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Kircher und die weiße Weste

Knut Kircher will weiße Weste behalten. Einige Gedanken zur fehlerlosen Statistik.

Dieses Urteil über Knut Kircher trifft einen Punkt, den viele Beobachter regelmäßig kritisieren:

Es gibt tatsächlich eine Tendenz, dass strittige Szenen sehr häufig als „Graubereich“ oder „vertretbar“ klassifiziert werden – auch wenn sie für viele Außenstehende klar falsch wirken.

Aus den öffentlichen Äußerungen und Analysen ergibt sich folgendes Bild:

  • Kircher verwendet den Begriff Graubereich sehr oft, besonders bei VAR-Eingriffen. Er plädiert explizit dafür, dass der VAR bei Entscheidungen im Graubereich die Finger weglassen soll (z.B. in Interviews 2024/25 und Anfang 2026). Das Ziel ist weniger Unterbrechungen und mehr Ermessensspielraum für den Feldschiedsrichter – was prinzipiell nachvollziehbar ist, aber in der Praxis oft so wirkt, als würde fast alles als „grau“ durchgehen, solange es nicht komplett unhaltbar ist.

Beispiele aus den letzten Monaten/Jahren:

  • Bei Szenen wie Tah vs. Ekitiké (Leverkusen–Frankfurt 2024) nannte er die No-Call-Entscheidung „vertretbar“, obwohl viele das als klares Foul sahen → Markus Krösche ging daraufhin richtig in die Luft.
  • Beim Freiburger Siegtor gegen den HSV (Januar 2026) sprach er von einer „grenzwertigen Situation“ und wollte nicht von einem klaren Fehler sprechen, obwohl der Unmut riesig war.

Die Szene vor dem Siegtor (Ellbogen von Manzambi an Torunarigha) wird weitgehend als klares Foul gesehen, das der VAR (Arne Aarnink) eigentlich hätte korrigieren müssen. Stattdessen blieb alles stehen, und Gerach selbst sprach von „fußballtypischem Kontakt“ ohne Schlagbewegung.

Knut Kircher hat das im ZDF-Sportstudio als „grenzwertige Situation“ eingeordnet – er versteht die Emotionen, betont Einheitlichkeit (erinnert an eine ähnliche Szene gegen den HSV im November), nennt es aber nicht explizit Fehler. Das passt zu meinem Punkt: Es bleibt wieder im Graubereich, obwohl Ex-Refs wie Manuel Gräfe scharf kritisieren: „Ein Schlag für den HSV mitten ins Gesicht“, VAR hätte zwingend eingreifen müssen. Auch Thorsten Kinhöfer war im Studio deutlicher und hätte Foul gepfiffen.

  • Ähnlich bei diversen Handspiel-, Foul- oder Abseits-Entscheidungen: Oft heißt es „Ermessensspielraum“ oder „Graubereich“, statt klipp und klar „Fehler“.

Das führt genau zu dem Vorwurf, den ich ihm mache: Wenn fast jede diskutierte Entscheidung als „vertretbar“ oder „grau“ eingeordnet wird, bleibt am Ende eine Statistik ohne (oder mit sehr wenigen) klaren Fehlern übrig – auch wenn die öffentliche Wahrnehmung eine andere ist.

Klar, Schiedsrichter müssen geschützt werden 

Es bringt nichts, wenn man sie über die Medien Druck ausübt. Kircher tut dann intern bestrafen und setzt wochenlang nicht mehr an.

Der Schutz der Schiedsrichter vor öffentlichem Druck ist legitim und sogar notwendig – sonst würde das System komplett implodieren. Öffentliche Hinrichtungen per Medien oder Social-Media-Kampagnen helfen niemandem und machen die Referees nur noch unsicherer.

Kirchers Ansatz scheint tatsächlich intern sehr konsequent zu sein: Wenn ein Schiedsrichter (oder VAR) einen richtig schweren oder wiederholten Patzer hat, kommt oft eine längere Einsatzpause – manchmal Wochen oder sogar Monate –, ohne dass das groß nach außen kommuniziert wird. Das hat er selbst im kicker-Interview Anfang Januar 2026 indirekt bestätigt, wo er von „Verschnaufpausen, länger als lieb“ sprach und dass er manchen Unparteiischen Zwangspausen verordnet, um Druck rauszunehmen, nachzuschulen oder einfach Leistung wieder aufzubauen.

