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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 21. Spieltag | 3. Liga

Der 21. Spieltag ging in der 3. Liga zu Ende und gerade der Samstag bietete sehr viel Gesprächsstoff. Der frischgewählte Bürgermeister Florian Lechner hatte eine ganz knifflige Szene in Aue zu bewerten, als er eine harte Szene im Mittelfeld weiterspielen ließ. Cristian Ballweg in Cottbus übersah einen Elfmeter und gab nur Freistoß. Zudem hatte der Hamburger Ben Henry Uhrig bei der Partie in Essen eine falsche Entscheidungsfindung und gab zu Unrecht die Rote Karte. Alles weitere in der Analyse und hier unsere Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Nico Fuchs:

Schiedsrichter des Spieltags ist Nico Fuchs aus Bergisch-Gladbach. Er bekam die hochinteressante Partie VFL Osnabrück – 1860 München welche allein von den Vereinen eine gute Ansetzung für Fuchs ist und war. Fuchs belohnte diese Ansetzung mit einer sehr souveränen Leistung in einem doch überraschend einfachen Spiel für den Schiedsrichter. Positiv zu erwähnen war der überragende Vorteil beim Treffer von Kevin Volland, als Fuchs ein Foulspiel im Vorhinein zwar sah, jedoch die Chance erkannt hat und das Spiel weiterlaufen lies. Sehr gut erkannt in dem Fall und im Großen und Ganzen eine gute Spielleitung!

Platz 🥈 – Timon Schulz:

Nach einer doch sehr langen Zeit befindet sich Timon Schulz aus Hannover auch wieder in den Top 3. Schulz zeigte oft in Vergangenheit nicht die besten Leistungen, jedoch war es beim Spiel Ingolstadt – Stuttgart II anders. Dort war er weitestgehend souverän und leitete ein gutes Spiel. Die einzige hitzige Szene gab es tatsächlich kurz vor Schluss, quasi in der letzten Szene, als der Stuttgarter Ouro-Tagba ein überhartes Foul von hinten in die Beine begang. Dort gab Schulz gerade noch so gelb, es war grenzwertig an rot, aber je nach Linie von Schulz an dem Tag sicherlich kein Fehler, deshalb völlig richtig.

Platz 🥉 – Fabienne Michel:

Zu guter Letzt auf Platz 3 liegt Fabienne Michel aus Gau-Odernheim die den Spieltag am Freitag bei der Partie Viktoria Köln – FC Saarbrücken eröffnete. Sie lieferte ebenfalls eine weitestgehend gute und unauffällige Spielleitung ab, jedoch gab es 2-3 Kleinigkeiten die sie falsch bewertet hat, wo auch Schiedsrichter-Assistent Benedikt Kempkes das ein oder andere mal eine Szene falsch bewertete. Jedoch war das alles nichts spielentscheidenes und wenn man von den wenigen kleinen Fehlern absieht, war es sonst eine gelungene Leistung bei dem Spiel von Michel!

MSV Duisburg – Jahn Regensburg 2:0 (SR: Lennart Kernchen)

Szene 1: Nach einem langen Abschlag von Braune und Lobingers Kopfballverlängerung hatte Sussek plötzlich viel Wiese vor sich. Der Duisburger schüttelte erst Wurm ab und ging dann frei vor Gebhardt nach einem Kontakt mit Schönfelder zu Boden. Trotz heftiger Proteste des MSV entschied sich Kernchen gegen einen Elfmeter. Für mich ist das eher ein Elfmeter. Er wird in den Rücken im vollen Lauf und wird in den Rücken gestoßen und unten am Fuß getroffen. Auch wenn es nur ein leichtes Umreißen war, ist es ein klassisches Holding/Pushing/Behinderung im Strafraum, das gepfiffen werden muss. [TV-Bilder – ab 0:35 Minuten]

FC Ingolstadt 04 – VfB Stuttgart II 2:0 (SR: Timon Oliver Schulz)

Szene 2: Ouro-Tagba traf Antzoulas von hinten und sah von Schiedsrichter Schulz Gelb. Die ganze Ingolstädter Bank sprangen sofort auf und wollte wohl mehr als Gelb. Das war ein typisches Frustfoul. Er kommt von hinten und traf seinen Fuß. Ein hartes Einsteigen von hinten ohne Ball → fällt unter „reckless“ (rücksichtslos) oder mindestens „careless“ mit hoher Intensität. Wenn der Kontakt den Gegner trifft (besonders Bein/Fuß von hinten), gilt das als gefährliches Spiel oder zumindest als Foul mit unnötiger Härte → Gelb ist Standard (und oft sogar das Minimum). Nur wenn es endangering the safety of an opponent extrem wäre (z. B. offenes Bein hoch, Stollen voraus), würde es Rot geben – hier war es „nur“ hart genug für Gelb. [TV-Bilder – ab 90+6 Minuten]

Erzgebirge Aue – SSV Ulm 0:3 SR: Florian Lechner)

Szene 3: Nach einem langen Ball eilte Keeper Schmitt weit aus dem Kasten und wollte vor Günther-Schmidt klären. Der Torwart traf die Kugel allerdings nicht. Seegert eilte zur Hilfe und trennte Günther-Schmidt mit einem harten, aber fairen Tackling vom Ball. Schmitt verpasst den Ball klar → Seegerts Grätsche ist ballorientiert, trifft aber im nachziehen auch den Mann. Da er aber zunächst den Ball getroffen hat, ist es für mich kein Foul, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich von dem ehemaligen Fifa-Schiri korrigieren lassen muss 😜, er trifft den Ball und dann ist weiterspielen die maximal vertretbare Entscheidung. [TV-Bilder – ab 0:35 Minuten]

