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Mitten im Spiel: Die nur 29,5 Gramm leichte Xacti-Kamera liefert Bilder direkt aus der Perspektive des Schiedsrichters.

Japan testet Referee Cam: Nur 29,5 Gramm schwere Kamera liefert Bilder aus Sicht des Schiedsrichters

Wie sieht ein Fußballspiel eigentlich aus der unmittelbaren Perspektive des Schiedsrichters aus? Beim Länderspiel zwischen Japan und Ecuador wurde genau das für die Fernsehzuschauer sichtbar. Eine nur wenige Gramm schwere Kamera lieferte Livebilder direkt vom Unparteiischen – und zeigt, wohin sich die TV-Übertragung im Fußball entwickeln könnte.

Beim Kirin-Cup-Länderspiel zwischen Japan und Ecuador am 1. Oktober im International Stadium Yokohama kam eine sogenannte Referee Cam zum Einsatz. Der Schiedsrichter trug dabei die Wearable-Kamera CX-WL100 des japanischen Herstellers Xacti.

Anders als die klassischen TV-Kameras am Spielfeldrand bewegte sich diese Kamera damit unmittelbar durch das Spiel. Zuschauer konnten Situationen aus einer Perspektive verfolgen, die normalerweise ausschließlich der Schiedsrichter selbst erlebt.

Kamerakopf wiegt nur 29,5 Gramm

Bemerkenswert ist vor allem die Größe der eingesetzten Technik. Der Kamerakopf misst lediglich etwa 25 × 34 × 34 Millimeter und wiegt ohne Kabel rund 29,5 Gramm.

Die CX-WL100 liefert Full-HD-Bilder mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Stabilisierung. Ein Schiedsrichter sprintet, wechselt abrupt die Richtung und dreht seinen Kopf ständig zum Spielgeschehen.

Genau deshalb bestanden nach Angaben des Produktionsteams zunächst Zweifel, ob sich die Aufnahmen überhaupt für eine Liveübertragung eignen würden. Durch die Bildstabilisierung konnten die Bewegungen jedoch so ausgeglichen werden, dass für die Zuschauer vergleichsweise ruhige Bilder entstanden.

Wichtig: Die häufig genannten 29,5 Gramm beziehen sich ausschließlich auf den Kamerakopf und nicht auf das komplette Übertragungssystem.

Bilder wurden live übertragen

Die Aufnahmen wurden nicht lediglich gespeichert und später ausgewertet. Sie waren Bestandteil der landesweiten Liveübertragung des japanischen Senders TBS.

Zur Übertragung wurde das System LMS (Live Multi Studio) eingesetzt, das von TBS und WOWOW Entertainment gemeinsam genutzt wird. Zusätzlich kam eine speziell für die Übertragung eingerichtete 5G-Infrastruktur zum Einsatz.

Gerade in einem Stadion mit zehntausenden Zuschauern ist die zuverlässige drahtlose Übertragung eine Herausforderung. Deshalb wurde sogenanntes 5G-SA-Network-Slicing eingesetzt. Dabei kann für die Übertragung der Kamerabilder ein entsprechend abgesicherter Bereich des Mobilfunknetzes genutzt werden.

So konnten die Bilder des sich ständig über das Spielfeld bewegenden Schiedsrichters mit geringer Verzögerung in die TV-Produktion übertragen werden.

Referee Cam längst mehr als ein Experiment

Neu ist die Idee einer Schiedsrichterkamera grundsätzlich nicht. Interessant ist vielmehr, wie schnell sich die Technik inzwischen weiterentwickelt.

Auch bei der Weltmeisterschaft 2026 setzte die FIFA bereits auf Bilder aus der Perspektive der Unparteiischen. Die Referee View wurde während der Gruppenphase in die Fernsehübertragungen integriert.

Damit verändert sich auch der Zweck solcher Kameras.

Während Bodycams im Amateurfußball vor allem unter dem Gesichtspunkt des Schutzes von Schiedsrichtern und der Prävention von Übergriffen diskutiert und getestet werden, geht es im Profifußball zunehmend um eine zusätzliche Perspektive für die Fernsehübertragung.

Beides sollte deshalb voneinander unterschieden werden.

Auch das Regelwerk hat sich geöffnet

Inzwischen trägt auch das Regelwerk dieser Entwicklung Rechnung. Nach den Fußballregeln 2026/27 können Wettbewerbe den Einsatz von Körperkameras bei Schiedsrichtern und anderen Spieloffiziellen unter bestimmten Voraussetzungen zulassen.

Dabei gelten klare Vorgaben. Unter anderem muss die Ausrüstung vom Wettbewerbsveranstalter bereitgestellt werden und dieser die Kontrolle über das aufgezeichnete Material behalten.

Eine wichtige Grenze besteht ebenfalls: Die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent darf über das Mikrofon einer solchen Kamera nicht für die Öffentlichkeit übertragen werden.

Parallel beschäftigt sich auch die FIFA mit professionellen Bodycam-Systemen für Schiedsrichter. Dabei spielen neben Gewicht und Größe insbesondere eine sichere Befestigung und eine möglichst verzögerungsarme Übertragung der Bilder eine Rolle.

Eine Perspektive, die Entscheidungen verständlicher machen kann

Für den Fußball könnte die Technik mehr sein als nur eine spektakuläre zusätzliche Kameraposition.

Die Bilder zeigen nämlich auch, was ein Schiedsrichter in einer konkreten Situation tatsächlich vor sich hat: Spieler können die Sicht verdecken, Zweikämpfe laufen aus einem völlig anderen Winkel ab und Entscheidungen müssen innerhalb von Sekundenbruchteilen getroffen werden.

Eine Fernsehaufnahme aus erhöhter Position oder eine Zeitlupe aus mehreren Kamerawinkeln vermittelt zwangsläufig einen anderen Eindruck.

Die Referee Cam kann deshalb möglicherweise auch dazu beitragen, Zuschauern ein besseres Verständnis dafür zu vermitteln, unter welchen Bedingungen Entscheidungen auf dem Spielfeld entstehen.

Sie ersetzt dabei weder die klassischen TV-Bilder noch kann sie beweisen, was ein Schiedsrichter tatsächlich wahrgenommen hat. Aber sie liefert eine Perspektive, die bislang bei Fußballübertragungen weitgehend fehlte.

Die Kamera steht nicht mehr nur am Spielfeldrand – sie läuft mitten im Spiel.

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