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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 25. Spieltag | 2. Liga

Der 25. Spieltag ging auch in der zweiten Liga zu Ende und es gab einige kuriose Szenen am Wochenende zu sehen. So unter anderem bei Münster – Hertha als wohl vermummte Ultras den Stecker des VAR Monitors zogen und so Schiedsrichter Felix Bickel kein Bild vor Ort. Hier übernahm am Ende die Entscheidung VAR-Schiedsrichterin Katrin Rafalski die die Szene richtig einordnete. Stark in der Kritik stand in Hannover Schiedsrichter Tom Bauer der viele Probleme bei dem Spiel hatte und so oft falsch lag bei seinen Bewertungen. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Dr. Max Burda:
Auf dem ersten Platz in Liga 2 haben wir diesmal Dr. Max Burda aus Berlin der beim Samstagabend-Topspiel Bochum – Kaiserslautern zum Einsatz kam. Burda war wie gewohnt sehr stark unterwegs, hatte eine gute Zweikampfbewertung und war wiedereinmal kommunikativ souverän unterwegs. Zusätzlich lag Burda in den beiden Strafraumszenen richtig. Eine sehr schöne Spielleitung die durchaus einen möglichen Aufstieg unterstützt!

Platz 🥈 – Wolfgang Haslberger:
Auf dem zweiten Platz haben wir den Bayer Wolfgang Haslberger der am Freitag bei der Abendpartie Elversberg – Magdeburg im Einsatz war. Es war eine sehr hitzige und kampfbetonte Partie. Die Zweikämpfe die geführt wurden, waren intensiv und oft schwer zu bewerten. Jedoch war Haslberger weitestgehend souverän und lieferte trotz schwieriger Partie eine solide Leistung ab! Seine enorme Ruhe die er jedesmal an den Tag legt, hilft ihn auch sehr weiter in solchen Spielen. Gerne weiter so!

Platz 🥉 – Tobias Reichel:
Auf dem dritten Platz haben wir diesmal einen Schiedsrichter aus der höheren Klasse mit Tobias Reichel aus Stuttgart, der bei der Partie Schalke – Bielefeld am Freitag Abend zum Einsatz kam. Auch hier war Reichel ein weitestgehend souveräner Spielleiter, brauchte beim möglichen Anschlusstreffer der Bielefeld jedoch die Unterstützung des VAR’s, als eine knappe Abseitsposition vorlag.

SC Preußen Münster – Hertha BSC 1:2 (SR: Felix Bickel)

Szene 1: Cuisance ging im Strafraum zu Boden, nachdem Koulis per Grätsche den Ball geklärt hatte. Felix Bickel ließ erst weiterspielen, Video-Assistentin Katrin Rafalski kontrollierte die Bilder und sah den klaren Fußkontakt. Es ist eine schwierige Entscheidung, weil der Zweikampf genau auf der Strafraumlinie war. Reicht der Treffer von Koulis für einen Strafstoß? Als Bickel an den Monitor ging, sah er schwarz. Es gab aber den Strafstoß, weil Rafalski im Hintergrund entsprechend die Bilder bewertete und kommunizierte. [TV-Bilder – ab 02:40 Minuten]

Zur Grenzlinie bei Fouls: Der Strafraum wird durch die Linien begrenzt, einschließlich der Strafraumlinie selbst. Wenn der Foulkontakt auf der Linie stattfindet oder der Ball/Fußkontakt teilweise innerhalb des Strafraums ist (also die Linie berührt oder überschreitet), zählt das als innerhalb des Strafraums → Strafstoß. Nur wenn das Foul eindeutig außerhalb (also komplett vor der Linie) passiert, gibt es nur einen direkten Freistoß. Da bei einem Freistoß aber der VAR nicht eingreift, ist davon auszugehen, dass Rafalski auf den Bildern den Kontakt im Strafraum sah. In dieser Szene war es laut VAR-Bewertung ein klarer Fußkontakt im Strafraum (auch wenn es knapp an der Linie war), daher Strafstoß – und Bickel hat das korrekt übernommen.

