Wenn bei einem der größten Fußballturniere der Welt keine einzige deutsche Schiedsrichterin nominiert wird, ist das mehr als nur ein Fingerzeig – es ist ein alarmierendes Zeichen für den Zustand des deutschen Schiedsrichterwesens im Frauenfußball.
Die Frauen-EM findet ohne deutsche Unparteiische statt. Ein Armutszeugnis, vor allem für einen Verband, der sich weltweit rühmt, zu den stärksten im Frauenfußball zu gehören.
Seit dem Rückzug von Bibiana Steinhaus, die als internationales Aushängeschild galt, ist im deutschen Frauen-Schiedsrichterwesen eine große Lücke entstanden – und niemand scheint bereit oder in der Lage zu sein, diese zu füllen. Riem Hussein, die noch internationale Erfahrung sammeln konnte, stand zuletzt ebenfalls in der Kritik. Ihre Leistungen blieben hinter den Erwartungen zurück – und nach ihrer letzten Turnierleistung scheint auch sie aus dem Rennen zu sein.
Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. Es fehlt an konsequenter, leistungsorientierter Nachwuchsförderung. Namen wie Franziska Wildfeuer (U17) oder Fabienne Michel (U19) werden zwar genannt, doch für die internationale Bühne ist es schlichtweg noch zu früh.
Und mögliche Kandidatinnen wie Karoline Wacker?
Auch hier wurde der rechtzeitige Aufbau verpasst. Statt kontinuierlich Talente an die Spitze heranzuführen, wurde in der Vergangenheit offenbar zu häufig auf Kandidatinnen gesetzt, die kaum über das notwendige Leistungsniveau hinauskommen – nicht selten scheitert es schon an der physischen Leistungsprüfung.
Ein besonders kritisches Beispiel ist eine Schiedsrichterin, die in Köln aktiv war. Ohne bestandenen Leistungstest wurde sie dennoch weiterhin eingesetzt – ein fatales Signal.
Solche Personalentscheidungen stehen sinnbildlich für eine Förderpolitik, die nicht auf Leistung, sondern auf Verfügbarkeit setzt. Statt Talente konsequent auszubilden und in den VAR-Bereich einzubinden, werden Chancen vertan und Potenziale verschenkt.
Ein radikalerer, pragmatischerer Ansatz könnte neue Impulse setzen:
Warum nicht auch Männer in Frauenwettbewerben pfeifen lassen?
Das würde nicht nur für die nötige Qualität sorgen, sondern jungen Schiedsrichtern auch die Gelegenheit geben, sich in einem anderen Kontext weiterzuentwickeln und Erfahrungen zu sammeln.
Weitere nennenswerte Fakten die für ein schlechtes Standing sorgen:
1. Erste Nicht-Nominierung seit 20 Jahren
Zum ersten Mal seit der Frauen-EM 2005 bleibt Deutschland bei der EM 2025 ohne einzige Schiedsrichterin – trotz historisch starker Stellung im Frauenfußball. Schon 2022 durfte Riem Hussein nur ein Spiel leiten – ein deutliches Zeichen des Abwärtstrends.
2. Nachwuchsdebakel & Nationaler Absturz
Laut Schiri-Experte Lutz Wagner folgt die UEFA einer rein leistungsgesteuerten Auswahl – jetzt zeigt sich: Die deutsche Schiedsrichterinnenentwicklung ist zu schwach, um dort mithalten zu können.
3. Öffentliche Kritik aus Klub-Etage
Im Februar 2024 schüttete der 1. FC Nürnberg seinem Ärger über mehrfache Fehlentscheidungen in der Frauen-Bundesliga aus – darunter ein „Witz-Elfmeter“ gegen Bremen. Der Klub forderte den Einsatz männlicher Schiedsrichter zur Steigerung der Qualität. DFB-Vize Ronny Zimmermann verteidigte die Schiris, räumte aber strukturelle Defizite ein.
4. Fehlende Professionalität und Infrastrukturen
Naemi Breier (Frauen-Bundesliga-Schiedsrichterin) kritisierte öffentlich die unprofessionellen Bedingungen: Teilzeitjob, unzureichende Bezahlung (rund 700 €/Spiel vs. 5 000 € bei Männer-Bundesliga), mangelnder Rückhalt im Verband. Und: Es fehlt an Technik – etwa VAR oder Torlinientechnik – was Fehlentscheidungen begünstigt.
