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Wie liefs für Tobias Welz bei Kiel vs. Stuttgart

Der VfB Stuttgart hat sich im Viertelfinale des DFB-Pokals glanzlos gegen Zweitligist Holstein Kiel (3:0) durchgesetzt. Beim Führungstor gab es aber Zweifel.

Szene 1: Eine ziemlich strittige Szene ereignete sich beim Stuttgarter 1:0 von Deniz Undav (56.), nachdem er im Strafraum den Ball vor dem Kieler Torwart Timon Weiner spitzelt und reinschob. Weiner wurde beim herauslaufen vom Angreifer des VfB mit dem Bein getroffen, musste auch behandelt werden. Einige nennen es unglücklich, viele sehen da ein klares Offensivfoul von Undav am Torwart oder zumindest Behinderung ein Body-Check ohne Ballbesitz, weil er den Keeper merklich im Weg steht/drückt, bevor er an den Ball kommt. Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) und VAR Guido Winkmann haben es durchgehen lassen und ließ weiterspielen.

Im ZDF sagte der ehemalige Schiedsrichter und heutige Experte Thorsten Kinhöfer sinngemäß, dass es ein gültiges Tor sei, da der nicht absichtliche Tritt mit der Sohle aufs Bein, nachdem der Ball gespielt wurde, im Zuge des ballorientierten Zweikampfes und danach traf er ihm am Oberschenkel. Nicht heftig, nicht brutal einfach unglücklich. Man kann aber auch argumentieren, dass der Angreifer, als er den Ball spielte, Kiels Torwart Weiner mit der Hüfte ohne Ball behinderte. Dagegen spricht aber, dass es im unmittelbaren Moment war, als er den Ball getroffen hat und der Check dann fußballtypisch und unglücklich war. Der Tritt mit der Sohle aufs Bein/Oberschenkel des Keepers kam aber erst nach dem Ballspiel und war nicht brutal oder mit hoher Intensität als nicht rücksichtsloses/gefährliches Einsteigen. Solche unglücklichen Berührungen im Zweikampf um den Ball werden meist als Teil des normalen, ballorientierten Duells gewertet und nicht geahndet, solange keine übermäßige Härte vorliegt. Das spricht klar gegen ein Foulspiel und gegen eine mögliche Rote Karte oder Freistoß.

„Spüre sechs Stollen auf dem Oberschenkel“

Kiels Torwart Timon Weiner im Interview.

Der zweite Punkt – die Hüft-/Körperbehinderung des Torwarts Weiner vor oder beim Ballkontakt – ist der umstrittenere Teil und wird von vielen Experten als entscheidendes Offensivfoul (Behinderung ohne Ball) gesehen. Doch geschah es im unmittelbaren Moment des Ballspiels → also quasi gleichzeitig mit dem Versuch, den Ball zu erreichen. Solche leichten Checks oder Körperkontakte sind im Strafraum fußballtypisch, besonders wenn der Stürmer aktiv zum Ball geht und nicht primär den Gegner attackiert. Es war unglücklich, nicht absichtlich behindernd oder regelwidrig blockierend.

Es ist keine klare Fehlentscheidung im Sinne von 100 % Foul und muss zurück genommen werden, sondern eher eine Grauzone. Typisch bei Torwartduellen im Strafraum: Wann ist es noch aktives Stürmerverhalten, wann schon Behinderung? Grenzwertig. Ich tendiere nach mehrmaliger Betrachtung der verlangsamten Bilder eher dazu, dass es kein Foul war, weil unglücklich im Zweikampf getroffen und Kiel hier Pech hatte. Es ist eine klassische große Grauzone, jedoch weiterspielen ist der Regel entsprechend vertretbar und korrekt. [TV-Bilder – ab 02:25 Minuten]

Szene 2: Das dritte Tor erzielte Atakan Karazor in der 90. +2. Minute regelkonform – es war kein Abseits, da Karazor sich auf einer Linie mit dem Abwehrspieler befand. Es war ein kurioser Treffer, da Karazor nach Kontakt mit Torwart Timon Weiner auf den Ball fiel und diesen ihn so über die Linie drückte – eine Art „verlängerter Körper“-Szene, die der Schiedsrichter Tobias Welz und der VAR durchgehen ließen. [TV-Bilder – ab 04:42 Minuten·]

Fazit: Eine insgesamt gute und solide Schiedsrichterleistung. In einem fairen und ruhigen Spiel kam er mit nur wenigen Karten aus. Die Anerkennung des 1:0 war vertretbar, der Einsatz ist als fußballtypisch und unglücklich einzustufen. (Note: 2,5)

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