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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 23. Spieltag | 2. Liga

Am 23. Spieltag der 2. Bundesliga gab es wieder einige Diskussionen auf den Plätzen. Besonders im Fokus steht diesmal Schiedsrichter Michael Bacher der eine viel zu harte Rote Karte bei der Partie Darmstadt – Düsseldorf gegen Ende gab. Zusätzlich erwischte Schiedsrichter Felix Prigan keinen guten Tag bei der Partie Karlsruhe – Kiel, da er über 90 Minuten sehr verunsichert wirkte und er so manche Entscheidungen falsch getroffen hat. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Wolfgang Haslberger:
Schiedsrichter des Spieltags ist Wolfgang Haslberger aus St.Wolfgang der am Freitagabend das Abstiegsspiel zwischen Greuther Fürth und der Arminia aus Bielefeld leitete. Haslberger wirkte über 90 Minuten sehr konzentriert, leitete mit einer gewohnten Ruhe diese Partie und hatte nur 2-3 Kleinigkeiten dabei, die man vielleicht anders entscheiden könnte. Ansonsten eine sehr souveräne Vorstellung vom Bayrischen Schiedsrichter! [Highlights]

Platz 🥈 – Timo Gerach:
Auf Platz 2 haben wir ungewöhnlicherweise diesmal einen Schiedsrichter aus der Bundesliga. Sonst nehmen wir nur Schiedsrichter aus der jeweiligen Liga, jedoch hat Timo Gerach beim Topspiel Schalke – Magdeburg im vollen Umfang überzeugt. Er lag bei beiden Elfmetern direkt richtig, war kommunikativ extrem gut unterwegs und strahlte eine enorme Ruhe an dem Abend aus. Eine wirklich schöne Schiedsrichter Leistung und darauf kann er nach vielen Patzern aufbauen! [Highlights]

Platz 🥉 – Felix Wagner:
Auf Platz 3 haben wir ebenfalls einen Bayer mit Felix Wagner der am Samstagmittag bei der Partie Elversberg – Braunschweig im Einsatz war. Wagner lieferte ein extrem gutes Spiel ab, lag vorallem in der 71 Minute richtig, als ein Elversberger Spieler eine Schwalbe auspackte und er zurecht gelb gab. Einziger und großer Fehler war leider in der 90. Minute als er nach einem leichten Kontakt einen Elfmeter für Elversberg gab. Der Kontakt war nicht da, neben dem Fehlpfiff fehlt hier der VAR-Eingriff mit Korrektur.

SC Paderborn 07 – Hertha BSC 5:3 (SR: Harm Osmers)

Szene 1: Die Prüfung durch VAR Dr. Robert Kampka beim 2:0 für Paderborn wegen eines vermeintlichen Handspiels dauerte viel zu lange. Da steht Frank Willenborg drei Minuten lang im Mittelkreis und wartete auf Rückmeldung – ohne dass er an den Monitor musste. Klar, Sicherheit geht vor Schnelligkeit, aber das fühlt sich oft wie Ewigkeiten an. Das muss schneller gehen. Davon abgesehen, war es kein strafbares Handspiel von Scheller. [TV-Bilder – ab 0:48 Minuten]

Szene 2: Herthas Pascal Klemens bugsierte den Ball per Eigentor ins eigene Tor. Der Treffer zählte aber nicht, weil Curda, der den Ball  weiterleitete, zuvor beim Freistoß knapp im Abseits stand. Glück gehat. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]

Hannover 96 – SG Dynamo Dresden 0:0 (SR: Martin Petersen)

Szene 3: Hannovers-Angreifer Daisuke Yokota drang in den Strafraum ein und geriet ins Laufduell mit Dynamo-Verteidiger Alexander Rossipal. Rossipal hielt Yokota kurz, aber sichtbar am Trikot, Yokota ging zu Boden. Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) winkte sofort ab – kein Elfmeter. Auf dem ersten Blick wirkte die Entscheidung als vertretbar und nachvollziehbar, da es nur ein Zupfer ohne Folgen war und Yokota es beim theatralischen Fallen übertrieb und man es als ‚zu wenig‘ einstufen kann.  Aber: hier ist der Angreifer auf dem Weg Richtung Tor und Rossipal hat ihm einen vielversprechenden Angriff verhindert. Da wäre auch ‚zu wenig‘ falsch, wenn dann, passend die Ursache und Wirkung nicht zusammen. Hier kommt aber noch eins dazu, dass es auf einer freien Fläche und für jeden sichtbar und nach freiem Zuspiel nach einem Doppelpass gehalten wurde. Das ist sehr plakativ und sollte dabei unterstützen, um zu sagen, da pfeift man besser. Deshalb für mich eher eine Fehlentscheidung. Hätte Petersen da gepfiffen, hätte es zudem Gelb/Rot für den schon verwarnten Dresdner bedeutet, da er durch sein taktisches Foul eben auch den aussichtsreichen Angriff unterbunden hat. [TV-Bilder – ab 02:25 Minuten]

SC Preußen Münster – 1. FC Kaiserslautern 2:3 (SR: Patrick Schwengers)

Szene 4: Münsters Stürmer Imad Rondic kam zu spät und brachte Luca Sirch mit dem Bein zu Fall. Schiedsrichter Patrick Schwengers (Travemünde) zeigte sofort auf den Punkt. Eine richtige Entscheidung. Es handelt sich um ein klares Foul durch Bein stellen im Strafraum. Rondic kam zu spät und traf den Gegner statt den Ball – das ist ein Foulspiel, denn Sirch wurde dadurch am Torschuss gehindert, als auf dem Weg zum Tor ist. [TV-Bilder – ab 01:00 Minuten]

