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Schiedsrichter Cristian Ballweg zeigte erneut souveräne Leistungen und ist der Schiedsrichter des Spieltages. (IMAGO / Lucca Fundel)

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 26. Spieltag | 3. Liga

Der 26. Spieltag in der 3. Liga ging zu Ende und an einigen Spielorten gab es wieder einige Diskussionen. So unteranderem in Rostock als Schiedsrichter Martin Wilke gleich in mehreren Szenen gefordert wurde. Zudem gab es in Mannheim einen Schubser von einem Spieler gegen Schiedsrichter Eckermann der ungeahndet blieb! Auch die Halbzeitpause hatte es in sich, als gleich zwei rote gegen den Trainer von Aachen und den Geschäftsführer vom Waldhof verteilt wurde. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Cristian Ballweg:
Wieder mal auf Platz 1 landet Cristian Ballweg aus Zwingenberg der bei der Partie Regensburg – Ulm im Einsatz war am Samstagnachmittag. Wie gewohnt mit starker Kommunikation leitete Ballweg das Spiel souverän runter, lag beim Freistoß vorm 1:1 der Ulmer richtig und bewertete eine Handspielszene im Strafraum ebenfalls korrekt. Klasse Leistung und ein baldiger Aufstieg sollte langsam nach vielen guten Jahren passieren!

Platz 🥈 – Fabienne Michel:
Auch Fabienne Michel ist wie gewohnt in den Top 3 zu finden, die am Samstag die Partie Wehen Wiesbaden – Ingolstadt leitete. Mit im Team waren die Assistenten von Daniel Schlager, welche sie im doch hitzigen Spiel sicherlich eine große Bereicherung waren. Viele intensive Zweikämpfe, viele gelbe Karten und zudem eine völlig richtige rote Karte für die Ingolstädter nach einem Nachtreten. Die anschließende Schauspieleinlage muss natürlich nicht sein, jedoch regeltechnisch komplett richtig entschieden hier von Michel. Auch hier eine souveräne Spielleitung, bei der ihr  baldigen Aufstieg in greifbare Nähe rückt!

Platz 🥉 – Justin Hasmann:
Auf Platz 3 haben wir aus dem Saarland Justin Hasmann der einen langen Weg in den Osten zur Partie Erzgebirge Aue – Osnabrück auf sich nehmen musste. Hasmann war besonders in einer Szene gefordert, als bei einer Grätsche im Strafraum der Ball klar an den Arm eines Spielers kam. Hier war es aber völlig richtig weiterspielen zu lassen, der genaue Grund ist in der Analyse zu lesen. Auch wenn viele hier natürlich den Elfmeter auf dem ersten Blick sehen, gibt es bei solchen Vergehen besondere Regeln die den verteidigenden Spieler schützen. Ansonsten würde es wahrscheinlich viele Elfmeter geben! Ansonsten auch Hasmann nach langer Zeit wieder gut unterwegs und auf das Spiel darf und muss er definitiv aufbauen!

Jahn Regensburg – SSV Ulm 1:1 (SR: Cristian Ballweg)

Szene 1: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte glich Ulm nach einem Freistoß aus etwa 22 Meter halblinker Position aus, als Saller gegen Kölle zu spät kam. Das Foulspiel zu ahnden ist korrekt, da er sich in den Laufweg des Angreifers stellte und ihn wegblockte. [TV-Bilder – ab 01:00:55 Minuten]

Szene 2: Der Jahn forderte nach einem Einsatz von Bazzoli Handelfmeter, doch Schiedsrichter Ballweg winkte sofort ab. Zwar ist der Arm leicht vom Körper, aber der Spieler hat bei deŕ Armberührung mit dem Ball keine Orientierung. Kein strafbares durch absichtliche Körperflächenvergrößerung. Bei der Flanke prallte Luca Bazzoli der Ball aus kurzer Distanz an den Arm. Der Ball kam dabei aus nächster Nähe. Kein Handelfmeter die richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 01:52:38 Minuten]

SV Waldhof Mannheim – TSV Alemannia Aachen 2:1 (SR: Marc-Philip Eckermann)

