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Mitspieler dürfen Fehler machen – Schiedsrichter offenbar nicht

Mitspieler dürfen Fehler machen. Trainer dürfen irren. Torhüter dürfen patzen. Nur der Schiedsrichter soll offenbar unfehlbar sein. Ein Kommentar.

Nach Beispielen muss man nicht lange suchen. Quer durch die Sportarten, vom Profisport bis zur Kreisklasse, zieht sich ein Phänomen, das längst zur unschönen Begleiterscheinung des Sports geworden ist: die Schiedsrichter-Schelte.

Ob Fußball-Trainer José Mourinho, Eispiraten-Coach Jussi Tuores oder Handball-Nationaltorhüter Andreas Wolff – immer wieder geraten Unparteiische ins Visier, wenn Entscheidungen nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Mal ist es ein lautstarker Protest, mal ein verbaler Ausfall, mal schlicht die öffentliche Abrechnung mit der Leistung des Schiedsrichters.

Auch der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im Kreisverband Erzgebirge beklagte in einem Brandbrief zunehmende Verbalattacken gegen Unparteiische. Das sollte zu denken geben.

Denn im Umgang mit Fehlern zeigt der Sport eine bemerkenswerte Schieflage. Die eigenen Spieler genießen einen Vertrauensvorschuss, der den Schiedsrichtern häufig verwehrt bleibt. Wer im eigenen Trikot einen rabenschwarzen Tag erwischt, bekommt Zuspruch, wird von Mitspielern aufgerichtet und vom Trainer öffentlich in Schutz genommen. Fehler werden als Teil des Spiels akzeptiert.

Beim Schiedsrichter scheint dieser Grundsatz dagegen plötzlich nicht mehr zu gelten.

Eine Fehlentscheidung – und aus dem Unparteiischen wird schnell der Schuldige. Derjenige, der angeblich das Spiel nicht im Griff hat, die Regeln nicht kennt oder mit seiner Entscheidung sogar den Ausgang einer Partie „entscheidet“. Dahinter steckt nicht selten die unausgesprochene Erwartung, dass Schiedsrichter möglichst fehlerfrei zu funktionieren haben.

Eine absurde Forderung. Denn Schiedsrichter sind Menschen. Sie sehen eine Situation aus einer bestimmten Perspektive, müssen innerhalb von Sekunden entscheiden und können – wie Spieler, Trainer und Torhüter auch – Fehler machen.

Der entscheidende Unterschied: Ein Spieler kann nach einem schlechten Auftritt ausgewechselt werden. Ein Trainer kann seine Entscheidung korrigieren. Der Schiedsrichter muss weitermachen. Neunzig Minuten, sechzig Minuten oder länger – unabhängig davon, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war und unabhängig davon, wie viel Kritik von außen auf ihn einprasselt.

Und noch etwas wird gerne vergessen: Schiedsrichter übernehmen eine Aufgabe, die überhaupt erst deshalb notwendig ist, weil wir uns im sportlichen Wettkampf eben nicht immer selbst einigen können. Sie sorgen dafür, dass Regeln für alle gelten und ein Spiel überhaupt stattfinden kann.

Das bedeutet nicht, dass Schiedsrichter über Kritik erhaben sind. Entscheidungen dürfen hinterfragt, Leistungen analysiert und Fehler benannt werden. Genau wie bei Spielern und Trainern gehört das zum Sport.

Aber zwischen sachlicher Kritik und persönlicher Herabwürdigung liegt ein entscheidender Unterschied.

Wer von seinen eigenen Spielern Verständnis für Fehler verlangt, sollte dieses Verständnis auch den Unparteiischen entgegenbringen. Wer Respekt für die eigene Mannschaft einfordert, sollte ihn auch denjenigen entgegenbringen, die dafür sorgen, dass beide Mannschaften überhaupt gegeneinander antreten können.

Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, die Perspektive zu wechseln: Nicht jede falsche Entscheidung ist ein Skandal. Nicht jeder Fehler braucht einen Schuldigen. Und nicht jeder Unparteiische, der danebenliegt, ist deshalb ein schlechter Schiedsrichter.

Der Sport lebt davon, dass Menschen Fehler machen dürfen. Das sollte auch für diejenigen gelten, die auf dem Platz oder in der Halle dafür verantwortlich sind, dass alle anderen spielen können.

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