Ein freundlicher Empfang, eine saubere Kabine, ein Ansprechpartner und ein respektvoller Umgang: Was für viele Vereine selbstverständlich ist, wird andernorts leider noch immer vernachlässigt. Dabei braucht es weder ein großes Budget noch außergewöhnliche Leistungen, um Schiedsrichtern Wertschätzung entgegenzubringen. Die IG Schiedsrichter zeigt anhand ihrer Leseraktion „Schiedsrichterbetreuung der Woche“, wie einfach gute Gastfreundschaft im Amateurfußball funktionieren kann.
Der Schiedsrichter ist Gast – und kein Gegner
Wer am Wochenende einen Fußballplatz betritt, möchte seiner Leidenschaft nachgehen. Das gilt für Spieler, Trainer und Zuschauer genauso wie für den Schiedsrichter.
Doch während sich Mannschaften auf ihre Spiele vorbereiten, wird eine entscheidende Frage manchmal vergessen: Wie empfängt der Heimverein eigentlich den Unparteiischen?
Wird er begrüßt? Weiß er, wo sich seine Kabine befindet? Gibt es einen Ansprechpartner? Ist für seine Sicherheit gesorgt?
Es sind einfache Fragen, die viel darüber aussagen, welchen Stellenwert Schiedsrichter innerhalb eines Vereins genießen.
Denn Wertschätzung beginnt lange vor dem Anpfiff und endet nicht mit dem Schlusspfiff.
Sechs einfache Grundsätze für eine gute Schiedsrichterbetreuung

Ein Hinweisbild mit Tipps zur Schiedsrichterbetreuung bringt die wichtigsten Grundlagen auf den Punkt. Wir möchten diese Gedanken aufgreifen und um unsere Erfahrungen aus dem Amateurfußball ergänzen.
1. Wertschätzung entgegenbringen
Ohne Schiedsrichter kein regulärer Spielbetrieb. Schon deshalb sollte jeder Unparteiische als wichtiger Bestandteil des Spiels angesehen werden.
Ein freundlicher Empfang, eine persönliche Begrüßung und ein respektvoller Abschied sind keine außergewöhnlichen Leistungen, sondern Ausdruck einer guten Vereinskultur.
2. Respektvollen Umgang pflegen
Schiedsrichter treffen Entscheidungen innerhalb von Sekunden. Dass dabei auch Fehler passieren können, gehört zum Fußball.
Beleidigungen, persönliche Angriffe oder Bedrohungen haben auf dem Sportplatz jedoch nichts verloren.
Gerade Trainer, Betreuer und Vereinsverantwortliche tragen eine besondere Verantwortung. Ihr Verhalten beeinflusst maßgeblich, wie Spieler und Zuschauer mit dem Schiedsrichter umgehen.
3. Eine saubere Kabine bereitstellen
Nicht jeder Amateurverein verfügt über moderne Sportanlagen. Das muss auch niemand erwarten.
Entscheidend ist nicht die Größe einer Schiedsrichterkabine, sondern ihr Zustand.
Eine saubere, möglichst abschließbare Kabine, funktionierende sanitäre Einrichtungen und im Winter eine angemessene Beheizung sollten zum Standard gehören.
Auch ein Handtuch oder eine kleine Aufmerksamkeit können zeigen, dass sich der Verein Gedanken gemacht hat.
4. Einen Ansprechpartner benennen
Ein Schiedsrichter sollte bei seiner Ankunft wissen, an wen er sich wenden kann.
Dieser Ansprechpartner kann ihn begrüßen, ihm die Räumlichkeiten zeigen, organisatorische Fragen beantworten und bei Problemen unterstützen.
Besonders wichtig ist dabei auch der Ordnungsdienst.
Ein funktionierender Ordnungsdienst ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheit auf dem Sportplatz.
Wo die jeweiligen Verbandsbestimmungen einen Ordnungsdienst vorschreiben, muss dieser entsprechend organisiert, erkennbar und einsatzbereit sein.
Dazu gehört auch, dass der Schiedsrichter bei Konflikten oder Bedrohungen nicht auf sich allein gestellt bleibt.
5. Getränke bereitstellen
Ein paar Flaschen Wasser vor dem Spiel, während der Halbzeitpause oder nach dem Abpfiff kosten einen Verein nicht die Welt.
Gerade bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Versorgung besonders wichtig.
Dabei muss es keine große Getränkeauswahl geben. Entscheidend ist, dass überhaupt an den Schiedsrichter gedacht wird.
