Die FIFA und das IFAB planen, die neue Abseitsregel ab der Saison 2026/27 einzuführen.
Die FIFA und das IFAB diskutieren derzeit intensiv eine bedeutende Änderung der Abseitsregel, die als „Wenger Law“ bekannt ist. Diese könnte tatsächlich ab der Saison 2026/27 eingeführt werden – allerdings ist sie noch nicht endgültig beschlossen.
Was genau ist die geplante neue Regel?
Der Vorschlag stammt von Arsène Wenger (ehemaliger Arsenal-Trainer und aktueller FIFA-Chef für globale Fußballentwicklung). Er lautet:
- Ein Angreifer ist nur dann abseits, wenn sein gesamter Körper (bzw. alle spielrelevanten Körperteile) klar vor dem vorletzten Verteidiger liegt.
- Solange auch nur ein Teil des Körpers (z. B. ein Fuß oder der Torso), mit dem ein Tor erzielt werden kann, auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Verteidiger ist, gilt der Spieler als onside.
Das würde die aktuellen Millimeter-Entscheidungen per VAR weitgehend eliminieren bzw. verschieben und dem Angreifer mehr Vorteile geben.
Warum könnte sie im Amateurfußball oder unteren Ligen problematisch sein?
Aktuelle Regel: Ein Spieler ist abseits, wenn irgendein spielrelevanter Körperteil (z. B. Fuß, Kopf, Torso) vor dem vorletzten Verteidiger liegt. Der Schiedsrichterassistent (Linienrichter) muss prüfen: „Ist etwas vorne?“ Das ist in Echtzeit relativ gut machbar, weil man auf den vordersten Punkt achtet.
Neue Regel: Abseits nur, wenn der gesamte Körper (alle spielrelevanten Teile) klar vor dem vorletzten Verteidiger ist. Solange auch nur ein Teil (z. B. der hintere Fuß) auf Höhe oder dahinter ist, ist der Angreifer onside.
Das klingt einfacher („daylight rule“ – es braucht „Tageslicht“ zwischen Angreifer und Verteidiger), ist aber in der Praxis schwerer live zu beurteilen:
- Der Assistent muss nun den hintersten Punkt des Angreifers finden und mit dem Verteidiger vergleichen.
- Bei schnellen Läufen, Überlappungen oder aus ungünstigen Winkeln ist es optisch oft täuschend: Was aus der Ferne „komplett vorne“ aussieht, kann durch einen zurückhängenden Fuß onside sein – und umgekehrt.
- Viele Experten und Schiedsrichter (z. B. in Reddit-Diskussionen von Referees oder ehemaligen Profis) sagen: Die neue Regel wäre ein „Albtraum“ ohne VAR oder semi-automatische Technik, weil Fehlentscheidungen zunehmen würden.
Besonders im Amateurfußball
- In den meisten Amateurligen (Kreisklasse bis hin zu vielen Landesligen) gibt es keine professionellen Assistenten – oft übernehmen Spieler, Trainer oder Zuschauer die Fahne, die wenig geschult sind.
- Manche Spiele haben gar keine Linienrichter (nur ein Einzelschiedsrichter).
- Kein VAR: Millimeter-Entscheidungen gibt’s nicht mehr, aber stattdessen mehr subjektive Einschätzungen, die zu Streit, Frust und Unterbrechungen führen könnten.
- Tests liefen bisher hauptsächlich in Jugendwettbewerben mit besserer Infrastruktur (z. B. Schweden, Italien, Niederlande) – nicht im echten Amateuralltag.
Was sagen Befürworter?
Einige argumentieren, dass die Regel trotzdem einfacher wird, weil klare Abseitsstellungen („ganzer Körper vorne“) seltener werden und der Vorteil klar beim Angreifer liegt – also weniger Flaggen insgesamt und mehr Spielfluss. Wenger selbst betont, dass sie den „Geist des Spiels“ wiederherstellt: Zweifel sollen dem Angreifer zugutekommen, wie vor der VAR-Ära.
