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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 22. Spieltag | 2. Liga

Auch in Liga 2 endete der 22. Spieltag und man kann durchaus von einem guten Spieltag der Schiedsrichter reden. Jedoch gab es natürlich Szenen die diskutabel abgelaufen sind, so unteranderem in Kiel als Florian Lechner grenzwertig einen Anschlußtreffer der Kieler zurück nahm. Auch Timo Gansloweit in Braunschweig stand im Fokus, als ein Tor zu Unrecht gegeben wurde. Die weiteren Szenen und die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Lars Erbst:
Wie mittlerweile gewohnt auf Platz 1 ist Lars Erbst aus Gerlingen der bei der Partie Hertha BSC – Hannover im Einsatz war. Mittlerweile hat Lars Erbst die meisten Einsätze in dieser Saison in Liga 2 und beweist es erneut mit einer hervorragenden Leistung. Gleich in zwei Szenen hat Erbst in Berlin ein gutes Auge bewiesen, wo andere oft den VAR brauchen. Mittlerweile kann man auch hier stark von einem Aufstieg in Liga 1 rechnen. Erneut eine mehr als souveräne Spielleitung!

Platz 🥈 – Marc-Philip Eckermann:

Auf Platz 2 befindet sich wie Erbst ein Schiedsrichter aus Baden-Württemberg, um genauer zu sein Winnenden, es handelt sich um Marc-Philip Eckermann der bei der Partie Magdeburg – Bielefeld im Einsatz war. Es war weitestgehend ein chaotisches Spiel, es ging von beiden Mannschaften hin und her, aber Eckermann behielt über 90 Minuten einen guten Überblick, war stets sicher in seinen Entscheidungen, auch unter Unmut der Fans bewies er Selbstbewusstsein und im groben und ganzen eine gute Spielleitung!

Platz 🥉 – Dr. Robert Kampka:

Dr Robert Kampka aus Köln hatte am Freitagabend eine kurze Anreise und war bei der Partie zwischen der Fortuna aus Düsseldorf und den Preußen aus Münster im Einsatz. Das Spiel war spielerisch auf einem sehr langweiligen und niedrigen Niveau und Kampka war nicht oft gefordert in der Partie. Jedoch gab es 1-2 strittige Szenen die genauer in der Analyse zu finden sind, wo Kampka vielleicht auch anders entscheiden könnte. Trotzdessen war die Leistung von Kampka in Düsseldorf gut, auch wenn es sehr einfach zu leiten war.

Die weitere Spieltagsanalyse: 👇

SG Dynamo Dresden – SV 07 Elversberg 1:2 (SR: Robin Braun)

Szene 1: Dynamo ging im Topspiel früh in Führung und erhöhte wenig später sogar auf das 2:0 – doch der Video-Assistent hat die Annahme verweigert. In der 24. Minute gewann Niklas Hauptmann (Dynamo Dresden) den Ball kurz vor der Mittellinie nach einem Ballverlust der Gäste. Er spielte sofort einen präzisen Pass in die Tiefe auf Jason Ceka, der zwischen den hoch aufgerückten Abwehrspielern der SV Elversberg durchlief, alleine aufs Tor läuft und mit links flach abschloß – der Ball ging ins Tor. Der Treffer wurde zunächst gegeben, aber VAR Nicolas Winter prüfte die Szene zügig und erkannte auf Abseits. Ceka stand beim Zuspiel von Hauptmann um wenige Zentimeter im Abseits – ein sehr knappes Ding, das von oben betrachtet zunächst nicht eindeutig aussah, aber korrekt zurückgenommen wurde. [TV-Bilder – ab 01:55 Minuten]

Szene 2: Nach einer Hereingabe landete der Ball über den eingewechselten Immanuel Pherai bei Bambasé Conté. Conté schoß den Ball ins Tor – zunächst schien es das 1:3 für Elversberg zu sein. Der VAR griff erneut ein. Es wurde festgestellt, dass Conté mit der Hand am Ball war, bevor er abschloss – ein klarer Regelverstoß durch strafbares Handspiel bei der Ballmitnahme. Der unmittelbare Treffer danach wurde daher komplett annulliert und das Spiel endete letztlich 1:2 für Elversberg. [TV-Bilder – ab 07:10 Minuten]

Holstein Kiel – FC Schalke 04 1.2 (SR: Florian Lechner)

Szene 3: In der 32. Minute kam eine Flanke von Lewis Tolkin in den Strafraum. Phil Harres (Kiel) stieg am Fünfmeterraum hoch und köpfte die Kugel wuchtig unter die Latte – das wäre der Anschlusstreffer zum 1:2 gewesen.Hasan Kurucay (Schalke) ging jedoch bei der Luftzweikampf-Aktion zu Boden. Schiedsrichter Florian Lechner entschied sofort auf Stürmerfoul von Harres gegen Kurucay und pfiff das Tor zurück. Der Treffer zählte somit nicht. Eine harte Entscheidung. Solche leichten Berührungen im Luftduell werden in der Praxis oft durchlaufen gelassen, ohne dass es zu einer Foul-Entscheidung kommt. Der VAR griff nicht ein und korrigierte die Entscheidung – es gilt als subjektive Einschätzung des Referees vor Ort, keine „klare Fehlentscheidung“ im Sinne der VAR-Protokolle (kein „clear and obvious error“). Ein Grenzfall, bei dem unterschiedliche Schiedsrichter unterschiedlich entscheiden würden. [TV-Bilder – ab 02:35 Minuten]

