Der 30. Spieltag endete in der 3. Liga und es gab wieder einiges Gesprächsmaterial nach diesem Wochenende! Ganz besonders steht diesmal erneut Schiedsrichter Timon Schulz in der Kritik, der ein Phantomtor gegen Ende des Spiels für die Mannheimer gab und Aue somit mit 1:2 verlor. Es war leider nicht die einzige Fehlentscheidung in dieser Partie. Alle weitere Szenen in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 – Lennart Kernchen:
Auf dem ersten Platz haben wir diesmal das sehr junge Schiedsrichtertalent, mit gerade mal 24, Lennart Kernchen aus Hannover der am Samstagnachmittag bei der Partie Ingolstadt – Alemannia Aachen zum Einsatz kam. Ohne Probleme leitete er diese Partie, hatte sie jederzeit im Griff, wählte eine gute und aufmerksame Kommunikation mit Spielern und Verantwortlichen und kam am Ende nur mit einer gelben Karte aus der Partie. Tadellose Spielleitung und große Respekt an den jungen Schiedsrichter aus Hannover!
Platz 🥈 – Fabienne Michel:
Wie mittlerweile gewohnt steht erneut Fabienne Michel aus Gau-Odernheim in den Top 3, nachdem sie am Sonntagmittag bei der Partie Hoffenheim II – VfL Osnabrück im Einsatz war. Michel lieferte erneut ein souveränes Spiel ab, lag jedoch in 1-2 kleineren Szenen falsch, aber dies sind wirklich nur Kleinigkeiten die jeder Schiedsrichter in seiner Spielleitung hat. Mittlerweile muss man davon ausgehen, dass Michel zur nächsten Saison den Sprung in Liga 2 schafft!
Platz 🥉 – Cengiz Kabalakli:
Auf dem dritten Platz haben wir diesmal Cengiz Kabalakli aus Gelsenkirchen der am Samstag die weite Anreise nach Regensburg antreten musste, die die Gäste aus Havelse empfingen. Kabalakli war konsequent in seiner Spielleitung, bewertete nahezu jeden Zweikampf richtig und war am Ende des Spiels bei keinem der beiden Vereine ein Thema! Immer ein Zeichen für eine gute und ruhige Spielleitung des Schiedsrichters!
Wehen Wiesbaden – Hansa Rostock 0:1 (SR: Wolfgang Haslberger)
Szene 1: Maximilian Krauß spielte einen wunderschönen Steilpass in die Tiefe in den Strafraum. Emil Holten nahm den Ball gut an, machte einen Haken und wurde dabei von Florian Hübner z Foulelfmeter für Hansa. Kenan Fatkić verwandelte sicher zum 0:1. Zwar ist da nicht viel Kontakt, aber der vorhandene reicht aus, um den Angreifer im Tempo zu bremsen / zu Fall zu bringen – vor allem in der Box, wo der Schiri eher zu geben tendiert, wenn der Stürmer im Abschluss ist. Das war die klarste Szene des Spiels. Korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 0:40 Minuten]
Szene 2: Nach dem verwandelten Foulelfmeter sah Kenan Fatkic die gelbe Karte. Er jubelte direkt vor der Heimkurve der Wiesbadener Fans – provokant, mit ausgestreckten Armen, was die Stimmung sofort hochkochen ließ. In seiner Nachanalyse erklärte er die Verwarnung als alternativlos. Er sagte sinngemäß: Wenn ein Gästespieler sich nach einem frühen Strafstoß-Tor so demonstrativ vor den Heimblock hinstellt und jubelt, trägt er eine gewisse Verantwortung für die Eskalation. Es gibt einen „guten Käfig“ (Zaun) dazwischen, aber so ein Verhalten provoziert unnötig und gehört sich einfach nicht – vor allem nicht nach nur 4 Minuten in einem hitzigen Auswärtsspiel. Es war kein harmloser Jubel in die eigene Kurve. Direkt vor den gegnerischen Fans nach so kurzer Zeit wirkt das wie pure Provokation. Fotos machen oder Selfies sind kein Argument – das zählt nicht als mildernder Umstand, wenn es die Atmosphäre anheizt. Regeltechnisch fällt das unter unsportliches Verhalten durch Provokation der gegnerischen Fans, und in der 3. Liga wo die Stimmung schnell kippt geben Schiris da oft direkt Gelb, um früh Zeichen zu setzen. [TV-Bilder – ab 1:20 Minuten]
