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Ein Augsburger Handspiel im Fokus

In Mönchengladbach führte ein sehr diskussionswürdiger Handelfmeter zu einem Strafstoß, den es nach genauer Regelauslegung nicht hätte geben dürfen. In München dominierten die Bayern gegen Wolfsburg, auch da gab es etwas zu analysieren.

Borussia Mönchengladbach – FC Augsburg 4:0 (SR: Harm Osmers)

Szene 1: Im Sechzehner verlor Pedersen die Balance, hat den linken Arm vom Körper weg und bekam den Ball an selbigen. Schiedsrichter Osmers pfiff und zeigte auf den Punkt. Das Problem ist, dass der Ball an die Hüfte und von dort an den nach hinten gehaltenen Arm prallte, was keine unnatürliche Armhaltung darstellt. Auf der anderen Seite, hat er Orientierung und blickt auf den Ball. Für mich ist das schon etwas kritisch – und genau solche Fälle sorgen seit Jahren für die meisten Diskussionen im deutschen Fußball.

Kurze Zusammenfassung der aktuellen Handspiel-Regel (IFAB/DFB 2025/26):

  • Strafbar ist ein Handspiel, wenn der Arm/Hand unnatürlich vergrößert wird → also deutlich vom Körper weg und/oder in eine Position, die man für die Lauf-/Balancebewegung nicht erwarten würde.
  • Keine Strafe, wenn der Arm nah am Körper ist oder die Bewegung eine natürliche Folge des Körperlaufs/Balanceausgleichs ist.
  • Wenn der Ball zuerst am Körper (z. B. Hüfte, Oberschenkel) abprallt und danach den Arm trifft → meistens kein strafbares Handspiel, selbst wenn der Arm etwas abgespreizt ist (außer bei sehr krasser, bewusster Vergrößerung).

In dem Fall nach genauerer Bildbetrachtung

  • Ball → Hüfte zuerst
  • dann → Abpraller auf den nach hinten gehaltenen/linken Arm
  • Arm ist zwar leicht vom Körper weg, aber nach hinten gezogen (also nicht aktiv nach vorne/oben in den Ballweg gestreckt)

→ Das spricht klassisch gegen ein strafbares Handspiel.

Der Punkt, dass Pedersen den Ball sieht und sich orientiert, macht es zwar etwas kritischer (er hätte den Arm theoretisch noch mehr an den Körper ziehen können), ändert aber in der Praxis bei diesem Bewegungsablauf (Balanceverlust + Abwehrbewegung) für die meisten Referee-Experten wenig.
  • Osmers Entscheidung auf dem Platz war nachvollziehbar (aus seiner Perspektive sah es erstmal nach abgespreiztem Arm aus).
  • Nach den heute verfügbaren Bildern und der genauen Reihenfolge (Hüfte → Arm) wäre es für mich kein Elfmeter → eher VAR-Intervention mit „On-Field-Decision steht“ oder sogar „kein strafbares Handspiel“.
  • Sehr typischer „50:50-Fall“, bei dem man aktuell in Deutschland leider immer noch sehr unterschiedliche Auslegungen sieht – je nach Schiri, VAR-Team und Tagesform.

Fazit: Für mich -und nach UEFA-Anweisung- ist ein Handspiel nicht strafbar, wenn der Ball vom eigenen Körperteil (hier die Hüfte) an den Arm prallt. Deshalb ist es für mich eine Fehlentscheidung, den Strafstoß zu geben. Und genau das, macht die Regelauslegung so schwierig und sehr diskussionswürdig führt unter Fans zu einer Diskreptanz zwischen Schiedsrichter, VAR und DFB. Damit macht der DFB mit seinen Schiris wieder ein Fass auf, wie zu verfahren ist, wenn der Ball zuvor vom eigenen Körper abprallt. Unnötig.

Szene 2: Das Tor (das dritte von Gladbach, 3:0 durch Haris Tabaković in der 36. Minute per Kopf nach Flanke von Luca Netz) wurde von VAR Johann Pfeifer überprüft – wegen möglichen Fouls im Vorfeld. Nach Betrachtung der Bilder kommt es bei einer Ecke im Strafraum zu zwei kurzen Schieben. Zunächst drückt Fellhauer mit beiden Händen und hindert ihn zum Ball zu kommen, dadurch hatte Tabakoviv freie Bahn . Doch auch er setzte gegen Finn Dahmen den Ellembogen ein. Die Aktion gegen den Keeper ist eher ein handelsübliches Foul im Strafraum. Der Gladbacher muss mit seinen 1,90m und langen Armen seine Arme bei dem Kopfballduell auch irgendwie in der Luft haben. Es ist ein klassischer Strafraum-Kontakt, der in 8 von 10 Fällen durchgewunken wird, solange kein harter Schlag ins Gesicht oder Trikotziehen dabei ist. Dahmen kommt hier nicht richtig raus und verliert das Duell eher durch Positionierung als durch ein klares Foul. Kein ernsthafter Kandidat für eine Aberkennung.

Interessanter ist das vorherige Vergehen von Fellhauer. Schieben im Strafraum wird bei Ecken meist durchgewunken und als zu wenig beurteilt. Wenn ich aber einen Gegenspieler mit zwei Händen wegschiebe und ihn daran hindere zum Ball zu gehen, ist das für mich ein Foul. Ein klares Schieben mit beiden Händen.  Fellhauer drückt Tabaković tatsächlich aktiv weg, bevor der zum Kopfball hochkommt. Das verschafft Tabaković erst den entscheidenden Raum/Vorteil. Nach LOTG (Law of the Game) ist das ein strafbares Halten/Schieben, vor allem wenn es so direkt und mit beiden Armen passiert. In vielen ähnlichen Fällen (besonders seit der leichten Verschärfung bei Duellen 2024/25) hätte das heute oft zu einem Foul + Tor aberkannt geführt. Hier wirkt es aber so, als hätte der VAR den Kontakt als „üblichen Körperkontakt im Luftduell“ eingestuft – grenzwertig, aber noch vertretbar (typischer „kein klares Fehlurteil“-Fall).

FC Bayern München – VfL Wolfsburg 8:1 (SR: Florian Badstübner)

Szene 3: Der Zweikampf ereignete sich ungefähr in der 33. Minute im Mittelfeld, also klar in der eigenen Bayern-Hälfte. Jenz ging mit offener Sohle in den Zweikampf und traf Bayern Sturmtank Harry Kane am Schienbein/knapp unter dem Knie → Kane ging dramatisch zu Boden und krümmt sich kurz. Florian Badstübner pfeift Freistoß für Bayern, lässt das Spiel aber schnell weiterlaufen und zeigt keine Gelbe Karte für Jenz. Das ist eine klassische gelbwürdige Szene – rücksichtsloses (reckless) Einsteigen mit offener Sohle ans Schienbein. Nach IFAB-Regel 12 muss ein Spieler verwarnt werden, wenn er „rücksichtslos“ (reckless) handelt – also mit übermäßig hohem Risiko für den Gegner, auch wenn er den Ball spielen will; Offene Sohle + Treffer am Schienbein = hohes Verletzungsrisiko (Stollen können übel aufreißen oder Prellungen/Platzwunden verursachen); Kane ging deutlich zu Boden und zeigte Schmerzen → der Kontakt war spürbar, nicht nur „gestreift“. Selbst wenn Jenz den Ball leicht toucht oder verfehlt: Das hohe Bein + offene Sohle macht es nicht mehr zu einem normalen Zweikampf, sondern zu einem gefährlichen Tackling. [TV-Bilder]

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