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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szene – 23. Spieltag | 3. Liga

Der 23. Spieltag in der 3. Liga neigte sich mit dem Topspiel Duisburg – Verl zu Ende und gab es diesmal, im Gegensatz zu letzter Woche, durchaus gute Schiedsrichter-Leistungen zu sehen. Jedoch nicht auf allen Plätzen, so gab es beim Sonntagmittagspiel Hoffenheim II – Rostock gleich vier dicke Szenen wo Nico Fuchs unglücklich aussah. Eine Linie zum Vergessen an diesem Tag. Zudem hatte Justin Hasmann einige Probleme bei der Partie Wiesbaden – Schweinfurt. Auch der frisch verheiratete Yannick Sager hatte die ein oder andere diskutabele Szene bei Stuttgart II – 1860 München. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltags:

Platz 🥇 – Kevin Behrens:
Schiedsrichter des Spieltags ist wie so oft Kevin Behrens aus Berlin der die Partie Erzgebirge Aue – FC Saarbrücken am Samstagnachmittag bekam. Behrens überzeugte voll und ganz in Aue. Er wählte eine sehr großzügige Linie, ließ viel laufen und war in der Kommunikation mit den Spielern erneut hervorragend unterwegs. Mittlerweile kann man schon stark davon ausgehen, dass er zu der nächsten Saison aufsteigen wird, da er vermehrt gute Leistungen aktuell zeigt!

Platz 🥈 – Cristian Ballweg:
Auf dem zweiten Platz haben wir den einzigen Hessen in Liga 3 mit Cristian Ballweg. Er bekam am Sonntagnachmittag die hochbrisante NRW-Partie zwischen Alemannia Aachen – RW Essen. Auch hier überzeugte Ballweg wie schon in den letzten 2-3 Jahren auf allen Ebenen. Richtig gesehen war eine Szene als ein Spieler den Ball mit dem Körper blockte und somit es den indirekten Freistoß gab. Einzig eine gelbe Karte fehlte, als ein Essener Spieler mit der Fußspitze einen Aachener im Gesicht traf. Ansonsten wie gewohnt eine souveräne Spielleitung.

Platz 🥉 – Simon Schreiner:
Auf dem dritten Platz haben wir einen Bayer der mittlerweile in Chemnitz wohnt. Schreiner bekam die Niedersachsen-Partie Osnabrück – Havelse am Samstagnachmittag. Schreiner wählte wie Behrens eine sehr großzügige Linie und das Spiel hatte so einen guten und sauberen Spielfluss. Auch in der Zweikampfbewertung war Schreiner sehr souverän und beweist damit den Aufstieg in Liga 3, nach doch einigen Anfangsschwierigkeiten in seinen ersten Spielen!

SV Waldhof Mannheim – SSV Ulm 2:1 (SR: Tom Bauer)

Szene 1: Kurz vor Schluss brannten bei Niklas Hoffmann nochmal die Sicherungen durch, als der Mannheimer nach einem harmlosen Schubsers des Ulmers Mamba und er beleidigte ihn mit ein paar verbalen Nettigkeiten. Schiedsrichter Bauer, der sich in unmittelbarer Nähe aufhielt, hörte sie und zeigte demnach folgerichtig Rot. Es ist schon ein bisschen dumm von Hoffmann sich bei einem eigenen erwartbaren Sieg sich so provozieren zu lassen. Es wurde ausdrücklich klargestellt, dass es sich nicht um eine rassistische Beleidigung handelt, sondern um eine verbale grobe Unsportlichkeit. So brachte er unnötig hitze in eine faire Partie. Ein zu ahndeten Foulspiel lag bei diesem gegenseitigen Zweikampf auf jeden Fall nicht vor. [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]

VfB Stuttgart – TSV 1860 München 2:1 (SR: Yannick Sager)

Szene 2: Kurz vor dem Ende gab es nochmal Aufregung im Stuttgarter Strafraum, wo die Löwen einen Elfmeter forderten. Nach einer in die Mitte getretene Ecke. Im Vorfeld des Kopfballs von Max Reintaler, gab es einen Zweikampf mit Florian Niederlechner. Schiedsrichter Yannick Sager (Dortmund) ließ weiterspielen, da er es als ein zeitgleicher, gegenseitiger Kontakt wahrnahm. Für mich aber eher eine Fehlentscheidung, da hier ein klarer Fußtreffer an der Wade des Stuttgarters an Niederlechner vorlag. Er kommt eine Milisekunde zu spät und trifft den Münchner beim KLärungsversuch. [TV-Bilder – ab 04:30 Minuten]

SSV Jahn Regensburg – FC Viktoria Köln 0:0 (SR: Michael Näther)

