Die englische Woche in der 3. Liga ging am Abend weiter und wir haben einige hochspannende Partien sehen dürfen. So unter anderem gab es einige Fanausschreitung bei der Partie Verl – Rostock welches Schiedsrichter Michael Bacher jedoch sehr gut gelöst hat. In der Kritik steht aber dafür Schiedsrichterin Davina Lutz bei der Partie Saarbrücken – Aachen die gleich in mehreren Szenen die Gemüter auf den Rängen und auf dem Platz zu kochen brachte. Alles weitere wie gewohnt in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 – Felix Weller:
Unser Schiedsrichter des Spieltages in der englischen Woche ist diesmal Felix Weller aus Neunkirchen (Siegen) der am Dienstagabend bei der Partie zwischen Jahn Regensburg und Erzgebirge Aue zum Einsatz kam. Weller wirkte wie gewohnt sehr sicher und ruhig in seiner Ausstrahlung, brachte keine Hektik ins Spiel und seine Zweikampfbewertung war top bei diesem Spiel. Weller gilt als starker Kandidat für den Aufstieg in Liga 2 für die nächste Saison und das Spiel in Regensburg unterstreicht das ganze nochmal! Gute Leistung vom 30-Jährigen!
Platz 🥈 – Lennart Kernchen:
Auf Platz 2 der englischen Woche haben wir den sehr jungen Schiedsrichter Lennart Kernchen mit gerade mal 24 Jahren aus Hannover, der am Mittwoch Abend die Reise zum Südduell zwischen Stuttgart 2 – Ulm antrat. Unter teils schlimmen Rasenbedingungen war das Spiel aus Zuschauersicht nicht schön zum Anschauen, weshalb Kernchen auch nicht viel zu tun hatte in diesem Spiel. Trotzdessen war auch er jederzeit souverän und vergab kurz vor Ende der Partie korrekterweise die gelbe Karte für den Ulmer Trainer nachdem der eine Trinkflasche mit dem Fuß wegschoß.
Platz 🥉 – Assad Nouhoum:
Auf dem dritten Platz haben wir Assad Nouhoum aus Fürstenfeldbruck der am Mittwochabend das Spiel der hessischen Hauptstadt Wiesbaden und der TSV Havelse aus Niedersachsen leitete. Nouhoum war in einer Szene besonders gefordert, als der Wiesbadener Keeper Brdar in Minute 83 den Havelser Ilic im vollen Lauf im Strafraum unfair zu Fall brachte und somit auf den Punkt für Havelse zeigte. Diese Szene bewertete er richtig und es gab schlussendlich auch gelb für den Wiesbadener Torwart. Ansonsten war es eine ruhige Partie, welches überraschenderweise Havelse klar dominierte und mit 1:4 vom Platz ging.
1.FC Schweinfurt – Rot-Weiss Essen 1:3 (SR: Cristian Ballweg)
Szene 1: Mitte der zweiten Hälfte lief Safi alleine auf das Tor zu und legte sich den Ball am gegnerischen Keeper vorbei. Außerhalb des Strafraums kam Stahl zu spät und traf Safi mit offener Sohle am Schienbein. Schiedsrichter Cristian Ballweg ließ weiterlaufen. Eine krasse Fehlentscheidung! Ein Foul mit offener Sohle und gestrecktem Bein gilt als übermäßig hartes Foul. Das Einsteigen mit hoher Intensität trifft ihn weit über dem Knöchel am Schienbein. Auch wenn er da noch ganz leicht den Ball touchierte, der Spielerschutz hat da Vorrang. Der Angreifer war allein aufs Tor zugelaufen und hatte den Ball schon am Keeper vorbeigelegt. Das Foul passiert außerhalb des Strafraums und hätte direkter Freistoß von der Foulstelle geben müssen. Bei DOGSO außerhalb des eigenen Strafraums gibt die Rote Karte, wenn es sich um ein strafbares Foul handelt (besonders bei übermäßiger Härte oder gefährlichem Spiel). Nur bei reinen „Ballspielversuchen“ ohne hohe Gefahr kann es manchmal „nur“ Gelb geben – aber bei offener Sohle und „zu spät“ sieht das meist anders aus. [TV-Bilder – ab 02:45 Minuten]
MSV Duisburg – VfL Osnabrück 1:0 (SR: Nico Fuchs)
Keine großen Aufreger aber ein paar gewohnte Schwächen in der Zweikampfbewertung. Fuchs ist solide in der Routine, aber in hitzigen Duellen wirkt er manchmal zögerlich und nicht konsequent genug.
