In der 3. Liga endete der 25. Spieltag und es war ein mittelmäßiges Wochenende aus Schiedsrichtersicht. Zu aller erst sahen wir überraschenderweise Deniz Aytekin bei der Partie Aachen – Verl der seit 2022 das erste Mal wieder in Liga 3 zum Einsatz kam. In Aachen gab es jedoch eine sehr harte rote Karte vom erfahrenen Referee. Zudem war Leonidas Exuzidis in Duisburg gefordert, als er gleich in mehreren Szenen im Mittelpunkt stand. Zu guter Letzt war Luca Jürgensen in München mit der Refcam im Einsatz und lag bei einer Handspielszene leider falsch. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltags:
Platz 🥇 – Felix Grund:
Schiedsrichter des Spieltags ist Felix Grund aus Haidlfing. Grund, der seit mehreren Spielen schon sehr souverän agiert, lieferte bei der Partie Ulm – Saarbrücken eine mehr als zufriedene Leistung über 90 Minuten ab und lag bei einer Handspielszene im Strafraum richtig und entschied auf keinen Elfmeter. Zwei gelbe Karten gab es in dieser Partie, was zusätzlich zeigt, dass er die Kommunikation zu den Spielern suchte, anstelle vom direkten zeigen von Karten. Gerne weiter so!
Platz 🥈 – Felix Weller:
Mittlerweile üblich ist Felix Weller wiedermal in den Top 3 zu finden, der bei der Partie Regensburg – Wiesbaden im Einsatz war. Große Szenen gab es in dieser Partie nicht, jedoch war Weller stets konsequent unterwegs, auch in Phasen als das Spiel bisschen hektischer wurde. Weller zeigt damit erneut eine souveräne Leistung und darf sich Chancen auf einen Aufstieg in Liga 2 nächstes Jahr machen.
Platz 🥉 – Sebastian Hilsberg:
Auch der junge Schiedsrichter Sebastian Hilsberg ist erneut in den Top 3 zu finden, der bei der Samstagnachmittag Partie zwischen Ingolstadt – Havelse die Spielleitung übernahm. In diesem Spiel gab es eine kleine Aufregerszene beim 2:1, als die Havelser stark auf Abseits protestieren. Hier traf das gesamte Gespann von Hilsberg die richtige Entscheidung und gab das Tor zurecht. Warum und Wieso in der Analyse. Ansonsten ähnlich wie Grund ging Hilsberg hier mit zwei gelben Karten raus und legte viel Wert auf das Kommunikative!
TSV Alemannia Aachen – Sportclub Verl 3:1 (SR: Deniz Aytekin)
Szene 1: Alessio Besio (Verl) kam per Ko pfball zum Abschluss. Der Ball knallte an die Unterkante der Latte, prallt runter auf die Linie und sprang dann wieder heraus ins Feld – kein Tor. Schiedsrichter Aytekin entschied nach Rücksprache mit dem Assistenten auf kein Tor und lag damit richtig. [TV-Bilder – ab 03:15 Minuten]
Szene 2: Die 73. Minute war der Knackpunkt in dem Spiel. Bei einem Konter der Aachener sprintete Mika Schroers (Aachen) durch die Mitte vor. Fynn Otto (Verl) patzte als letzter Mann: Er verschätzte sich massiv, schlug ein Luftloch und Schroers ging vorbei. Otto griff dann im Lauf zu – hielt Schroers am Trikot zurück. Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigte sofort glatt Rot für Otto. Foul ist definitiv klar. Otto war der letzte Mann, hat den Konter gestoppt, Schroers war auf dem Weg Richtung Tor. Aber glatt Rot? Knifflig. Patrick Lehmann (ein weitere Verler Verteidiger) war links noch in Rückwärtsbewegung und hätte Schroers theoretisch noch einholen können. Nach DFB-Regel 12 gilt: Wenn ein zweiter Verteidiger den Angreifer realistisch noch stoppen könnte (ohne Foul), ist es nur Gelb. Hier hat es Aytekin als klare Notbremse ohne realistische Abwehrchance gewertet – Otto war der direkte letzte Mann, der den Durchbruch verhinderte. Für mich eine Fehlentscheidung, die Argumente für eine rote Karte sind sehr dünn, Gelb wegen der Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs wäre besser gewesen. [TV-Bilder – ab 04:20 Minuten]
