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Leipzig hatte Pech mit dem Schiedsrichter

Analyse zu den vier strittigen Szenen im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen den Bayern und RB Leipzig (2:0), bei der Daniel Siebert eine sehr polarisierende Leistung, die extrem unterschiedliche Meinungen, Diskussionen und Bewertungen hervorrief.

Szene 1: In der 4. Spielminute erzielte Christoph Baumgartner vermeintlich die frühe Führung für Leipzig: Nach einem starken Zuspiel von Yan Diomande traf er ins linke Eck. Der Treffer wurde zunächst bejubelt, aber nach VAR-Überprüfung wegen einer knappen Abseitsstellung aberkannt. Das war der erste große Aufreger des Spiels. Viele Leipzig-Fans empfanden die Entscheidung als hart, aber die TV-Bilder einschließlich der offiziellen kalibrierten Linie, war es korrekt – Baumgartner stand minimal im Abseits beim Zuspiel. [TV-Bilder – ab 0:10 Minuten]

Szene 2: Nusa drang über links gefährlich in Richtung Bayern-Strafraum vor, Stanišić setzte sich in einem Zweikampf mit dem Bein dazwischen – es kam zu einem Einhaken/Beinstellen (Stanisic stellte seinen Fuß zwischen Nusas Beine), Nusa ging zu Boden. Der Ball war schon fast weg, Nusa fiel aber klar durch den Kontakt. Schiedsrichter Daniel Siebert ließ weiterspielen. Video-Assistent Benjamin Cortus griff nicht ein, weil die Szene nach Einschätzung des Gespanns außerhalb des Strafraums begann und endete. [TV-Bilder – ab 26:46 Minuten]

War das ein Foul? Ja, es war ein klares Beinstellen.
Wo war der Kontakt? Das ist der entscheidende Knackpunkt. Es war ganz eng. Für mich ist der Erstkontakt knapp außerhalb des Strafraums. Da widerspreche ich Manuel Gräfe, der sofort twitterte „klarer Elfmeter“,  klar. Das Bild, welches den Fuß auf der Linie zeigt, da war der Leipziger-Spieler schon im Fallen und es ist dann nicht ursächlich für den Sturz. Der entscheidende, spielbeeinflussende Kontakt (das eigentliche Beinstellen) passierte knapp außerhalb, und was danach folgte, war Momentum + Simulationselement, wo sich Nusa clever fallen ließ, wie Stanišić selbst andeutete.

Schiedsrichter Daniel Siebert ließ laufen, und selbst nach Spielende hat er gesagt, dass er es rückblickend als Foul außerhalb sieht – aber eben kein Elfmeter. Deswegen Fehlentscheidung, es nicht als Freistoß gegeben zu haben. Siebert war in dieser Szene eigentlich sehr gut positioniert (direkt in der Linie, nah dran am Zweikampf zwischen Josip Stanišić und Antonio Nusa an der Strafraumkante). Trotzdem pfiff er nicht mal ein Foul und ließ weiterspielen. Für Siebert war der Kontakt (oder der spielentscheidende Teil davon) zu marginal / zu wenig – er bewertete es offenbar als kein klares Foul oder als Kontakt außerhalb, der nicht pfiffwürdig ist, vielleicht weil Nusa schon im Fallen war durch das Momentum und der Sturz nicht ursächlich durch den Kontakt im Strafraum entstand.

Da es aber außerhalb des Strafraums war, was nur einen Freistoß bedeutet hätte, griff der VAR nicht ein. Da Leipzigs Trainer Ole Werner heftig an der Seitenlinie protestierte, nachdem Schiri Siebert das Foul nicht pfiff und weiterspielen ließ, tobte Werner lautstark – er forderte vehement den Einsatz des VAR, gestikulierte wild und kritisierte die Entscheidung massiv. Deshalb wurde Ole Werner mit der gelben Karte bedacht.

