Die englische Woche in der 3. Liga hatte aus Schiedsrichtersicht erneut einige Aufreger zu bieten. Besonders Timon Schulz steht nach einem weiteren umstrittenen Platzverweis zunehmend in der Kritik. Seine Rote Karte gegen Mannheims Maximilian Thalhammer prägte die Begegnung mit dem FC Ingolstadt maßgeblich.
Wenig überzeugend verlief auch der Auftritt von Luca Sambill beim 2:2 zwischen dem TSV Havelse und den Würzburger Kickers. Neben einem umstrittenen Platzverweis sorgte insbesondere ein fragwürdiger Handelfmeter in der Nachspielzeit für Diskussionen.
Doch es gab auch erfreuliche Leistungen: Besonders die Schiedsrichter aus der zweiten Reihe wussten während der englischen Woche zu überzeugen. Allen voran Jonah Besong, der sich mit einer souveränen Spielleitung an die Spitze unserer Top 3 setzte. Auch Felix Prigan und Rückkehrer Kevin Behrens hinterließen einen positiven Eindruck.
Die strittigen Entscheidungen im Überblick
(ldk) Zwei Schiedsrichter, mehrere strittige Entscheidungen und reichlich Diskussionsstoff. Wir haben uns die entscheidenden Szenen genauer angesehen und ordnen sie aus regeltechnischer Sicht ein.
Timon Schulz: Schon wieder eine rote Karte
Bereits in der 14. Minute zeigte Timon Schulz Mannheims Maximilian Thalhammer die Rote Karte. Der Mittelfeldspieler war im Zweikampf mit Benjamin Kanuric weggerutscht und anschließend mit beiden Beinen in den Ingolstädter hineingeraten, ohne dabei den Ball zu spielen.
Bei genauerer Betrachtung erscheint der Platzverweis allerdings kaum nachvollziehbar. Thalhammer verliert den Halt und rutscht unglücklich in seinen Gegenspieler hinein. Von einem besonders harten oder intensiven Einsteigen kann dabei kaum die Rede sein. Vielmehr ist ein Kontakt mit vergleichsweise geringer Intensität zu erkennen.
Natürlich kann auch ein unbeabsichtigtes Foulspiel eine Rote Karte rechtfertigen. Entscheidend sind jedoch die Art des Kontakts, die Intensität und eine mögliche Gefährdung der Gesundheit des Gegenspielers. Eine solche Gefährdung ist anhand der vorliegenden Bilder aus unserer Sicht nicht in einem Maße erkennbar, das einen Feldverweis rechtfertigen würde.
Unsere Bewertung: Die Rote Karte war überzogen und aus unserer Sicht eine Fehlentscheidung. Eine Gelbe Karte wäre hier vollkommen ausreichend gewesen.
Besonders bedenklich ist, dass Schulz bereits in seinen vergangenen Einsätzen mit mehreren umstrittenen Platzverweisen aufgefallen war. Damit rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, ob der Unparteiische bei der Bewertung von Zweikämpfen einen zu strengen Maßstab anlegt. Einzelne Fehlentscheidungen können jedem Schiedsrichter passieren. Häufen sich jedoch vergleichbare Situationen, sollte dies Anlass für eine gründliche interne Aufarbeitung sein.
Luca Sambill: Zwei Platzverweise und ein folgenschwerer Strafstoß
Besonders problematisch ist, dass es sich bei Schulz nicht um die erste derartige Diskussion handelt. Bereits in seinen vergangenen Einsätzen standen mehrere Platzverweise in der Kritik. Wenn sich solche Situationen wiederholen, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob der Unparteiische bei der Bewertung von Zweikämpfen einen zu strengen Maßstab anlegt.
Auch der Platzverweis wirft Fragen auf
Auch Luca Sambill erwischte beim 2:2 zwischen dem TSV Havelse und den Würzburger Kickers keinen überzeugenden Tag.
Für Diskussionen sorgte zunächst die Rote Karte gegen Ebrahim Farahnak. Der Abwehrspieler brachte seinen Gegenspieler Wardak zu Fall und wurde von Sambill wegen der Vereitelung einer offensichtlichen Torchance des Feldes verwiesen.
Allerdings erscheint die Szene in der Wiederholung deutlich weniger eindeutig, als es die Entscheidung vermuten lässt. Farahnak scheint eher unglücklich in seinen Gegenspieler hineinzustolpern, als ihn durch ein klares Foulspiel zu Fall zu bringen. Schon die Frage, ob überhaupt ein strafbares Vergehen vorliegt, ist deshalb diskussionswürdig.