Claus Plachetka, Pressesprecher beim SV Brake und selbst Schiedsrichter:
„Gefühlt kann man im Amateurbereich die Abseitsregel dann auch gleich abschaffen. Ohne Assistenten kann man doch kaum erkennen, wie weit der Stürmer effektiv vom Verteidiger weg ist. Im Zweifel gibt es jedes Mal dann keinen Pfiff. Die Kollegen im IFAB sollten mal darüber nachdenken, dass der Fußball nicht nur aus VAR unterstützten beruflichen Spielen besteht sondern die Mehrzahl der Kicker und Schiedsrichter Woche für Woche als Amateure unterwegs sind.“
Er hat absolut recht – das ist einer der stärksten und berechtigtesten Kritikpunkte an der geplanten Wenger-Regel, und du sprichst vielen Amateurkickern und Schiedsrichtern aus der Seele. Im Amateurbereich (von der Kreisklasse bis runter zu den Hobby-Ligen) würde die Regel tatsächlich oft wie eine halbe Abschaffung des Abseits wirken:
- Ohne geschulte Assistenten (oft nur ein neutraler Zuschauer oder gar keiner) und ohne VAR ist es in Echtzeit extrem schwer, zu erkennen, ob wirklich der gesamte Körper des Stürmers vor dem Verteidiger ist.
- Der Assistent (falls vorhanden) müsste nun den hintersten relevanten Punkt des Angreifers fixieren – das ist aus der Distanz und bei Tempo oft optisch täuschend.
- Im Zweifel würde man nicht pfeifen, weil der Vorteil klar beim Angreifer liegt und niemand riskieren will, ein Tor fälschlich abzuerkennen. Ergebnis: Viele Situationen, die früher Abseits waren, würden durchgewunken – und das führt zu Frust bei den Verteidigern, Diskussionen und manchmal chaotischen Spielen.
Viele Schiedsrichter aus dem Amateur- und Semiprofi-Bereich sehen genau das als Problem: Die Regel ist primär für den Profifußball mit Technik optimiert, um Millimeter-Drama zu vermeiden und mehr Tore zu erzeugen. Aber die Mehrheit der weltweiten Spiele findet eben ohne VAR, ohne perfekte Kameras und ohne hauptamtliche Linienrichter statt.
Das IFAB ist sich dessen bewusst – sie betonen immer wieder, dass Regeln universell gelten müssen und den gesamten Fußball (von der WM bis zum Dorfplatz) berücksichtigen sollen. Aber in der aktuellen Debatte (Stand Anfang 2026) dreht sich fast alles um den Profibereich: Mehr Attraktivität, mehr Tore, weniger VAR-Unterbrechungen. Die Tests laufen bisher vor allem in Jugendwettbewerben mit besserer Infrastruktur (Schweden, Italien, Niederlande), nicht im echten Amateuralltag.
Ich teile seine Skepsis: Der Fußball lebt vom Basisbereich, und da könnte die Regel mehr Chaos als Freude bringen. Lass uns hoffen, dass die Herren im IFAB mal ein Wochenende in der Kreisliga pfeifen, bevor sie entscheiden…
Ob das IFAB das bei der Sitzung am 20. Januar in London und der Abstimmung im Februar wirklich stark gewichtet, bleibt abzuwarten. Es gibt Stimmen (z. B. von ehemaligen Schiris wie Manuel Gräfe), die hoffen, dass der Amateuraspekt die Bremse zieht – oder dass man zumindest eine schrittweise Einführung nur in Ligen mit VAR plant.
Fazit: Viele Beobachter (einschließlich Schiedsrichter-Foren und Medienberichten) sehen genau hier den Haken: Die Regel ist primär für den Profibereich mit VAR/Technik gedacht, um Millimeter-Drama zu vermeiden. Im Amateurfußball ohne diese Hilfsmittel könnte sie zu mehr Fehlern, Diskussionen und Ungerechtigkeit führen. Ob das IFAB das berücksichtigt und vielleicht Ausnahmen oder eine schrittweise Einführung plant, wird sich bei den nächsten Sitzungen (Januar/Februar 2026) zeigen.

Seit der Schmierlappen Infantino die FIFA führt, wird der Fußball verkauft und kaputt gemolken. Dass da noch ehemalige Spitzenleute wie Wenger und andere ihren Mist dazu geben, gibt dem ganzen Brei noch eine spezielle negative Note. Die IFAB beugt sich immer mehr dem Geld-Druck. Und was haben die Menschen über Herrn Blatter geschimpft. Dieser war ja ein Humanist; betonte dieser wenigstens immer wieder, dass der Fußball weltweit mit den gleichen Regeln gespielt werden soll. Man muss ihm Jahre später voll zustimmen. Aber es läuft schon lange ganz anders.
„Mein“ Fußball ist das nicht mehr. Ich sehe kaum noch ein Spiel live im Fernsehen sondern beschränke mich auf die kurzen Zusammenfassungen in der Mediathek bzw. den Endergebnissen im Videotext.
Zitat von Claus Plachetka…. Vom SV Brake…
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