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Schiedsrichter im Mittelpunkt | Auswertung der Bundesliga-Samstagsspiele

Nachdem es am Freitag den großen Aufreger in Mainz gab, wo sich der HSV benachteiligt fühlte und Robin Braun stark im Mittelpunkt stand, gab es in Leipzig einen Fall von gesuchten Kontakt, wo es zu Recht eher keinen gab. In Berlin fehlte aber eine frühe klare rote Karte. Sonst lief der Samstag aus Schirisicht ruhig ab.

1.FSV Mainz 05 – Hamburger SV 1:1 (SR. Dr. Robin Braun)

Szene 1: Fünf Minuten vor der Pause die erste strittige Szene als der bereits verwarnte Silas gegen Copado den Fuß drüber hielt und den Hamburger dabei mit dem gestreckten Bein und der offenen Sohle am Schienbein traf. Schiri Braun gab nur Freistoß, stellte den Mainzer aber  nicht vom Platz. Doppeltes Glück! Bei einem gestreckten Bein mit offener Sohle und einem Treffer am Schienbein (besonders wenn der Gegner nicht mal den Ball im Spiel hat oder Silas den Ball klar verfehlt hat) geht das in der Regelinterpretation weit über ein normales Foul hinaus. Nach den aktuellen IFAB/DFB-Regeln zählt so eine Aktion typischerweise als grobes Foulspiel oder gefährliches Spiel mit hoher Verletzungsgefahr. Schiri Braun hat hier wirklich sehr, sehr milde entschieden. Bei Silas‘ Vorgeschichte (schon Gelb) wäre Gelb-Rot das absolute Minimum gewesen. Für mich ist ein solches Einsteigen glatt Rot. 

Szene 2: Auch nach der Pause stand Robin Braun im Mittelpunkt, als er den ebenfalls verwarnten Dominik Kohr ‚leben‘ ließ. Auch hier hielt der Mainzer gegen Muheim den Fuß drüber und traf den Hamburger. Das ist eine eindeutige gelb/rote Karte. Braun und sein Schiedsrichtergespann haben es nicht richtig erkannt und der VAR darf bein Gelb/Rot nicht eingreifen.

Szene 3: Nach einer Stunde hatte aber auch mal der HSV Glück. Phillip Tietz (Mainz) verpasst nach Flanke von Sheraldo Becker. Mainz hätte da eigentlich vorentscheiden müssen, Tietz war frei, aber der Abschluss ging hauchdünn links vorbei. Das war die klare Torchance der Hausherren in der Phase, wo sie drückten. Nicolai Remberg (HSV) stand bei der Ausführung des Freistoßes deutlich zu nah an der Mainzer Mauer. Nach Regel 13 müssen bei einer Mauer von 3+ Spielern alle angreifenden Spieler mindestens 1 Meter Abstand zur Mauer halten, bis der Ball im Spiel ist. Verstöße dagegen führen normalerweise zu einem indirekten Freistoß für die verteidigende Mannschaft. Ein Treffer hätte aber nicht zählen dürfen. Remberg stand eigentlich deutlich zu nah an der Mainzer Mauer, sodass das Tor nicht hätte zählen dürfen.

Szene 4: Die Verwarnung für Kacper Potulski ist aus Mainzer Sicht die pure Farce: Potulski kam zu spät, traf aber niemanden – Gocholeishvili „fiel“ einfach, weil er den Vorteil spürt. In Echtzeit könnte es so aussehen, als hätte Potulski den Ball weggespielte und dann den Mann mitgenommen hat, aber die Zeitlupen zeigen klar: Kein Kontakt, Gocholeishvili initiiert den Fall selbst.