„Meine Kollegin hat festgestellt“

Zum Monitor-Ausfall: Wenn der On-Field-Review-Monitor (der Bildschirm am Spielfeldrand) ausfällt oder sabotiert wird, entscheidet der VAR (hier die Video-Assistentin Katrin Rafalski) allein auf Basis der Bilder im Kölner Keller. Das ist protokollarisch genau so vorgesehen: Der Schiedsrichter verlässt sich dann auf die fachliche Einschätzung des VAR, wie bei rein faktischen Entscheidungen (z.B. Ort des Fouls inside/outside). Bickel hat das transparent kommuniziert und sogar per Stadiondurchsage erklärt – das war regelkonform und richtig.

Fazit: Bickel managte den Bildschirm-Ausfall beim VAR-Eingriff vor dem Elfmeter zum 1:0 souverän. Es war extrem dumm der Ultras den Monitor zu sabotieren. Die Aktion hat den Schiedsrichter nur daran gehindert, selbst nochmal draufzuschauen, aber die VAR-Entscheidung blieb bestehen und war ohnehin entscheidend. Solche Sabotageakte sind übrigens strafbar und werden vom DFB ermittelt.

Schalke 04 – Arminia Bielefeld 1:0 (SR: Tobias Reichel)

Szene 2: Roberts Uldrikis legte den Ball per Ablage mit dem Kopf für Grodowski ab. Grodowski stand beim Abspiel-Moment (also als Uldrikis den Ball berührte) knapp im Abseits. Schiedsrichter Reichel erkannte das Tor zunächst an, nach VAR-Check wurde es aber anulliert. Ein Spieler ist im Abseits, wenn er sich näher zur gegnerischen Torlinie befindet als der Ball und der vorletzte Gegner (meist der letzte Feldspieler + Torwart). Bei einer Ablage/Pass zählt der Moment der Ballberührung durch den Mitspieler (Uldrikis). Aktiv im Abseits wird es, wenn der Spieler dann den Ball spielt oder einen Vorteil daraus zieht (hier: er schießt ein Tor). Selbst hauchdünne Abseitsstellungen (Zentimeter) zählen – es gibt keine Toleranzgrenze wie früher mal diskutiert. Seit der Halbautomatik (VAR-Offside-Linien) wird das extrem präzise gemessen, oft per 3D-Modell und Körperteilen (Schulter, Fuß etc.). [TV-Bilder – ab 05:30 Minuten]

VfL Bochum – 1. FC Kaiserslautern (SR: Dr. Max Burda)

Szene 3: Regeltechnisch und in der Praxis hat Schiedsrichter Max Burda in den beiden Strafraumszenen korrekt entschieden – kein Foul, also kein Strafstoß, und die gelbe Karte für Oliver Olsen war angemessen, keine rote notwendig. Burda zeigte eine konsequente, berechenbare Linie bei Körperkontakten im Strafraum: Er pfiff nur, wenn es klar rücksichtslos, mit übermäßiger Kraft oder ohne Ballbezug war. Bei normalen Zweikämpfen mit leichter Berührung, Schulter-gegen-Schulter oder Bein-gegen-Bein (auch wenn der Angreifer zu Fall kam) ließ er Vorteil laufen oder pfiff nicht. Der Kontakt war minimal oder der Spieler selbst initiierte (z.B. sich reinlehnen), kein klares Wegstoßen oder Treten vorlag. Der Ball im Spiel war und der Kontakt ballbezogen blieb. 

