Nachdem Spiel am Spiel am vergangenen Sonntag zwischen dem Karlsruher SC und Düsseldorf gab es nur ein Thema. War die Anerkennung des 1:1-Endstandes regulär?
Dzenis Burnic erzielte in der 54. Minute den Ausgleichstreffer für den KSC – ein sehenswerter Volley nach Vorarbeit. Der Video-Assistent Daniel Schlager prüfte die Szene ausgiebig wegen einer möglichen Abseitsstellung von KSC-Verteidiger Paul Scholl. Scholl stand bei der Hereingabe klar im Abseits, ging aktiv beim Kopfballversuch, ohne den Ball zu berühren zum Ball, legte ihn dann per Ablage auf Burnic zurück. Die Entscheidung des VAR bzw. Schiedsrichters Felix Bickel: Das Tor zählte trotzdem. Sie werteten Scholls Beteiligung als passives Abseits (er habe den Spielverlauf nicht aktiv beeinflusst oder einen Gegenspieler behindert), obwohl er den Ball indirekt weiterleitete. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
Das ist ein absoluter Grenzfall im Sinne der aktuellen Abseits-Auslegung (passiv vs. aktiv), bei der der On-Field-Entscheid nicht zwingend „offensichtlich falsch“ war → daher kein VAR-Override notwendig. Der DFB betonte, dass solche Szenen interpretationsabhängig sind und die Schiedsrichter-Kommission die Entscheidung nach Review als noch vertretbar bewertet, weil Scholls Aktion den Spielverlauf demnach nicht entscheidend beeinflusst habe (keine direkte Behinderung, kein klarer Vorteil durch Abseitsstellung selbst). Es ist eher zufällig, dass er den Ball aus seiner klaren Abseitsposition heraus zurückspielt. Aber die Szene ist nicht 100% unumstritten ist.
Auch Felix Bickel äußerte sich nach dem Spiel kurz und knapp, aber eher defensiv. Er habe die Szene intensiv mit dem VAR besprochen. Die Bewertung als passives Abseits (Scholl behindert niemanden direkt, beeinflusst den Spielverlauf nicht entscheidend) sei nach intensiver Prüfung korrekt gewesen. Aber sie ist hochumstritten.
Abseits Regel 11:
Ein Spieler ist in Abseitsstellung, wenn er sich in der gegnerischen Hälfte befindet und näher an der gegnerischen Torlinie ist als:
- der Ball und
- der vorletzte Gegenspieler
(mit Kopf, Rumpf oder Beinen; Arme/Hände zählen nicht).
Strafbar wird es nur, wenn er in dieser Position aktiv am Spiel beteiligt ist, d.h. einer der drei Fälle eintritt:
- Den Ball spielt/berührt (nachdem ein Mitspieler ihn gespielt hat).
- Einen Gegenspieler behindert (z. B. durch Blockieren des Laufs oder Sicht, ohne Ballberührung).
- Vorteil aus seiner Abseitsstellung zieht (z.B. durch Ablenkung des Torwarts oder eines Verteidigers).
Passives vs. aktives Abseits – die entscheidende Grauzone
- Passives Abseits: Der Spieler ist zwar in Abseitsstellung, greift aber nicht aktiv ein. Er steht z. B. nur rum, berührt den Ball nicht, behindert niemanden direkt → Spiel läuft weiter, Tor zählt.
- Aktives Abseits: Der Spieler beeinflusst das Spielgeschehen entscheidend → Abseits wird gepfiffen, Tor zählt nicht.
Wichtige Kriterien für „aktive Beteiligung“ (aus IFAB und DFB-Praxis):
- Direkte Ballberührung → fast immer aktiv.
- Versuch, den Ball zu spielen (Kopfball, Fuß etc.), auch wenn er ihn nicht trifft, aber dadurch den Ballweg beeinflusst oder einen Gegner stört → oft als aktiv gewertet.
- Ablage/Weiterleitung/Spitzeln des Balls → meist aktiv, weil der Spieler bewusst den Ball kontrolliert oder lenkt.
- Nur „im Weg stehen“ ohne Einfluss → passiv.
In der Szene KSC vs. Düsseldorf (Burnic 1:1) stand Paul Scholl bei der Flanke klar im Abseits. Er ging aktiv zum Kopfball (ohne Berührung). Dann spitzelte/legte er den Ball auf Burnic zurück. Wenn ich jetzt diese Situation bewerten müsste, würde ich sie eher als Fehlentscheidung einstufen, die der VAR eigentlich hätte korrigieren müssen, denn Scholl stand klar im Abseits und greift aktiv ein, da er bewusst zum Ball ging und ihn weiterleitete → klare Spielbeeinflussung.
