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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 18. Spieltag | 2. Liga

Wie schon in der Bundesliga gab es auch im Unterhaus eine strittige gelbe Karte in Lautern, die Hannover früh in Unterzahl bringen hätte können. Aufregung gab es aber auch in Nürnberg, wo ein Weltmeister zum Motzki wurde. In Münster dagegen lag der Ref dreimal gold richtig – musste sich aber einmal korrigieren lassen. Die Spieltagsanalyse:

1.FC Kaiserslautern – Hannover 96 3:1 (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Szene 1: In der 15. Minute Lautern Norman Bassette übermotiviert mit einer harten Grätsche gegen Enzo Leopold ein und traf den 96-Kapitän klar oberhalb des Knöchels mit der Sohle. Schiri Dr. Jöllenbeck zeigte ihm ’nur‘ Gelb. Für mich nach Betrachtung der Bilder ist das Rot. Zwar scheint es kein klarer Fehler zu sein, da Bassettes Bein angewinkelt ist, ist Gelb gerade noch vertretbar, aber er hat auch nicht den Ball getroffen und dann fehlt die „echte Ballabsicht“-Entschuldigung komplett → und die zumindest bessere Entscheidung wäre die rote Karte gewesen, weil es dann  ein reines „rücksichtsloses Einsteigen ohne Spielabsicht“ wurde. Auch wenn er sein Bein angewinkelt hatte, ist es ein Serious foul play. Aber das ist hier ein absoluter Grenzfall. Bei „kein Ball gespielt“ + offene Sohle  oberhalb Knöchel + von der Seite → ich würde die A-Karte zücken, weil das Verletzungsrisiko zu hoch ist und die Ballabsicht nicht ausreicht, um’s runterzustufen. Gelb nur, wenn klarer Ball-Touch nachweisbar. [TV-Bilder – ab 0:25 Minuten]

Szene 2: Tahibis Platzverweis war alternativlos und Gelb-Rot zu 100% korrekt. Taktisches Foul nach Verwarnung = zweite Gelbe, keine Diskussion. Taibi war übermotiviert nach der Einwechslung und wurde vom Held, zum Deppen in 9 Minuten), [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]

SG Dynamo Dresden – SpVgg Greuther Fürth 2:0 (SR: Felix Prigan)

Szene 3: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte Dresden richtig Glück keinen Strafstoß zu bekommen – das war eine sehr grenzwertige Szene. Kein klarer Elfmeter, aber viel hätte nicht gefehlt – wenn Ceka den Ball komplett verfehlt und nur den Mann trifft (ähnlich wie bei Bassette), oder wenn Green richtig humpelt/schreit, hätte es Elfmeter und  Gelb geben können.

1.FC Nürnberg – SV Elversberg 3:2 (SR: Konrad Oldhafer)

Szene 4: Die erste gelbe Karte für Mohammed Ali Zoma kassierte der Nürnberger als er den Ball sauber vor Łukasz Poreba (Elversberg) zum Mitspieler durchgrätschte. Für mich ist Gelb hier überzogen – vertretbar vielleicht als „reckless“ in der gegnerischen Hälfte mit einer hohen Intensität, potenzielles als taktisches Element, aber live würde ich das eher als ‚weiterlaufen‘ oder maximal Freistoß ohne Karte zeigen. Ball gespielt + Nachrutscher ohne excessive force = kein Foul oder nur leichtes.

Szene 5: Nach einer Flanke kam es zum Strafraumduell zwischen Yilmaz und Schmahl, der FCN-Verteidiger hatte den Arm auf der Schulter des Elversbergers, der zu Boden ging. Referee Konrad Oldhafer deutete auf den Punkt. Regeltechnisch vertretbar, aber sehr hart – viel hat nicht gefehlt zu ‚weiterlaufen‘. Der Elfmeter ist vertretbar, aber für mich zu wenig und zu  hart – viel hat nicht gefehlt zu „kein Pfiff“. Wenn Schmahl nicht so dramatisch fällt oder der Arm nur leicht streift (ohne echtes Ziehen), wäre’s oft „weiterlaufen“ oder maximal Freistoß außerhalb. Hier ist’s aber unnötiges Einsteigen mit Arm ins Gesicht → Elfer-Pflicht, auch wenn’s kein brutales Foul ist. VAR hätte wahrscheinlich bestätigt (kein klares Fehlurteil), aber live hätte ich als Schiri vielleicht auch gezögert – „zu wenig“ trifft’s gut, weil’s kein klares „Pull“ oder „Schlag“ war, sondern eher ein „Griff und Runterziehen“. Es ist ein klares Halten/Ziehen mit dem Arm/Hand am Kopf/Gesicht – das ist nach IFAB Regel 12 Foul im Strafraum, Elfmeter-Pflicht, wenn’s den Gegner behindert und unnötig ist (Yilmaz greift komplett unnötig zu, kein Ball im Spiel). Hand am Gesicht ist sensibel (kann als „gefährlich“ oder „unnötig hart“ gewertet werden → Elfer), aber wenn der Kontakt minimal ist und Schmahl übertreibt, kippt’s schnell zu „kein klares Foul“ oder „weiterlaufen“. Oldhafer pfeift’s live als Foul – aus seiner Position (nah dran) sieht’s vielleicht schlimmer aus als in Slow-Mo.

