Der DFB-Pokal hatte am Samstag wieder einiges zu bieten – auch aus Schiedsrichtersicht. Während einige Partien ohne größere Diskussionen verliefen, sorgten unter anderem eine neue Auswechselregel in Wiesbaden, frühe Elfmeterforderungen in Aue und zwei strittige Szenen in Großaspach für Gesprächsstoff. Wir schauen auf die wichtigsten Schiedsrichter-Szenen des Pokal-Samstags.
Wehen Wiesbaden – Bayer Leverkusen 0:4 (SR: Christian Dingert)
Hier gab es zwar keine strittigen Schiedsrichterentscheidungen, dafür aber eine auffällige Szene im Zusammenhang mit der neuen DFB-Regel zu Auswechslungen: Als Patrik Schick in der 65. Minute ausgewechselt wurde und länger als zehn Sekunden benötigte, um das Spielfeld zu verlassen, musste der eingewechselte Christian Kofane über eine Minute bis zur nächsten Spielunterbrechung warten.
Dabei gibt es für den Schiedsrichter keinen Ermessensspielraum: Überschreitet der ausgewechselte Spieler die vorgeschriebenen zehn Sekunden, darf der eingewechselte Spieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung ins Spiel. Leverkusen spielte deshalb vorübergehend in Unterzahl – blieb dabei unbeschadet und erzielte kurz darauf sogar das 3:0.
Bayer-Sportchef Simon Rolfes begrüßte die konsequente Anwendung der Regel („Die Spieler müssen sich daran gewöhnen“). Trainer Carles Martínez kritisierte sie hingegen und forderte mehr Augenmaß.
Ansonsten verlief die Partie aus Schiedsrichtersicht ohne größere Proteste oder Diskussionen. [TV-Highlights
MSV Duisburg – SV 07 Elversberg 3:1 (SR: Dr. Max Burda)
Auch hier gab es keine strittigen Szenen im Sinne einer größeren Schiedsrichterdiskussion. Vielmehr entwickelte sich ein packender Pokal-Fight, in dem der MSV dem Favoriten lange ebenbürtig war und Elversberg gehörig ins Schwitzen brachte. Die Saarländer benötigten zwei späte Tore, um den Einzug in die nächste Runde perfekt zu machen.
Schiedsrichter Dr. Max Burda zeigte drei berechtigte Gelbe Karten. Die intensiven Zweikämpfe gehörten zum Spiel, blieben aber im normalen Rahmen. Größere Diskussionen über Entscheidungen gab es nicht.
Für Aufmerksamkeit sorgten in der ersten Halbzeit vielmehr die Duisburger Fans, die symbolisch gegen den Video-Assistenten protestierten. In der ersten Runde des DFB-Pokals kommt der VAR allerdings grundsätzlich nicht zum Einsatz. Bei insgesamt 32 Partien, darunter zahlreiche Begegnungen mit Amateur- und Regionalligisten, wird bewusst auf die technische Unterstützung verzichtet. Erst ab der zweiten Runde steht der VAR zur Verfügung.
Am Ende schied Duisburg nach einer starken Leistung unglücklich aus. Elversberg setzte sich spät durch – ein enger und über weite Strecken fairer Pokalabend, bei dem Dr. Burda kaum Anlass für Diskussionen gab. [TV-Highlights]
Erzgebirge Aue – TSG Hoffenheim 0:4 (SR: Konrad Oldhafer)
Nach nicht einmal 30 Sekunden forderte Erzgebirge Aue gleich zweimal einen Elfmeter. Zunächst wurde nach einem Abschluss von Willi Kamm ein Handspiel des Hoffenheimers Mats Rots reklamiert. Der Ball traf den Oberarm des TSG-Verteidigers, doch Schiedsrichter Konrad Oldhafer ließ weiterspielen. Kurz darauf ging ein Auer Angreifer im Strafraum zu Boden – erneut blieb der Pfiff aus.
Beide Entscheidungen sind zumindest diskutabel, aber keineswegs eindeutig. Beim Handspiel reicht der reine Kontakt des Balles mit dem Oberarm nicht aus. Entscheidend ist vielmehr, ob Rots den Ball absichtlich mit dem Arm spielte oder seine Armhaltung als unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche zu bewerten war. War der Arm in einer natürlichen Position und gab es keine aktive Bewegung zum Ball, ist die Entscheidung auf Weiterspielen vertretbar. Beim zweiten Vorfall hängt die Bewertung entscheidend von der Art und Intensität des Kontakts ab.