6. Einen kleinen Imbiss anbieten
Ein Stück Kuchen, eine belegte Semmel, etwas Obst oder eine warme Suppe nach einem Spiel: Solche Gesten bleiben in Erinnerung.
Sie sind kein Muss und dürfen nicht zum Maßstab für die Qualität einer Schiedsrichterbetreuung werden.
Aber sie zeigen, dass der Unparteiische nicht einfach als notwendiger Spielleiter betrachtet wird, sondern als willkommener Gast.
Unsere Leseraktion zeigt, wie es funktionieren kann
Mit der Aktion prämierten „Schiedsrichterbetreuung der Woche“ stellt die IG Schiedsrichter seit Oktober 2026 Vereine vor, die mit gutem Beispiel vorangehen.
Die SG Haitz überzeugte unter anderem mit einem liebevoll vorbereiteten Empfang und einer warmen Gulaschsuppe nach dem Spiel.
Beim SV Willofs waren die Kabine und die Versorgung des Schiedsrichters aufmerksam vorbereitet.
Der SV Victoria St. Wendel II begrüßte seinen Unparteiischen mit einem persönlichen Willkommensschild, Getränken, Süßigkeiten und sogar frischen Handtüchern.
Und beim SV 09 Somborn erlebte der junge Schiedsrichter Michael Bischler bei seinem allerersten Spiel einen besonders gelungenen Einstieg. Nach dem Einsatz wurde er zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
Mit 247 Stimmen gewann der SV 09 Somborn unsere zweite Leserwahl.
All diese Beispiele haben eines gemeinsam: Die Vereine haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sich ein Schiedsrichter bei ihnen wohlfühlen kann.
Gerade junge Schiedsrichter brauchen positive Erfahrungen
Wir sprechen häufig über die Gewinnung neuer Schiedsrichter. Lehrgänge werden organisiert, Werbeaktionen gestartet und Nachwuchskampagnen durchgeführt.
Doch was geschieht nach der bestandenen Prüfung?
Ein junger Schiedsrichter, der bei seinen ersten Einsätzen freundlich empfangen und respektvoll behandelt wird, erlebt den Fußball von seiner positiven Seite.
Wer dagegen schon beim ersten Spiel beschimpft, allein gelassen oder schlecht behandelt wird, könnte sich schnell fragen, warum er sich dieses Hobby überhaupt antun soll.
Deshalb beginnt erfolgreiche Schiedsrichterförderung nicht erst beim Lehrabend oder im Schiedsrichterausschuss.
Sie beginnt auch auf den Sportplätzen – bei jedem einzelnen Verein.
Gastfreundschaft ersetzt keine Sicherheit
Bei aller Freude über positive Beispiele darf ein entscheidender Punkt nicht vergessen werden.
Eine saubere Kabine und ein reich gedeckter Tisch sind wertvoll. Sie können aber keinen funktionierenden Ordnungsdienst ersetzen.
Wer Schiedsrichter wirklich wertschätzt, muss auch dafür sorgen, dass sie ihre Spiele möglichst sicher leiten können und bei Konflikten Unterstützung erhalten.
Dazu gehören klare Zuständigkeiten, ein konsequentes Einschreiten gegen Beleidigungen und Bedrohungen sowie die Einhaltung der jeweiligen Sicherheits- und Ordnungsbestimmungen.
Schiedsrichterbetreuung bedeutet deshalb nicht nur Gastfreundschaft, sondern auch Verantwortung.
Unser Fazit: Ein freundliches Wort kostet nichts
Die Beispiele unserer Leseraktion zeigen, dass es viele Vereine gibt, die ihre Schiedsrichter vorbildlich behandeln.
Diese Vereine möchten wir sichtbar machen und für ihr Engagement auszeichnen.
Gleichzeitig möchten wir alle anderen ermutigen, die eigene Schiedsrichterbetreuung einmal kritisch zu hinterfragen.
Wie begrüßen wir unsere Unparteiischen? In welchem Zustand befindet sich die Kabine? Wer ist für sie verantwortlich? Und wie gehen wir mit ihnen um, wenn eine Entscheidung einmal nicht unseren Vorstellungen entspricht?
Es braucht nicht immer große Veränderungen.
Manchmal genügen eine saubere Kabine, eine Flasche Wasser, ein verlässlicher Ansprechpartner und ein freundliches Wort.
Denn gute Schiedsrichterbetreuung ist keine Frage des Geldes, sondern der Einstellung.
Die IG Schiedsrichter freut sich weiterhin über Einsendungen und positive Beispiele aus dem Amateurfußball für ihre Aktion „Schiedsrichterbetreuung der Woche“.