Auch wenn für Max Burda mit 36 Jahren der Zug für die FIFA-Liste schon abgefahren ist, hätte er heuer die Chance Bundesligaaufstieg verdient und könnte dann noch 10 Jahre pfeifen. Auch ein Frank Willenborg war nicht international platziert und und hat bis zum Karriereende erste Liga gepfiffen. Burda hat Qualität, zeigt gute Leistungen in der 2. Liga und in den zwei Probespielen in der letzten Saison. Die Bundesliga-Liste braucht frische, aber erfahrene Kräfte – mit dem Durchschnittsalter um 41 ist Burda mit 36 kein Risiko, sondern eine Brücke. Seine Leistungen 2025/26 (inkl. Spiele wie Bochum vs. Kaiserslautern) zeigen: Berechenbar, ruhig, gute Strafraum-Entscheidungen – genau was die 1. Liga braucht. [Highlights]

Karlsruher SC – SG Dynamo Dresden (SR: Florian Badstübner)

Szene 4: Regeltechnisch war der Elfmeter für den KSC absolut korrekt – und die Dresdner Reklamationen wegen Handspiel hatten keine Grundlage, während das Foul von Tim Schreiber an Christoph Kobald klar strafbar war. Beim Versuch, den Abpraller zu bereinigen, will Schreiber den Ball wegschlagen/klären. Er trifft aber nicht den Ball, sondern Christoph Kobald, der einen Tick früher am Ball war oder sich in den Weg gestellt hatte. Kobald geht zu Boden → klarer Körperkontakt ohne Ballberührung → Foul im Strafraum. [TV-Bilder – ab 01:20 Minuten]

Szene 5: Florian Badstübner – er pfeift zunächst Freistoß, weil er den Kontakt knapp daneben sieht. Der VAR greift ein, checkt die Bilder und korrigiert auf Elfmeter, weil der Foulkontakt (Rossipal steigt Egloff auf den Fuß) doch gerade noch im Strafraum stattfand – nur wenige Zentimeter drin, direkt an der Linie zum rechten Eck des Sechzehners. Für mich ist das eine Fehlentscheidung, es ist nicht ersichtlich, dass der Dresdner hier stempelt, sondern der Verteidiger trifft Egloff zuerst. Angesichts des späten 3:3-Ausgleiches per Elfmeter hatte der KSC riesen Glück, die Dresdner werden angesichts des ’sächsischen Schiedsrichters‘ sauer sein. [TV-Bilder – ab 07:05 Minuten]

Hannover 96 – SpVgg Greuther Fürth 1:2 (SR: Tom Bauer)

Szene 6: In der 19. Minute wollte Fürth einen Elfmeter, als Srbeny den Ball an den Arm bekam. Das ist für mich eine absolut normale Armhaltung. Zwar bekommt er den Ball an den leicht abstehenden Ellenbogen, der Arm ist aber am Körper angelegt und er verbreitert die Körperfläche nicht unnatürlich. [TV-Bilder – ab 01:40 Minuten]

Szene 7: Das Fürther Führungstor in der 33. Minute erzielte Noel Futkeu. Es war ein harter, aber fairer Körperkontakt im Mittelfeld-/Angriffsaufbau – typisch für die 2. Liga, wo man nicht bei jedem Schulter-zu-Schulter oder leichten Schieben pfeift. Solche handelsüblichen Zweikämpfe gehen meist durch, solange kein klares Bein stellen, Ziehen am Trikot oder Ellenbogen ins Gesicht dabei ist. Bei einem normaler Body-Check oder Schulterduell war ist das kein Foul – Regeltechnisch muss der Schiri nur pfeifen, wenn’s unfair wird (z.  von hinten, mit offener Sohle, etc.). [TV-Bilder – ab 02:20 Minuten]

Szene 8: In der Folge gab es einen VAR-Eingriff, als Schiedsrichter Tom Bauer auf Freistoß wegen eines vermeintlichen Handspiels der Torwarts und einer potentiellen roten Karte wegen eines Handspiels klarer Torverhinderung außerhalb des Strafraums. Die Bilder zeigten aber recht eindeutig, dass der Ball auf der Linie war, als Noll ihn berührte. Solche Aktionen sind kein Elfmeter, wenn der Torwart den Ball noch spielerisch mit der Handerreicht, bevor er komplett über die Linie geht – auch wenn’s knapp ist und der Stürmer dran ist. Das gilt als Torlinienverteidigung, nicht als Handspiel außerhalb. [TV-Bilder – ab 04:30 Minuten]

