In einem superintensiven 3. Liga-Auftaktspiel zwischen Mannheim und Düsseldorf war es auch für Fabienne Michel kein einfach zu leitendes Spiel. Im Interview nach der Partie sprach die FIFA-Schiedsrichterin offen über die aus ihrer Sicht strittigste Szene – und die ereignete sich bereits nach gerade einmal vier Minuten.
Die FIFA-Schiedsrichterin lässt eine frühe Szene laufen, sieht in der Zeitlupe einen möglichen Griff – und erklärt anschließend offen, warum sie auf dem Platz anders entschieden hat.
Düsseldorfs Fabian Schleusener lief auf das Tor zu und wurde außerhalb des Strafraums durch ein klares beidhändiges Halten zu Fall gebracht. Aus Sicht der Düsseldorfer wurde dem Angreifer damit eine klare Torchance genommen. Sofort protestierten die Gäste. Fünf oder sechs Düsseldorfer Spieler stürmten auf Michel zu und forderten eine entsprechende Entscheidung.
Michel ließ weiterspielen. Im anschließenden Interview erklärte sie ungewöhnlich offen, warum sie sich auf dem Platz mit dieser Entscheidung zunächst wohlgefühlt hatte.
„Tatsächlich habe ich mich auf dem Platz ganz wohl mit der Entscheidung gefühlt, weil ich keine Klarheit hatte. Und wenn mir die Klarheit fehlt, bleibe ich da weg.“
Mit dem Blick auf die Zeitlupen änderte sich ihre Einschätzung allerdings.
„Wenn ich mir das jetzt in der Zeitlupe anschaue, dann sehe ich: Der Stürmer ist in einer besseren Position. Dann muss ich mir die Frage stellen: Ist der Griff ausreichend? Ich finde, es ist eine superkritische Szene.“
Michel blieb dabei aber auch bei ihrer ursprünglichen Entscheidung:
„Im Spielfeld war sie mir nicht klar genug, deswegen habe ich weiterlaufen lassen. Wenn ich jetzt auf die Bilder schaue, dann sehe ich doch, dass da ein Griff ist. Ja, der Zeitpunkt für eine Rote Karte ist egal.“
Gerade für diese offene und ehrliche Einschätzung bekam Michel im Anschluss Beifall von Experte Fabian Klos.
„Ein Fehler so öffentlich zuzugeben, das macht nicht jeder junge Schiedsrichter.“
Großzügige Linie als Maßstab
Auch für den weiteren Verlauf der Partie spielte die Szene eine Rolle. Michel hatte sich früh für eine eher großzügige Linie entschieden und wollte dieser Linie anschließend treu bleiben.
„Für den weiteren Verlauf habe ich mir dann auch gedacht: An der großzügigen Linie werde ich jetzt gemessen und kann nicht irgendwelche Stößchen und kurzen Halten abpfeifen.“
Generell habe sie die Partie mit einer recht großzügigen Spielleitung geführt. Die frühe Szene habe daran nichts ändern sollen.
„Generell hatte ich eine recht großzügige Spielleitung. Aber das war dann auch eine Szene. So habe ich dann weitergepfiffen. Das Spiel ging ja dann großzügig weiter.“
Auch die Zusammenarbeit im Schiedsrichterteam habe aus ihrer Sicht gut funktioniert. Dabei setzte das Team auf kurze und klare Kommunikation.
„Die Arbeit im Team verlief mit klaren Kommandos relativ gut. Wir haben kurz und knackig beschrieben: Was für Karten brauchen wir jetzt?“

„Wenn mir die Klarheit fehlt“ Bei jeder Fehlentscheidung fehlt die Klarheit! Alles andere wäre Betrug an diesem Spiel! Daher ist ihre offene Kommunikation am Ende nichts anderes, als ein typischer Spruch aus der DFB-Fibel. Ein richtiges „SORRY“ wäre anständig gewesen! Liebe Frau Michel! Ihr Kollege an der Seitenlinie hatte einen komplett freien Blick auf die Situation in der 5. Minute! Wo war da die klare Kommunikation? Oder muss man hier leider zur Kenntnis nehmen, dass auch ihrem Kollegen an der Seitenlinie die Schnelligkeit in dieser Spielsituation völlig überfordert hat? Es ist sicherlich unfair ihre Spielleitung alleine von dieser einen Situation zu bewerten. Leider war es aber DIE womöglich wichtigste Situation im Spiel, die sie in Zusammenarbeit mit ihrem Assistenten falsch bewertet haben! Ich hoffe, sie hatten wenigstens eine unruhige Nacht und ärgern sich über ihre Entscheidung! Alles Gute wünscht S. Vogel
Frau Michel hat diese Szene mit aller Klarheit gesehen. Für viele Zuschauer auf der Tribüne war sofort erkennbar, dass es sich um eine Notbremse und damit um eine Rote Karte handelte. Für mich war das eine spielentscheidende Szene.