Aber die Reaktion von Klose war auch zu hart und der Schiedsrichter hat das wiederum sehr gut gemacht in seinen jungen Jahren. Konrad Oldhafer, aufstrebender Ref aus dem DFB-Kader hat’s super gemacht: Ruhig rangehen, erklären, sogar umarmen – das ist Deeskalation auf hohem Niveau, besonders bei so einem emotionalen Weltmeister wie Miro, der sonst eher besonnen ist. Der Vierte Offizielle Julius Martenstein hat’s dann korrekt gemeldet, als er nicht aufhörte – keine Überreaktion, sondern konsequente Linie. Perfektes Handling. Erste Gelb für Reklamieren ist Pflicht (Regel 12: Dissent), zweite für anhaltendes Meckern + Wurf (Conduct, unsportliches Verhalten) Hätte er’s ignoriert oder nur verbal ermahnt, wär’s Schwäche gewesen. [TV-Bilder – ab 03:35 Minuten]

Preußen Münster – Karlsruher SC (SR: Eric Dominic Weisbach)

Szene 6: Das aberkannte Tor vom KSC war ein klassischer Schutztorwart-Fall – und die Entscheidung war regelkonform, auch wenn’s für Karlsruhe bitter war. Der vermeintliche Führungstreffer für Münster wurde regelkonform aberkannt, weil der Torwart von Münster den Ball mit der Hand kontrolliert hatte – also Hand am Ball, den Ball in der Kontrolle – und der Angreifer dann trotzdem reingrätscht oder draufgegangen ist. Sobald der Torwart den Ball mit der Hand berührt/kontrolliert (bereits die Berührung zählt als Kontrolle, nicht erst Festhalten), darf er nicht mehr angegriffen werden. Das gilt als gefährliches Spiel oder unnötiges Foulspiel gegen den Torwart, wenn der Gegner trotzdem einsteigt (auch wenn’s „nur“ ein Versuch ist, den Ball wegzuschlagen). [TV-Bilder – ab 01:05 Minuten]

Szene 7: Dann Platzverweis für Paul Jaeckel. Perfekte Entscheidung – live aus der Distanz sieht man: Letzter Mann, kein Ball, direkte Torchance verhindert → Rot Pflicht. Hätte er nur Gelb gegeben wär’s klare eine Fehlentscheidung gewesen. Nach einem Fehlpass von Preußen-Keeper Johannes Schenk → landete der Ball direkt bei Lilian Egloff. Egloff lief zentral Richtung Strafraum, klare Torchance (einschussbereit, freie Bahn). Jaeckel war letzter Mann kam als einziger Retter, macht einen Bodycheck (kein Ballkontakt, reiner Mann-gegen-Mann-Körpereinsatz von der Seite/hinten), bringt Egloff zu Fall. Es ist kein Versuch, den Ball zu spielen → klare Verhinderung einer offensichtlichen Torchance ohne Ballabsicht. [TV-Bilder – ab 01:44 Minuten]

Szene 8: Kurz vor Schluss nochmal Elfmeter für den KSC – und auch der war zurecht – und das sogar ziemlich klar. Nach einem Konter lief Rafael Pinto Pedrosa zentral mit Tempo in den Strafraum. Dominik Schulz kam von der Seite/hinten rein und brachte ihn zu Fall – klarer Kontakt am Bein, Pinto Pedrosa geht runter. Schiri Eric Weisbach (der schon bei der Notbremse von Jaeckel souverän Rot gezückt hatte, zeigt sofort auf den Punkt, kein VAR-Eingriff nötig, live als Foul erkennbar, kein ‚clear and obvious error‘. [TV-Bilder – ab 02:50 Minuten]

Fazit: Zwar fielen die Entscheidungen alle zum Nachteil von Münster aus, auch sie waren genau richtig. Das hat Weisbach perfekt gemacht – live nah dran, sah den Kontakt klar, pfiff sofort. Wenn’s auch nur ein leichter Kontakt gewesen wäre oder Pinto Pedrosa selbst gestolpert, hätte „weiterlaufen“ gehen können – aber hier war’s ein klassisches Strafraum-Foul (Bein wegnehmen, zu Fall bringen).

AnmerkungIch bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!

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