Beim 1:0-Erfolg von Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln sorgte eine Szene in der 39. Minute für Diskussionen. Nach einem Armeinsatz gegen Luka Lochoshvili sah Frankfurts Lilian Brassier die Gelbe Karte. Wenig später leistete er sich jedoch eine weitere Unsportlichkeit, die einen Gelb-Roten Platzverweis hätte nach sich ziehen können. Die Fernsehbilder zeigen allerdings auch, weshalb Schiedsrichter Benjamin Brand das zweite Vergehen offenbar nicht vollständig wahrnehmen konnte.
Erste Verwarnung nach klarem Armeinsatz

In der 39. Minute kam es zwischen Frankfurts Lilian Brassier und Kölns Luka Lochoshvili zu einem Luftzweikampf. Dabei setzte Brassier seinen Arm ein und traf seinen Gegenspieler im Bereich des Gesichts beziehungsweise Halses.
Der Armeinsatz war in den Fernsehbildern deutlich zu erkennen und wurde auch vom Schiedsrichterteam wahrgenommen. Benjamin Brand entschied auf Foulspiel und zeigte dem Frankfurter die Gelbe Karte.
Eine nachvollziehbare Entscheidung, auch wenn sich die genaue Intensität des Kontakts anhand der Bilder nicht vollständig beurteilen lässt. Der Armeinsatz war jedenfalls ausreichend, um eine Verwarnung zu rechtfertigen.
Zweite Aktion im Strafraum – anschließend das Nachschubsen

Bei der anschließenden Freistoßflanke kam es im dicht besetzten Strafraum erneut zu einem Zweikampf zwischen Brassier und Lochoshvili. Im Kampf um den Ball setzte der Frankfurter abermals seinen Arm ein, woraufhin der Kölner zu Boden ging.
Die Aktion ereignete sich noch während des laufenden Spiels im Strafraum. Erst danach wurde der Ball ins Seitenaus geschlagen.
Während Benjamin Brand mit seinem Blick dem Ball folgte, ging Brassier erneut auf den noch am Boden liegenden Lochoshvili zu und schubste ihn in den Rücken. Diese nachfolgende Aktion war vom eigentlichen Zweikampf unabhängig und erfolgte bei bereits unterbrochenem Spiel.
Für die regeltechnische Bewertung müssen beide Aktionen getrennt betrachtet werden: Der erneute Armeinsatz im Strafraum erfolgte während des laufenden Spiels und müsste hinsichtlich eines möglichen Foulspiels beurteilt werden. Das anschließende bewusste Nachschubsen gegen den bereits am Boden liegenden Lochoshvili ereignete sich dagegen bei ruhendem Ball.
Für diese Unsportlichkeit wäre aus unserer Sicht eine zweite Gelbe Karte und damit Gelb-Rot die konsequente Entscheidung gewesen.
Warum Benjamin Brand auf die zweite Verwarnung verzichtete

Warum Benjamin Brand auf die zweite Verwarnung verzichtete
Die Fernsehbilder zeigen, dass Benjamin Brand zunächst dem Ball folgte, der ins Seitenaus geschlagen wurde. Als Brassier anschließend den am Boden liegenden Lochoshvili schubste, war der Blick des Schiedsrichters nicht unmittelbar auf die beiden Spieler gerichtet.
Brand nahm die anschließende Situation jedoch offenbar zumindest aus dem Augenwinkel wahr und reagierte auf die aufkommenden Proteste der Kölner Spieler.
Es ist deshalb durchaus denkbar, dass der Unparteiische die Aktion zwar bemerkte, den entscheidenden Stoß aber nicht in seiner vollen Deutlichkeit erkannte oder dessen Intensität anders einschätzte.
Die Fernsehbilder zeigen aus unserer Sicht eine Unsportlichkeit, die eine zweite Verwarnung gerechtfertigt hätte. Ob Brand den entscheidenden Kontakt vollständig wahrnahm oder lediglich die anschließende Auseinandersetzung registrierte, lässt sich nicht abschließend beurteilen.
Positiv bleibt, dass Brand die aufgebrachten Spieler anschließend beruhigte und eine weitere Eskalation verhinderte. Allerdings ändert die gelungene Deeskalation nichts an unserer regeltechnischen Bewertung: Für das bewusste Nachschubsen wäre Gelb-Rot die konsequente Entscheidung gewesen.
Viel Fingerspitzengefühl in einer aufgeheizten Situation