Auch Boyds Ellbogenschlag gegen den Hinterkopf – obwohl sich der Ball nicht in der Nähe befand – hätte ausschließlich mit einer Roten Karte geahndet werden müssen.
Aus meiner Sicht fehlte Frau Michel in beiden Situationen der Mut zu einer konsequenten Entscheidung. Für die 2. Bundesliga ist sie meiner Einschätzung nach derzeit nicht geeignet. Die 3. Liga ist unter diesen Voraussetzungen das höchste Niveau, das ich ihr momentan zutraue. Daran ändert auch die mehrmalige Ernennung zur „Schiedsrichterin des Spieltages“ nichts. Auch in der vergangenen Saison waren ihre Spielleitungen aus meiner Sicht längst nicht so überzeugend, wie sie teilweise dargestellt wurden. Spontan fallen mir mehrere problematische Spiele und Entscheidungen ein: der nicht gegebene Strafstoß in Osnabrück, die nur mit Gelb geahndete Notbremse in Rostock sowie die ebenfalls nur mit Gelb bestrafte Aktion von Hofmann in Cottbus.
Das Katastrophenspiel zwischen Jahn Regensburg und dem SC Verl möchte ich lieber gar nicht im Detail erwähnen. Allein der nicht gegebene Strafstoß nach dem Foul an Hottmann war eine gravierende Fehlentscheidung, die selbst aus Verler Sicht als klarer Strafstoß bezeichnet wurde.
Zudem kann ich den gesamten PR-Hype und das ständige Trommeln in den sozialen Medien für Frau Michel nicht nachvollziehen, wenn tatsächlich ausschließlich nach dem Leistungsprinzip beurteilt werden soll und man ehrlich sowie kritisch mit sich selbst ist.
Als ich anschließend das Interview mit Herrn Klos und Herrn Wagner gesehen habe, habe ich mich gefragt: Leute, für wie dumm haltet ihr die Zuschauer eigentlich?
Sie konnte die Situation nicht mit Klarheit sehen. Das ist ihre Sicht der Dinge. Ich kann und ich werde Frau Michel hier keine unlauteren Beweggründe unterstellen. Sich am Ende aber hinzustellen und von einer klaren Kommunikation mit ihren Assistenten zu sprechen, obwohl ihr Kollege an der Linie freie Sicht auf die Spielsituation gehabt hat, macht dann schon nachdenklich… Wenn man dann auch noch von zwei älteren Herren vom Fernsehen, die bei diesem Gespräch wohl einige Glückshormone produzierten, auch noch mit Fürsorge und Bestätigung behandelt wird, dann dürfte Frau Michel sich auch in Zukunft in ihrer Wohlfühlblase mit ein paar alten Männern sehr bestätigt fühlen. Bleibt zu hoffen, dass es wenigstens bei der DFB-Nachbesprechung ein paar deutliche Worte geben wird. Mir fehlt da aber aktuell auch ein wenig der Glaube dran…
Stephan Vogel und Robin:
Der DFB-Schiedsrichterausschuss ist auch der Schutzbereich für seine Spitzenschiedsrichter. Da wird Kritik gerne auch schon mal anders interpretiert. Ob daran „ein paar alte Männer“ schuld sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre jedoch in der Kommunikation klüger gewesen, wenn Fabienne Michel den Vorgang anders dargestellt hätte. Jeder Schiedsrichter*in sollte auch den Mut haben, eine falsche Entscheidung nach dem Spiel ohne Ausreden zuzugeben.
Ich habe bei meiner Schulung zum Schiri beigebracht bekommen ,des Gegners Wäsche ist ein absolutes Tabu, der Wäschetest ist nicht erlaubt,
Kein Schiri hält sich nicht mehr daran.
Ringkämpfe werden mal Geahntet mal nicht ,so nach Gut Ding und lust des Schiri.
Es Fehlt ganz klar die Linie.
Katastrophale Schiedsrichterin ich hoffe das war ihr letztes 3.Liga Spiel… Demnächst ist auch eine Tätlichkeit keine Tätlichkeit mehr weil se nicht unter Scheinwerferlicht und mit Ankündigung passiert ist, sondern weil sowas häufig natürlich versteckt und nicht offensichtlich passiert.
Ich hoffe die Wege kreuzen sich nicht wieder.
Herr Pappel, sind sie ein absolut fehlerloser Mensch oder gar frauenfeindlich, weil es sich hier um Fabienne Michel handelt? Natürlich haben sie in der Sache vollkommen recht. Wenn sie selbst Schiedsrichter sein sollten, muss ihnen aber auch klar sein, dass derartiges jedem mal passieren kann.