Szene 3: Eric Hottmann (Regensburg) tankte sich auf der rechten Seite durch und drang in den Strafraum ein. Viktoria-Keeper Arne Schulze kam raus und klärte robust indem er sein Bein ausfuhr. Es gab den Kontakt. Der gesamte SSV Jahn forderten sofort Elfmeter, weil es wie ein Foul am Stürmer aussah. Schiedsrichter Michael Näther pfiff jedoch nicht – er wertete den Kontakt als zu gering und den Sturz als übertrieben und spektakulär. Für mich auch eher die richtige Entscheidung, da er schon vorher abhob und der Sturzflug als Folge des leichten Kontakts nicht ursächlich für den Kontakt ist. [TV-Bilder – ab 01:25 Minuten] 

Szene 4: Sebastian Stolze (Regensburgs) drang in den Strafraum ein und kam zu Fall – der Jahn fordert wieder sofort Elfmeter. Die TV-Bilder zeigten aber klar, dass Stolze mit den Stollen im Rasen hängen blieb und verlor selbst das Gleichgewicht. Schiedsrichter Michael Näther pfiss wieder zurecht nicht, weil es kein Foulspiel war, sondern ein Selbstverschulden durch den hängenbleibenden Stollen. [TV-Bilder – ab 01:40 Minuten]

SV Wehen Wiesbaden – 1. FC Schweinfurt 2:0 (SR: Justin Hasmann)

Szene 5: Nach knapp einer Viertelstunde der größte Aufreger der Partie. Sascha Mockenhaupt (Wiesbaden) fand Fatih Kaya im Sechzehner mit einem Pass. Kaya nahm den Ball mit, drang ein und wurde von Angleberger (Schweinfurt) zu Fall gebracht. Die gesamten Wiesbadener forderten sofort Elfmeter. Schiedsrichter Justin Hasmann pfeift jedoch nicht, wertete das als normales Zweikampfduell. Ich bin ganz ehrlich. Ich sehe da keinen Elfmeter. Er blieb mit dem linken Fuß in dem rechten Verteidiger hängen und fiel. Ansonsten ist dort nirgends ein Treffer zu erkennen nach mehrmaligem schauen. Erst recht keiner der ihn so zum Fallen bringen würde. Er hakt sich mit dem linken Fuß einfach nur in den Verteidiger ein und lässt sich Fallen. Er blieb in dem Zeitpunkt halb im Boden und halb im Verteidiger hängen. Der Verteidiger oder eher beide Verteidiger machen zu dem Zeitpunkt keine aktive Bewegung, stehen beide nur da und er fällt trotzdem hin. [TV-Bilder – ab 0:45 Minuten]

Szene 6: Sascha Mockenhaupt (Wiesbaden) eroberte am gegnerischen Strafraum mit einer Grätsche den Ball. Er traf deutlich zuerst den Ball, kein Kontakt mit dem Mann davor. Dadurch wäre Ryan Johansson (Wiesbaden) frei durch gewesen. Schiedsrichter Justin Hasmann pfiff trotzdem Foulspiel und unterbrach die Aktion mit Freistoß für Schweinfurt. Die Intensität ist da echt hoch in dem Zweikampf. Jedoch ist es ein sauberer Zweikampf und weiterspielen die bessere Entscheidung. Und wenn er den Zweikampf als zu hart empfunden hat, dann soll er die gelbe Karte weglassen und nur Freistoß pfeifen. So war es jetzt doppelt falsch. [TV-Bilder – ab 01:10 Minuten]

Szene 7: Nikas Mai verursacht ein Foul gegen Pius Krätschmar. Obwohl Schweinfurt reklamierte ließ Justin Hasmann laufen. Das ist wieder eine ziemlich schwierige und ganz graue Szene. Der Kontakt mit dem Knie ist diesmal auf jedenfall gegeben. Aber auch hier meiner Meinung nach nicht um so abzuheben. Ganz schwer, zumal sich vorher beide einhaken und in der Folge kommt es zu dem Kontakt, der aber sehr leicht ist, umso zu Fallen. Der Angreifer hob nicht durch den Kontakt ab (kein klares Umreißen oder starkes Treten), sondern es ist ein minimaler, gegenseitiger Stoß im vollen Lauf. Wenn er ihn gibt, dann wäre es auch zu akzeptieren. Auch ein VAR würde bei einem so leichten Kontakt wohl eher nicht eingreifen würde. Pfeifen kann man es aber allemal. [TV-Bilder – ab 02:18 Minuten]

TSG Hoffenheim II – FC Hansa Rostock 2:2 (SR: Nico Fuchs)