Szene 4: Jonas Therkelsen (Kiel) setzte sich mit Tempp und Ballkontrolle gegen mehrere Schalker durch und dribbelte links in den Strafraum ein. Ron Schallenberg (Schalke) ging dann in einer Grätsche zu Boden und traf mit dem ausgestreckten Bein nur die Beine von Therkelsen – klarer Kontakt ohne den Ball zu spielen. Schiedsrichter Florian Lechner entschied sofort auf Elfmeter für Kiel. Unstrittige Entscheidung!  [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]

Hertha BSC – Hannover 96 2:3 (SR: Lars Erbst)

Szene 5: Nach einer Ecke von Hannover 96 klärte die Hertha-Abwehr den Ball nicht richtig weg – es entstand Chaos im Strafraum. Noel Aseko Nkili (Hannover) bekam den Ball zuerst an den Arm (Handspiel), versuchte dann aber zu klären und trat dabei gegen den Fuß von Linus Gechter (Hertha). Schiedsrichter Erbst entschied sofort auf Elfmeter für Hertha BSC. Eine korrekte Entscheidung und gut gesehen. Zwar war das Handspiel von Aseko Nkili zunächst unglücklich (Ball prallt an den Arm), aber der entscheidende Kontakt am Fuß von Gechter im Zweikampf gilt als Foulspiel – kein reines Handspiel-Tor, sondern Foul durch Treten. [TV-Bilder – ab 02:00 Minuten]

Szene 6: Nach einem Freistoß von Paul Seguin (Hertha) stieg Sebastian Grönning hoch und köpfte den Ball in den Strafraum – Julian Eitschberger nahm den Ball volley und hämmerte ihn unter die Latte zum 2:3. Das Tor wurde zunächst gegeben, löst aber sofort Jubel und Diskussionen aus. Der VAR Michael Bacher prüft die Szene länger. Es ging um ein mögliches vorherige Fouls in der Entstehung ob Grönning beim Kopfball oder ob Eitschberger selbst im Abseits stand. Nach Überprüfung keine Beanstandung – das Tor zählte! Schiedsrichter Lars Erbst bestätigte den Treffer, es gab kein Foul vorraus. Richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 03:00 Minuten]

1.FC Nürnberg – Karlsruher SC 5:1 (SR: Tobias Stieler)

Szene 7: Leon Opitz (Karlsruher SC) stieß von links außen mit Tempo in den Strafraum vor. Er kam vor Justin von der Hitz (Nürnberg) an den Ball – Opitz gewann die Kugel sauber zuerst. Von der Hitz stieg dann jedoch dem KSC-Spieler auf den Fuß. Schiedsrichter Tobias Stieler entschied sofort auf Foulelfmeter für Karlsruhe. Vertretbarer Pfiff. Zwar ist es nur ein leichter Tritt, der Nürnberger kam aber zu spät. Korrekte Entscheidung. Marvin Wanitzek (KSC-Kapitän) trat an und verwandelte sicher zum 4:1 – das einzige Tor der Gäste in einem einseitigen Spiel.

Eintracht Braunschweig – SV Darmstadt 98 2:2 (SR: Timo Gansloweit)

Szene 8: Nach einem weiten Einwurf von Braunschweig ins Darmstädter Strafraum-Gedränge zog Hiroki Akiyama (Darmstadt) viel zu lange und zu auffällig am Trikot von Lukas Frenkert. Es ist ein klassisches Trikotziehen im Luft- oder Bodenkampf – Akiyama ließ nicht locker, obwohl der Ball schon weg war Schiedsrichter Timo Gansloweit entschied sofort auf Foulelfmeter für Eintracht Braunschweig. Für mich eine korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 01:24 Minuten]

Szene 9: In der 78. Minute glich Darmstadt zum 2:2 aus. Sergio López (Darmstad) flankte mit viel Gefühl von rechts in die Mitte. Killian Corredor stand zentral und verlängerte den Ball geschickt mit dem Kopf hinter sich, um den Ball an den langen Pfosten zu bringen. Dort kam Matej Maglica völlig blank an und vollstreckt eiskalt per Volley ins untere linke Eck – das Tor zum 2:2-Ausgleich. Das Tor wurde gegeben, Schiedsrichter Timo Gansloweit und der VAR prüften die Szene auf Abseits in der Entstehung, da Corredor bei der Verlängerung involviert war und Maglica am langen Pfosten einlief. Es wurde jedoch kein Abseits erkannt – die Linien zeigten, dass Richter beim Zuspiel im Abseits stand, und Maglica selbst war bei der Ballverlängerung aktiv positioniert. Der Treffer hätte nicht zählen dürfen. [TV-Bilder – ab 03:00 Minuten]