Szene 9: Der gerade eingewechselte Aaron Keller foult Hayate Matsuda im Strafraum von hinten – klarer Elfmeter für Hannover. [TV-Bilder – ab 06:20 Minuten]

Szene 10: Nur eine Minute später dann eine strittige Szene als Tom Bauer nur Freistoß gibt. Er hält zwar außerhalb, läuft aber weiter uid kommt wegen diesem Kontakts im Strafraum zu Fall. Der größtmögliche Vorteil ist der Elfmeter. Für mich hier eine Fehlentscheidung. Regeltechnisch: Bei kontinuierlichem Foul (Ziehen hält an, Spieler läuft weiter und fällt erst im Strafraum) kann der Schiri den größtmöglichen Vorteil anwenden – also Elfmeter geben, wenn der Kontakt im Strafraum entscheidend für den Fall ist („continuing offence“). Hier hätte auch  der VAR eingreifen sollen. [TV-Bilder – ab 07:00 Minuten]

SV Darmstadt 98 – Holstein Kiel 2:0 (SR: Deniz Aytekin)

Szene 11: Deniz Aytekin leitete das Match und zeigte früh Gelb an Kiels Stürmer Marcus Müller (wegen hartem Einsteigen oder Foul), und kurz darauf Gelb-Rot nach wiederholtem Foulspiel. Aytekin hatte eine großzügige Linie – er ließ viel laufen, pfiff nicht bei jedem kleinen Körperkontakt oder Tackling, was in der 2. Liga oft als zu viel“kritisiert wird. Er ließ sich nicht auf zu wenig ein (also nicht zu streng oder kleinlich), sondern gab den Spielern Raum für harte, aber faire Zweikämpfe – typisch für ihn in solchen Partien. Bei der Gelb-Rot-Entscheidung lag er richtig: Es war ein wiederholtes Vergehen (z. B. nach Gelb für ein Foul kam ein zweites ähnliches Foul hinzu, das regelkonform Gelb-Rot nach sich zieht. Wenig großzügig aber konsequent griff er zu den gelben Karten bei Unsportlichkeiten wie Fordern. [Highlights]

SC Paderborn 07 – Eintracht Braunschweig (SR: Lukas Benen)

Szene 12: Nkoa ging im Mittelfeld in einen Zweikampf mit Sven Michel. Er kam zu spät, mit gestrecktem Bein und offener Sohle. Der Kontakt trifft oberhalb des Knöchels am Sprunggelenk – ein klares Trefferbild, das gesundheitsgefährdend ist. Kein Ballkontakt mehr im Spiel, der Fokus liegt auf dem brutalen Treffer ins Gelenk. Vollkommen richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 03:08 Minuten]

Szene 13: Unmittelbar vor dem Kopfball trat Michel Braunschweigs Innenverteidiger Lukas Frenkert auf den Fuß – ein klassischer Stempel, weshalb der später Paderborner Ausgleich nicht hätte zählen dürfen. [TV-Bilder – ab 04:50 Minuten]

1.FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 0:1 (SR: Timo Gansloweit)

Szene 14: Der Ball liegt im Fortuna-Tor, doch die Szene ist bereits abgepfiffen: Gansloweit entscheidet auf ein Offensivfoul von von der Hitz im Vorfeld. Gansloweit muss dort weiterlaufen lassen. Das ist ein fußballtypischer fairer Zweikampf im Strafraum – Schulter-an-Schulter, ohne klare Regelverletzung wie Schieben mit den Händen oder ein Tritt. Der Schiedsrichter hat zu früh gepfiffen, was in Zeiten des VAR unnötig ist, da man die Szenen hätte laufen lassen um später zu prüfen. [TV-Bilder]

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