Szene 3: Kurz nach dem Halbzeitpfiff kam es zu einem harten Zweikampf zwischen Petros Bagkalianis (Alemannia Aachen) und Arianit Ferati (Waldhof Mannheim). Bagkalianis Ferati trat ihm in die Hacken – genau mit dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Marc Philip Eckermann. Das führte sofort zu einer hektischen Rudelbildung mit Spielern beider Teams. Eckermann zeigte in dieser Szene drei Gelbe Karten und zwei rote Karte für Mannheims Sport-Geschäftsführer Gerhard Zuber und Alemannia Coach. Eine absolut richtige Entscheidungen und ein sauberes Krisenmanagement. [TV-Bilder – ab 01:25 Minuten]

Szene 4: Mehdi Loune (Alemannia Aachen) spielt den Ball in die Tiefe in den Strafraum. Der Ball kommt zu Pierre Nadjombe. Aus der anschließenden Ecke fiel das 1:0. Ob hier eine Abseitsposition vorlag kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Tendenziell sieht es aber für mich schon son aus, als wäre der gelbe Aachener knapp vor dem Abwehrspieler in der verbotenen Zone. [TV-Bilder – ab 23:40 Minuten]

Szene 5: Gianluca Gaudino (Alemannia Aachen) wurde im Mittelfeld angespielt. Schiedsrichter Marc Philip Eckermann steht unglücklich positioniert und blockiert Gaudinos Laufweg. Gaudino schubst den Schiedsrichter deutlich mit beiden Armen zur Seite, um freie Bahn zu bekommen und seinen Unmut über die Blockade auszudrücken. Eckermann ließ die Szene ungeahndet. Zunächst stand der Unparteiische im Laufweg und war dort schliecht positioniert, dann aber den klaren Schubser nicht mit einer roten Karte zu ahnden, ist eine Fehlentscheidung. Das Schubsen mit beiden Armen gegen den Referee ist eine klare Unsportlichkeit und eine körperliche Einwirkung gegen den Schiedsrichter. [TV-Bilder – ab 01:50:50 Minuten]

Szene 6: Alemannia Aachen startete einen Konter in der Schlussphase. Diego Michel schießt aus guter Position – der Ball trifft den Pfosten. Den Abpraller vom Pfosten bringt Lovis Bierschenk ins Tor. Schiedsrichter Marc Philip Eckermann bzw. sein Assistent entscheidet sofort auf Abseits – der Treffer wird nicht gegeben, Tor zählt nicht. Hier liegt eine Fehlentscheidung vor, da der Verteidiger näher zur Torlinie steht. [TV-Bilder – ab 02:06:10 Minuten]

Energie Cottbus – SC Verl 0:0 (SR: Dr. Max Burda)

Szene 7: Julian Stark geht in einem Zweikampf an der Seitenlinie gegen Can Moustfa extrem hart zu Werke. Schiedsrichter Dr. Max Burda (Berlin) zeigt nur Gelb für Stark. Eine richtige Entscheidung. Das ist ein Körper-an-Körper-Rempeln mit dem angelegten Arm. [TV-Bilder – ab 02:04:55 Minuten]

Wehen Wiesbaden – FC Ingolstadt 04 2:1 (SR: Fabienne Michel)

Szene 8: Tarık Gözüşirin läuft Fredrik Carlsen aggressiv an und tritt ihm auf den Fuß. Carlsen quittiert das sofort mit einem Tritt gegen Gözüşirin. Ein klares Nachtreten nach dem Foul.  Schiedsrichterin Fabienne Michel (Gau-Odernheim) erkennt die Tätlichkeit von Carlsen sofort, zückt ohne Zögern die Rote Karte. Unstrittig! [TV-Bilder – ab 02:30 Minuten]

Szene 9: Nach einer Flanke in den Strafraum kommt es zu einem Zweikampf zwischen Nikolas Agrafiotis und Linus Rosenlöcher. einen Elfmeter gab Fabienne Michel zu Recht nicht. Rosenlöcher gibt Agrafiotis zwar einen Rempler von hinten, aber dieser ist regelgerecht und reicht nicht für ein Foulspiel aus (kein übermäßiges Rempeln, kein Halten, Ziehen oder Treten – typischer Körperkontakt im Strafraum bei Flanken). Agrafiotis nimmt den leichten Kontakt dankend an und kam theatralisch und frühzeitig zu Fall. Der eventuelle nachfolgende Armeinsatz von Rosenlöcher ist irrelevant, da Agrafiotis bereits zum Sturz angesetzt hat. Fabienne Michels Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, ist regelkonform und korrekt. [TV-Bilder – ab 04:05 Minuten]