Szene 3: Vor der Pause forderte Wiesbaden vehement einen Strafstoß. Hübner ging nach Oberkörperzweikampf zu Boden und erreichte den Ball nicht mehr, was die Heimfans und Trainer Daniel Scherning als klares Foul sahen. Haslberger entschied auf Weiterspielen und begründete seine Entscheidung. Hübner legte sich den Ball vorbei. Der Rostocker Angreifer kam dann mit einem Körperkontakt, aber es war kein regelwidriger Treffer gegen den Mann – eher ein normales Duell um den Ball im Strafraum. Für Haslberger waren die beiden Szenen (der gegebene Elfmeter für Rostock in der 4. Minute vs. diese Forderung) nicht vergleichbar: Beim ersten gab’s einen klaren Treffer am Gegner (ohne Ballberührung), hier war der Kontakt zu gering / beidseitig / im Rahmen eines normalen Zweikampfs. Er betonte, dass es zwei völlig unterschiedliche Vorgänge sind. Für mich ist auch diese Entscheidung korrekt, weil der Kontakt zu marginal war und Hübner den Ball schon vorbeigelegt hatte. [TV-Bilder – ab 2:25 Minuten]
Szene 4: Nach einer Grätsche gegen Florian Hübner sieht Florian Carstens die Rote Karte. Der Hansa-Spieler zieht dabei sogar beide Beine zurück. Eine sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Wolfgang Haslberger, die er im Nachgang vielleicht selbst noch anders bewerten wird.Für mich ist die rote Karte zu hart. Klar hohes Tempo, aber er zieht klar zurück und trifft ihn nicht mit offener Sohle. Da tu ich mich mit seiner schlüssigen Erklärung schwer. Man darf eigentlichen keinen Spieler runterstellen, nur weil er in einem ruhigen Spiel mal bisschen intensiver reingeht. Da finde ich Gelb deutlich angebrachter. Ich gehe davon aus, dass er das Trefferbild anders sah in der Dynamik. Klar das sagte er nicht im Interview, aber ich gehe von falscher Wahrnehmung aus. Wie oft würde es sonst rote Karte geben? Solche Szenen in dem Tempo gibt es doch in jedem Spiel. Da spricht regeltechnisch halt nicht viel für Rot. Wenn er ihn mit offener Sohle trifft, muss er sie geben, ja. Aber so ist das Trefferbild zu 0,0 hier gegeben für eine rote Karte. Er zieht zurück, sind alles Argumente für Gelb. [TV-Bilder – ab 2:57 Minuten]
Waldhof Mannheim – Erzgebirge Aue 2:1 (SR: Timon Oliver Schulz)
Szene 5: Dieses Spiel lieferte riesen Skandale und einen Eingriff im Abstiegskampf. Nach einer langen Flanke von der linken Seite legte Jannic Ehlers den Ball an den zweiten Pfosten. Marcel Bär stand dort frei und traf aus kurzer Distanz ins Tor. Aber: Sofort ging die Fahne von Maximilian Nie-Hoegen hoch, Schiedsrichter Schulz bestätigte Abseits. Für mich ist das kein Abseits. Der Waldhöfer Niklas Hoffmann hat sein Bein nach vorne gestellt, der das Abseits damit aufhob. Dahinter steht Bär auf gleicher Höhe. Schwer zu erkennen mit den Magenta-Bildern, für mich aber kein Abseits. [TV-Bilder – ab 03:25 Minuten]
Szene 6: Die 3. Liga hat ihr Wembley-Tor. Terrecnce Boyd erzielte es, das Schiedsrichterteam erkannte es an. Eine glasklarfalsche Fehlentscheidung – besonders bitter für Erzgebirge Aue im Abstiegskampf. Nach einem hohen Diagonalball in die Tiefe lief BoydSeiffert davon. Boyd schloß aus ca. 10 Metern, spitzem Winkel mit brachialer Gewalt aufs kurze Eck ab. Der Ball klatscht an die Unterkante der Latte, sprang dann wieder heraus. Schiedsrichter Timon Schulz (Hannover) zögert kurz, gab den Treffer dann aber dennoch. Der Ball ist nicht vollständig über der Linie. Es gibt keine Torlinientechnik, da muss man aber als Assistent schon besonders aufmerksam sein. Luca Sambill stand hier völlig falsch positioniert. Die Bilder zeigten klar, der Ball sprang von der Linie wieder heraus. Schulz leistete sich in den letzten Monaten mehrere umstrittene Entscheidungen, Marco Fritz war als Beobachter vor Ort, was seine Aufstiegschancen wohl mindern werden.
