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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 29. Spieltag | 3. Liga

Ein wirklich sehr guter Spieltag in der 3. Liga ging zu Ende und es gab nur wenig bis kaum Diskussionen über die Schiedsrichter nach den Spielen. Natürlich gab es wie jeden Spieltag ein paar kleinere Fehlentscheidungen, aber Totalausfälle oder Szenen wie jetzt in Liga 1 und 2, die zu einer riesen Frustration führten, gab es nicht. Nur ein sehr kurioser Platzverweis in Stuttgart führte zu großer Aufregung. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Assad Nouhoum:

Auf dem ersten Platz haben wir diesmal aus Bayern Assad Nouhoum der sich den Weg nach NRW zu der Partie Essen – Aue aufnahm. Nach ein paar unterdurchschnittlichen Spielleitungen zuvor von Nouhoum kam er in Essen zu gewohnter Stärke zurück und legte eine souveräne Spielleitung ab! Anders wie in seinen vorherigen Spielen legte er diesmal viel Wert auf die Kommunikation mit den Spielern, welches automatisch mehr Ruhe ausstrahlte und er somit mehr Kontrolle im Spiel erhielt.

Platz 🥈 – Felix Grund:

Auf dem zweiten Platz haben wir mittlerweile den mit souveränsten Schiedsrichter in Liga 3 mit Felix Grund aus Bayern, der gefühlt immer in der Top 3 zu finden ist. Dies hat natürlich seine Gründe, denn er war am Samstagnachmittag bei der Partie Osnabrück – Mannheim im Einsatz und lieferte erneut eine ruhige, kommunikative und übersichtliche Spielleitung ab. Mittlerweile darf man bei Felix Grund auch ins Grübeln kommen, ob er ein Kandidat für den Aufstieg in Liga 2 ist. Denn in allen 10 Partien dieser Saison stand er nie im Fokus und war stets souverän. Auch in Osnabrück sprechen wir ihm ein großes Lob aus!

Platz 🥉 – Sebastian Hilsberg:

Auf dem dritten Platz haben wir diesmal den jungen Schiedsrichter Sebastian Hilsberg der beim Topspiel Samstag zwischen 1860 München – Wehen Wiesbaden die Leitung übernahm. Wir haben uns bewusst für Hilsberg in der Top 3 trotz einiger Kritik entschieden, da er gleich in mehreren kniffligen Situationen unserer Meinung nach die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Selten gab es eine Spielleitung wo ein Schiedsrichter so viele enge Entscheidungen auf dem Platz treffen musste – und richtig lag. So unter anderem bei der möglichen Notbremse an Haugen, wo Hilsberg zurecht unserer Meinung nach auf weiterspielen entschied. Kleinere Zweikampfentscheidungen wurden 2-3 mal falsch bewertet, aber die großen und spielentscheidenen Szenen allesamt richtig. Einzig zu kritisieren ist die fehlende Gelbe Karte an Haugen in Minute 83 nach der Schwalbe. Die weiteren Szenen sind auch zufinden in der Analyse!

TSV 1860 München – Wehen Wiesbaden 0:0 (SR: Sebastian Hilsberg)

Szene 1: In der 8. Minute wurde Sigurd Haugen steil in die Tiefe geschickt und kam kurz vor dem Strafraum zu Fall. Er reklamierte lautstark auf ein Foul, aber Schiedsrichter Sebastian Hilsberg ließ sofort weiterspielen. Es handelt sich um einen typischen Zweikampf im Grenzbereich vor dem Strafraum. Beide Spieler sind mit den Armen aktiv. Solche leichten Berührungen oder gegenseitigen Behinderungen mit den Armen sind in der modernen Auslegung der Fußballregeln kein strafbares Foul, solange kein klarer, übermäßiger oder einseitiger Stoß/Rempler vorliegt. [TV-Bilder – ab 22:34 Minuten]