Aue-Trainer Khvicha Shubitidze war anschließend entsprechend sauer und sprach von „zwei sehr unglücklichen Entscheidungen“, die den Spielverlauf hätten beeinflussen können. Auch Hoffenheims Trainer Christian Ilzer räumte ein, dass man in der Anfangsphase „durchaus auch Elfmeter pfeifen“ hätte können.
Für Oldhafer gab es allerdings keine Möglichkeit, seine Entscheidungen nachträglich überprüfen zu lassen. In der ersten Runde des DFB-Pokals kommt der VAR nicht zum Einsatz. Die beiden frühen Situationen mussten daher ausschließlich auf dem Feld bewertet werden.
Entstehung des 0:2
Auch die Entstehung des 0:2 ist nicht ganz unumstritten. Ozan Kabak trifft Aues Kapitän Marcel Bär im Mittelfeld deutlich an der Wade. Schiedsrichter Konrad Oldhafer ließ den Kontakt laufen, obwohl hier durchaus auf Foul hätte entschieden werden können. Der anschließende Ballgewinn leitete den Hoffenheimer Konter ein, den Wouter Burger zum 0:2 abschloss.
Gerade weil aus dem nicht geahndeten Zweikampf unmittelbar ein gefährlicher Angriff entstand, ist die Szene aus Auer Sicht besonders bitter. Einen zwingenden Pfiff muss man daraus allerdings nicht machen – ein Foulpfiff wäre hier aber absolut vertretbar gewesen. [TV-Bilder – ab 01:35 Minuten
SG Sonnenhof Großaspach – DSC Arminia Bielefeld 3:0 (SR: Felix Bickel)
Elfmeter für Großaspach

Nach einer Ecke herrschte im Bielefelder Strafraum dichtes Gedränge. Fabian Eisele kam aus kurzer Distanz zum Abschluss und schoss den Ball gegen den angewinkelten und vom Körper abgespreizten Unterarm von Joel Felix. Schiedsrichter Felix Bickel entschied auf Strafstoß, den Eisele sicher verwandelte.
Die Entscheidung ist vertretbar, aber keineswegs eindeutig. Der kurze Abstand und die hohe Geschwindigkeit des Balles sprechen zunächst gegen einen Vorwurf, Felix habe den Ball bewusst mit dem Arm spielen wollen. Entscheidend ist jedoch die Armposition: Der Unterarm befand sich seitlich vom Körper und vergrößerte damit die vom Spieler abgedeckte Körperfläche. Ein Handspiel muss nicht absichtlich erfolgen, wenn der Spieler durch seine Armhaltung seinen Körper in einer Weise unnatürlich vergrößert.
Dass der Abschluss aus kurzer Distanz erfolgte, macht die Szene dennoch zu einem Grenzfall. Felix hatte kaum eine Möglichkeit zu reagieren. Gleichzeitig verhinderte sein Arm einen Torschuss. Bickels Entscheidung auf Elfmeter ist deshalb gut vertretbar, ein zwingender Strafstoß war es aber nicht. Auch eine Bewertung auf Weiterspielen wäre hier noch nachvollziehbar gewesen.
Da in der ersten Runde des DFB-Pokals kein VAR eingesetzt wird, blieb Bickels Entscheidung auf dem Feld bestehen. Eine eindeutige Fehlentscheidung, die einen Eingriff des Video-Assistenten erforderlich gemacht hätte, war die Szene ohnehin nicht. [TV-Bilder – ab 03:00 Minuten
Gelb-Rot für Felix
Kurz vor dem Ende musste Bielefelds Joel Felix mit Gelb-Rot vom Platz. Marlon Faß hatte sich den Ball im Mittelfeld etwas zu weit vorgelegt. Felix wollte den Ball erobern, verfehlte ihn jedoch und lief stattdessen in seinen Gegenspieler hinein. Schiedsrichter Felix Bickel wertete den Kontakt als Foul und zeigte Felix dafür die zweite Gelbe Karte.
Der Pfiff und damit auch die Gelb-Rote Karte sind vertretbar. Felix verfehlte den Ball und traf stattdessen seinen Gegenspieler. Ein Foulpfiff ist daher nachvollziehbar. Bei einem bereits verwarnten Spieler ist eine weitere Gelbe Karte allerdings eine entsprechend harte Konsequenz. Ein anderer Schiedsrichter hätte die Szene möglicherweise etwas großzügiger bewertet.
Bickel blieb seiner Linie treu und ahndete die Zweikämpfe insgesamt konsequent. Die zweite Gelbe Karte für Felix war daher keine klare Fehlentscheidung, sondern eine strenge, aber regeltechnisch vertretbare Entscheidung. TV-Bilder – ab 05:10 Minuten