FC Ingolstadt 04 – TSV Havelse 3:2 (SR: Sebastian Hilsberg)
Szene 3: Max Besuschkov erzielte die 2:1-Führung für die Schanzer, doch Havelse reklamierte lautstark auf eine Abseitsposition. Das entscheidende Zuspiel zu Besuschkow kam von einem Havelser Spieler. Das macht die Position von Besuschkow irrelevant – Abseits gibt’s nur, wenn der Ball von einem Mitspieler kommt und der Angreifer in Abseitsstellung steht. Wenn der Ball von einem Gegner kommt (auch unfreiwillig), resetet das die Abseitsregel – Besuschkow war dann „aktiv“ im Spiel und nicht abseits.Es war also kein Abseits, sondern eine klassische „Abseits-Falle, die nach hinten losgeht“ durch den eigenen Spieler. Havelse’s Proteste waren verständlich (optisch sah’s erstmal verdächtig aus), aber regeltechnisch korrekt durchgewunken – kein VAR in der 3. Liga, die Schiri habens richtig gesehen. [TV-Bilder – ab 02:36 Minuten]
MSV Duisburg – 1. FC Schweinfurt 3:1 (SR: Leonidas Exuzidis)
Szene 4: Tobias Fleckstein (Duisburg) kam als letzter Mann gegen Joshua Endres (Schweinfurt) zu spät – er rutschte rein oder foulte klar. Schiedsrichter-Assistent Jannik Schneider hob sofort die Fahne hoch: Abseits für Endres beim entscheidenden Zuspiel die richtige Entscheidung. Dadurch wurde die Aktion abgepfiffen, bevor ein Foul oder Platzverweis gepfiffen werden musste – glatt Rot für Fleckstein wäre sonst unumgänglich gewesen (letzter Mann, klare Torchance verhindert). Glück gehabt für Duisburg: Ohne das Abseits hätte Fleckstein runter gemusst, und der MSV hätte in Unterzahl weitermachen müssen. [TV-Bilder – ab 46:25 Minuten]
Szene 5: Luca Trslic (Schweinfurt) hält Dominik Kother (Duisburg) bei einer Flanke lange am Trikot fest im Strafraum. Der Kontakt war deutlich sichtbar – Trslic zog und hielt Kother zurück, was den Angriff behinderte. Schiedsrichter Leonidas Exuzidis (Castrop-Rauxel) stand direkt daneben, hatte freie Sicht auf die Szene, pfiff aber keinen Elfmeter. Kother und Duisburg protestierten lautstark, aber Exuzidis ließ weiterlaufen – für ihn war es offenbar zu wenig (nicht genug Kraft/Behinderung), um auf Strafstoß zu entscheiden. Für uns eine Fehlentscheidung. Der Verteidiger sieht den Ball und weiß, dass der Angreifer sicher zum Ball kommen wird. Einzige Chance ist es dann in dem Fall ihn zu ziehen und damit verhindert er klar und eindeutig, dass der Angreifer nicht zum Ball kommt. War aber auch sehr schlau vom Verteidiger gelöst. In dem Fall war ja wirklich die einzige Chance ihn da zu halten bzw. zu ziehen. Ansonsten wäre er wahrscheinlich zum Ball gekommen. So hat er eine gute und aussichtsreiche Chance verhindert und Exuzidis hat es nicht geahndet. [TV-Bilder – ab 50:40 Minuten]
Szene 6: Bei einem langen Ball auf Schweinfurts Lobinger hielt der schon verwarnte Osawe in der 48. Minute den Schweinfirter am Arm. Schiri Exuzidis pfeift nur Freistoß. Halten/Ziehen am Arm ist Foul → Freistoß korrekt. Ob es Gelb wert ist, hängt von der Intensität ab: War es „wiederholtes Foulspiel“ (Osawe hatte ja schon eine Gelbe), „taktisches Foul“ oder „unnötige Behinderung“? In der Praxis pfeifen Schiris solche Haltegriffe bei langen Bällen oft nur als Freistoß, wenn kein Sturz oder extreme Behinderung vorliegt – besonders wenn der Spieler nicht komplett zu Fall kommt. Da Osawe schon verwarnt war, wäre eine zweite Gelbe für wiederholtes Foul oder taktisches Halten