Du betrachtest gerade Zweite Runde vor dem DFB-Bundesgericht: Elversberg kämpft weiter gegen Wagner-Sperre

Zweite Runde vor dem DFB-Bundesgericht: Elversberg kämpft weiter gegen Wagner-Sperre

Die SV 07 Elversberg akzeptiert die gestrige Ablehnung durch das DFB-Sportgericht nicht. Nach der Entscheidung der ersten Instanz hat der Verein offiziell Berufung eingelegt. Der Fall um die Gelb-Rot-Sperre von Cheftrainer Vincent Wagner geht damit vor das DFB-Bundesgericht. Während der Klub um einen Bank-Einsatz seines Trainers beim Spitzenspiel gegen den FC Bayern München kämpft, beleuchtet der Fall ein grundlegendes Regeldilemma im modernen Fußball.

​Der Auslöser und der strenge Regelkontext für Trainer

​Der Streit entzündete sich beim 1:1-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach. Nach einem falschen Einwurf für den Gegner, aus dem ein Gegentreffer resultierte, betrat Wagner das Feld, um zu reklamieren, und sah Gelb. Beim Gang in die Kabine folgte die zweite Verwarnung samt Gelb-Rot. Schiedsrichter Martin Petersen begründete dies mit einem erneuten unsportlichen Angang. Wagner widersprach dieser Darstellung vehement.

​Regeltechnisch offenbart die erste Verwarnung jedoch eine oft unterschätzte Schärfe des Regelwerks:

  • Strenge Vorbildfunktion: Für Trainer gelten auf und neben dem Platz deutlich strengere Maßstäbe als für Spieler. Betritt ein Akteur unangemeldet das Spielfeld und verzögert das Spiel, sieht das Regelwerk für Spieler die Gelbe Karte vor.
  • Erhöhte Sanktion für Offizielle: Betritt hingegen ein Trainer unbefugt den Innenraum bzw. das Spielfeld und stört dadurch den Ablauf, greift das Regelwerk ungleich härter durch. Rein regeltechnisch bewegt sich das Betreten des Feldes durch ein Kadermitglied von der Bank im Ermessen des Schiedsrichters schnell an der Grenze zu einer direkten Roten Karte.
  • Fingerspitzengefühl vs. Regeltext: Dass Petersen in der ersten Szene „nur“ Gelb zeigte, kann regeltechnisch bereits als Auslegung des Ermessensrahmens zugunsten Wagners gewertet werden. Die zweite Verwarnung führte dann jedoch unweigerlich zum Feldverweis.

​Breite Welle der Empörung in der Liga

​Dass die SVE nun die nächste Instanz anruft, liegt an dem spürbaren Unverständnis im Profifußball über die Starrheit der Sanktion:

„Es wäre ja möglich, für das nächste Spiel keine Sperre auszusprechen, wenn das alle so sehen.“

— Jan-Christian Dreesen (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München)

„Dass man nun an einem jungen Trainer ein Exempel statuiert, finde ich lächerlich.“

— Lothar Matthäus (Rekordnationalspieler)

​Auch DFB-Schiedsrichter-Chef Knut Kircher räumte öffentlich ein, dass es sich um eine „unglückliche Situation“ gehandelt habe.

​Die Hürde vor dem DFB-Bundesgericht

​Trotz des erneuten Einspruchs steht Elversberg juristisch vor einer extrem hohen Wand. Das Bundesgericht prüft im Berufungsverfahren primär, ob das Ersturteil Rechtsfehler aufweist.

Juristischer Knackpunkt

Detail / Hürde

§ 11 Nr. 3 DBO

Die automatische Ein-Spiel-Sperre nach Gelb-Rot darf nur bei einem offensichtlichen Irrtum aufgehoben werden.

Kein Bewertungsirrtum

Ein Irrtum liegt nach ständiger Rechtsprechung fast nur bei einer Personenverwechslung vor oder wenn nachweislich keinerlei Kontakt stattfand.

Geschützte Tatsachenentscheidung

Da Interaktionen stattfanden, bleibt die Wahrnehmung des Schiedsrichters geschützt. Das Gericht bewertet das Ausmaß an angewendetem Fingerspitzengefühl juristisch nicht neu.

Fazit

​Der Gang vor die zweite Instanz ist ein starkes Signal der SVE für ihren Cheftrainer. Dennoch bleiben die Erfolgsaussichten vor dem DFB-Bundesgericht rein juristisch extrem gering. Bleibt das Urteil bestehen, muss Wagner das Spiel gegen den FC Bayern wegen des Innenraumverbots von der Tribüne aus verfolgen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Reiner Kuhn

    Der Passus könnte entscheidend sein: „und stört dadurch den Ablauf“. Er hat ja im Prinzip nicht den Ablauf gestört. Das Spiel war abgepfiffen.

    Für mich sind es der Regel nach zweimal ein unerlaubtes Betreten, was mit Gelb ausreichend genug geahndet wurde. Aber das ist ein ganz schmaler Grat zur roten Karte.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.