Szene 4: Malone foulte Mirnes Pepić auf Höhe der Mittellinie „brutal“ / „böse“ / „Frustfoul“. Lechner zeigte direkt Rot wegen groben Foulspiels.  Offene Sohle, gestrecktes Bein, und hohe Intensität. Klare und unstrittige Entscheidung! [TV-Bilder – ab 03:10 Minuten]

Energie Cottbus – 1. FC Schweinfurt 2:1 (SR: Cristian Ballweg)

Szene 5: Awortwie-Grant kam gegen Endres viel zu spät und räumte den Schweinfurter zentral vor dem Tor per Grätsche ab. Glück für den Verteidiger, dass es „nur“ einen Freistoß und keinen Elfmeter gibt, eigentlich stand Endres auf der Strafraumlinie, grätsche mit dem langen Bein in den Gegner und traf den Angreifer eindeutig im Strafraum. Das war innerhalb und somit Elfmeter. Eine klare Fehlentscheidung! [TV-Bilder – ab 02:29 Minuten]

Rot-Weiss Essen – TSV Havelse 4:1 (SR: Ben Henry Uhrig)

Szene 6: Jannik Hofmann rauscht gegen Ilic mit Tempo angerauscht und kam zu spät. Zwar senst Hofmann seinen Gegenspieler dabei um, zog aber noch deutlich zurück und traf Ilic deshalb eben nicht mit gestrecktem, sondern mit dem angewinkelten Schienbein. Das ist eine Gelbe, und keine Rote Karte. Fehlentscheidung. [TV-Bilder – ab 03:50 Minuten]

Szene 7: Samy Belkalhia holte sich dann noch seine zweite gelbe Karte ab als er mit seinem taktischen Foul auch den Angriff des Havelser verhindert. Regeltechnisch (ist das ein taktisches Foul = gelbwürdig, wenn es einen vielversprechenden Angriff stoppt („cynical foul“ / „taktisches Foulspiel“). Bei zweiter Gelber innerhalb eines Spiels → automatisch Rot. Kein Spieler kann argumentieren „das war nur taktisch, also nur Gelb. Er hat mit seinem Bein, welches er in den Laufweg des Angreifers stellte, den Angriff verhindert– die zweite Gelbe zählt immer, und taktisches Foul ist ein klassischer Grund für Gelb.  [TV-Bilder – ab 04:50 Minuten]

TSG Hoffenheim II – TSV Alemannia Aachen 2:3 (SR: Justin Hasmann)

Szene 8: Paul Hennrich zog von rechts in die Mitte, schoß aufs Tor und traf Petros Bagalianis (Aachen-Innenverteidiger) an der Hand. Schiedsrichter Justin Hasmann (Neunkirchen) zeigte sofort auf den Punkt. Handelfmeter wird gegeben, wenn der Ball absichtlich die Hand/Arm berührt oder wenn der Arm unnatürlich vergrößert die Silhouette (z.B. weg vom Körper, über Schulterhöhe, macht den Körper größer). Regeltechnisch die korrekte Entscheidung. Der Arm ist seitlich vom Körper abstehend, der Spieler hat Orientierung auf den Ball und blockt mit der Armhaltung  den Ball. [TV-Bilder – ab 02:25 Minuten]

Szene 9: Beim Anschlusstreffer zum 2:3 für Hoffenheim wird ein Aachener im Strafraum wegschubst. Hasmann ahndete es nicht und gab das Tor. Äußerst strittig aus Aachener Sicht. Wenn ein Feldspieler beim Versuch aktiv wegschubst / behindert (besonders mit Arm / Schulter), ist das Foul (IFAB Regel 12: „charges an opponent“, „impedes the progress“, oder „holds / pushes“). Hier: Lührs nutzt den Arm / Körper, um Pseftis aus der Flugbahn zu drängen → Torwart kann nicht frei hochspringen / parieren → Ball fällt runter → Tor. Hasmann und seine Assistenten haben es als kein Foul gewertet – möglicherweise weil, der Kontakt marginal / im Luftduell akzidentell wirkte (Kopfball-Duell, beide springen hoch, Körperkontakt normal). Kein klares „Pushing away“ mit offener Hand / übertriebener Kraft. Für mich hätte man das aber abpfeifen müssen. Der Kontakt von Yannik Lührs gegen Fotis Pseftis im Luftduell beim Freistoß war zu deutlich, um ihn einfach als normales Kopfball-Duell durchgehen zu lassen. Wenn ein Gegenspieler ihn aktiv behindert (Push, Charge, Arm einsetzen, um ihn aus dem Weg zu drängen), während er den Ball spielen will → Foul. Hier war es kein passiver Körperkontakt in einem fairen Duell – Lührs nutzt den Arm, um Pseftis zu stören → klassischer Keeper-Foul-Fall, der in der 3. Liga (und höher) sehr oft gepfiffen wird, besonders bei Standards. [TV-Bilder – ab 03:45 Minuten]

Waldhof Mannheim – Hansa Rostock 0:4 (SR: Lukas Benen)

Szene 10: Der bereits verwarnte Iwe hält an der Seitenlinie gegen Mejdr (Hansa Rostock) den Fuß drauf / kam deutlich zu spät und holte ihn von den Beinen. Das ist ein klares Foulspiel (meist als rücksichtslos oder gar grob fahrlässig einzustufen), ohne dass er den Ball spielt – und ohne Not, da es an der Außenlinie passiert. Schiedsrichter Lukas Benen zögert nicht und zeigte direkt Gelb-Rot. Seine erste bekam der Mannheimer zehn Minuten eher, als er in einem Laufduell zu spät kam  und traf den Gegenspieler. Das sind klassische Gelbe Karten und in der Summe Gelb/Rot die richtigen Entscheidungen.

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