möglich gewesen – aber nicht zwingend. Viele Schiris geben da „Kulanz“, solange es nicht brutal oder wiederholend offensichtlich ist. Exuzidis hat’s als „nicht gelbwürdig“ eingestuft – subjektiv, aber regelkonform machbar, denn es war kein Notbremse-Foul (kein Konter, kein letzter Mann, kein aussichtsreicher Angriff), kein klarer Torabschluss verhindert in dem Moment (langer Ball, noch kein direkter Torschuss). Eine gelbe Karte wäre in der Szene viel zu hart, weil so ein Halten im „Stehen“passiert so oft in einer Partie. Da hat man sonst 10-11 Karten… [TV-Bilder – ab 01:19:59 Minuten]
VfL Osnabrück – FC Rot-Weiss Essen 3:0 (SR: Felix Bickel)
Szene 7: Die Szene mit Ismail Badjie (Osnabrück) und José-Enrique Rios Alonso (Essen) war eine der wenigen strittigen Momente in einem ansonsten klaren 3:0-Heimsieg des VfL Osnabrück gegen Rot-Weiss Essen. Badjie flankt in den Strafraum, Rios Alonso geht dazwischen, klärt per Kopf und kommt zum Ball und verhindert den Abschluss. Badjie reklamiert Foul: Rios Alonso soll Badjie beim Sprung behindert haben, Bickel winkt sofort ab – kein Elfmeter, weiterspielen. Der Angreifer will tief zum Kopfball runter, verpasst den Ball knapp, fällt dann hin und versucht, einen Elfmeter rauszuholen. Rios Alonso hat den Ball gesehen und geht sauber dazwischen – der Kontakt war minimal und kam vom Angreifer selbst. Kein Foul vom Verteidiger – eher Stürmerfoul (Badjie rempelt Rios Alonso an oder sucht den Kontakt), aber Bickel lässt clever weiterspielen, weil’s insgesamt „zu wenig“ ist für einen Strafstoß. In der 3. Liga ohne VAR ist das die bestmögliche Entscheidung: Kein Elfmeter, kein unnötiger Pfiff, der das Spiel unterbricht. Bickel hat die Szene gut im Griff gehabt – er unterband später sogar kleine Rudelbildungen (z.B. Gjasula/Jacobsen), aber hier war’s clean. [TV-Bilder – ab 42:50 Minuten]
TSV 1860 München – Hansa Rostock 1:0 (SR: Luca Jürgensen)
Szene 8: Nach einem Hansa-Fehlpass musste Gürleyen im Strafraum in den Zweikampf mit Haugen, der nach einem Rempler zu Fall kam. Der Schiri hat da korrekt durchlaufen lassen. Er rempelt sich bei Gürleyen rein, kam zu Fall, aber das ist bei weitem kein klares Foul, geschweige denn ein Elfmeter. Solche Körperkontakte im Strafraum laufen in 95 % der Fälle einfach weiter, vor allem wenn keiner richtig umgerissen wird oder es keinen klaren Tritt/Arm gibt. [TV-Bilder – ab 22. Minuten]
Szene 9: Nach einer halber Stunde wieder Gürleyen gegen Haugen, statt Foul für den Löwen-Stürmer gab es Eckball. Das ist wieder ein klassischer robuster Zweikampf im Strafraum – beide ziehen sich gegenseitig, Haugen will den Ball vielleicht behaupten oder kommt ins Fallen, aber es ist kein klares Foulspiel (kein Tritt, kein Schubsen von hinten, kein Halten). Der Schiri ließ es laufen und gab stattdessen Eckball für 1860. Aber definitiv kein Elfmeter. Weiterspielen ist hier korrekt – pfeift in so einer Situation kein Mensch, das wäre überzogen.[TV-Bilder – ab 30. Minuten]
Szene 10: Nach der Pause die entscheidende Situation, die zur Führung für 1860 München führte. Haugen stützte sich im Zweikampf auf Mejdr auf → das wurde als Foul übersehen oder als robust durchgehen gelassen, brachte den Ball aber erst zu Philipp. Philipp flankt scharf aus kurzer Distanz rein. Gürleyen drehte sich weg, der Ball traf ihn am angelegten Ellenbogen/Arm, der nah am Körper ist.Schiri Luca Jürgensen zögert kurz, pfeift dann doch Elfmeter. Für mich eher eine Fehlentscheidung. Bei kurzer Distanz aus 1-2 Metern, angelegtem Arm (kein klares Abspreizen oder Wegdrehen des Arms weg vom Körper) und natürlicher Armposition beim Abdrehen fällt das in die Kategorie kein strafbares Handspiel. Die neuen Handspiel-Regeln sagen explizit: Wenn der Arm nah am Körper ist und der Ball aus kurzer Distanz kommt, ist es kein Elfer, weil der Spieler keine unnatürliche Vergrößerung der Silhouette macht. Gürleyen dreht sich weg, will den Ball nicht mit der Hand spielen – klassischer Ball an den Arm, nicht Arm an den Ball. Wenn dann ist es vorher Foul und Freistoß, da sich Haugen im Zweikampf aufstützte. [TV-Bilder – ab 01:40 Minuten]
FC Erzgebirge Aue – FC Energie Cottbus 2:1 (SR: Lukas Benen)
Szene 11: Marcel Bär (Aue) flankte scharf rein, Marius Funk (Cottbus-Keeper) faustete den Ball unglücklich nach vorne ab. Anderson Lucoqui (Cottbus) reagiert blitzschnell und klärt per Tackle vor dem heranstürmenden Ehlers. Ehlers ging zu Boden – Kontakt gibt’s, aber Lucoqui spielte den Ball sauber (kein Foul am Mann, kein Halten, kein Tritt ins Leere), deswegen kein Elfmeter, sondern korrekt weiterspielen. [TV-Bilder – 01:19:08 Minuten]
TSG Hoffenheim II – FC Viktoria Köln 1:1 (SR: Cengiz Kabalakli)
Szene 12: Yannick Tonye (Viktoria Köln) geht als letzter Mann rein gegen Valentin Lässig (Hoffenheim ), der einen Steilpass durchgesteckt bekommen hat und alleine aufs Tor zuläuft. Tonye macht einen harten Körpereinsatz – grenzwertig, weil bei so einer Notwehr-Aktion (letzter Mann, klare Torchance) schnell Rot droht, wenn’s Foul am Mann ist.
Aber: Schiedsrichter Kabalakli pfeift nicht. Wenn man genauer hinsieht, kommt Lässig schon vorher ins Straucheln (vielleicht durch den Ballkontakt oder eigenen Schwung), der Kontakt mit Tonye ist dann eher Begleiterscheinung. Kein klares Halten, kein Ziehen, kein Tritt von hinten oder Umreißen – Tonye spielt primär den Ball oder macht einen sauberen Körperblock. Das ist kein strafbares Foul, erst recht kein Notbremse-Foul. Das ist absolut eine mutige Entscheidung. Er lässt laufen, statt auf Sicherheit zu pfeifen (was viele junge Schiris tun würden). Das zeigt Selbstvertrauen, passt zu seinem Aufstieg in die 3. Liga diese Saison.
Fazit: Die letzten Wochen wurde alles abgepfiffen. Auch das in Leipzig am Bundesliga-Wochenende. Diese Wochenende finde ich wirken die Schiedsrichter echt selbstbewusst und handeln im Sinne des Fußballs – und so muss es sein.

Ich war ebenfalls sehr überrascht und frage mich: 3. Liga, warum tut Deniz Aytekin sich das an? Wurde er auf eigenen Wunsch in Aachen angesetzt? Sein letztes Bundesligajahr läuft alles andere als optimal. Wiederholt strittige Entscheidungen offenbaren den Anschein, dass er sich innerlich bereits verabschiedet hat und nur noch sein 250. Bundesligaspiel anstrebt. Das Karriereende kommt ein Jahr zu spät. Aytekin hat seine einstige klare Linie verlassen, wickelt die letzten Spiele nur noch ab.
Zu den seltsamen KICKER-Noten habe ich mich bereits umfassend geäußert. Sie erfordern mehr Fachkompetenz des jeweiligen Betrachters im Stadion, sind für die Beurteilung ohnehin wertlos.
Aytekin war bei der Trauerfeier von Eugen Strigel dabei, die in Köln stattfand und hat es mit dem Spiel verbunden. Es ist keine Degredierung. Das macht man nicht mit einem Deniz Aytekin in seinem letzten Jahr.
Zu Aytekin: Das habe ich bereits als Kommentar in einem anderen Thema angedeutet und weiterhin angefragt, was mit Weißbach und Hempel los ist? Ich frage es somit jetzt noch einmal.
Hempel ist verletzt, er macht momentan Reha
Danke für die Info