Du betrachtest gerade Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 22. Spieltag | Bundesliga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 22. Spieltag | Bundesliga

Der 22. Bundesliga-Spieltag ging zu Ende und einige Schiedsrichter-Diskussionen gab es erneut in den Fußballstadien. Besonders im Fokus stand diesmal der Bayer Florian Badstübner der ein Phantomfoul-Elfmeter in Hamburg gegen Union Berlin gab. Zudem war auch Matthias Jöllenbeck im Mittelpunkt der in Leipzig am Sonntag einen klaren Elfmeter nicht gab. VAR Pascal Müller greift wiedermal nicht ein und dürfte erneut eine Pause aufgedrückt bekommen. Die Top 3 des Spieltages und die Analyse:

Platz 🥇 – Felix Zwayer:
Schiedsrichter des Spieltags ist Felix Zwayer aus Berlin der bei der Partie Augsburg – Heidenheim zum Einsatz kam. In dieser Partie hatte er über 90 Minuten vollste Kontrolle und lag bei der Elfmeterentscheidung direkt richtig.

Platz 🥈 – Sven Jablonski:
Auf Platz 2 ist der nächste Fifa-Schiedsrichter mit Sven Jablonski aus Bremen der bei der Partie Leverkusen – St. Pauli die Leitung bekam. Wie auch Zwayer hatte Jablonski das Spiel weitestgehend im Griff, hatte jedoch 1-2 kleinere Fehler bei den Bewertungen von Zweikämpfen und möglichen Gelben Karten. Dennoch nichts gravierendes, ansonsten war es wie gewohnt sehr souverän von Jablonski.

Platz 🥉 – Tobias Welz:
Auf dem dritten Platz liegt Tobias Welz aus Wiesbaden der die Auftaktpartie am Freitag bekam mit Dortmund – Mainz. Hier war Welz besonders in einer Szene stark gefordert, als er in Minute 22 nicht auf den Punkt für Dortmund zeigte. Dies lag wahrscheinlich an der sehr großzügigen Linie die Welz in dem Spiel wählte, jedoch hätte sich auch niemand beschweren dürfen, wenn Welz auf den Punkt zeigt nachdem Kontakt von Da Costa. Absoluter Graubereich die Szene und ein richtig oder falsch gibt es hier nicht. Ansonsten war die Linie die Welz wählte sehr gut und das Spiel hatte durch ihn einen schön anzusehenden Spielfluss.

Die weitere Spieltagsanalyse: 👇

RB Leipzig – VfL Wolfsburg 2:2 (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Szene 1: Nach knapp einer halben Stunde eine sehr strittige Szene, die dem Gespann um Matthias Jöllenbeck samt Video-Assistent Pascal Müller durchgegangen ist. Brajan Gruda (RB Leipzig) spielte einen schönen langen Ball nach rechts auf Conrad Harder. Harder nahm den Ball an und dribbelte aus dem Strafraum heraus, doch Kento Shiogai (VfL Wolfsburg) holt auf und foult ihn – mit einem Bein stellen im Sechzehner. Der Schiedsrichter pfeift keinen Elfmeter. Betrachtet man die Bilder, so ist das Foul ganz eindeutig auf der Linie. Es ist ein klares Foulspiel, dem den Bullen verwehrt wurde. Und der VAR? Pascal Müller erst nach seiner Sperre wieder zurück am Bildschirm, leistete sich den nächsten kapitalen schwerwiegenden Bock. Eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung. Jöllenbeck kann man keinen großen Vorwurf machen. Das Fallen sieht natürlich nicht gut aus, aber der Kontakt ist so klar und eindeutig. Hier muss der VAR eingreifen und Pascal Müller sollte eine noch längere Pause bekommen. Auf dem Platz kann man allein wegen dem Fallen irritiert sein, aber die Bilder zeigen es klar und eindeutig. Das wäre der vermeintliche Siegtreffer gewesen. RB wurden in drei Spielen schon drei Elfmeter verwehrt.  [TV-Bilder – ab 01:40 Minuten]

FC Augsburg – 1. FC Heidenheim 1:0 (SR: Felix Zwayer)

