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Nach Morddrohung streiken die Schiedsrichter

Um ein Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen, verkündet der Kreis-Fußballverband im Burgenlandkreis eine aufsehenerregende Aktion: Am Wochenende werden die Schiedsrichter keine Spiele auf Kreisebene pfeifen. Was die Hintergründe für den Schritt sind und was das für die Fußball-Partien heißt.

Mit dieser Entscheidung könnte der Kreisfachverband Fußball Burgenland (KFV) bundesweit für einen Präzedenzfall sorgen: Alle Spiele des kommenden Wochenendes 16. bis 18. Mai im Erwachsenen- und im Nachwuchsbereich auf Kreisebene werden ohne geprüfte Unparteiische ausgetragen. Einen entsprechenden Vorschlag des Schiedsrichter-Ausschusses hat das Präsidium des KFV einstimmig mitgetragen, teilt der Kreisverband mit.

Auslöser des über Monate gereiften Szenarios ist vor allem einer von mehreren negativen Vorfällen am vergangenen Spieltag gegen die Schiedsrichter. „Wir sprechen von einer potentiellen Morddrohung gegen einen unserer Schiedsrichter durch einen Teamoffiziellen auf dem Spielfeld kurz nach Spielende“, sagt Max Pfannschmidt, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses. „Sollte sich dieser Vorwurf im Rahmen der derzeit laufenden sportgerichtlichen Prüfung bewahrheiten, sehen wir hier eine klare Grenze im Sinne des sportlichen Miteinanders und des FairPlay überschritten“, so Pfannschmidt. „Unser Ansinnen ist es bereits jetzt, präventiv zu agieren und ein Zeichen gegen jedwede Gewalt, Hass und Diskriminierung auf unseren Sportplätzen gleich ob Trainer, Spieler oder Schiedsrichter zu setzen. Ich bin erleichtert, dass das Präsidium diesen Vorschlag einstimmig mitgetragen hat“, erklärt der Schiedsrichterausschussvorsitzende die Entscheidung zum aktuellen Zeitpunkt.

Eine Bewahrheitung benannter Aktion wäre der Höhepunkt zahlreicher Bedrohungen und Beleidigungen gegen Unparteiische, allerdings auch gegen Gegner und Mitspieler auf dem Verantwortungsgebiet des KFV Fußball Burgenland in den vergangenen Jahren. „Die Zunahme verbaler Gewalt gegenüber den Unparteiischen aber grundsätzlich auch der am Spiel Beteiligten untereinander hat in den vergangenen Jahren vermehrt zugenommen“, sagt KFV-Präsident Mathias Leschek. „In diesem offensichtlichen Aggressionspotential sehen wir einen immensen Grund des Nachlassens des ehrenamtlichen Engagements. Wir sind nicht bereit, diesen Zustand weiter hinzunehmen und fürchten, dass wir den Spielbetrieb auf Dauer nicht mehr absichern können, da vor allem Schiedsrichter, aber auch Trainer oder Vorstände diesen Aggressionen nicht mehr dauerhaft ausgesetzt sein möchten“, so Leschek. Allein am vergangenen Wochenende erhielten vier Trainer bzw. Mannschaftsverantwortliche einen Platzverweis aufgrund grob unsportlichen Betragens gegenüber Schiedsrichtern im Herrenbereich. Hinzu kamen sechs Platzverweise von Spielern aus verschiedenen Gründen. „Im Nachwuchsbereich musste nach einer Tätlichkeit eines Spielers gar das STOPP-Konzept angewandt werden“, so Leschek. In einem weiteren Spielberichtskommentar ist zudem eine erneute mögliche Gewalthandlung nach Spielende in einem Nachwuchsspiel aufgezeigt.

Die Schiedsrichteransetzer werden alle Referees von ihren geplanten Spielen absetzen. Gemäß Spielordnung und Ausschreibung sind Pflichtspiele auch bei Nichterscheinen von Unparteiischen durchzuführen. Beide Vereine haben sich auf einen Spielleiter zu einigen, wobei dem Vorschlag der Heimmannschaft Vorrang zukommt. Im Zweifel kann das Los entscheiden. Findet ein angesetztes Pflichtspiel nicht statt, erfolgt eine sportgerichtliche Bearbeitung. Spielberichte sind über den Button „Schiedsrichter-Nichtantritt“ vollständig und wahrheitsgetreu zu erfassen. Die Grundlagen hierfür schaffen § 30 der Spielordnung des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt sowie § 13.3 f der Ausschreibung des KFV Fußball Burgenland. „Stichprobenartige Spielbeobachtungen auf den Sportanlagen werden am kommenden Wochenende erfolgen“, sagt Pfannschmidt.

Allen Schiedsrichtern des KFV wird für das kommende Wochenende ein Einsatz auf ihr Schiedsrichter-Soll angerechnet, sodass sich dies in der Abrechnung nach der Spielzeit nicht negativ auswirkt. Allerdings ist es den Unparteiischen gemäß Spielordnung untersagt, Spiele – auch ihres Heimvereins – ohne offizielle Ansetzung zu leiten.

„Wir werden unsere Schiedsrichter mit dieser klaren Haltung weiter schützen und drücken deutlich aus, dass unsere Unparteiischen, aber auch sämtliche andere am Spiel beteiligte Personen kein Freiwild sind“, sagt Mathias Leschek. „Grundlegendes Ziel ist es, mit dieser Aktion im Nachgang eine sachliche Debatte im Verhältnis Schiedsrichter – Funktionäre – Trainer – Spieler anzuregen. Entsprechend wird es natürlich eine Auswertung mit den Vereinen geben“, kündigt der KFV-Präsident an.

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