Waldhof Mannheim – TSG Hoffenheim II 1:1 (SR: Martin Wilke)
Ähnlich wie Nico Fuchs auch Martin Wilke in Mannheim. Wilke hat insgesamt eine etwas höhere Gelb-Quote, neigt aber gelegentlich dazu, klare Fouls laufen zu lassen oder umgekehrt zu kleinlich zu sein.
Jahn Regensburg – Erzgebirge Aue 1:0 (SR: Felix Weller)
Felix Weller gewohnt souverän und lernfähig 😉 Fiel er zuletzt mit einem Regelverstoß auf, pfiff er diesmal exakt 10 Sekunden nach Ablauf der angezeigten Nachspielzeit ab. Der einzige, der wirklich souverän rüberkam war Felix Weller. Weller gilt in der 3. Liga aktuell als einer der konstantesten und besten Unparteiischen mit einer gute Zweikampfbewertung, ruhige Ausstrahlung und klare Linie. Der Junge muss einfach aufsteigen.
SC Verl – Hansa Rostock 1:2 (SR: Michael Bacher)
Szene 2: Der Hansa-Keeper fängt den Ball außerhalb des Sechzehners mit den Händen. Die Verler fordern sofort Freistoß wegen des Handspiels. Schiedsrichter Bacher lässt die Szene weiterlaufen – offenbar weil er die Ballaufnahme noch knapp innerhalb der Strafraumlinie gesehen hat. Fehlentscheidung. Freistoß und Rot wäre korrekt, weil hier eine sehr gute Torchance mit verhindert wurde. Das hätte auch der Assistent erkennen müssen. [TV-Bilder – ab 0:30 Minuten]
Wehen Wiesbaden – TSV Havelse 1:4 (SR: Assad Nouhoum)
Szene 3: Wiesbaden machte komplett auf und hatte überhaupt keine Restverteidigung mehr. So marschierte Boujellab zusammen mit Ilic auf den alleingelassenen Neubert zu und legtw quer. Ilic legte sich anschließend die Kugel an Brdar vorbei und wurde unfair von den Beinen geholt. Assad Nouhoum gab Elfmeter und Gelb da noch zwei andere Verteidiger vor dem Angreifer waren. Der Elfmeter ist klar korrekt. Der Wiesbadener kommt zu spät, trifft den Angreifer ohne echte Ballchance. Nur Gelb statt Rot ist die spannende Frage. Für mich korrekt, da noch zwei Verteidiger davor waren. Im Strafraum entscheidet sich die Kartenfarbe stark nach DOGSO.Im Bild sieht man: Ilic ist nach dem Querpass schon fast durch und legt sich den Ball am Keeper vorbei. Es sind mindestens zwei Wiesbadener Verteidiger eelativ nah dran – einer links, einer etwas weiter hinten. Die Torchance ist sehr groß, aber nicht 100 % „obvious“ im Sinne von allein vor dem leeren Tor. Die zwei Verteidiger hätten theoretisch noch eingreifen können, auch wenn sie abgehängt wirken. Nouhoum hat hier kein klares DOGSO gesehen und daher „nur“ Gelb gegeben. Das ist vertretbar, aber grenzwertig. hätten bei dieser Geschwindigkeit und der Position vor dem Keeper durchaus Rot geben können – vor allem weil Wiesbaden komplett aufgemacht hatte und die Restverteidigung aufgelöst war. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
FC Ingolstadt 04 – Viktoria Köln 1:2 SR: Sebastian Hilsberg)
Szene 4: In der Nachspielzeit gab es Aufregung, als Viktorias Lars Dietz den Ball aus dem Strafraum schlagen wollte, dabei aber der Ball ab den rechten Arm springt. Kein Handelfmeter sagt Schiri Hilsberg. Betrachtet man die Bilder, bewegt sich der Arm zum Ball. Der Kölner hat Orientierung. Daher liegt hier eine Fehlentscheidung vor, nicht auf Handelfmeter zu entscheiden. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
1.FC Saarbrücken – Alemannia Aachen 1:1 (SR: Davina Lutz)