Szene  2: Bei einer Ecke für den FC Augsburg kam Keven Schlotterbeck (FCA-Kapitän) mit Schwung in den Strafraum, um per Kopfball abzuschl ießen. Benedikt Gimber (1. FC Heidenheim) ist direkt an ihm dran und zog ihn vehement am Trikot – so stark, dass Schlotterbeck zu Boden geht. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) hatte freie Sicht, zögert keine Sekunde und zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Eine klare Angelegenheit! [TV-Bilder – ab 06:10 Minuten]

VfB Stuttgart – 1. FC Köln 3:1 (SR: Robert Hartmann)

Szene 3: Köln kam über links zu einer Flanke in den Strafraum. Ragnar Ache (1. FC Köln) stieg zum Kopfball hoch. Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart) ist nah dran und schubste Ache leicht von hinten, während der Ball noch in der Luft ist. Ache ging zu Boden und fordert sofort Elfmeter. Schiedsrichter Hartmann ließ weiterspielen. Da hatte der Stuttergarter riesen Glück, dass es hier keinen Strafstoß gab. Er drückt den Angreifer, der sich in der Luft befand und keine Kontrolle über seinen Körper hatte, mit beiden Händen in den Rücken. Es war zwar nicht viel, aber es ist schon eher ein Elfmeter. Im Strafraum sind zwar die Hände im Zweikampf fast immer involviert, aber hier geht’s nicht um reines Arm im Gesicht oder Halten – Mittelstädt stößt aktiv in den Rücken, ohne den Ball spielen zu können (kein Versuch, den Ball zu attackieren, sondern reiner Körperkontakt gegen den Gegner). Regeltechnisch: Das ist ein klares Foul durch unfaire Behinderung  („A player must not push an opponent“ – Stoßen ist verboten, besonders wenn es den Gegner behindert, ohne Ballbeteiligung), weil der Stoß Ache aus dem Timing brachte und er den Ball nicht mehr erreicht. [TV-Bilder – ab 0:25 Minuten]

SV Werder Bremen – FC Bayern München 0:3 (SR: Bastian Dankert)

Szene 4: Lennart Karl (FCB) dribbelte sich sensationell von rechts in den Bremer Strafraum, wo er 3–4 Gegenspieler austanzte. Im Strafraum stellte Senne Lynen (Werder) das Bein rein – klarer Kontakt am Bein von Karl, der dadurch zu Fall kam. Schiedsrichter Bastian Dankert sagt sofort Weiterspielen. VAR Timo Gerach schaltete sich ein, gab einen Hinweis an Dankert → der an den Monitor ging um die Bilder zu checken. Nach kurzer Überprüfung gab er den Strafstoß für die Bayern. Richtige Entscheidung, aber das sollte man auch sehen ohne den VAR zu brauchen. [TV-Bilder – ab 0:50 Minuten]

Hamburger SV – 1. FC Union Berlin 3:2 (SR: Florian Badstübner)

Szene 5: Bei einer Hereingabe trafen sich Andrej Ilic (Union) und Jordan Torunarigha (HSV) im HSV-Strafraum aufeinander. Beide sprangen zum Kopfball hoch – sie erwischten sich gegenseitig am Kopf. Ilic spielte den Ball kurz vorher (also traf er den Ball zuerst minimal), Torunarigha kam zu spät und räumte Ilic mit dem Kopf ab ohne nennenswerten Ballkontakt ab. Ilic ging zu Boden, Union forderte Elfmeter – Schiedsrichter Badstübner pfiff nicht. Zunächst wertete ich es als ein Auflaufen bzw. ein „Unfall“, aber nach mehrmaligen Anschauen der Bilder, ist das für mich eine Situation, die einen Strafstoß zur Folge haben müsste. Es war kein gegenseitiges Aufeinandertreffen wo beide fair hoch springen, sondern Torunarigha kommt zu spät, voll durchziehend ohne Ballchance. VAR Patrick Hanslbauer hätte bei dem klaren und offensichtlich falschen Fehler eingreifen müssen, tat’s aber nicht, da sie hier einen Unfall/ein Auflaufen sahen.

