Wenn du nach vier Monaten Klinikaufenthalt zum ersten Mal wieder vor die Tür gehst …
Dass ich aus ärztlicher Sicht als geheilt gelte und den Krebs besiegt habe, ist die eine Seite. Die andere ist die Unsicherheit darüber, wie mein Leben jetzt weitergeht.
Vier Monate. Mehr als 120 Tage. In dieser Zeit war das Krankenhaus mein Zuhause und gleichzeitig mein Schutzraum. Rund um die Uhr waren Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger in unmittelbarer Nähe. Wenn es mir nicht gut ging, war sofort jemand da. Ich musste mir keine Gedanken darüber machen, was passiert, wenn ich plötzlich Hilfe brauche.
Heute habe ich diesen Schutzraum zum ersten Mal für ein paar Minuten verlassen.
Ich bin einfach vor die Tür gegangen. Nicht weit, nur ein paar Schritte.
Der Wind wehte durch meine wenigen verbliebenen Haare. Meine Hose rutschte bei jedem Schritt, weil mein Körper inzwischen rund 15 Kilogramm leichter geworden ist.
Es war ein unglaublich seltsames Gefühl. Eines, das ich kaum in Worte fassen kann.
Ich stand draußen, atmete die frische Luft ein und merkte plötzlich, wie fremd mir diese eigentlich so selbstverständliche Welt geworden war.
Nach wenigen Minuten ging ich wieder hinein. Zurück in die vertrauten Flure. Zurück dorthin, wo ich mich sicher fühle.
Und morgen soll genau dieser Schutzraum plötzlich wegfallen.
Morgen geht es nach Hause. In meine eigenen vier Wände. In eine Welt ohne ständige medizinische Überwachung, ohne den schnellen Griff zur Klingel und ohne die Gewissheit, dass innerhalb weniger Augenblicke jemand an meinem Bett steht.
Natürlich freue ich mich auf mein Zuhause. Auf mein eigenes Bett, meine gewohnte Umgebung und darauf, endlich wieder selbst über meinen Tagesablauf bestimmen zu können.
Aber da ist eben auch Angst.
Eine Art Entlassungsangst, die ich vorher so nicht kannte.
Werde ich den Alltag allein bewältigen können? Schaffe ich es, meinen Haushalt zu führen? Was passiert, wenn es mir plötzlich schlechter geht? Wird meine Reha bewilligt? Und wie sieht irgendwann meine berufliche Zukunft aus?
Fragen über Fragen, auf die ich heute noch keine Antworten habe.
Der Krebs ist nach ärztlicher Einschätzung besiegt. Aber damit sind längst nicht alle Sorgen verschwunden.
Mein Körper hat in diesen vier Monaten unglaublich viel durchgemacht. Er ist schwächer geworden, vieles muss ich erst wieder lernen. Und auch im Kopf lassen sich vier Monate Krankenhaus nicht einfach mit dem Entlassungsbrief abschließen.
Vielleicht stellen sich viele Menschen eine Entlassung nach einer schweren Krankheit als einen einzigen großen Glücksmoment vor. Endlich gesund. Endlich nach Hause. Endlich wieder frei.
Ich hatte mir das wohl selbst so vorgestellt.
Doch heute, einen Tag vor meiner Entlassung, fühlt sich diese Freiheit auch beängstigend an.
Denn im Krankenhaus war ich Patient. Morgen muss ich wieder lernen, meinen Alltag eigenverantwortlich zu gestalten.
Vier Monate lang habe ich darum gekämpft, wieder gesund zu werden. Jetzt beginnt eine andere Herausforderung: zurück ins Leben zu finden.
Ich weiß nicht, wie schnell mir das gelingen wird. Ich weiß nicht, welche Schwierigkeiten noch auf mich warten.
Aber eines weiß ich: Morgen werde ich nach Hause gehen.
Mit 15 Kilogramm weniger auf den Rippen, mit wenigen Haaren auf dem Kopf, mit großer Dankbarkeit gegenüber all den Menschen, die mich in diesen Monaten begleitet haben.
Und mit einer Angst, die ich nicht verstecken möchte.
Denn manchmal bedeutet ein Neuanfang nicht nur Freude und Erleichterung, sondern auch Unsicherheit.
Morgen endet mein Krankenhausaufenthalt. Aber mein Weg zurück ins Leben beginnt gerade erst.
Ein Dank von Herzen
Bei all den Sorgen und Gedanken möchte ich eines nicht vergessen: Danke zu sagen.
Danke an all die Ärztinnen und Ärzte, die mich in den vergangenen vier Monaten behandelt und begleitet haben. Danke an die Pflegerinnen und Pfleger, die Tag und Nacht für mich da waren. Die nicht nur Medikamente verabreicht, Untersuchungen begleitet und sich um meine Gesundheit gekümmert haben, sondern mir auch mit kleinen Gesten, aufmunternden Worten und manchmal einfach nur einem Lächeln Zuversicht geschenkt haben.
Gerade in den Momenten, in denen es mir körperlich oder seelisch nicht gut ging, war es beruhigend zu wissen, dass ich nicht allein bin.
Und danke an all die Menschen außerhalb der Klinik, die an mich gedacht, mir geschrieben, Mut gemacht und mich auf diesem schweren Weg unterstützt haben.
Ihr alle habt einen Anteil daran, dass ich heute hier stehen und sagen kann: Ich habe den Krebs besiegt.
Was morgen kommt, weiß ich noch nicht. Aber ohne euch wäre der Weg bis hierher ungleich schwerer gewesen.

Hallo Reiner, ich wünsche Dir für die Rückkehr in das normale Leben alles Gute. Wir hatten in der langen Zeit des viermonatigen Aufenthalts in den Krankenhäusern von Plauen und Erfurt ständigen telefonischen Kontakt. Es freut mich, dass die Therapie erfolgreich verlaufen ist.
Natürlich wirst Du jetzt in Deiner Wohnung weiter medizinische Unterstützung benötigen. Das ist hoffentlich gewährleistet. Zur vollständigen Gesundung dürfte auch Dein Hobby, die tägliche Arbeit für die IG Schiedsrichter wesentlich beitragen.