auf dem Podium, die beide Seiten bestens kennen. Braun ist nicht nur seit Jahren als Schiedsrichter im Profifußball aktiv, sondern arbeitet zudem als Rechtsanwalt in einer Wuppertaler Kanzlei. Orth ist Vorsitzender Richter und Pressesprecher am Landgericht Köln und lehrt an mehreren Hochschulen Sportrecht.

Entscheidungen im Chaos

Den Auftakt macht Robin Braun. Unter dem Titel „Entscheidungen im Chaos“ nimmt der Bundesliga-Schiedsrichter die Besucher mit in seine Welt auf dem Spielfeld.

Wie gelingt es, innerhalb weniger Sekunden eine Entscheidung zu treffen? Welche Rolle spielen Wahrnehmung, Kommunikation und Erfahrung? Und wie viel Orientierung gibt das Regelwerk in Situationen, in denen alles gleichzeitig passiert?

Fragen, die Schiedsrichter aus ihrer täglichen Praxis kennen – und die für Außenstehende einen spannenden Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Gerade im Fußball müssen Entscheidungen häufig unter enormem Zeitdruck getroffen werden. Ein Pfiff, eine Verwarnung oder ein Feldverweis kann innerhalb weniger Sekunden über die weitere Entwicklung eines Spiels entscheiden. Braun will dabei nicht nur die Entscheidungen selbst beleuchten, sondern auch die Rahmenbedingungen, unter denen sie zustande kommen.

Was hat die Justiz mit Fußball zu tun?

Im Anschluss wechselt die Perspektive vom Spielfeld in den Gerichtssaal. Sportrechtsexperte Jan Orth beschäftigt sich mit der Frage: „Was hat die Justiz mit Fußball zu tun?“

Dabei geht es unter anderem um die unterschiedlichen Formen der Gerichtsbarkeit. Was unterscheidet Sportgerichtsbarkeit, Schiedsgerichtsbarkeit und ordentliche Gerichtsbarkeit? Und wann endet ein sportlicher Vorgang dort, wo auch die Justiz genauer hinschaut?

Besonders interessant dürfte die Frage werden, wann ein Foul nicht mehr ausschließlich eine sportliche Konsequenz hat. Kann ein Foul eine vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung darstellen? Und wann kann daraus möglicherweise sogar eine Schadensersatzpflicht entstehen?

Damit wird ein Bereich angesprochen, der auch für Schiedsrichter zunehmend relevant ist: Nicht jede Handlung auf dem Fußballplatz bleibt zwangsläufig innerhalb der Grenzen des Sportrechts.

Fragen aus dem Publikum

Nach den beiden Vorträgen besteht die Möglichkeit zum offenen Austausch. In einer moderierten Fragerunde können die Besucher ihre Fragen direkt an die beiden Referenten richten.

Moderiert wird die Runde von Olaf Kupfer, dem stellvertretenden Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung.

Die Veranstaltung gehört zur Reihe #RechtSo, die von der Westdeutschen Zeitung gemeinsam mit Amts-, Land- und Arbeitsgericht, Staatsanwaltschaft, Anwaltverein, den Notaren des Landgerichtsbezirks und der Bergischen Industrie- und Handelskammer veranstaltet wird. Ziel der Reihe ist es, rechtliche Themen verständlich und lebensnah zu vermitteln.

Termin und Anmeldung

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 22. September, ab 19 Uhr im Foyer des Justizzentrums, Eiland 2, statt und dauert rund zwei Stunden.

Die Teilnahme ist kostenlos. Aufgrund der begrenzten Plätze ist jedoch eine Anmeldung erforderlich.

Zur Anmeldung bei der Westdeutschen Zeitung

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Nach der Roten Karte eskaliert die Situation.

Rote Karte, dann Gewalt: Schiedsrichter zu Boden geworfen

Eine Rote Karte darf niemals so enden. Beim Kreisliga-Spiel zwischen dem Siegener SC und dem SV Setzen II attackierte ein Spieler nach seinem Feldverweis den Schiedsrichter, warf ihn zu Boden und verletzte ihn leicht. Die Partie wurde daraufhin abgebrochen.

Rote Karte – und dann eskaliert alles

Siegen-Wittgenstein Ein Schiedsrichter wird attackiert, zu Boden geworfen und leicht verletzt. Das Spiel ist abgebrochen. Wieder einmal zeigt sich, wie schnell eine sportliche Entscheidung in Gewalt umschlagen kann.

Es läuft die Nachspielzeit beim Kreisliga-Spiel zwischen dem Siegener SC und dem SV Setzen II. Der SV Setzen führt 4:3. Dann zeigt der Schiedsrichter einem Spieler des Siegener SC die Rote Karte.

Was anschließend passiert, hat mit Fußball nichts mehr zu tun.

Der 22-Jährige geht auf den Unparteiischen los, packt ihn an der Hüfte, hebt ihn hoch und wirft ihn mit dem Rücken voran zu Boden. Der Schiedsrichter wird dabei leicht verletzt. Für ihn ist die Partie damit beendet – das Spiel wird abgebrochen.

Der Unparteiische erstattet anschließend Anzeige. Die Polizei ermittelt.

Eine Rote Karte ist niemals eine Rechtfertigung

Natürlich dürfen Entscheidungen des Schiedsrichters kritisiert werden. Natürlich kann man sich über eine Rote Karte ärgern. Und selbstverständlich kann auch ein Schiedsrichter einmal falsch liegen.

Aber nichts davon rechtfertigt Gewalt.

Gar nichts.

Ein Schiedsrichter steht auf dem Platz, um ein Fußballspiel zu leiten. Er ist kein Gegner, kein Feind und schon gar kein Freiwild.

Und genau deshalb ist dieser Vorfall mehr als nur ein weiterer Spielabbruch in einer unteren Spielklasse. Er ist ein weiterer Warnschuss für den Amateurfußball.

Denn hinter jeder Roten Karte steht am Ende ein Mensch. Einer, der am nächsten Wochenende wieder auf einem Platz stehen soll. Einer, der seine Freizeit für den Fußball investiert. Einer, der dafür sorgt, dass überhaupt gespielt werden kann.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir ein Problem haben

Wir haben es.

Angriffe auf Schiedsrichter sind keine „Emotionen“, keine „Ausraster“ und schon gar keine normale Begleiterscheinung des Fußballs.

Sie sind Gewalt.

Und wenn ein Spieler einen Schiedsrichter hochheben und zu Boden werfen kann, nur weil ihm eine Entscheidung nicht gefällt, dann muss die Antwort des Fußballs eindeutig sein.

Null Toleranz.

Sportgericht und Strafverfolgungsbehörden werden den Fall nun bewerten. Am Ende müssen Konsequenzen folgen, die deutlich machen: Wer einen Schiedsrichter angreift, überschreitet eine Grenze.

Denn sonst müssen wir uns irgendwann die vielleicht unbequemste Frage stellen:

Wer soll am nächsten Wochenende noch pfeifen, wenn das die Konsequenz einer Roten Karte sein kann?

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