Seine heftige Kritik am Schiedsrichtergespann nach der Niederlage in Weiden hat für Jussi Tuores ein Nachspiel. Der Trainer der Eispiraten Crimmitschau wurde von der DEL2 mit einer Geldstrafe und einem Innenraumverbot belegt. Letzteres wird bis zum Saisonende zur Bewährung ausgesetzt. Die Liga wertete Äußerungen des Finnen über Schiedsrichterin Caroline Butt als unsportlich und beleidigend.
Die deutlichen Worte von Jussi Tuores nach der 2:3-Niederlage der Eispiraten Crimmitschau bei den Blue Devils Weiden bleiben nicht ohne Konsequenzen.
Die DEL2 belegte den Cheftrainer der Westsachsen mit einer Geldstrafe. Zusätzlich wurde gegen Tuores ein Innenraumverbot für die Dauer eines Meisterschaftsspiels ausgesprochen. Dieses wird allerdings bis zum Ende der laufenden Saison 2026/27 zur Bewährung ausgesetzt.
Die Eispiraten werden gegen die Entscheidung nicht vorgehen.
„Wir akzeptieren das Urteil, es sind die strengen Regeln der DEL2“, erklärte Pressesprecher Aaron Frieß gegenüber „Sport im Osten“.
DEL2: Äußerungen waren „unsportlich und beleidigend“
Auslöser des Verfahrens waren Tuores‘ Aussagen auf der Pressekonferenz unmittelbar nach der Partie in Weiden.
Der Finne hatte dort die Leistung des Schiedsrichtergespanns Bastian Steingroß und Caroline Butt massiv kritisiert und den Unparteiischen eine Mitverantwortung für die Niederlage seiner Mannschaft gegeben.
Besonders seine Äußerungen über die amtierende Schiedsrichterin wertete die DEL2 nach Angaben von „Sport im Osten“ als „unsportlich und beleidigend“.
Damit zieht die Liga eine klare Grenze zwischen zulässiger Kritik an Entscheidungen und persönlichen beziehungsweise unsportlichen Äußerungen über die Spielleitung.
„Wir können nicht gegen sieben Mann gewinnen“
Crimmitschau kassierte in der Begegnung insgesamt 18 Strafminuten. Zwei Überzahlsituationen nutzten die Blue Devils anschließend zu Treffern.
Tuores machte aus seinem Ärger darüber keinen Hehl.
„Wir können nicht gegen sieben Mann auf dem Eis gewinnen“, sagte der Eispiraten-Coach nach der Partie.
Eine Aussage mit einer unmissverständlichen Botschaft: Neben den fünf Weidener Feldspielern und dem Torhüter sah Tuores offenbar auch die Spielleitung als Gegner seiner Mannschaft.
Das ging der DEL2 nun zu weit.
Vier Fehlentscheidungen eingeräumt?
Interessant bleibt allerdings ein anderer Teil der Aussagen des Trainers.
Tuores erklärte nach dem Spiel, die Schiedsrichter hätten im Nachgang vier Fehlentscheidungen eingeräumt und sich dafür entschuldigt.
Diese Darstellung stammt vom Eispiraten-Coach. Dass Fehler möglicherweise intern aufgearbeitet oder gegenüber den Beteiligten eingeräumt wurden, ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Frage, wie anschließend öffentlich mit den Unparteiischen umgegangen wird.
Denn beides kann gleichzeitig gelten:
Ein Schiedsrichter kann Fehler machen – und persönliche oder beleidigende Kritik kann trotzdem eine Grenze überschreiten.
Genau diese Trennung ging in Teilen der anschließenden Diskussion verloren.
Kritik muss möglich bleiben
Auch wir hatten nach der Partie darauf hingewiesen, dass Schiedsrichterkritik selbstverständlich erlaubt sein muss.
Das gilt im Fußball genauso wie im Eishockey.
Wer eine Partie leitet, trifft Entscheidungen. Entscheidungen können falsch sein. Trainer und Spieler dürfen diese Fehler benennen, analysieren und auch deutlich kritisieren.