Szene 6: Wenig später entschied der Referee erneut auf den Punkt – und wieder höchst diskutabel. Nicolás Capaldo (HSV) ging mit hohem Bein gegen Andrej Ilic (Union) zu Werke – ein Versuch, den Ball zu klären oder zu blocken, während Ilic den Ball spielte. Badstübner pfiff sofort Foul → zeigt auf den Punkt. Leopold Querfeld verwandelte den Strafstoß sicher zum 0:1 für Union. Die TV-Bilder /und Zeitlupen zeigten keinen klaren, sichtbaren Kontakt – weder am Bein noch am Kopf/Gesicht von Ilic. Es sah aus wie ein Phantom-Foul oder minimaler Touch, den man live kaum erkennt. Kein VAR-Eingriff oder Check am Monitor – Badstübner blieb bei seiner Entscheidung.

Letzte Woche gab es bei Mainz vs. Augsburg mit Schiri Patrick Ittrich einen ähnlichen Fall Phantom-Foul an Elvis Rexhbeçaj durch Stefan Bell, wo ein Elfer gepfiffen wurde, obwohl TV-Bilder keinen Kontakt zeigten – Ittrich erklärte später im Doppelpass, man habe nach Kontakt gesucht, aber nicht gefunden und gab zu, es sei ein Fehler gewesen. Knut Kircher erklärte danach, dass bei nicht sichtbarem phantomartigem Kontakt nicht auf Elfer entschieden werden soll. Hier bei Copado genau das Gleiche. Kein klarer Beleg in den Bildern. Letzte Woche war es laut Kircher ein Fehler, diese Woche hat er ihn verteidigt und argumentiert mit gefährlichem Spiel. Wenn man keinen Kontakt erkennt, darf es diesen Strafstoß nicht geben. Das ist unehrlich. [TV-Bilder – ab 0:45 Minuten]

Borussia Dortmund – 1. FSV Mainz 05 4:0 (SR: Tobias Welz)

Szene 7Felix Nmecha (Dortmund) wurde mittig in den Mainzer Strafraum geschickt und kam mit Danny da Costa (Mainz) in einen Klärungsduell. Dabei traf da Costa Nmecha zuerst am Bein, bevor er den Ball spielte – eine klassische Situation, in der viele auf Elfmeter und Foul plädieren würden, besonders wenn der Kontakt am Spieler vor dem Ball stattfindet. Man kann aber auch argumentieren, dass Nmecha in den Raum läuft und in den Klärungsversuch hinein. Dann ist es eher ein Stürmerfoul. 

Schiedsrichter Tobias Welz ließ die Partie aber weiterlaufen und entschied auf kein Foul (bzw. kein strafbares Foul im Sinne eines Elfmeters), weil man es auch als zeitgleiches Vergehen im Ballkampf auslegen kann. Man hätte aber auch den Kontakt am Bein vor Ballberührung, Tackling durchaus als Elfmeter geben können, da der erste Kontakt ans Bein von Nmecha geht, bevor da Costa den Ball trifft – das wäre nach alter Schule klares Bein zuerst = Foul, besonders im Strafraum. Wenn der Tackling-Versuch den Spieler trifft und der Ball erst danach kommt, pfeifen Schiris heute öfter Elfmeter. Großes Glück für Mainz.

AnmerkungIch bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. René S.

    Ich muss dir bei HSV Union, bei der ersten Elfer Situation wiedersprechen. Es war vorher Foul an Vuskovic, der einen Ellenbogenschlag abbekam. Die Situation allein betrachtet, geb ich dir Recht. Die andere Situation war maximal indirekter Freistoß.

  2. Reiner Kuhn

    Ich kann nicht verstehen wie Matthias Jöllenbeck im Kicker trotz der klaren Fehlentscheidung zu einem von 2 besten Schiedsrichter des Spieltags gewählt wurden. Wieder gewürfelt? Das ist ein klarer Elfmeter und eine eindeutige Fehlentscheidung.

  3. Dieter Albrecht

    Das ist für mich schon immer der Grund gewesen, warum die KICKER-Noten für die Beurteilung der Schiedsrichter bedeutungslos sind.

  4. Etienne Turner

    Ich lese da, » Und der VAR? Pascal Müller erst nach seiner Sperre wieder zurück am Bildschirm, leistete sich den nächsten kapitalen schwerwiegenden Bock.«

    Nach einer Recherche finde ich keine Sperre von Pascal Müller in der laufenden Saison 25/26. Eine solche gab es nach dem 4. Spieltag 2024/25. Von welcher Sperre, und weswegen, ist denn im o.a. Fall die Rede?

Antworte auf den Kommentar von Etienne Turner Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.