Die Bundesliga bot am Samstag wieder reichlich Gesprächsstoff für die Schiedsrichter-Analyse. Strafstoßentscheidungen, knappe Abseitsstellungen, Gelb-Rote Karten und die Frage, wann ein Zweikampf die Grenze zum groben Foulspiel überschreitet, standen im Mittelpunkt. Während Bastian Dankert beim Paderborner Strafstoß richtig lag, der VAR den vermeintlichen Mainzer Ausgleich in München zu Recht aberkannte und auch die Gelb-Roten Karten gegen Baum und Itakura zumindest vertretbar waren, sorgte eine Szene in Dortmund für die größte Diskussion. Dort grätschte Svensson zum Ball, traf Pinckert jedoch mit hoher Intensität am Knöchel.
Wir nehmen die wichtigsten strittigen Szenen unter die Lupe und bewerten die Entscheidungen anhand der Fußballregeln.
Svensson trifft Pinckert am Knöchel – Rot wäre die richtige Entscheidung gewesen
Svensson grätscht zum Ball und trifft Pinckert heftig am Knöchel. Eine persönliche Strafe bleibt aus. Zwar ist die Aktion ballorientiert, doch die Intensität des Einsteigens und die Gefährdung der Gesundheit des Gegenspielers sprechen klar für einen Platzverweis. Besonders schwer wiegt, dass Pinckerts Fuß beim Treffer auf dem Boden steht. Dadurch kann er dem Druck kaum nachgeben, was die Verletzungsgefahr erheblich erhöht.
Unsere Bewertung: Rote Karte wegen groben Foulspiels. Die Ballorientierung allein kann ein derart intensives und gesundheitsgefährdendes Einsteigen nicht rechtfertigen. Hier war die Bewertung von Harm Osmers, es als fahrlässiges Foul zu belassen, zu nachsichtig und klar falsch.
Richtige Entscheidung, keinen Strafstoß für Elversberg zu geben. Krattenmacher erhielt zwar einen leichten Stoß in den Rücken, doch die Intensität reichte nicht aus, um ein strafbares Foulspiel zu begründen. Nicht jeder Körperkontakt im Strafraum ist automatisch ein Vergehen. Hier war es richtig, weiterspielen zu lassen.
Kein strafbares Handspiel vor Augsburgs Führungstreffer

Vor dem Führungstor durch Anton Kade bekam ein Leipziger den Ball an den angelegten Arm. Eine strafbare Absicht oder eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche war dabei nicht erkennbar. Hinzu kommt, dass zwischen dem Handkontakt und dem Torabschluss noch mehrere Schritte und Pässe lagen. Ein unmittelbar anschließender Torerfolg des betreffenden Spielers lag somit ebenfalls nicht vor.
Unsere Bewertung: Das Tor wurde zu Recht anerkannt. Der Armkontakt war nicht strafbar und bot keinen Anlass, den Treffer abzuerkennen.
Dankert entscheidet zu Recht auf Strafstoß für Paderborn

Nach einem fahrlässigen Dribbling von Ilicevic schaltete Paderborn blitzschnell um. Zeitler trieb den Ball nach vorne und spielte schließlich nach rechts in den Strafraum, wo Pieringer von Brassier regelwidrig zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Bastian Dankert erkannte das Foulspiel sofort und zeigte ohne Zögern auf den Elfmeterpunkt.
Unsere Bewertung: Eine klare und richtige Strafstoßentscheidung. Brassier brachte seinen Gegenspieler im Strafraum zu Fall. Dankert stand richtig und benötigte keine Unterstützung des VAR.
Gelb-Rot für Baum – harte, aber vertretbare Entscheidung

Elias Baum brachte sich mit einem riskanten Dribbling am eigenen Strafraum selbst in Schwierigkeiten. Nach seinem Fehlpass versuchte der Frankfurter Linksverteidiger, den Ball zurückzuerobern, kam im Zweikampf mit Curda jedoch zu spät. Da Baum bereits verwarnt war, zeigte ihm der Bastian Dankert die Gelb-Rote Karte.
Unsere Bewertung: Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Das verspätete Einsteigen kann als rücksichtsloses Foulspiel und damit als gelbwürdig bewertet werden. Angesichts der bereits bestehenden Verwarnung hatte dies den Platzverweis zur Folge.
VAR kassiert Mainzer Ausgleich – Amiri knapp im Abseits

Kurz vor der Halbzeitpause jubelten die Mainzer beim Gastspiel in München über den vermeintlichen Ausgleich. Doch die Freude währte nicht lange: Der Video-Assistent überprüfte die Entstehung des Treffers und stellte eine knappe Abseitsstellung fest. Bei der Hereingabe von Lee stand Amiri hauchdünn in der verbotenen Zone. Der Treffer wurde daraufhin aberkannt.
Unsere Bewertung: Regeltechnisch korrekte Entscheidung. Auch eine minimale Abseitsstellung ist strafbar, sofern der Spieler aktiv ins Spiel eingreift. Bei einer entsprechend verlässlich ermittelten Abseitsposition war die Rücknahme des Treffers folgerichtig.
Gelb-Rot für Itakura – harte Entscheidung bei großzügiger Linie

Gladbach schwächte sich nach der Pause selbst. Bei einer Hamburger Umschaltsituation verteidigte der bereits verwarnte Ko Itakura offensiv nach vorne, kam gegen Grönbaek zu spät und hielt den Dänen leicht fest. Schiedsrichter Sven Jablonski wertete das Vergehen als gelbwürdig und zeigte dem Japaner die Gelb-Rote Karte.
Unsere Bewertung: Eine harte, aber noch vertretbare Entscheidung. Das Halten war zwar regelwidrig, allerdings weder besonders intensiv noch rücksichtslos. Entscheidend für eine Verwarnung wäre hier vielmehr, ob Itakura damit einen aussichtsreichen Angriff unterband.
Gemessen an der bis dahin recht großzügigen Linie Jablonskis wirkt die zweite Gelbe Karte streng. Allerdings hatte Itakura bereits in der ersten Halbzeit eine weitere kritische Szene, bei der eine zweite Verwarnung durchaus nähergelegen hätte.
Fazit: Der Platzverweis ist vertretbar, hinterlässt angesichts der bisherigen Zweikampfbewertung aber einen etwas uneinheitlichen Eindruck.