Das kann natürlich nicht als Entschuldigung in dem konkreten Fall gelten, aber den letzten Nachsatz hätten sie tatsächlich unterlassen können. Über eine gesamte Saison hat Frau Michel in den vergangenen Jahren immer gute Leistungen gezeigt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Selbstverständlich hat Frau Michel das Recht Fehler zu machen. Ihre Kommunikation ist, so wie bei vielen ihrer Kollegen nach einem Spiel, leider das eigentliche Übel! Sie versteckt sich hinter einer fehlenden Klarheit… Totschlagargument! Wer Fehler macht und dann auch noch von einer guten Kommunikation mit ihren Linienrichtern spricht bewertet aus meiner Sicht den Sachverhalt ziemlich schräg! Ob sie irgendwann mal gut gepfiffen hat spielt hier überhaupt keine Rolle. Es ist doch ganz simpel Schiedsrichter sind Opfer (Beleidigungen, Gewalt), aber sind sind auch Täter (Fehlentscheidungen). Diese Art von Täterschaft rechtfertigt selbstverständlich weder die Beleidigung, noch die Gewalt. Sie berechtigt aber dazu als „Täter“ mehr A*sch in der Hose zu haben und für seine Fehlentscheidung klar einzugestehen. Mag sein das ich mit dem Wort Täter polarisiere, dass ist auch genauso von mir gewünscht! Es gibt Schiedsrichter die das auch schon gemacht haben.
Stephan Vogel, natürlich ist die Kommunikation von Fabienne Michel nicht nachzuvollziehen. Ein Schiedsrichter*in muss – wie in diesem Fall – den Mut haben, eine klare Fehlentscheidung auch so zu kommunizieren. Da bricht sich keiner einen Zacken aus der Krone.
Übrigens: Linienrichter gibt es schon sehr lange nicht mehr. Das sind Schiedsrichterassistenen, was am Sachverhalt aber nichts ändert.
Frau Michel hatte die Möglichkeit nach dem Spiel klar Stellung zu beziehen. Sie hat sich leider hinter DFB-Standardfloskeln versteckt. Das darauf auch die Herren vom Fernsehen nicht reagieren und diese Art von „gelernter“ Kommunikation als offen bezeichnen ist sehr schade. Diese „schwammige“ und völlig nichtssagende Aussage „Klarheit“ ärgert mich am allermeisten. Sie hat es nicht gesehen. Passiert! Kein gutes Stellungsspiel. Passiert! Aber dann auch noch von einer guten Kommunikation mit ihrem Team zu sprechen, obwohl der Kollege an der Seitenlinie hier bei perfekter Sicht auch nicht reagiert hat, macht mich dann doch ein stückweit fassungslos. Aktuell habe ich nicht das Gefühl, dass Frau Michel sich wirklich mit ihren Fehlentscheidungen, es waren ja noch ein paar weitere dabei, zu mindestens in der Öffentlichkeit konstruktiv auseinandersetzt. Die gelbe Karte an Heintz war sicherlich berechtigt. Aber warum wird die klare Tätlichkeit, nämlich das wegschubsen, nicht geahndet!?? Es ist Aufgabe des Schiedsrichters zu urteilen und nicht des Spielers! Daher wäre eine persönliche Strafe wegen einer Tätlichkeit hier ebenfalls berechtigt gewesen. Auch hier scheint sie ja anderer Meinung zu sein… Mag sein das sie eine „gute“ Schiedsrichterin ist… das sollen andere bewerten… gestern war sie es definitiv nicht!
Die Bundesliga hat noch nicht Mal angefangen und es geht schon wieder los… Fehlentscheidungen werden relativiert, klein geredet usw. Ob Fabienne Michel ne gute Schiedsrichterin ist kann ich nicht beurteilen. Hier wird sie regelmäßig zur Schiedsrichterin des Spieltages gekürt. Ich habe allerdings die Vermutung, dass sie in den Top 3 gesetzt ist, wenn sie ihr Spiel einigermaßen ohne Fehler über die Bühne bringt… Ich bin dann mal gespannt wie es in der Bundesliga läuft oder ob da auch wie letzte Saison wieder nahezu jede noch so absurde Fehlentscheidung in den Graubereich gerückt wird…
Natürlich gibt es Personen, die Fabienne Michel unbedingt in die Bundesliga hieven möchten. Das wird aber auf keinen Fall passieren. Es bleibt bei der einzigen Ausnahme mit Bibiana Steinhaus-Webb. An dem Grundproblem des Schönredens von fehlerhaften Entscheidungen wird sich auch weiterhin nichts ändern.