Zwar spielt die Absicht bei der Bewertung eines Fouls keine entscheidende Rolle, doch setzt eine Rote Karte wegen der Vereitelung einer offensichtlichen Torchance zunächst ein entsprechendes Vergehen voraus. Darüber hinaus müssen unter anderem die Entfernung zum Tor, die Spielrichtung, die Wahrscheinlichkeit der Ballkontrolle und die Position weiterer Verteidiger berücksichtigt werden.
Unsere Bewertung: Der Platzverweis erscheint äußerst hart. Nach den vorliegenden Bildern bestehen erhebliche Zweifel, ob die Voraussetzungen für eine Rote Karte tatsächlich erfüllt waren.
Erst richtig entschieden, dann beim Handspiel daneben?
Bei den beiden Strafstoßentscheidungen ergibt sich dagegen ein unterschiedliches Bild.
Den ersten Elfmeter für Würzburg verhängte Sambill zu Recht. Havelses Mausehund hielt seinen Gegenspieler am Trikot fest und behinderte ihn dadurch regelwidrig. Eine nachvollziehbare und regeltechnisch korrekte Entscheidung.
Deutlich umstrittener war dagegen der Strafstoß in der Nachspielzeit. Sambill erkannte ein vermeintliches Handspiel eines Havelser Spielers und zeigte erneut auf den Punkt. Die Würzburger nutzten die Gelegenheit und kamen durch Jermain Nischalke noch zum 2:2-Ausgleich.
Die Fernsehbilder lassen allerdings erhebliche Zweifel an dieser Entscheidung aufkommen. Bereits die Frage, ob überhaupt ein Kontakt zwischen Ball und Arm vorlag, lässt sich anhand der verfügbaren Perspektiven nicht zweifelsfrei beantworten.
Sollte der Ball tatsächlich den Arm berührt haben, spricht die erkennbare Armhaltung eher gegen ein strafbares Handspiel. Der Arm liegt augenscheinlich eng am Körper an und vergrößert die Körperfläche nicht unnatürlich.
Unsere Bewertung: Nach den verfügbaren Bildern ist kein strafbares Handspiel zu erkennen. Der Strafstoß erscheint daher aus unserer Sicht falsch.
Bemerkenswert ist zudem die Reaktion des jungen Unparteiischen nach der Begegnung. Havelses Trainer Samir Ferchichi berichtete, dass sich Sambill für einen möglichen Fehler entschuldigt habe.
Sollte dies so erfolgt sein, verdient diese Reaktion Anerkennung. Fehler gehören zum Schiedsrichterwesen, und es zeugt von Größe, eine möglicherweise falsche Entscheidung auch einzugestehen. Eine solche Offenheit sollte nicht als Schwäche ausgelegt werden.
Ohne VAR tragen die Schiedsrichter die volle Verantwortung
Beide Begegnungen verdeutlichen einmal mehr die besonderen Herausforderungen für die Unparteiischen in der 3. Liga.
Anders als in der Bundesliga und 2. Bundesliga steht ihnen kein Video-Assistent zur Verfügung. Entscheidungen müssen innerhalb weniger Sekunden auf dem Spielfeld getroffen werden. Eine nachträgliche Korrektur anhand der Fernsehbilder ist nicht möglich.
Das erklärt, warum Fehler passieren können. Es bedeutet allerdings nicht, dass kritische Entscheidungen keiner sachlichen Aufarbeitung bedürfen.
Gerade bei Roten Karten und spielentscheidenden Strafstößen müssen die Maßstäbe stimmen. Ein Platzverweis verändert nicht nur die laufende Begegnung, sondern kann durch die anschließende Sperre auch Auswirkungen auf weitere Spiele haben.
Fazir: Fehler sind menschlich – ihre Wiederholung muss Fragen aufwerfen
Während Sambills Leistung vor allem wegen des späten Strafstoßes kritisch zu bewerten ist, geht es bei Schulz inzwischen um mehr als eine einzelne Entscheidung. Wenn ein Schiedsrichter wiederholt mit umstrittenen Platzverweisen auffällt, muss dies intern sorgfältig aufgearbeitet werden. Nicht um ihn öffentlich an den Pranger zu stellen, sondern um seine Entwicklung zu fördern und für einen nachvollziehbaren, einheitlichen Maßstab bei persönlichen Strafen zu sorgen.