5. Sexistische und diskriminierende Angriffe
Fabienne Michel wurde bei einem Drittligaspiel 2025 mit sexistischen Beleidigungen und physischen Übergriffen konfrontiert. Der DFB verurteilte das Verhalten, sprach Geldstrafen aus – aber der Vorfall macht deutlich, wie stark Frauen auf dem Platz zusätzlich belastet sind.
6. Fachliche Forderungen: Männer im Frauenfußball, VAR & Förderung
Breier und andere schlagen vor, Männer in Frauen-Bundesliga-Partien einzusetzen, um Qualität zu erhöhen. Politiker und Vereinsvertreter wie Osman Cankaya bekräftigen das. Parallel wird gefordert, VAR auch im Frauenbereich einzuführen – wenn auch angesichts der Kosten oft abgelehnt.
7. Strukturelles Versagen beim DFB
Ex-Trainerin Steffi Jones kritisierte die Trägheit des DFBs: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, sie beklagt männerdominierte Gremien in Führungspositionen ohne Perspektive für Frauen.
Um wieder international vertreten zu sein, muss der DFB klare Prioritäten setzen:
• Intensive Nachwuchsentwicklung statt punktuelle Auswahl
• Technische Aufrüstung (VAR etc.) auch im Frauenbereich
• Gerechte Entlohnung und Professionalität für Schiedsrichterinnen
• Klarer Personalauf- und Ausbau, inkl. gemischter Einsätze
• Strukturelle Veränderungen im Verband, damit Frauen langfristig auf allen Ebenen vertreten sind
Nur so lässt sich vermeiden, dass das EM-Debakel zur Regel statt zur Ausnahme wird.
Fazit: Der DFB und seine Schiedsrichterkommission müssen sich die Frage stellen, warum andere Nationen besser ausbilden, fördern und präsentieren – während in Deutschland talentierte Schiedsrichterinnen entweder übersehen oder zu spät gefördert werden. Ohne strukturelle Reformen, klare Leistungsanforderungen und eine konsequente Talententwicklung wird sich an der deutschen Abstinenz auf internationalen Bühnen wenig ändern.

So oft wie die Schiedsrichterin beim Deutschland gegen Dänemark Spiel am TV war, hätte das auch ein Bezirksliga Schiedsrichter pfeifen können. So schlecht das Niveau bei den Schiris ist, so schlecht ist ja auch der kick. 75 Prozent der Spiele sind für den Zuschauer ne absolute Zumutung. Vielleicht sollten die Spielerinnen auch Mal da drüber nachdenken bevor sie hier fordern, dass Spitzenschiris ihren unterirdischen Kick leiten
Abdullah, ihre Meinung lässt auf eine absolut frauenfeindliche Gesinnung schließen. Worauf begründet sich die Pauschalkritik an den Leistungen der Schiedsrichterinnen? Sie treten einfach alles in die Tonne. Die beiden Runden der Gruppenspiele sind ohne wesentlichen Beanstandungen gelaufen.
Es ist auch kein Weltuntergang, dass, wie bei der letzten WM, keine Frau aus Deutschland nominiert worden ist. Es gibt viel zu tun für den DFB, um wieder an die internationale Spitze zu kommen. Vielleicht ist Fabienne Michel eine kurzfristige Lösung. Aber das reicht nicht, es muss in die Zukunft gedacht werden. Die Gründe sind ausführlich benannt worden.
Zwayer bei der Klub WM auch nur mit 2 Vorrundeneinsätzen. Das deutsche SR Wesen muss dringend zurück zum Leistungsprinzip. Zwayer gehört zwar zu den Top 5 in Europa aber halt nicht zu den Top 3. Die anderen Beiden in der Elitegruppe sind da eher im hinteren Teil anzutreffen. Verwunderlich ist, bis auf Frankreich hat niemand zwei Top Schiedsrichter. Spanien im Moment sogar gar keinen.
Mir wäre es lieber, wenn Zwayer nicht international auftritt und somit ein klein wenig Deutschland repräsentiert.
Wieder eine feindliche Gesinnung gegen Felix Zwayer. Total langweilig. Legen sie doch mal nach 20 Jahren eine neue Platte auf.
Pingback: Wieso eine Brasilianerin das deutsche EM-Halbfinale pfeift – IG Schiedsrichter