Szene 8: Nach Hansas 0:1 spielte Hoffenheim II sofort nach vorne. Eduardo wurde mit einem Steilpass / durch die Gasse geschickt, lief alleine auf Torhüter Benjamin Uphoff zu. Ca. 12 Metern vor dem Tor, direkt beim Abschlussversuch, stieß Florian Carstens ihn von hinten mit einem klaren Körperkontakt in den Rücken. Eduardo verlor dadurch das Gleichgewicht, sein Schuss ging knapp links am Pfosten vorbei. Schiedsrichter Nico Fuchs pfiff kein Foul und zeigte keine Karte. Für mich wird er durch den klaren nicht ballorientierten Schubser am Abschluss gehindert. Es war eine klare Torchance (DOGSO – Denying an Obvious Goal-Scoring Opportunity): Eduardo war in aussichtsreicher Position, fast allein vor dem Tor, Abschluss möglich und kein anderer der mitgelaufenen Gegenspieler konnte noch eingreifen. Der Kontakt war von hinten, unnötig und verhinderte einen besseren präziseren Abschluss – klassischer Fall für Notbremse. Auch wenn Eduardo noch zum Schuss kam: Der Stoß brachte ihn massiv aus dem Tritt, der Abschluss war deutlich beeinträchtigt. Für mich hätte es einen Strafstoß für Hoffenheim und für Hansa geben müssen. [TV-Bilder – ab 01:05 Minuten]

Szene 9: Paul Hennrich (Hoffenheim II) versuchte einen Solo-Durchbruch im Strafraum. An der Sechzehnerkante also am Rand des Strafraums wurde er von den Beinen geholt. Schiedsrichter Nico Fuchs winkt das Foul ab und gab keinen Elfmeter. Betrachtet man die Szene kommt es genau auf der Strafraumlinie zu einem Halten von Rostocks Ahmet Gürleyen zieht er ihn an der Schulter. Das ist für mich ein Foulspiel. Hätte Strafstoß für die TSG geben müssen. [TV-Bilder – ab 01:46:47 Minuten]

Szene 10: Im Strafraum der Hoffenheimer berührte Alex Honajzer den Ball klar mit der Hand/Arm. Der Arm ist über Kopfhöhe und deutlich vom Körper abstehend. Schiedsrichter Nico Fuchs übersah die Szene komplett. Eine klare Fehlentscheidung. Das ist ein klarer strafbarer Handkontakt. [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]

Szene 11: Nur paar Sekunden später gab’s auf der Gegenseite einen Foulelfmeter für Hoffenheim, als Viktor Bergh Oskar Hencke per Arm im Luftduell foulte, den Deniz Zeitler zum 2:2 verwandelte. Das eine ganz harte Entscheidung, weil der Kontakt vorlag, aber nicht jeder Kontakt ist auch ein Foul. Wenn man aber von vier möglichen Elfmetern den mit dem geringsten Kontakt pfeift, sollte das auch kein Elfmeter sein. Für mich eine Fehlentscheidung und ein ganz schwaches Spiel von Nico Fuchs! [TV-Bilder – ab 03:35 Minuten]

Alemannia Aachen – Rot-Weiss Essen 3:3 (SR: Cristian Ballweg)

Szene 12: Kaito Mizuta (Essen) spielte einen Fehlpass – traf dann im aber Mehdi Loune (Alemannia) mit dem Fuß ins Gesicht. Schiedsrichter Cristian Ballweg zeigte dem Essener Gelb – seine Fünfte. Es war ein Kampf um den Ball (Mizuta wollte klären/den Ball spielen, hat ihn aber verfehlt und stattdessen Loune voll am Kopf erwischt). Das klassifiziert es als rücksichtslos, aber nicht als übermäßig hart oder mit Vorsatz/ohne Ballbezug (was Rot auslösen würde, z.B. bei einem reinen Tritt ohne Ball in Sicht). Die gelbe Karte die korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 01:05 Minuten]

MSV Duisburg – SC Verl 4:2 (SR: Jarno Wienefeld)

Szene 13: Kurz nach dem 1:0 reklamierten Duisburger Fans im Verler Aufbauspiel tief in der eigenen Hälfte ein Foulspiel, als ein Verler mit beiden Händen kurz an der Schulter packte und zu Boden brachte. Solche Szenen führen immer wieder zu Streit. Schiedsrichter argumentieren, es war nur ein kurzes taktisches Halten ohne Kraftaufwendung, noch ein sehr weiter Weg mit verteidigenden Eingriffsmöglichkeiten  den Angriff zu stoppen. Aber für mich ist das schon grenzwertig. Wenn ich jemanden mit zwei Händen festhalte und diesen daran hindere in den Zweikampf zu kommen und dann selbst den Angriff einleite, würde ich schon erwarten, dass es als Foul gepfiffen wird. Es ist sicherlich nicht viel, es ist kein klares Foul, aber wenn daraus ein Tor fällt, will man ein beidhändiges Festhalten an der Schulter, das den Gegenspieler spürbar behindert und den Zweikampf verhindert → das ist nach Regelbuch Foul durch Halten regelwidrig. Wenn daraus direkt ein Tor entsteht, fühlt es sich für die benachteiligte Seite immer unfair an, besonders weil es kein 50:50-Zweikampf war, sondern ein gezieltes Manipulieren des Gegners vor dem Ballgewinn. [TV-Bilder – ab 18:00 Minuten]

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