Fazit: Leider mal wieder eine absolut untaugliche SR-Leistung. Silas ist schon gut weggekommen, Kohr muss für das Drüberhalten zwingend gelb-rot sehen. Die VW für Potulski ist ebenfalls klar falsch. Robin Braun fand in der Zweikampfbewertung nicht den idealen Mittelweg, ließ im Zweifel großzügig laufen. Bei drei klaren Fehlern… (Note: 6)

VfL Wolfsburg – FC Augsburg 2:3 (SR: Daniel Schlager)

Szene 5: Claude-Maurice ging kurz hinter dem linken Sechzehnereck zu Boden, weil Kumbedi sein Bein in den Weg stellte. Daniel Schlager ließ erst weiterspielen und auch der VAR meldete sich nicht. Zwar hat er ihn nur mit einer leichte Berührung, aber der Kontakt ist wirklich nicht brutal oder übermäßig stark. Es ist kein klares Umreißen oder Tritt, sondern eher so ein mitlaufen und festhalten, was Schiris als normalen Zweikampf durchgehen lassen, besonders weil der Angreifer sofort spektakulär hinfällt und den Strafstoß ziehen will. Für mich ist das auch kein  Elfmeter. In der aktuellen Bundesliga-Interpretation besonders seit den letzten Regel-Anpassungen tendiert man zu weiterlaufen lassen bei minimalem Kontakt und reicht so was oft nicht für einen sicheren Pfiff, vor allem wenn der Schiri aus seinem Winkel nur wenig Dynamik sieht. Deshalb hat Schlager es wahrscheinlich als kein klares Foul gewertet und der VAR es nicht als „clear and obvious“ hochgestuft. [TV-Bilder]

Szene 6: Vavro sprang bei einer Ecke mit ausgestrecktem Arm hoch und der Ball prallte dagegen. Das ist in der aktuellen Handspiel-Regel ein klarer Elfmeter. Der Arm ist unnatürlich über dem Kopf ausgestreckt → das macht den Körper unnatürlich vergrößert, der Ball kommt von einer Ecke aus kurzer Distanz, hohe Flugbahn) → Vavro hat Zeit zu reagieren und den Arm runterzunehmen. Wenn er ihn trotzdem oben lässt, gilt das als bewusst / fahrlässig. Direkt im Strafraum → kein Abstand mehr, der den Schiri milde stimmen könnte.

Fazit: Daniel Schlagers Leistung gilt insgesamt als solide und unauffällig. Kein Skandal-Spiel für Schlager, eher ein „ruhiger Arbeitstag“ in einem torreichen Match. (Note: 2,5)

FC Bayern München – Eintracht Frankfurt 3:2 (SR: Tobias Reichel)

Szene 7: Harry Kane versuchte im eigenen Strafraum den Ball zu klären/zu erobern. Er trat dabei Oscar Højlund klar am linken Fuß, ohne den Ball zu spielen. Der Ball war zuvor von Kalimuendo auf Upamecano gespielt worden, also war das kein direkter Konter-Angriff, sondern eine Klärungsaktion im Strafraum, die schiefging. Kane wollte den Ball wegspitzeln, erwischt aber stattdessen Højlunds Fuß – das ist kein minimaler Kontakt, sondern ein klares Foul. Schiedsrichter Reichel ließ das erst vom VAR checken, ging dann selbst zum Monitor und entschied auf Strafstoß.

Fazit: Reichel leitete das Spiel unauffällig und bewertete die wesentlichen Situationen korrekt. Beim Foul von Kane brauchte er allerdings die VAR-Hilfe, was seine Note leicht nach unten zog. (Note: 3,5)

1.FC Köln – TSG Hoffenheim 2:2 (SR: Robert Schröder)

Szene 8: Der Effzeh reklamierte bei der 2:1-Führung für Hoffenheim das der Einwurf vor dem Tor falsch ausgeführt wurde. Regeltechnisch muss der Werfer mit beiden Füßen auf dem Boden stehen, er darf keinen Fuß über die Seitenlinie setzen, der Ball muss mit beiden Händen von hinten über den Kopf geworfen werden, das Gesicht zum Feld und an der richtigen Stelle (wo der Ball rausging) muss eingeworfen werden. Aus dem Lauf ist erlaubt – das ist sogar Standard bei schnellen Einwürfen. Viele Profis nehmen Anlauf, solange sie beim Wurf selbst stoppen und beide Füße Bodenkontakt haben. Es geht nicht darum, dass man „stehen bleiben“ muss wie ein Stativ, sondern dass beim eigentlichen Wurf die Füße regelgerecht positioniert sind. Für mich eine regelkonforme Entscheidung. Keine Eingriffsmöglichkeit für den VAR bei Einwürfen.

