Der Kunstrasenplatz am Niederfeld sorgt weiter für Fragen
Wiesbaden. Erst die Risse im Kunstrasen, dann eine kurzfristige Reparatur, anschließend die Freigabe für den Spielbetrieb – und wenige Tage später eine schwere Verletzung. Der Sportplatz am Niederfeld steht damit erneut im Mittelpunkt. Im Raum steht vor allem eine Frage: War der Platz tatsächlich wieder sicher genug für den Spielbetrieb?
Die Vorgeschichte beginnt Mitte August. Beim Verbandsliga-Derby zwischen dem Türkischen SV Wiesbaden und Biebrich 02 verweigerte der Schiedsrichter den Anpfiff. Mehrere Risse im Kunstrasen stellten aus seiner Sicht eine Gefahr für die Spieler dar. Das Spiel musste abgesagt werden.
Die Stadt reagierte und ließ die beschädigten Stellen kurzfristig reparieren. Am 21. August war die Arbeit abgeschlossen. Die Vereine erhielten anschließend wieder grünes Licht für die Nutzung des Platzes.
Doch nur wenige Tage später kam es zum nächsten Zwischenfall.
Im C-Liga-Spiel zwischen dem FC Freudenberg II und dem VfB Westend II verletzte sich Westend-Torwart Mathias Heller beim Herauslaufen schwer am Knöchel. Heller erlitt eine Fraktur und musste operiert werden. Nach Darstellung von Westend-Trainer Robin Tresbach soll die Verletzung mit einer beschädigten Stelle im Kunstrasen zusammenhängen. Ob tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist bislang allerdings nicht abschließend geklärt.
Die Stadt sieht keinen Grund für eine Sperrung
Beim Wiesbadener Sportamt ist man über die schwere Verletzung betroffen. Dennis Jantz, für das Sportstätten-Management zuständig, verweist jedoch darauf, dass der Platz nach den Reparaturen mehrfach kontrolliert worden sei.
Städtische Mitarbeiter hätten den Kunstrasen täglich abgelaufen. Offensichtliche Gefahrenstellen seien dabei nicht festgestellt worden. Eine erneute Sperrung des Platzes hält das Sportamt deshalb derzeit nicht für erforderlich. Gleichzeitig räumt Jantz ein, dass der Zustand des Platzes alles andere als optimal sei. Der Kunstrasen gleiche inzwischen einem „Flickenteppich“. Klar sei deshalb auch: Eine neue Spielfelddecke wird benötigt.
Genau hier liegt das eigentliche Problem.
Denn wenn ein Platz bereits vor einem Spiel wegen erheblicher Schäden als gefährlich eingestuft wird, anschließend repariert und wieder freigegeben wird und wenige Tage später ein Spieler auf diesem Platz schwer verunglückt, bleiben Fragen zwangsläufig offen.
Wer entscheidet, wann ein Platz sicher ist?
Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Schiedsrichter zu. Vor jedem Spiel wird der Platz kontrolliert. Auch am Niederfeld wurde nach der Reparatur bei einer weiteren Begegnung keine offensichtliche Gefahr festgestellt. Das Spiel wurde angepfiffen. Der Wiesbadener Schiedsrichter-Obmann Ingmar Schnurr bezeichnet die Platzkontrolle als elementaren Bestandteil der Spielvorbereitung. Gleichzeitig warnt er davor, im Nachhinein vorschnell Schuldzuweisungen vorzunehmen.
Damit treffen mehrere Verantwortungsbereiche aufeinander: Die Stadt ist für die Sportstätte zuständig, die Vereine müssen den Platz nutzen können, und der Schiedsrichter entscheidet unmittelbar vor dem Spiel, ob die Bedingungen aus seiner Sicht eine Austragung zulassen.
Für die Vereine ist eine dauerhafte Sperrung allerdings ebenfalls keine einfache Lösung. Der FC Freudenberg nutzt die Anlage mit zahlreichen Mannschaften. Eine Sperrung würde den gesamten Trainings- und Spielbetrieb erheblich beeinträchtigen.
Es geht deshalb um mehr als eine einzelne Verletzung
Die schwere Verletzung von Mathias Heller sollte nicht automatisch als Beweis dafür verstanden werden, dass die Reparatur am Niederfeld unzureichend war. Dafür fehlen bislang belastbare Belege.
Aber der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem: Wie lange kann ein stark beanspruchter Kunstrasenplatz durch Reparaturen funktionsfähig gehalten werden, bevor eine komplette Erneuerung notwendig wird?
Das Sportamt selbst sieht den Bedarf für eine neue Spielfläche. Gleichzeitig läuft der Spielbetrieb zunächst weiter.
Für Spieler und Vereine dürfte deshalb entscheidend sein, welche konkreten Maßnahmen nun folgen. Werden die beschädigten Bereiche erneut überprüft? Gibt es technische Messungen des Platzes? Wird der Zustand dokumentiert? Und vor allem: Wie schnell kann die dringend benötigte neue Spielfelddecke realisiert werden?
Der Niederfeld-Platz ist für viele Mannschaften ein wichtiger Bestandteil des Wiesbadener Amateurfußballs. Gerade deshalb sollte es am Ende nicht darum gehen, nach einem Unfall möglichst schnell einen Schuldigen zu finden.
Es geht um eine viel wichtigere Frage:
Kann auf einem Platz, dessen Zustand selbst von der Stadt als „Flickenteppich“ beschrieben wird, dauerhaft ein sicherer Spielbetrieb gewährleistet werden?
Die Antwort darauf dürfte für die kommenden Wochen und Monate entscheidend sein.
