Normalerweise beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit Fußball-Schiedsrichtern. Doch ein Blick über den Tellerrand lohnt sich manchmal – und nach dem DEL2-Spiel zwischen den Blue Devils Weiden und den Eispiraten Crimmitschau ganz besonders. Nach der 2:3-Niederlage der Westsachsen übte Eispiraten-Coach Jussi Tuores massive Kritik an den Unparteiischen. Besonders bemerkenswert: Nach Angaben der Gäste sollen die Schiedsrichter im Laufe der Partie gleich vier Fehlentscheidungen eingeräumt haben.
„Wir können nicht gegen sieben Mann auf dem Eis gewinnen!“ Mit diesem Satz machte Jussi Tuores nach der 2:3-Niederlage seiner Eispiraten Crimmitschau bei den Blue Devils Weiden deutlich, wo er einen entscheidenden Grund für die Niederlage seiner Mannschaft sah.
Gemeint waren neben den fünf Weidener Feldspielern offenbar die beiden Hauptschiedsrichter. Vor allem Caroline Butt geriet dabei ins Visier des Trainers.
„Wir verlieren aufgrund des Niveaus der Referees“, schimpfte Tuores und erklärte mit Blick auf Butt: „Caroline Butt pfeift erstmals hier in Weiden das Spiel. Warum ist sie hier? Unglaublich!“
18 Strafminuten gegen Crimmitschau
Hintergrund des Ärgers waren zahlreiche Strafzeiten gegen die Eispiraten. Insgesamt kassierte Crimmitschau 18 Strafminuten. Besonders bitter aus Sicht der Gäste: Weiden nutzte zwei Überzahlsituationen zu Treffern.
Damit hatten die Entscheidungen des Schiedsrichterteams zumindest mittelbar erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf.
Noch bemerkenswerter ist allerdings eine weitere Aussage von Tuores: „Man hat sich viermal wegen Fehlentscheidungen bei mir entschuldigt. Wie ist das möglich?“
Dass es entsprechende Entschuldigungen gegeben habe, wurde anschließend auch von Eispiraten-Sprecher Aaron Frieß bestätigt.
Sollte es sich tatsächlich um vier ausdrücklich eingeräumte Fehlentscheidungen gehandelt haben, wäre das durchaus außergewöhnlich. Fehler gehören auch im Eishockey zur Tätigkeit eines Unparteiischen. Mehrere während einer einzigen Partie gegenüber einer Mannschaft eingestandene falsche Entscheidungen wären allerdings eine bemerkenswerte Häufung – insbesondere dann, wenn daraus Strafzeiten und anschließend Gegentore entstehen.
Zwei Gegentore in Unterzahl
Genau das machte die Angelegenheit für Crimmitschau so ärgerlich. Zwei Gegentreffer fielen in Unterzahl. Aus Sicht der Eispiraten beeinflussten die ausgesprochenen Strafen damit nicht nur einzelne Spielsituationen, sondern auch das Momentum der Begegnung.
Tuores wollte den Erfolg der Gastgeber dennoch nicht grundsätzlich infrage stellen.
„Ich will den Sieg von Weiden nicht schmälern, denn sie haben ihn sich verdient“, stellte der Coach klar. Gleichzeitig kritisierte er jedoch grundsätzlich, welchen Einfluss aus seiner Sicht die Entscheidungen der Unparteiischen auf den Spielverlauf genommen hatten.
„Beide Teams arbeiten unter der Woche hart und dann entscheiden die Schiris, wer gewinnt?“, fragte Tuores.
Butt erst seit dieser Saison Hauptschiedsrichterin in der DEL2
Tatsächlich ist Caroline Butt in dieser Saison neu im Kreis der Hauptschiedsrichter der DEL2. Die 36-Jährige aus Dortmund schaffte erst zur Spielzeit 2026/27 den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Männer-Spielklasse.
Eine unerfahrene Unparteiische ist Butt deshalb allerdings keineswegs. Bereits seit 2009 ist sie als Schiedsrichterin aktiv, seit 2010 gehört sie zum Bereich des Deutschen Eishockey-Bundes und seit 2011 ist sie auch international für die IIHF im Einsatz. 2024 wurde sie sogar zum NHL Exposure Combine nach Buffalo eingeladen, nachdem sie zuvor bei einem europäischen Auswahlcamp überzeugt hatte. Ihr erklärtes Fernziel ist die DEL.
Was Tuores mit seiner Frage „Warum ist sie hier?“ konkret meinte, ließ er offen. Möglich ist, dass sich seine Kritik auf Butts noch junge Rolle als Hauptschiedsrichterin in der DEL2 bezog – ebenso könnte er die Ansetzung der Dortmunderin für die Partie im weit entfernten Weiden gemeint haben.
Unabhängig davon ist Butt keine unerfahrene Unparteiische. Zwar steht sie als Hauptschiedsrichterin auf DEL2-Niveau noch am Anfang, bringt aber bereits viele Jahre Erfahrung auf nationaler und internationaler Ebene mit. Über ihre Leistung in Weiden und mögliche Fehlentscheidungen darf dennoch diskutiert werden – erst recht, wenn das Schiedsrichterteam nach Angaben der Eispiraten selbst mehrere Fehler eingeräumt haben soll.
Lutz sucht die Schuld nicht allein bei den Referees
Etwas zurückhaltender äußerte sich Tim Lutz. Er wollte die 2:3-Niederlage nicht ausschließlich an der Leistung der Unparteiischen festmachen.
Und genau diese Differenzierung ist wichtig. Auch mehrere falsche Schiedsrichterentscheidungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Mannschaft ausschließlich deshalb ein Spiel verloren hat. Gerade im Eishockey gehören Unterzahlspiel, Special Teams und der Umgang mit strittigen Entscheidungen zu einer Partie dazu.
Dennoch bleibt ein ungewöhnlicher Vorgang: Wenn ein Schiedsrichterteam während oder nach einem Spiel tatsächlich gleich vier eigene Entscheidungen als falsch einstuft, darf die Frage nach der Leistung der Unparteiischen gestellt werden.
Für Crimmitschau waren die Folgen jedenfalls besonders bitter. Die Eispiraten verloren in Weiden mit 2:3 und stehen nach der Niederlage mit sechs Punkten auf Tabellenplatz sechs.
Und auch wenn unser Blick normalerweise auf den Fußball gerichtet ist, zeigt dieser Fall ziemlich deutlich: Diskussionen über Schiedsrichter, Fehlentscheidungen und deren Einfluss auf ein Spiel sind keineswegs ein exklusives Problem des Fußballs.