Fazit: Robert Schröder hatte einen durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Tag in einem turbulenten, emotionalen Match. Der Einwurf vor dem Hoffenheimer Tor ist laut Regelinterpretation nicht als falsch anzusehen. (Note: 3).

1.FC Union Berlin – Bayer 04 04 Leverkusen 1:0 (SR: Harm Osmers)

Szene 9: Standley Nsoki (Berlin) brachte sich mit einem Hackentrick in der Defensive selbst in Bedrängnis und traf Tillman dann mit der offenen Sohle. Schiedsrichter Osmers gab nur Gelb. Nsoki trat brutal ins Knie auf den Knöchel des Leverkuseners, ohne das der Ball im Spiel war. Das Standbild und vor allem das Video zeigen einen sehr hohen, offenen Tackle mit hoher Intensität und direkter Gefährdung des Gegners – das erfüllt nach DFB-/IFAB-Regeln fast lehrbuchmäßig die Kriterien für eine direkte Rote Karte durch grobes Foulspiel mit exzessiver Härte / Gefährdung der Gesundheit. Fraglich, warum VAR Dr. Arne Aarnink da nicht eingreift. [TV-Bilder]

RB Leipzig – Borussia Dortmund 2:2 (SR: Benjamin Brand)

Szene 10: Die umstrittene Szene betraf Karim Adeyemi (Dortmund), der nach einem Pass von Julian Brandt im Strafraum von Castello Lukeba (Leipzig) am Fuß gefoult wurde; VAR Christian Dingert griff nicht ein. Wenn man sich die Bilder anschaute, stellte der Dortmunder seinen Fuß rein. Klar gab es dann diesen klaren Kontakt am Fuß, aber da Adeyemi diesen selbst suchte, ist das für mich eher kein Strafstoß. Elfmeter müssen hundertprozentig klar sein und in einer entscheidenden Phase kurz vorm Schluss pfeift man als Schiedsrichter solche Elfmeter eher nicht, wenn der Angreifer provozierend in den Gegner reinspringt und diesen Kontakt sucht. Wir müssen so dringend davon abkommen, dass Offensivspieler einfach nur ihren in den Laufweg der Abwehr halten und einen Elfmeter wollen. Jede dieser Szenen, wo es keinen Elfmeter gibt, ist ein Lerneffekt für die Spieler. Für mich eine richtige Entscheidung von Brand. [TV-Bilder]

Fazit: Benjamin Brand hat das Topspiel solide bis vertretbar geleitet, bei der Elfmeterszene kurz vor Schluss lag er eher richtig, da der Dortmunder den Kontakt suchte. Insgesamt eine ruhige und konsequente Leistung. (Note: 3)

Ausblick und Tipp 

Wenn am kommenden Wochenende Borussia Dortmund im Topspiel auf die Bayern trifft, so ist mein Tipp nicht, dass Deniz Aytekin den Klassiker leitet. In dem Spiel kommt es immer zu brenzligen Entscheidungen. So kurz vor dem Karriereende, würde das Knut Kircher sicher nicht machen und ist auch nicht im Sinne Aytekins, wie er bei #MeineGeschichte erklärte.

Daher würde ich mit einer nahezu Hunderprozentwahrscheinlichkeit einen Sven Jablonski, an diesem Wochenende ohne Einsatz, in den Ring werfen.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Lukas Dieker

    Reichel fande ich echt sehr gut, aber klar er brauchte den VAR einmal. Eben eine klare Fehlentscheidung, die aber in Realtempo kaum zu erkennen ist. Ansonsten war er die restlichen 90 Minuten super stark.

    Brand lässt sich natürlich streiten. Das mit dem Kontakt suchen, finde ich immer eine super Argumentation. Einfach weil der Verteidiger in so einer Situation nichts machen kann. Finde das mutig und gut so zu schreiben, auch wenn du da natürlich Kritik für bekommst.

  2. Abdullah

    Jablonski ist realistisch.

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