Kircher räumt Fehler ein, wenn sie wirklich unabweisbar sind (z.B. am 1. Spieltag 2024/25 oder in einzelnen VAR-Kritikfällen), aber bei 50:50-Situationen oder knappen Bewertungen tendiert er stark dazu, die Schiedsrichter zu schützen. Das ist aus Sicht der Schiedsrichter-Gewerkschaft verständlich (keine Guillotine, wie er selbst sagte), aus Fan- und Transparenzsicht aber oft frustrierend.

Kurz gesagt: Meine These ist nicht aus der Luft gegriffen – sie spiegelt wider, was viele kritisieren, die die DFB-Kommunikation verfolgen. Ob das eine bewusste Strategie für eine „fehlerlose“ Statistik ist oder einfach der Versuch, das System stabil zu halten, lässt sich natürlich nicht beweisen – aber der Effekt ist derselbe.

Beispiele aus der Praxis (die man so oder so ähnlich in den letzten Monaten gesehen hat):

  • Bei richtig krassen Spieltagen (z.B. im DFB-Pokal Herbst 2025 oder einzelnen Bundesliga-Wochenenden) wurden mehrere Referees gleichzeitig pausiert – das sorgt intern für Anspannung, wie Kircher zugibt, aber es verhindert, dass dieselben Leute direkt wieder in die nächste Kritikfalle laufen.
  • Im Fall von Timo Gerach nach dem Freiburg-HSV-Spiel (das Tor, das ich gerade heiß ausdiskutiert habe): Wenn Kircher intern genauso „konsequent agiert“ wie ich denke, dürfte Gerach tatsächlich länger nicht in der Bundesliga ran – ähnlich wie es bei anderen in der Vergangenheit schon passiert ist (z.B. nach Abstiegs- oder Pokal-Desastern).

Der Vorteil: Das System bleibt stabil, die Schiris wissen, dass Fehler Konsequenzen haben (nur eben nicht öffentlich sichtbar), und es gibt keine Guillotine nach jedem Shitstorm.Der Nachteil (aus Fan-Sicht): Es wirkt oft wie Schonung statt echter Konsequenz. Man sieht nicht, wer „bestraft“ wird, und die öffentliche Wahrnehmung bleibt: „Es passiert nichts.“ Deshalb der Vorwurf, dass alles „grau/vertretbar“ bleibt und die Statistik sauber aussieht.

Im Vergleich zu früher (z.B. unter Hellmut Krug oder Lutz-Michael Fröhlich als Chef): Kircher ist da deutlich härter intern, aber deutlich weicher in der öffentlichen Kommunikation. Früher gab’s öfter mal offene Ansagen à la „Der pfeift erstmal nicht mehr“ – heute ist es leiser, aber wirksam.

Und darüber hinaus: Zieht Kircher den Gerach-Stecker?

Eigentlich müsste er nach drei schwachen Jahren und zweimal auf dem Abstiegsplatz für einen hungrigen Zweitligaschiri wie z.B. Richard Hempel ausgewechselt werden. Ich glaube, Kircher steht jetzt auch nicht mehr hinter ihm.

Ich halte es für möglich, dass Gerach im Sommer 2026 Konsequenzen spürt – z.B. Abstieg in die 2. Liga oder Spezialisierung als VAR (ähnlich wie bei Nicolas Winter). Der DFB hat ja angekündigt, strenger auf Leistungen zu schauen, besonders bei wiederholten Kritikpunkten.

Gerach hat in den letzten Saisons oft knappe Noten, HSV-Beteiligung bei strittigen Spielen, und die Wahrnehmung ist: Er überlebt knapp, aber liefert kein stabiles Bundesliga-Niveau. Ein „hungriger“ Zweitliga-Ref wie Richard Hempel (aktuell einer der jüngsten in der 2. Liga, frisch mit guten Vorträgen unterwegs) wäre logisch als Nachrücker – frisch, motiviert, weniger Ballast

Ob Kircher wirklich nicht mehr hinter ihm steht? Öffentlich schützt er ihn weiter („kein Schlag“, grenzwertig), aber intern könnte der Druck steigen – besonders wenn HSV-Fans und Medien (Kicker, Gräfe, Kinhöfer) so laut bleiben. Bisher ist es aber keine Guillotine, sondern eher „weiter beobachten + nächste Chance“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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