Die beiden Szenen sorgten für viel Frust bei Fans und Verantwortlichen. Hier hätte sich Timon Schulz auch erklären sollen. Eine offen und ehrliche Kommunikation fehlt bei manchen Schiris. Besonders nach harten Fehlentscheidungen in entscheidenden Phasen. In der 3. Liga, wo kein VAR läuft und Abstiegskämpfe auf Messers Schneide stehen, würde ein „Ich habe mich geirrt, hier ist meine Sicht“ oder „Ich dachte live, er war drin – die Bilder zeigen was anderes“ viel Druck rausnehmen. Stattdessen Schweigen, was den Frust bei Trainern und Fans explodieren lässt. Leider war das nicht die erste gravierende Fehlentscheidung des Kollegen. Vermutlich wird er aber trotzdem noch in die nächsthöhere Liga hochdeligiert…
SC Verl – 1. FC Saarbrücken 3:0 (SR: Michael Näther)
Szene 7: Der Gelb-vorbelastete Kai Brünker unterband die schnelle Ausführung eines Freistoßes, hätte Gelb/Rot sehen müssen. Mhamdi beschwerte sich darüber lautstark und sah gelb. Brünker unterband bewusst die schnelle Ausführung eines Freistoßes für Verl mit einer klassischen Verzögerungstaktik. Nach Regel 12 ist das bei Vorbelastung mit der zweiten gelben Karte für unsportliches Verhalten / Zeitspiel zu ahnden. Wer einen schnellen Freistoß verhindert (besonders wenn der Ball schon bereitliegt und der Gegner schnell ausführen will), sieht Gelb – und bei Vorverwarnung Gelb/Rot. Schiri Michael Näther beließ es bei der ersten Gelben für ein hartes Einsteigen)und gab hier keine zweite → Brünker blieb vorerst auf dem Platz, wurde wenig später aber ausgewechselt. Oualid Mhamdi (Verl, wahrscheinlich Verteidiger/Mittelfeld) reklamierte lautstark und forderte die Gelb-Rote für Brünker – verständlich, weil das ein klares taktisches Foul war und Verl den Vorteil verlor. Reklamieren ist strafbar, wenn’s übertrieben, beleidigend oder das Spiel stoppt – aber hier war Mhamdis Protest berechtigt (korrekte Forderung nach einem Regelverstoß). Solche „Gegendrohungen“ sind in der Praxis oft übertrieben, aber viele Schiris ziehen hier reflexartig Gelb, um Autorität zu zeigen.
Fazit: Brünker hätte Gelb-Rot sehen müssen → das hätte Saarbrücken in Unterzahl gebracht und Verl den Schwung gegeben. Mhamdi’s Gelbe war fragwürdig – Protest gegen eine Fehlentscheidung sollte nicht immer bestraft werden, besonders wenn er sachlich bleibt. [TV-Bilder – ab 03:05 Minuten]
Szene 8: Berkan Taz bekam den Ball in Sechzehnernähe, dribbelte clever in den Strafraum und kam im Zweikampf mit einem Saarbrücker Verteidiger zu Fall – der Schiri pfeift nicht, weil’s zu wenig Kontakt war. Kein klares Foul, eher normaler Körperkontakt und Taz ging leicht runter. Für mich kein Foul. Taz blieb cool: Im Sitzen spitzelte er den Ball mit letzter Kraft weiter zu Oualid Mhamdi, der perfekt positioniert war und eiskalt einschob. Ein Pass aus sitzender Position ist erlaubt, solange der Spieler nicht gefährlich liegt oder behindert. Hier war’s aktives Weiterspielen, kein Verstoß gegen Regel 12 oder gefährliches Spiel. [TV-Bilder – ab 03:38 Minuten]
1.FC Schweinfurt – VfB Stuttgart II 3:1 (SR: Luca Jürgensen)