Hansa Rostock – Rot-Weiss Essen 3:2 (SR: Martin Wilke)

Szene 10: Maximilian Krauß drang im Strafraum in Richtung Tor vor und kommt gegen Michael Schultz zu Fall. Rostock fordert lautstark Elfmeter, da sie ein Foul von Schultz sahen. Schiedsrichter Martin Wilke (Merzhausen) winkt sofort ab – kein Elfmeter. Schultz berührt Krauß zwar leicht, aber es handelt sich um normalen Körperkontakt im Strafraumduell – kein klares Foulspiel (kein Ziehen, kein Treten, kein übermäßiges Rempeln). Krauß geht frühzeitig und theatralisch zu Boden und suchte den Kontakt, um einen Strafstoß zu provozieren.  Anhand der TV-Bilder ist kein strafwürdiges Foul erkennbar – Wilke entscheidet korrekt auf Weiterspielen. [TV-Bilder – ab 49:20 Minuten]

Szene 11: Lucas Brumme dribbelt über den linken Flügel in Richtung Strafraum und bringt eine Flanke. Rostocker Spieler und Fans reklamieren massiv, dass der Ball vor der Hereingabe vollständig im Seitenaus war. Schiedsrichter Martin Wilke und sein Assistent lassen das Spiel weiterlaufe. Im direkten Anschluss kommt es im Strafraum zu einem Zweikampf als Jaka Cuber Potocnik gegen Ahmet Gürleyen zu Fall kam. Gürleyen nimmt den Fuß heraus, trifft Potocnik am Fuß und bringt ihn zu Fall, Wilke entscheidet sofort auf Elfmeter für Essen. 

Zur Aus-Frage beim Dribbling/Hereingabe von Brumme: Aus der verfügbaren Perspektive ist nicht zweifelsfrei erkennbar, ob der Ball tatsächlich komplett im Aus war. Es bleibt eine Grauzone – Wilke und Linienrichter entscheiden korrekt auf Weiterspielen, da kein 100%iger Beweis für Aus vorliegt. Zum Foul im Strafraum: Gürleyen trifft Potocnik klar am Fuß, nimmt den Fuß heraus – das ist ein regelkonformes Foulspiel. Der Elfmeter ist korrekt gepfiffen. Allerdings: Viele Rostocker sehen den Elfmeter als ungerechtfertigt an, weil die Aktion auf einer „falschen“ Ballführung basiert (der Ball war ihrer Meinung nach im Aus). Solange das Aus nicht zweifelsfrei ist, läuft das Spiel weiter – und das Foul danach steht für sich. Keine Fehlentscheidung beim Strafstoß selbst. Für mich in der Gesamtszene zwei richtige Entscheidungen. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]

Szene 11: Nach einer Flanke von der rechten Seite fliegt der Ball halblinks in den Strafraum. Christian Kinsombi köpft aus kurzer Distanz in Richtung Tor. Der Ball prallt Michael Kostka an den Arm. Schiedsrichter Martin Wilke entscheidet sofort auf Handspiel und pfeift Elfmeter für Rostock. Eine Fehlentscheidung, es liegt kein strafwürdiges Handspiel vor. Der Arm von Kostka ist in einer natürlichen Haltung (nicht unnatürlich vergrößert), der Ball kommt aus kürzester Distanz (keine Zeit zur Reaktion), und es gibt keine absichtliche Handbewegung. Nach aktueller Regel ist das Handspiel nur strafbar, wenn der Arm unnatürlich positioniert ist oder aktiv vergrößert wird hätte kein Elfmeter gegeben werden dürfen – stattdessen Weiterspielen. [TV-Bilder – ab 04:25 Minuten]

Erzgebirge Aue – VfL Osnabrück 1:3 (SR: Justin Hasmann)

Szene 12: Frederik Christensen schießt aus der zweiten Reihe aus spitzem Winkel in Richtung Aue-Tor. Der Ball prallt Pascal Fallmann im eigenen Strafraum an den Arm. Osnabrück fordert lautstark Elfmeter, da sie ein klares Handspiel sahen. Schiedsrichter Justin Hasmann winkt sofort ab – kein Elfmeter. Fallmann grätscht zum Ball und macht sich lang auf dem Boden – der Arm ist dabei ausgestreckt, aber in einer natürlichen Haltung (Stützarm beim Abwehrversuch, keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche). Der Arm wird nicht aktiv zur Ballabwehr eingesetzt oder vergrößert. Nach aktueller Handspiel-Regel kein strafbares Handspiel bei natürlicher Position, kurzer Distanz und ohne Vergrößerung liegt kein strafwürdiges Vergehen vor. Hasmanns Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, ist regelkonform und korrekt. [TV-Bilder – ab 01:50 Minuten]

