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Patrick Schwengers sichert sich mit der Note 2,5 den ersten Platz unserer Zweitliga-Schiedsrichterwertung. Trotz einer diskutablen Szene um eine mögliche Gelb-Rote Karte überzeugte er mit einer insgesamt souveränen Spielleitung.

Handelfmeter, VAR-Diskussionen und eine mögliche Gelb-Rote Karte – Schwengers ist Schiedsrichter des Spieltags

Besonders aufgefallen sind in den jüngsten Pokalspielen einige kuriose und heftig diskutierte Schiedsrichterentscheidungen. Allen voran der Last-Minute-Handelfmeter bei Hertha BSC gegen Arminia Bielefeld, der die Begegnung erst in der Nachspielzeit entschied. Aber auch in Magdeburg, Darmstadt und Heidenheim gab es Szenen, über die sich eine genauere Betrachtung lohnt.

Hertha BSC – Arminia Bielefeld 1:0 (SR): Cristian Ballweg

Gleich mehrfach standen Schiedsrichter Cristian Ballweg und Video-Assistent Tobias Stieler im Mittelpunkt.

Nach knapp einer halben Stunde brachte Zeefuik den Ball an den Elfmeterpunkt, wo Adewumi über den Ball trat und dabei mit dem Schienbein von Großer in Kontakt kam. Der Bielefelder hatte versucht, einen möglichen Abschluss mit einem Ausfallschritt zu blockieren. Ballweg ließ weiterspielen.

Auch die Überprüfung durch den VAR führte zu keiner Änderung. Die Zeitlupenbilder lieferten keinen eindeutigen Nachweis für ein strafbares Foulspiel. Damit entsprach das Ausbleiben eines Eingriffs der derzeitigen VAR-Linie: Solange kein klarer und offensichtlicher Fehler nachgewiesen werden kann, bleibt die Entscheidung auf dem Spielfeld bestehen.

Aberkanntes Tor nach Handspiel

Eine weitere strittige Szene folgte nach einem Abschluss von Soufian Gouram. Dessen Schuss wurde zunächst von Maximilian Bauer und anschließend von Luca Schuler abgefälscht und landete im Tor.

Ballweg erkannte den Treffer zunächst an, doch Stieler meldete sich wegen eines möglichen Handspiels. Die anschließende Überprüfung ergab, dass Schuler den Ball unmittelbar vor der Torerzielung mit der Hand berührt hatte.

Die Aberkennung war regeltechnisch korrekt. Erzielt ein Spieler unmittelbar nach einer eigenen Hand- oder Armberührung ein Tor, zählt der Treffer auch dann nicht, wenn die Berührung unabsichtlich erfolgt.

Der entscheidende Handelfmeter in der Nachspielzeit

Die größte Diskussion löste allerdings die Szene in der Nachspielzeit aus.

Nach einer Hertha-Ecke stand Bielefelds Maximilian Großer am kurzen Pfosten und verteidigte gegen Soufian Gouram. Dabei hatte er die Arme vom Körper entfernt, als ihn der Ball am Arm traf.

Ballweg entschied sofort auf Strafstoß.

Großer reklamierte, zuvor von seinem Gegenspieler gehalten worden zu sein. Er habe den Arm zum Reklamieren ausgestreckt, als ihn der Ball traf. Der VAR überprüfte die Szene, sah jedoch keinen Anlass, die Entscheidung zu korrigieren.

Unsere Bewertung: Die Entscheidung ist anhand der beschriebenen Armhaltung nachvollziehbar. Entscheidend ist allerdings nicht allein, dass der Arm abgespreizt war, sondern ob seine Position unter Berücksichtigung der Körperbewegung eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche darstellte.

Auch das mögliche vorausgegangene Halten muss berücksichtigt werden. Ein strafbares Vergehen des Angreifers vor dem Handspiel hätte die Bewertung verändern können. Ein bloßer Körperkontakt genügt dafür allerdings nicht.

Da der VAR keinen klaren Fehler nachweisen konnte, blieb Ballwegs Strafstoßentscheidung bestehen. Josip Brekalo verwandelte zum 1:0.

1. FC Magdeburg – Karlsruher SC 6:1 (SR: Felix Wagner)

Auch beim deutlichen Magdeburger Erfolg gab es mehrere Situationen, in denen das Schiedsrichterteam gefordert war.

Zunächst wurde ein vermeintlicher Führungstreffer des Karlsruher SC durch Noel Eichinger wegen einer Abseitsstellung aberkannt. Eichinger befand sich beim entscheidenden Kopfball in einer strafbaren Position. Eine richtige Entscheidung.

Wenig später wurde auch Magdeburgs Mateusz Żukowski wegen einer knappen Abseitsstellung zurückgepfiffen. Hier bewies insbesondere der Schiedsrichterassistent ein gutes Auge.