Szene 5: Nach einer halben Stunde das erste Mal Aufregung auf Seiten der Saarbrücker. Marius Wegmann schubst Civeja leicht oben, unten gibt es einen leichten Kontakt. Davina Lutz lässt weiterspielen. Ein leichter Schubser ist im Strafraum oft kein Foul. Schiris sollen hier nicht zu kleinlich pfeifen, besonders wenn der Angreifer weiterlaufen kann. Kombiniert mit einem leichten Bein-Kontakt kann es aber schnell zu einem Foul werden, wenn der Verteidiger dadurch den Angreifer behindert oder zu Fall bringt. Lutz hat offenbar gesehen, dass der Kontakt insgesamt zu leicht war („nicht viel“ oben + unten), sodass Civeja nicht wirklich unfair benachteiligt wurde. Sie hat den Vorteil oder den Spielfluss priorisiert. Für mich wäre es in der Summe aber eher Strafstoß gewesen, weil der Schubser + Bein-Kontakt in der Summe schon als rücksichtslosen Kontakt durchgeht. Andererseits ist es vertretbar, weiterspielen zu lassen, wenn kein klarer Sturz oder deutlicher Vorteilsverlust vorlag. Solche Szenen sind klassische 50:50-Entscheidungen, bei denen der Schiri oft kritisiert wird, egal wie er entscheidet. Davina Lutz hat das Spiel insgesamt intensiv und großzügig geleitet. Im Strafraum muss ein Foul careless (unachtsam) oder reckless (rücksichtslos) sein, damit es Elfmeter gibt. Bei sehr leichten Kontakten (besonders wenn beide Spieler etwas beitragen und Civeja nicht richtig aus dem Gleichgewicht gebracht wird), lassen viele Schiris – vor allem in der 3. Liga – bewusst laufen, um nicht zu kleinlich zu werden und den Spielfluss zu stören. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
Szene 6: Im Laufduell trifft Caliskaner den Gegner mit dem Arm ins Gesicht. Das wirkt auf den ersten Blick hart, weil es im Gesicht landet, aber wenn es kein absichtlicher Schlag oder Ellenbogen-Einsatz war, sondern ein unkontrollierter Arm beim Laufen/Duell, ist Gelb die korrekte und übliche Entscheidung. Viele Schiris lassen so etwas heute nicht mehr durchgehen (Spielerschutz). Sie wirkt hart, aber ist regelkonform. [TV-Bilder – ab 02:23 Minuten]
Szene 7: Der gerade verwarnte Caliskaner zupft im Mittelfeld am Trikot von Emmanuel Elekwa (Aachen), um einen Konter zu verhindern. Das ist ein klassisches, unnötiges Trikotziehen – taktisch, aber klar unsportlich und ein Foul. Bei bereits bestehender Gelber Karte gibt es dafür sofort Gelb-Rot. Korrekt. [TV-Bilder – ab 02:32 Minuten]
Szene 8: Eine flache Saarbrücker Hereingabe wird von Gideon Jung mit der Hacke abgefälscht und fliegt dann Richtung Faton Ademi. Die Saarbrücker reklamieren sofort Handspiel und Elfmeter. Davina Lutz lässt sofort weiterspielen. In der Zeitlupe ist nicht eindeutig erkennbar, ob der Ball tatsächlich den Arm von Ademi berührt. Ademi zieht den Arm noch etwas nach hinten weg – klassische natürliche oder reflexartige Bewegung. Selbst wenn es eine minimale Berührung gegeben hätte: Bei so einer abgefälschten, flachen Hereingabe aus kurzer Distanz im Strafraum ist ein Handspiel oft nicht strafbar, wenn der Arm nicht unnatürlich vergrößert wird (z.B. weit abgespreizt) oder der Spieler keine klare Absicht zeigt. Für mich hat Lutz hier korrekt weiterspielen lassen. [TV-Bilder – ab 02:357Minuten]

Moin!
Eine Frage zur Uphoff-Szene, weil das auch auf einem gewissen anderen Portal unter der Einschätzung eines gewissen anderen Schiedsrichters diskutiert wird: Wie sicher sind Sie, dass der Ball außerhalb des Sechzehners war? Uphoff ist in Rücklage, als sein linker Fuß auf der Linie aufkommt. Oberkörper und Kopf sind also klar im Strafraum, und der Ball ist oben an der Stirn, bevor er ihn dann hinter den Kopf zieht, während er noch leicht nach vorne „stolpert“. Auch in seiner finalen Position sind die Füße vielleicht maximal eine Fußlänge außerhalb des Strafraums, mit dem Oberkörper deutlich dahinter, und dem Ball noch weiter hinten. Also aus den verfügbaren Bildern sehe ich nicht, dass der Ball in vollem Umfang die Linie überquert. Erst recht nicht so deutlich, dass „der Assistent das hätte erkennen müssen“.