Mehr als Tausend Spiele hat Heiko Heiduschke als Schiedsrichter geleitet. Vielen Fußballern rund um Kamenz kennen ihn als „Hedel“ – und aufgrund seiner Größe. 40 Jahre ist er bereits als Spielleiter aktiv und will noch weiter machen. Mit einem klaren Ziel.
Jürgen Schwarz
03.04.2026, 10:00 Uhr
Kamenz. Kommt er aus der Kabine, gehen die Köpfe der meisten Spieler erst einmal nach oben: Denn Schiedsrichter Heiko „Hedel“ Heiduschke misst stattliche 1,92 Meter. Seit 1986 leitet der inzwischen 56 Jahre alte Kamenzer Spiele, wurde kürzlich mit der Ehrennadel des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) in Silber ausgezeichnet. Der gelernte Bautischler ist seit 1983 Mitglied des SV Aufbau Deutschbaselitz, für den er auch als Spieler, Trainer und Funktionär „am Ball“ war.
Heiko Heiduschke, wer Sie als Schiedsrichter nicht kennt, der weiß sicher wer gemeint ist, wenn es heißt: „Hedel“ pfeift. Woher stammt der Spitzname?
Das kann ich Ihnen gar nicht sagen, schon seit Kindheitstagen werde ich so gerufen. Kaum einer weiß, wer als Schiedsrichter angesetzt ist, wenn mein bürgerlicher Name angesagt wird. Bei „Hedel“ hingegen wissen die meisten Spieler und Trainer sofort wer gemeint ist.
Sie absolvierten 1986 den Schiedsrichteranwärterlehrgang. Haben Sie eine genaue Zahl parat, wie viele Spiele Sie in den folgenden 40 Jahren geleitet haben?
Im Moment stehe ich bei 1019 anerkannten Einsätzen und solange ich gesund bin, werde ich nicht aufhören. Mein Ziel ist es, die 1111-Marke zu knacken. Die Ausbildung vor 40 Jahren habe ich bei Franz Krahl, einer Kamenzer Fußball-Legende, gemacht. Kurios: Meine einzige Rote Karte als Spieler hat er mir unter die Nase gehalten.
Sie konnten im Vorjahr einige Monate keine Spiele leiten. Warum?
Ich musste mich im Februar 2025 einer Hüft-Operation unterziehen. Ab Ende September konnten die Schiedsrichter-Ansetzer des Kreisverbandes wieder mit mir planen.
Mussten Sie schon einmal eine Begegnung vorzeitig abbrechen?
Nein, noch nie.
Haben Sie eine Zahl parat, an wie vielen Spielorten Sie schon waren?
Ich habe mich vor ein paar Wochen mal hingesetzt und versucht eine Zahl zu ermitteln. Es sind rund 150 verschiedene Fußballplätze, auf denen ich zugange war. Zwischen 2005 und 2015 habe ich pro Saison zwischen 40 und 50 Begegnungen geleitet.
Der Umgangston auf den Plätzen ist rauer geworden. Schalten Sie da auf Durchzug oder macht es mit Ihnen etwas, wenn Sie beispielsweise von Zuschauern beschimpft werden?
In den vielen Jahren bekommt man ein dickes Fell. Ich denke aber, dass meine Art, Spiele zu leiten, bei den meisten Leuten gut ankommt. Ich sage immer, egal was auf dem Spielfeld passiert ist, nach dem Schlusspfiff muss das „kühle Blonde“ in der gemeinsamen Runde wieder schmecken.
Leiten Sie ihre Spiele eher mit „langer Leine“?
Zumindest versuche ich es erst einmal. Ich merke recht schnell, ob ich das dann so bis zum Abpfiff beibehalten kann. Allergisch bin ich allerdings, wenn ständig „gebabbelt“, also reklamiert wird.
Haben Sie auch Frauen-Spiele geleitet?
Ja, eines meiner ersten Spiele stand in Großnaundorf an. Kurios war, dass meine zwei Nichten, die auch bissel fußballverrückt waren, dort mitgespielt haben.
Gibt es eine Rangliste Ihrer geleiteten Spiele?
Der absolute Höhepunkt war 2012 die Europeada, die Fußball-Europameisterschaft der sprachlichen Minderheiten, die damals in der Oberlausitz ausgetragen wurde. Da habe ich drei Partien geleitet. Das sind unvergessliche Erlebnisse. In Crostwitz platzte der hiesige Dorfsportplatz damals mit rund 2000 Zuschauern regelrecht aus allen Nähten. Auch die sorbischen Derbys in der Kreisoberliga stehen weit oben. An dritte Stelle folgen die drei Kreispokalendspiele der Senioren, die ich 2010, 2018 und 2024 leiten durfte und die alle auf unserem Sportplatz in Deutschbaselitz stattfanden.
War die Kreisoberliga die oberste Spielklasse, in der Sie Spiele gepfiffen haben?
Ja, bis 2014. Jetzt bin ich wieder ganz unten angekommen, aber es macht immer noch viel Spaß.
Mussten Sie altersbedingt den „Weg nach unten“ antreten?
Nein, ich halte mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg und vor mehr als zehn Jahren gab es Leute beim Verband, denen hat das nicht gepasst. Und dann wurde ich nicht mehr angesetzt. Daher war mein letztes Kreisoberligaspiel zwischen Nebelschütz und Pulsnitz, das 3:4 ausging, auch mit meinem negativsten Erlebnis verbunden. Nebelschütz stieg ab und ich sozusagen auch. Dabei hätte ich locker weitere noch fünf Jahre in der Kreisoberliga pfeifen können.
Stimmt es, dass Sie auch als Assistent von Schiedsrichter Richard Hempel (28), der inzwischen in der 2. Bundesliga pfeift, im Einsatz waren?
Ja, das ist korrekt und darauf bin ich sehr stolz. Ich verfolge seine Laufbahn aufmerksam und wünsche dem Jungen alles Gute. Er ist immer noch sehr bodenständig und einer der wenigen Referees, der mich mit seinen 1,99 Metern Körpergröße noch übertrifft.
Gab es auch so etwas wie Vorbilder, deren Spielleitung Ihnen besonders gefiel?
Ja, Bernd Heynemann, der nach seiner DDR-Laufbahn auch in der Bundesliga groß rauskam. Auch Florian Meyer, den ich persönlich zweimal getroffen habe und der 2009 zu Deutschlands Schiedsrichter des Jahres gewählt wurde, ist ein sehr sympathischer Typ.
Wissen Sie schon, welches Punktspiel Sie als nächstes leiten werden?
Nein, die Ansetzungen erfahre ich erst nach den Osterfeiertagen. Ich bin gespannt.
Quelle: Sächsische Zeitung