SV 07 Elversberg – Eintracht Braunschweig 3:1 (SR: Felix Wagner)

Szene 5: Kurz vor Schluss drang Tom Zimmerschied (Elversberg) in den Strafraum der Gäste ein. Braunschweigs Verteidiger Ken Izekor kam im Tackling zu spät und traf Zimmerschied wohl ganz leicht am Fuß, weshalb Zimmerschied zu Boden ging. Schiedsrichter Felix Wagner zeigte sofort auf den Punkt.  In der Wiederholung ist klar und deutlich zu erkennen, dass kein Kontakt am Fuß vorlag und Zimmerschied durch eine Schwalbe zu Boden ging. Der Elfmeter eine klare Fehlentscheidung. Wagner nahm einen Kontakt wahr und entschied auf Elfmeter, der lag aber nicht vor. Hier hätte der Video-Assistent eingreifen, den Schiedsrichter an den Monitor schicken müssen mit der Konsequenz Rücknahme des Elfmeters. Zimmerschied hätte zudem für seine zweite Schwalbe an dem Tag Gelb/Rot sehen müssen. [TV-Bilder – ab 04:56 Minuten]

SV Darmstadt 98 – Fortuna Düsseldorf 2:1 (SR: Michael Bacher)

Szene 6: Bei einem Einwurf für Darmstadt gerieten Jesper Daland (Düsseldorf) und Killian Corredor (Darmstadt) ins Rangeln/Gerangel. Corredor provozierte von hinten, ging nicht aus dem Weg, nervt Daland beim Versuch, den Ball abzuschirmen. Daland verlor kurz die Nerven: Er drückt den Ball ins Gesicht von Corredor. Kein Wurf, sondern eher ein Drücken mit dem Ball in der Hand. Schiedsrichter Michael Bacher (Rosenheim) zeigte sofort glatt Rot für Daland wegen grober Unsportlichkeit.

Regeltechnisch: Ja, es fällt unter grobes unsportliches Verhalten. Den Ball absichtlich ins Gesicht des Gegners zu drücken – auch ohne Wurf oder starke Gewalt – gilt als respektlos und kann Rot nach sich ziehen, besonders in hitzigen Situationen. Es ist kein normaler Zweikampf mehr, sondern eine bewusste Provokationsreaktion. Doch diese Entscheidung ist äußerst hart, überzogen und streng. Es war lediglich eine Reaktion auf die Provokation Corredors, der stichelt und ihn nervt. Es gab keinen harten Schlag, keinen Wurf – nur ein genervtes Ball-ins-Gesicht-Drücken. Daher wäre Gelb für beide die angemessenere und ausgewogenere Lösung gewesen. [TV-Bilder – ab 04:20 Minuten]

Karlsruher SC – Holstein Kiel 3:1 (SR: Felix Prigan)

Szene 7: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit eine sehr strittige Szene, als Andu Yobel Kelati (Holstein Kiel) für eine vermeintliche Schwalbe Gelb sah. Die Zeitlupe zeigte, eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Felix Prigan (Deizisau). Ambrosius war in der Szene auf der Linie, der Kontakt war spürbar und behinderte Kelati beim Abschluss – das erfüllt die Kriterien für ein Foul im Strafraum. Kelati hatte keine klare Schwalbe begangen; er fiel nach realem Kontakt – auch wenn er vielleicht etwas übertrieben fällt, reicht dieser leichter, aber wirkungsvoller Kontakt am Bein für einen Elfmeter. Das ist ein Fehlpfiff des Schiedsrichtrs, verschärft durch das Ausbleiben eines VAR-Eingriffs, der hier hätte korrigieren müssen, da es ein klarer, spielentscheidender Fehler war. [TV-Bilder – ab 01:30 Minuten]

VfL Bochum – 1. FC Nürnberg (SR: Patrick Ittrich)

Szene 8: Nach einem vermeintlichen Handspiel im Strafraum, wurde ein vorheriges Abseits übergelagert und nach VAR-Kontrolle und Onfield-Review auf indirekten Freistoß entschieden. ttrichs typische ausführliche Erklärung beim Puplic Announcement, „stand der Spieler Hoffmann im Abseits und danach folgte ein Handspiel das strafwürdig war. Es gibt aber keinen Strafstoß wegen Handspiels sondern den indirekten Freistoß wegen der Abseitsposition. Regeltechnisch nicht anders händelbar.“ Heißt also, Hoffmann war zuerst im Abseits, bevor der Ball die Hand berührte. [TV-Bilder – ab 02:50 Minuten]

Szene 9: Tom Krauß spielt einen Querpass von links in den Strafraum. Callum Marshall (Bochum) zog aus 11 Metern flach mit links ab, Nürnbergs Innenverteidiger Luka Lochoshvili ging in eine Grätsche, um den Ball abzuwehren. Dabei spreizte er den Arm weit ab. Der Ball traf deutlich die Hand von Lochoshvili und wird abgelenkt. Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigte sofort auf den Punkt. Eine richtige Entscheidung. Wenn der Arm unnatürlich abgespreizt ist und der Ball dadurch getroffen wird, gilt das als strafbares Handspiel und führt das zu Elfmeter. Lochoshvili machte den Arm aktiv größer (weit abgestreckt in der Grätsche), was keine natürliche Körperhaltung ist. Es ist kein Ball an den Arm beim Fallen oder Arm am Körper – sondern klassischer Hand-Elfmeter. [TV-Bilder – ab 05:50 Minuten]

AnmerkungIch bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!

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