Szene 3: Nach etwas mehr als fünfzehn Minuten wurde Michael Olise mit einem hohen Ball gesucht. Der Franzose setzte sich im Laufduell zwar gegen Leipzigs David Raum durch, doch dieser setzte bei dem Zweikampfduell um den Ball gegen Olise den Ellenbogen ein und traf diesen im Gesicht. Der Arm wird aber nicht als Waffe eingesetzt – auch geht der Ellenbogen nicht aktiv in das Gesicht von Olise. Raum hatte den Arm nicht bewusst hochgerissen oder geschwungen, um Olise zu treffen (kein absichtlicher Schlag). Es ist ein natürlicher Lauf-/Zweikampf-Arm – der Ellenbogen ist hoch, weil Raum balanciert oder den Körper drehte, um Olise abzuschirmen/blocken.

Regeltechnisch war in diesem Fall auch keine Gelbe Karte für David Raum gewesen – auch wenn der Ellenbogen Olise im Gesicht trifft. Der Arm war nicht als Werkzeug missbraucht (kein aktives Hochziehen/Schwingen ins Gesicht). Es war ein normaler, dynamischer Zweikampf im Strafraum (Olise dringt ein, Raum blockt ab). Der Ellenbogen ist hoch, aber nicht übermäßig oder absichtlich gefährlich positioniert und mit einer geringen Intensität und zufälliger Kontakt → das fällt unter careless (fahrlässig = nur Foul, keine Karte), nicht rücksichtslos. Dafür einen Elfmeter könnte man geben, wäre dann aber schon sehr kleinlich. [TV-Bilder – ab 15:42 Minuten]

Szene 4: Eine weitere Szene ereignete sich in der 38. Minute, als Pavlovic sichtbar mit dem gestreckten Bein und der offenen Sohle zur Grätsche ging, aber zuerst den Ball wegspitzelte, dann aber den Gegner oberhalb des Knöcheln getroffen hatte. Siebert erkannte das als Foul, gab aber kein Gelb. Diese hätte es aber geben müssen. Das Foul mit dem gestreckten Bein und der offenen Sohle erfüllt dann den rücksichtslosen Charakter, wenn trotzdem der Ball getroffen wird, er aber mit geringer Intensität den Gegner trifft. Eine Grätsche gilt als rücksichtslos, wenn der Spieler mit Mißachtung der Gefahr oder der Folgen für den Gegner handelt – also bewusst ein Risiko für den Gegner eingeht, auch wenn er den Ball trifft. Wichtig: Wer zuerst den Ball trifft, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Zweikampf zulässig ist. Das steht explizit in den IFAB-Guidelines: Selbst wenn der Ball zuerst getroffen wird, kann der nachfolgende Kontakt (hier: offene Sohle oberhalb des Knöchels mit geringer Intensität) den reckless-Charakter begründen, weil die offene Sohle ein erhöhtes Verletzungsrisiko birgt (Stollen können schneiden oder prellen). [TV-Bilder – ab 38:00 Minuten]

Szene 5: In der 62. Minute brach Stanišić nach einem starken Ball von Upamecano allein durch, sprintete in den Strafraum. RB-Keeper Vandevoordt, der bis dahin überragend gehalten hatte, rutschte beim Herauslaufen aus und touchierte Stanišić mit dem Bein – der Münchner ging zu Boden. Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte sofort auf den Punkt. Klarer kann ein Elfmeter nicht sein. Harry Kane verwandelte den Foulelfmeter eiskalt ins rechte Eck. Das war der Dosenöffner für die Bayern. [TV-Bilder – ab 03:00 Minuten]

Fazit: Speziell im ersten Durchgang war die Leistung von Schiedsrichter Daniel Siebert und seinem Team schlecht schwächer als im zweiten – und das hat den Frust massiv angeheizt. Kein Freistoß (bzw. Foul nicht gepfiffen) bei Nusa vs. Stanišić, keine gelbe Karte bei Pavlovics Grätsche gegen Diomande. Insgesamt nicht schlecht im Sinne von katastrophal, aber auch nicht gut oder souverän – in entscheidenden Grenzszenen (vor allem Nusa-Foul, Pavlovic-Grätsche) fehlte die Konsequenz/Klarheit, was RB das Gefühl gab, benachteiligt zu sein

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