170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie 30 Gäste aus anderen Austauschkreisen – eine stolze Zahl. Im Spessart Zentrum in Bad Sölden-Salmünster sorgte Knut Kircher mit einem kurzweiligen und bestens vorbereiteten Vortrag für einen rundum gelungenen Abend und begeisterte die Kolleginnen und Kollegen mit spannenden Einblicken in das moderne Schiedsrichterwesen.

Unter dem Motto „Rund um die Profi-Schiedsrichter“ war der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH zu Gast und nahm die Anwesenden mit auf eine Reise durch die Welt des modernen Schiedsrichterwesens. Dabei wurde schnell deutlich: Wer den Weg bis in die Bundesliga schaffen möchte, braucht weit mehr als nur Regelkenntnis und eine gute Pfeife.

Der Weg zum Mount Everest
Passend dazu hatte Kircher eine besondere Metapher mitgebracht. Auf seiner Präsentation waren verschiedene Gipfel zu sehen – vom Schönbuchtturm über die Zugspitze bis hin zum Mount Everest.
Die Botschaft dahinter war eindeutig: Der Weg an die Spitze ist steil.
Der Aufstieg in den DFB-Elitebereich ist mit enormen Anforderungen verbunden. Wer irgendwann auf dem „Mount Everest“ Bundesliga angekommen sein möchte, muss bereit sein, jeden Tag an sich zu arbeiten. Fitness, Regelkenntnis, mentale Stärke und die Bereitschaft, auch nach Rückschlägen weiterzumachen, gehören zum notwendigen Rüstzeug.
Das Leistungsprinzip zieht sich dabei durch den gesamten Weg. Es reicht nicht, einmal eine gute Leistung zu zeigen. Vielmehr geht es darum, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und immer wieder neue Anforderungen zu bewältigen.
Das Bild auf der Leinwand brachte diese Philosophie eindrucksvoll auf den Punkt. Je höher der Berg, desto größer die Herausforderung – und desto größer auch die Strapazen, die auf dem Weg zum Gipfel bewältigt werden müssen.
Der Fußball verändert sich immer schneller
Doch die Anforderungen an Schiedsrichter beschränken sich längst nicht mehr auf Laufleistung und Regelkenntnis. Auch der Fußball selbst entwickelt sich rasant weiter.
Kircher gab interessante Einblicke in die Arbeit der DFB Schiri GmbH und insbesondere in die zunehmende Bedeutung der Spielanalyse. Während es früher teilweise mehrere Monate gedauert habe, bis sich taktisch größere Veränderungen bemerkbar machten, gebe es heute teilweise bereits alle paar Wochen neue taktische Entwicklungen.
Für Schiedsrichter bedeutet das: Sie müssen kurzfristig denken und sich schnell auf neue Situationen einstellen können.
Ein Beispiel ist das Verhalten von Mannschaften nach Ballverlusten. Früher gaben Spieler nach einem verlorenen Ball häufig auf und zogen sich zurück. Heute versuchen sie unmittelbar, den Ball zurückzuerobern. Für den Schiedsrichter bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung: Er muss aufmerksam sein und frühzeitig erkennen, wohin sich das Spiel nach einem Ballverlust verlagert.
Auch die Abseitsentscheidung ist durch die technischen Möglichkeiten noch einmal auf eine andere Ebene gehoben worden. Mit kalibrierten Linien können Abstände inzwischen bis auf den Millimeter bestimmt werden. Umso wichtiger bleibt es für den Schiedsrichter, das Spiel und die taktischen Abläufe auf dem Feld zu verstehen.
Der VAR soll unterstützen – nicht bestimmen
Natürlich durfte an einem solchen Abend auch der Video Assistant Referee nicht fehlen.
Kircher ging dabei auf die zuletzt stärker betonte Eingriffsschwelle ein. Der VAR soll nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern eingreifen. Dass dadurch weniger Eingriffe erfolgen, war bereits an den ersten Spieltagen zu beobachten.
Ein Weg, den wir ausdrücklich begrüßen.
Denn nicht jede Entscheidung auf dem Platz muss anschließend noch einmal überprüft werden. Ob beispielsweise Ecke oder keine Ecke, soll nicht zur Aufgabe des VAR werden. Vielmehr muss das Ziel sein, dass der Schiedsrichter auf dem Feld wieder möglichst viele Entscheidungen selbstständig trifft.
Denn eines bleibt entscheidend: Der Leiter des Spiels ist und bleibt der Schiedsrichter auf dem Feld.
Der VAR soll den Unparteiischen unterstützen und nicht seine Entscheidungen kritisieren. Wenn die Wahrnehmung des Schiedsrichters bei einer klaren und offensichtlichen Situation nicht mit der tatsächlichen Situation übereinstimmt, soll der Video-Assistent ihn darauf hinweisen und ihm die Möglichkeit geben, die richtige Entscheidung zu treffen.
Genau diese Rollenverteilung ist aus unserer Sicht der richtige Weg.
Offener Austausch und wertvolle Impulse
Neben all den technischen und taktischen Entwicklungen ging es an diesem Abend aber vor allem um eines: die Leidenschaft für das Schiedsrichterwesen.
Kircher vermittelte das Schiedsrichterwesen erneut ausgesprochen positiv und zeigte, wie vielfältig und anspruchsvoll die Aufgabe geworden ist. Gleichzeitig machte er deutlich, dass man sich den Weg nach oben jeden Tag aufs Neue erarbeiten muss.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zu einem offenen und angeregten Austausch mit Knut Kircher und konnten dabei zahlreiche wertvolle Einblicke und Impulse für die eigene Schiedsrichterarbeit mitnehmen.
Trotz eines kleinen Überziehens der geplanten Zeit blieb der Abend kurzweilig. Die Kolleginnen und Kollegen gingen zufrieden nach Hause – und um viele interessante Gedanken und Eindrücke reicher.
170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dazu 30 Gäste aus anderen Austauschkreisen: eine stolze Zahl und ein schöner Beleg für das große Interesse am Schiedsrichterwesen.
Wir von der Schiedsrichtervereinigung Gelnhausen bedanken uns herzlich bei Knut Kircher für den interessanten Abend, seine spannenden Ausführungen und den offenen Austausch. Viele wertvolle Impulse nehmen wir mit – und freuen uns, dass er bei uns zu Gast war.
Danke, Knut, für diesen besonderen Abend!