Zwei Strafstöße für Magdeburg

Beim ersten Strafstoß traf Tremoulet nach einer Freistoßhereingabe Hyryläinen an der Ferse. Wagner entschied auf Elfmeter. Die Berührung war erkennbar und konnte den Angreifer zu Fall bringen. Eine vertretbare Entscheidung.

Beim zweiten Strafstoß wurde Wagner vom VAR an den Bildschirm geschickt. Viktor Bergh hatte Pierre Nadjombe im Strafraum an der Ferse getroffen, als sich dieser in Richtung Grundlinie durchsetzte.

Die Bilder zeigten einen relevanten Kontakt, der den Sturz des Magdeburgers erklären konnte. Wagner entschied nach der Überprüfung auf Strafstoß.

Insgesamt eine überzeugende Spielleitung, bei der das Schiedsrichterteam insbesondere bei den knappen Abseitsentscheidungen aufmerksam agierte.

SV Darmstadt – FC St. Pauli 0:0 (SR: Timo Gansloweit)

Eine besonders diskussionswürdige Szene gab es beim torlosen Remis zwischen Darmstadt und St. Pauli.

Ceesay leistete sich gegen Petretta eine Schlagbewegung, die durchaus einen Feldverweis hätte nach sich ziehen können.

Entscheidend ist bei solchen Szenen, ob eine Tätlichkeit vorliegt und mit welcher Intensität beziehungsweise Brutalität der Spieler seinen Gegenspieler trifft oder zu treffen versucht.

Unsere Bewertung: Ein Platzverweis wäre bei einer als Tätlichkeit einzustufenden Schlagbewegung die richtige Konsequenz gewesen. Für eine abschließende Bewertung kommt es allerdings auf den genauen Bewegungsablauf und die Intensität an.

Bemerkenswert war jedenfalls, dass Gansloweit hier zurückhaltend agierte, obwohl er bei anderen Vergehen vergleichsweise schnell zu persönlichen Strafen griff.

VfL Bochum – VfL Wolfsburg 1:1 (SR: Eric Weisbach)

Auch in Bochum stand eine Handspielentscheidung im Mittelpunkt.

Kento Shiogai erzielte das vermeintliche 2:1 für Wolfsburg. Der Treffer wurde jedoch nach einer VAR-Überprüfung aberkannt, weil der Torschütze den Ball unmittelbar zuvor mit dem Arm berührt hatte.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Berührung absichtlich erfolgte. Wenn der Torschütze unmittelbar nach einer eigenen Hand- oder Armberührung trifft, ist das Tor abzuerkennen.

Unsere Bewertung: Regeltechnisch eine korrekte Entscheidung. Auch eine leichte, unabsichtliche Berührung kann in dieser besonderen Situation ausreichen.

1. FC Heidenheim – Energie Cottbus 1:1 (SR: Patrick Schwengers)

Eine mögliche Gelb-Rote Karte sorgte in Heidenheim für Diskussionen.

Michael Heule war bereits in der 69. Minute verwarnt worden, nachdem er Lucas Copado von hinten zu Fall gebracht und damit einen Konter unterbunden hatte.

Als Heule in der 84. Minute erneut ein Foul beging, verzichtete Schwengers auf die zweite Verwarnung.

Unsere Bewertung: Hier kommt es auf die Qualität des zweiten Vergehens an. Eine bereits bestehende Verwarnung darf die Bewertung eines weiteren Fouls weder verschärfen noch abschwächen.

Handelte es sich erneut um ein rücksichtsloses Einsteigen oder die Unterbindung eines aussichtsreichen Angriffs, wäre Gelb-Rot erforderlich gewesen. Ein gewöhnliches Foulspiel allein rechtfertigt dagegen keine zweite Verwarnung.

Die Entscheidung war somit diskutabel. Heule blieb zunächst auf dem Platz und wurde wenig später ausgewechselt.

VfL Osnabrück – SpVgg Greuther Fürth 3:0 (SR: Jastin Hasmann)

Beim Osnabrücker Heimsieg stand insbesondere die Entstehung des zweiten Treffers im Mittelpunkt.

Fürths Paul Will wurde im Spielaufbau unter Druck gesetzt. Bjarke Jacobsen eroberte den Ball, wobei es auch zu einem Kontakt mit dem Fuß des Fürthers kam.

Hasmann ließ weiterspielen. Im weiteren Verlauf legte Kyereh auf Meißner quer, der zum 2:0 einschob.

Die Entscheidung, weiterspielen zu lassen, war nachvollziehbar. Jacobsen spielte nach der vorliegenden Schilderung zunächst den Ball. Der anschließende Kontakt war nicht zwingend als strafbares Foulspiel zu bewerten.