Szene 13: Im Mittelfeld setzt sich Kai Pröger gegen Marvin Stefaniak durch. Pröger nutzt dabei seinen Arm, um sich durchzusetzen. Aue-Spieler reklamierten ein Foul fordern Freistoß. Schiedsrichter Justin Hasman lässt das Spiel weiterlaufen. Aus dem direkt anschließenden Angriff fällt das 3:1 für Osnabrück durch Robin Meißner. Für mich ist der Zweikampf regelgerecht: Prögers Arm wird nicht als Werkzeug oder Waffe eingesetzt (kein absichtliches Schlagen, Schieben oder übermäßiges Foul – typischer Körperkontakt im Duell, um den Ball zu behaupten. Kein Verstoß gegen Regel 12 – der Arm ist in einer natürlichen Bewegung, kein überhartes oder gefährliches Einsteigen. Hasmanns Entscheidung, weiterlaufen zu lassen, ist korrekt und unstrittig. [TV-Bilder – ab 03:55 Minuten]

TSG Hoffenheim II – TSV 1860 München 1:3 (Jonah Besong)

Szene 14: Nach einem Eckball für 1860 München geraten Philipp Maier und Luca Erlein aneinander. Maier hielt Erlein von hinten am Trikot, um ihn zu behindern. Erlein dreht sich um und revanchiert sich mit einem leichten Schubser gegen die Brust von Maier. Maier geht theatralisch zu Boden und fasst sich ins Gesicht. Schiedsrichter Jonah Besong (Duisburg) wertet den Schubser von Erlein sofort als Tätlichkeit und zückt ohne Zögern die Glatt-Rote Karte für Erlein. Beide Handlungen sind aber lediglich Unsportlichkeiten. Der Schubser ist leicht gegen die Brust und eine direkte Reaktion auf das Festhalten  von Maier. Besong liegt deshalb falsch: Das leichte Schubsen als Tätlichkeit zu werten und Rot zu geben, ist eine klare Fehlentscheidung – beide Spieler hätten maximal Gelb sehen müssen. [TV-Bilder – 03:20 Minuten]

Szene 15: Yannik Lührs schießt aus der zweiten Reihe in Richtung 1860-Tor. Der Ball prallt Max Reinthal im eigenen Strafraum an den Arm. 1860 reklamiert Handspiel und fordern Elfmeter, Besong winkt sofort ab – kein Elfmeter. Reinthalers Arm ist in einer natürlichen Haltung (nicht unnatürlich vergrößert, keine absichtliche Vergrößerung der Körperfläche, typischer Abwehrreflex beim Blocken eines Schusses aus kurzer Distanz). Der Ball kommt schnell und aus nächster Nähe – keine Zeit für bewusste Handbewegung. Nach aktueller Handspiel-Regel (kein strafbares Handspiel bei natürlicher Position, kurzer Distanz und ohne aktive Vergrößerung) liegt kein strafwürdiges Vergehen vor. Jonah Besongs Entscheidung, weiterlaufen zu lassen, ist regelkonform und korrekt. [TV-Bilder – ab 01:59:05 Minuten]

Szene 16: Nach einer Phase, in der Hoffenheim II in Unterzahl drückt und versucht, den Ausgleich zu erzwingen. Thore Jacobsen spielt einen Pass in die Tiefe, Justin Steinkötter nimmt den Ball auf, setzt sich durch und trifft zum vermeintlichen 3:1. Schiedsrichter Besong entscheidet sofort auf Abseits – der Treffer wird nicht gegeben, Tor zählt nicht. Aus der verfügbaren TV-Kameraperspektive bei Magenta Sport ist nicht zweifelsfrei erkennbar, ob Steinkötter zum Zeitpunkt des Passes von Jacobsen tatsächlich in einer Abseitsposition stand oder ob ein Hoffenheimer Abwehrspieler die Linie aufhebt. [TV-Bilder – ab 02:02:20 Minuten]

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