1.FC Kaiserslautern – SpVgg Greuther Fürth 1:0 (SR: Tobias Reichel)

Szene 10: Fürth drängte nach dem 0:1-Rückstand auf den Ausgleich. Paul Will erzielt einen traumhaften Distanzschuss oder Volleyschuss aus ca. 19 Metern – ein echter Kracher, der zunächst ins Tor ging und die Fürther jubeln ließ. Schiedsrichter Tobias Reichel pfiff aber nicht sofort, sondern der VAR Daniel Siebert griff ein und überprüfte die Szene intensiv. Es wurde festgestellt, dass es in der Entstehung zu einem Foul kam: Der Fürther Angriff führte dazu, dass Hrogota den Lautern-Torwart mit offener Sohle und gestrecktem Bein an der Hand traf, als er den Ball fangen wollte – ein gefährliches Einsteigen bei dem ballorientierten Foulspiel im Sinne der Regeln. Mit VAR-Hilfe die richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 01:45 Minuten]

VfL Bochum – SC Paderborn 07 0:0 (SR: Tom Bauer)

Szene 11: Philipp Hofmann (Bochum) spielte einen präzisen Pass halbrechts in den Strafraum auf Koji Miyoshi (Bochum). Miyoshi nahm den Ball gut an, machte eine Finte, um seinen Gegenspieler J. Sticker (Paderborn) auszuspielen, und zog dann mit links ab – ein Schlenzer aus ca. 12–15 Metern ins linke Eck. Felix Götze (Paderborn) warf sich in die Schussbahn und blockte den Ball mit dem rechten Arm ab – klares Handspiel im Strafraum. Schiedsrichter Tom Bauer pfiff sofort auf Elfmeter für Bochum. Unstrittig, aber, der VAR prüfte die Szene. Dort wurde festgestellt, dass Miyoshi beim Zuspiel von Hofmann knapp im Abseits stand. [TV-Bilder – ab 01:25 Minuten]

Szene 12: In einem Zweikampf im Mittelfeld ging Philipp Strompf (Bochum) gegen Kennedy Okpala (Paderborn) ins Duell. Es kam zu einem Körperkontakt – Okpala ging zu Boden, reklamierte ein Foul. Schiedsrichter Tom Bauer ließ jedoch weiterspielen und gab kein zweites Gelb für den bereits verwarnten Bochumer. Bei diesem taktischen Foul wird kein aussichtsreicher Angriff im Sinne der Regel verhindert. Es ist zwar ein taktisches Halten wo der Ball nicht mehr spielbar ist., allerdings wird ein vielversprechender Angriffs nicht verhindert – und damit auch keine Gelb/Rot für Strompf wegen verhinderter vielversprechender Torchance. Ralf Kettemann (Trainer Paderborn) ist damit nicht einverstanden – er beschwerte sich lautstark in seiner Coaching-Zone über die ausbleibende Freistoßentscheidung zugunsten seiner Mannschaft, da Okpala getroffen wurde und zu Boden ging, zeigte Bauer dem Gästetrainer daraufhin sofort die Gelbe Karte wegen Reklamierens. Den Freistoß hätte man geben können, Gelb/Rot wäre aber überzogen gewesen. [TV-Bilder – ab 04:50 Minuten]

Fortuna Düsseldorf – SC Preußen Münster 0:0 (SR: Dr. Robert Kampka)

Szene 13: Jano ter Horst (Preußen Münster) rannte im gegnerischen Strafraum Cajetan Lenz (Düsseldorf) um und traf ihn dabei mit dem Arm am Hals – ein hartes Einsteigen mit Körperkontakt, bei dem ter Horst Lenz zu Boden brachte Es sieht zunächst nach einem klaren Foul aus, und viele reklamierten Foul und sogar Gelb/Rot, da ter Horst bereits in der 36. Minute Gelb wegen Meckerns gesehen hatte. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka (Köln) wertet das Einsteigen jedoch eher als unglücklich denn als zu unfair oder rücksichtslos – er sah keinen klaren Vorsatz oder übermäßige Härte sondern eher ein Zusammenprall mit Armkontakt. Er pfeift kein Foul, zeigt keine zweite Gelbe Karte und damit keine Gelb-Rot gegen ter Horst und ließ weiterspielen. Der VAR griff nicht ein da kein klarer offensichtlicher Fehler – eher eine subjektive Einschätzung des Referees. Die Szene ist ein Grenzfall. Kampka war sicher aber manchmal etwas großzügig. Meine Tendenz geht hier eher zu Gelb/Rot. [TV-Bilder – ab 02:45 Minuten] 

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