Gewitter in der Schlussphase

Ungewöhnlich wurde es in der Endphase, als sich über dem Stadion ein Gewitter entwickelte und bereits starker Regen einsetzte.

Hasmann ließ die Partie weiterlaufen.

Hier steht allerdings die Sicherheit aller Beteiligten im Vordergrund. Bei einer konkreten Blitzschlaggefahr muss der Schiedsrichter die Begegnung unterbrechen. Das ist keine gewöhnliche Ermessensentscheidung.

Ob eine Unterbrechung tatsächlich erforderlich gewesen wäre, lässt sich ohne genaue Kenntnis der Wetterlage und der Entfernung des Gewitters nicht abschließend beurteilen.

Abgesehen davon zeigte Hasmann insgesamt eine ruhige und solide Spielleitung.

Fazit: Nicht jede Diskussion bedeutet einen Schiedsrichterfehler

Die jüngsten Zweitligaspiele haben erneut gezeigt, wie unterschiedlich Schiedsrichterentscheidungen wahrgenommen werden.

Während die Aberkennung der beiden Treffer nach unmittelbaren Handberührungen der Torschützen regeltechnisch klar begründet werden kann, lassen insbesondere der Handelfmeter in Berlin, die mögliche Tätlichkeit in Darmstadt und die ausgebliebene Gelb-Rote Karte in Heidenheim Raum für Diskussionen.

Dabei sollte auch die Rolle des Video-Assistenten richtig eingeordnet werden. Seine Aufgabe ist nicht, jede knappe Entscheidung durch eine vermeintlich bessere zu ersetzen. Eingreifen soll er bei klaren und offensichtlichen Fehlern sowie bei schwerwiegenden übersehenen Vorfällen innerhalb seines Zuständigkeitsbereichs.

Gerade die Szene in Berlin zeigt, wie wichtig diese Unterscheidung ist: Eine Entscheidung kann umstritten sein, ohne deshalb automatisch einen VAR-Eingriff zu rechtfertigen.

Unser Fazit: Die Schiedsrichter hatten mehrere schwierige Situationen zu bewältigen. Bei aller berechtigten Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass eine vertretbare Entscheidung nicht schon deshalb falsch ist, weil sie einer Mannschaft nicht gefällt.

Schiedsrichter-Ranking: Patrick Schwengers ist unser Schiedsrichter des Spieltags

Platz 1 – Patrick Schwengers

Patrick Schwengers sichert sich aus unserer Sicht den ersten Platz unter den Zweitliga-Schiedsrichtern dieses Spieltags. Der Unparteiische überzeugte insgesamt mit einer ruhigen und souveränen Spielleitung.

Eine diskutierbare Entscheidung gab es allerdings in der 84. Minute, als der bereits verwarnte Michael Heule erneut Lucas Copado foulte. Hier wäre eine zweite Gelbe Karte durchaus vertretbar gewesen. Schwengers entschied sich jedoch gegen einen Platzverweis.

Diese Szene bleibt ein kleiner Kritikpunkt, schmälert aber nicht den insgesamt guten Auftritt. Mit der Note 2,5 ist Schwengers unser Schiedsrichter des Spieltags.

Platz 2 – Jastin Hasmann

Auf dem zweiten Platz landet Jastin Hasmann, der beim 3:0-Erfolg des VfL Osnabrück eine weitgehend fehlerfreie Leistung zeigte.

Besonders bei der Entstehung des zweiten Osnabrücker Treffers lag er richtig. Bjarke Jacobsen eroberte gegen Paul Will den Ball, wobei es auch zu einem Kontakt mit dem Fürther kam. Hasmann ließ weiterspielen, was angesichts des zunächst gespielten Balles nachvollziehbar war.

Auch ansonsten überzeugte Hasmann mit einer unaufgeregten Spielleitung und behielt die Begegnung gut unter Kontrolle. Eine solide Leistung, die ihm Platz zwei in unserer Rangliste einbringt.

Platz 3 – Felix Wagner

Den dritten Platz belegt Felix Wagner, der beim deutlichen Magdeburger Heimsieg gleich mehrere knifflige Situationen zu bewerten hatte.

Die beiden aberkannten Abseitstore wurden vom Schiedsrichterteam richtig erkannt. Auch beim ersten Strafstoß für Magdeburg lag Wagner mit seiner Entscheidung richtig.

Beim zweiten Elfmeter benötigte er die Unterstützung des Video-Assistenten. Nachdem Viktor Bergh den Magdeburger Pierre Nadjombe an der Ferse getroffen hatte, wurde Wagner zur Überprüfung an den Bildschirm geschickt und entschied anschließend auf Strafstoß.

Daraus machen wir dem Schiedsrichter keinen Vorwurf. Der Kontakt war in der Dynamik des Spielgeschehens nicht einfach wahrzunehmen. Genau für solche Situationen steht der VAR zur Verfügung.

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