Szene 9: Ein Stuttgarter blockt den Ball mit dem Arm, Schiedsrichter Luca Jürgensen Freistoß für Schweinfurt, woraus die 2:1-Führung für die Schnüdel entstand. Bei eng am Körper anliegendem Arm + keine Vergrößerung der Körperfläche + keine absichtliche Bewegung in den Ball → kein strafbares Handspiel. Der Pfiff auf Freistoß war daher falsch – es hätte Weiterspielen geben müssen. [TV-Bilder – ab 03:35 Minuten]
TSG Hoffenheim II – VfL Osnabrück 0:1 (SR: Fabienne Michel)
Szene 10: Luca Erlein ging robust gegen Robin Meißner zu Werke und blockte den Angreifer, doch Schiedsrichterin Fabienne Michel beließ es bei ermahnenden Worten. Wenn man die Szene einzeln betrachtet, wäre hier Gelb angebracht gewesen. In der Realität leitete die gute Schiedsrichterin insgesamt souverän und hat auch andere solche Kleinigkeiten durchgehen lassen. [TV-Bilder – ab 01:30:23 Minuten]
MSV Duisburg – 1860 München 2:1 (SR: Richard Hempel)
Szene 11: Sigurd Haugen zog von rechts in den Strafraum, setzte sich gegen Ben Schlicke durch – und dann kam Aljaz Casar zur Hilfe, tackelte Haugen aber klar am Fuß. Das führte zu einem Elfmeter für 1860 München! Unstrittige Entscheidung! [TV-Bilder – ab 02:23 Minuten]
Szene 12: Thore Jacobse kam in der Nachspielzeit auf Höhe der Mittellinie zu spät in einen Zweikampf und leiste sich gelbverwarnt ein unnötiges Foul aus Frust, weil 1860 trotz Ausgleich drängte, aber Duisburg in der 90. Minute durch Thilo Töpken in Führung gegangen war. Die gelb/rote Karte wirkt zwar hart, aber in der Summe nachvollziehbar und konsequent. Mit dem Ball hatte der Münchner da nichts zu tun.[TV-Bilder – ab 04:49 Minuten]
Viktoria Köln – Rot-Weiss Essen 1:2 (SR: Felix Weller)
Szene 13: Am Ende der Partie stand Felix Weller nochmal im Fokus, als er wenige Sekunden vor Ablauf der sechsminütigen Nachspielzeit abpfeift, worüber sich Kölns Co-Trainer lautstark beschwerte. Regeltechnisch darf die angezeigte Nachspielzeit verlängert aber niemals verkürzt werden. Und wenn das Spiel so knapp steht, sollte man die Zeit erst recht spielen lassen, um sich nicht angreifbar zu machen. Weller machte das insgesamt solide und gewohnt souverän, durch den Regelverstoß machte er sich aber angreifbar, der bei einem Einspruch auch zu einem Wiederholungsspiel führen könnte.
Aus Regel 7 (Dauer des Spiels) ist das klar geregelt: Die angezeigte Nachspielzeit ist eine Mindestdauer – sie darf verlängert werden (bei weiteren Unterbrechungen), aber nicht verkürzt. Ein Abpfiff Sekunden vor Ablauf der angezeigten 6 Minuten verstößt also gegen diese Regel. Der Schiedsrichter hat damit formal falsch gehandelt, und das ist kein „Kleinigkeitsfehler“ in der Zeitnahme, sondern ein klarer Verstoß gegen die Spielregeln. In der Praxis sieht es aber so aus: Solche Fälle werden selten als Grund für ein Wiederholungsspiel herangezogen. Dafür müsste der Verstoß spielentscheidend sein – also z.B. wenn in den fehlenden Sekunden eine klare Torchance entstanden wäre (letzte Ecke, Freistoß aus gefährlicher Position, Konter etc.), die durch den vorzeitigen Pfiff verhindert wurde. Der Abpfiff erfolgte aber bei „05:58 Minute“, als der Ball im Mittelfeld war. [TV-Bilder – ab 02:08:29 Minuten]
Zusammengefasst: Regelverstoß ja (klar), aber für ein Wiederholungsspiel bräuchte es mehr – nämlich Beweis, dass die fehlenden Sekunden entscheidend das Ergebnis verändert hätten. In diesem Fall wahrscheinlich nur ein ärgerlicher Fehler, der Köln sauer aufstößt, aber das Spiel steht.