Schiedsrichter aus der zweiten Reihe überzeugen in der englischen Woche
Bei aller berechtigten Kritik an einzelnen Entscheidungen gab es in der englischen Woche auch erfreuliche Leistungen. Besonders die Schiedsrichter aus der zweiten Reihe wussten mit souveränen Spielleitungen, einer klaren Zweikampfbewertung und einem sicheren Auftreten zu überzeugen.
Während einige Unparteiische mit umstrittenen Entscheidungen für Schlagzeilen sorgten, nutzten andere ihre Einsatzchancen und machten positiv auf sich aufmerksam.
Unsere Top 3 der englischen Woche zeigen, dass auch in der zweiten Reihe überzeugende Schiedsrichterleistungen zu finden sind.
🥇 Platz 1 – Jonah Besong
Jonah Besong (Duisburg) – SC Verl gegen Jahn Regensburg (2:2)
Jonah Besong sichert sich nach seinem Einsatz beim 2:2 zwischen dem SC Verl und Jahn Regensburg den ersten Platz unserer Rangliste.
In einer Begegnung mit zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten behielt der 28-Jährige stets die nötige Ruhe und überzeugte mit einer souveränen Spielleitung. Auch als Verl nach einem 0:2-Rückstand zurückkam und die Schlussphase zunehmend umkämpft wurde, ließ sich Besong nicht aus der Ruhe bringen.
Seine Zweikampfbewertung war nachvollziehbar, seine Spielkontrolle überzeugend. Gerade in der hektischen Schlussphase bewahrte er den Überblick und ließ sich von der zunehmenden Intensität nicht beeinflussen.
Unser Fazit: Ein rundum überzeugender Auftritt, mit dem sich Jonah Besong verdient den ersten Platz unserer Top 3 sichert.
🥈 Platz 2 – Felix Prigan
Felix Prigan (Deizisau)
Felix Prigan belegt nach seinem Einsatz in der englischen Woche den zweiten Platz unserer Rangliste.
Der 27-Jährige überzeugte mit einer konsequenten Zweikampfbewertung und ließ auch in intensiven Spielphasen eine klare Linie erkennen. Besonders positiv fiel seine ruhige und bestimmte Kommunikation mit den Spielern auf. Auch in kritischen Situationen behielt Prigan den Überblick und bot insgesamt nur wenig Angriffsfläche.
Unser Fazit: Eine überzeugende Leistung mit einer klaren Linie und guter Spielkontrolle, die ihm verdient den zweiten Platz einbringt.
Bereits am Samstagabend wartet mit dem Zweitliga-Topspiel zwischen Hannover 96 und dem FC St. Pauli die nächste anspruchsvolle Aufgabe auf ihn. Dort wird er erneut unter Beweis stellen können, dass er auch emotional aufgeladene Begegnungen souverän leiten kann.
🥉 3. Platz – Kevin Behrens
Kevin Behrens (Berlin) – SV Wehen Wiesbaden gegen Alemannia Aachen (3:0)
Kevin Behrens komplettiert nach seinem Einsatz beim 3:0 des SV Wehen Wiesbaden gegen Alemannia Aachen unsere Top 3.
Nach längerer Verletzungspause meldete sich der Berliner mit einer überzeugenden Leistung zurück. In einer über weite Strecken umkämpften Partie zeigte er früh die Gelbe Karte gegen Aachens Mehdi Loune und bewies auch im weiteren Verlauf bei intensiven Zweikämpfen ein gutes Gespür für die Spielleitung.
In der 51. Minute entschied Behrens auf Strafstoß für Wiesbaden, den Gino Fechner zum zwischenzeitlichen 2:0 verwandelte. Insgesamt überzeugte er mit einer klaren Linie, guter Spielkontrolle und einem sicheren Auftreten.
Bemerkenswert ist vor allem, dass Behrens trotz seiner längeren Verletzungspause bereits wieder an das starke Leistungsniveau der vergangenen Saison anknüpft. Für uns zählt der Berliner in dieser Verfassung zu den ernsthaften Aufstiegskandidaten für die 2. Bundesliga. Seine Entwicklung und seine bisherigen Leistungen sprechen dafür, ihn bei der Vergabe möglicher Aufstiegsplätze auf dem Zettel zu haben.
Unser Fazit: Eine starke Rückkehr, die deutlich mehr als nur ein ordentliches Comeback war. Kevin Behrens meldet sich eindrucksvoll zurück und sichert sich verdient den dritten Platz unserer Rangliste..