Bemerkenswert war anschließend, wie Benjamin Brand mit den Emotionen auf dem Spielfeld umging.
Die Kölner Spieler reagierten verständlicherweise aufgebracht. Brassier war bereits verwarnt, und nach der erneuten Aktion stand ein möglicher Platzverweis im Raum.
Brand bewahrte jedoch die Ruhe, sprach mit den beteiligten Spielern und versuchte, die Situation zu entschärfen. Das gelang ihm auch. Die Emotionen legten sich und die Begegnung konnte ohne weitere Eskalation fortgesetzt werden.
Das spricht durchaus für das Fingerspitzengefühl und die kommunikative Stärke des Unparteiischen.
Allerdings darf eine erfolgreiche Deeskalation nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein verwarnungswürdiges Vergehen grundsätzlich auch entsprechend geahndet werden muss.
Im vorliegenden Fall ist jedoch zu berücksichtigen, dass Brand den entscheidenden Stoß offenbar nicht vollständig wahrgenommen hatte. Ihm deshalb zu unterstellen, er habe bewusst auf eine notwendige zweite Verwarnung verzichtet, wäre nicht gerechtfertigt.
Unser Fazit: Gelb-Rot wäre konsequent gewesen – Brand reagierte mit Fingerspitzengefühl
Benjamin Brand lag mit der ersten Verwarnung gegen Lilian Brassier richtig. Der Armeinsatz gegen Luka Lochoshvili war deutlich erkennbar und rechtfertigte die Gelbe Karte.
Die anschließende Situation muss differenzierter betrachtet werden. Während der Freistoßflanke kam es zunächst zu einem weiteren Armeinsatz im Strafraum. Nachdem der Ball ins Aus gegangen war, schubste Brassier den noch am Boden liegenden Kölner erneut. Gerade diese letzte Aktion war aus unserer Sicht eine klare Unsportlichkeit, die eine zweite Verwarnung und damit Gelb-Rot gerechtfertigt hätte.
Allerdings zeigen die Fernsehbilder auch, dass Benjamin Brand dem Ball folgte und seinen Blick zunächst nicht auf die beiden Spieler gerichtet hatte. Ob er den anschließenden Stoß vollständig wahrnahm oder die Situation lediglich aus dem Augenwinkel registrierte, bleibt offen. Ebenso ist denkbar, dass er die Intensität des Kontakts anders einschätzte.
Deshalb wäre es falsch, dem Unparteiischen eine bewusst unterlassene Verwarnung zu unterstellen. Die regeltechnische Bewertung der Szene bleibt davon jedoch unberührt.
Positiv hervorzuheben ist Brands anschließendes Auftreten. Er bewahrte in einer emotionalen Situation die Ruhe, beruhigte die aufgebrachten Spieler und verhinderte eine weitere Eskalation.
Unsere Bewertung: Für das Nachschubsen wäre Gelb-Rot die konsequentere Entscheidung gewesen. Ob Brand den entscheidenden Kontakt vollständig erkennen konnte, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Sein anschließendes Konfliktmanagement war dagegen überzeugend.
Die Szene verdeutlicht, dass bei der Bewertung einer Schiedsrichterleistung nicht nur das Ergebnis einer Entscheidung zählt, sondern auch die Wahrnehmungsmöglichkeiten auf dem Spielfeld berücksichtigt werden müssen.