Gerade wenn Fehlentscheidungen Einfluss auf ein Ergebnis haben, wäre es lebensfremd zu verlangen, dass sich ein Trainer anschließend kommentarlos vor die Kameras stellt.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Wo endet die Kritik an einer Entscheidung – und wo beginnt der persönliche Angriff auf den Menschen, der sie getroffen hat?
Die DEL2 hat diese Grenze im Fall Tuores nun gezogen.
Besonders Caroline Butt geriet in den Fokus
Der Fall hatte auch deshalb Aufmerksamkeit erzeugt, weil Caroline Butt noch vergleichsweise neu als Hauptschiedsrichterin in der DEL2 ist.
Nach der Partie richtete sich ein erheblicher Teil der öffentlichen Kritik gegen sie. Auch unter unserem Bericht wurde anschließend teilweise nicht mehr über einzelne Entscheidungen diskutiert, sondern grundsätzlich darüber, ob Butt für Einsätze auf diesem Niveau geeignet sei.
Genau dort wird aus Fehleranalyse schnell etwas anderes.
Vier mögliche Fehlentscheidungen in einem Spiel – selbst wenn sie tatsächlich so eingeräumt worden sein sollten – beweisen nicht, dass jemand grundsätzlich ungeeignet ist.
Ansonsten dürfte kaum ein Schiedsrichter lange Schiedsrichter bleiben.
Fehler eingestehen ist keine Schwäche
Im Gegenteil: Sollte es tatsächlich stimmen, dass das Gespann nach der Partie mehrere Fehler eingeräumt und sich dafür entschuldigt hat, wäre das zunächst einmal ein Zeichen professioneller Selbstkritik.
Schiedsrichter sind keine Maschinen.
Sie werden Fehler machen.
Entscheidend ist, ob diese analysiert, aufgearbeitet und beim nächsten Mal möglichst vermieden werden.
Es wäre deshalb geradezu widersinnig, einerseits mehr Transparenz und Selbstkritik von Unparteiischen zu verlangen und ihnen andererseits jedes eingeräumte Fehlurteil anschließend als Beweis ihrer Unfähigkeit vorzuhalten.
Wer möchte, dass Schiedsrichter offen mit Fehlern umgehen, muss ihnen auch ermöglichen, Fehler einzugestehen.
Fazit der IG Schiedsrichter: Kritik ja – persönliche Abrechnung nein
Die Entscheidung der DEL2 sendet deshalb ein wichtiges Signal.
Trainer dürfen Schiedsrichter kritisieren.
Sie dürfen Fehlentscheidungen benennen.
Sie dürfen erklären, warum sie eine Entscheidung für falsch halten und welchen Einfluss sie ihrer Meinung nach auf ein Spiel hatte.
Auch deutliche Worte müssen dabei möglich sein.
Aber die Person hinter der Entscheidung darf nicht zum Freiwild werden.
Genau diese Unterscheidung ist für eine vernünftige Fehlerkultur entscheidend.
Wer von Schiedsrichtern erwartet, eigene Fehler einzugestehen, muss gleichzeitig akzeptieren, dass dieses Eingeständnis nicht zum Startschuss für persönliche Angriffe werden darf.
Jussi Tuores darf weiterhin der Meinung sein, dass die Spielleitung in Weiden Fehler gemacht und seine Mannschaft dadurch Nachteile erlitten hat.
Die DEL2 macht mit ihrer Sanktion aber ebenso deutlich:
Schiedsrichterkritik hat Grenzen. Und diese Grenze verläuft dort, wo aus der Kritik an Entscheidungen eine persönliche oder beleidigende Abrechnung mit den Menschen wird, die sie getroffen haben.

Die Sanktion der Liga bestätigt im Grunde genau die Trennung, die wir dort vorgenommen haben: Über Fehler reden: unbedingt. Menschen persönlich abwerten: nein.