Szene 2: Haugen wird von Wiesbadens 24 vermeintlich getroffen und reklamiert. Es ist aber außerhalb und es ist kein Kontaakt zu erkennen. Hilsberg ließ zu recht weiterlaufen. Nach IFAB-Regeln braucht es für ein Foul einen sichtbaren, klaren Kontakt oder eine eindeutige Behinderung. Wenn nichts davon da ist und der Stürmer einfach wegkippt oder übertreibt, ist „Play on“ Pflicht – genau das hat Hilsberg sofort umgesetzt. Kein Elfmeter, weil es nicht mal ansatzweise eine Strafraumszene war. Allerdings muss  er ihm die gelbe Karte zeigen. Die Schwalbe erkennt er richtig, nur die Karte hat er vergessen. TV-Bilder – ab 02:45 Minuten]

Szene 3: Jordy Gillekens lief bei einer Ecke der Gäste ein, ging im Gewühl im Strafraum zu Boden und forderte lautstark einen Strafstoß. Schiedsrichter Sebastian Hilsberg ließ sofort weiterspielen. Es handelt sich um ein kurzes Halten oder Schieben im typischen Eckball-Chaos – Arme, Körperkontakt, leichte Behinderung, aber kein klares, übermäßiges Foul (kein Ziehen am Trikot über längere Zeit, kein Umreißen mit beiden Händen, kein Schlag etc.). Nach den IFAB-Richtlinien und den DFB-Auslegungen seit 2022/23 gilt im Strafraum bei Standardsituationen: Nur signifikante, einseitige und regelwidrige Behinderung führt zu Elfmeter. Leichtes Werkeln, gegenseitiges Schieben oder kurzes Festhalten wird bewusst nicht gepfiffen, um das Spiel nicht künstlich zu unterbrechen und Simulationen/Übertreibungen zu vermeiden. [TV-Bilder – ab 02:15 Minuten]

Szene 4: Auch in der 72. Minute blieb er bei seiner konsequenten großzügigen Linie, als erneut der sehr agile Sebastian Haugen in den Strafraum eindrang und bei einer ballbezogenen Grätsche leicht am Fuß getroffen wurde. Auch hier für mich alles in Ordnung. [TV-Bilder – ab 01:42:14 Minuten]

TSV Havelse – Viktoria Köln 3:2 (SR: Yannick Sager)

Szene 6: Düker traf am linken Strafraumeck den ausgestreckten Arm von Sponsel. Schiedsrichter Sag gab Elfmeter. Das ist klarer Handball-Kontakt am ausgestreckten Arm → das ist ein „no-brainer“ in der modernen Auslegung: Arm weg vom Körper → strafbar im Strafraum. [TV-Bilder – ab 03:35 Minuten]

Hansa Rostock – MSV Duisburg 5:1 (SR: Christian Ballweg)

Szene 7: Maximilian Krauß drang in den Strafraum ein ein, wollte die Kugel nach innen legen und reklamiert lautstark einen Elfmeter, weil ein Duisburger Arm im Weg ist – Schiedsrichter Ballweg gab keinen Handelfmeter. Nach aktueller IFAB-Regel: Ein Arm, der am Körper angelegt ist (also natürlich positioniert, nicht weg vom Körper), macht kein strafbares Handspiel, selbst wenn der Ball trifft. Nur wenn der Arm unnatürlich abgespreizt ist, den Körper vergrößert oder aktiv blockt. Hier ist der Arm aber am Körper angelegt – genau das ist der entscheidende Punkt! Keine Vergrößerung der Silhouette, kein bewusster Block mit ausgestrecktem Arm. [TV-Bilder  – ab 01:00:13 Minuten]

Szene 8: Im Zweikampf mit Symalla  hat der Gegenspieler kurz die Hand auf der Schulter von Krauß – leichter Kontakt, vielleicht ein kleiner Schubs oder Halten. Krauß fällt im Strafraum und reklamiert Elfmeter. Schiri pfeift nicht – Play on. Es ist nur ein kurzes, leichtes Halten/Schieben mit der Hand auf der Schulter – kein klares Umreißen, kein Ziehen am Trikot über längere Zeit, kein Schlag oder Bein-Foul. Zumal hier der Rostocker mit seinem Oberkörper nach vorne ging. In der aktuellen Auslegung gilt bei solchen Duellen im Strafraum: Leichte, gegenseitige Behinderung oder Hand auf der Schulter“ im Laufduell wird bewusst nicht als strafbares Foul gepfiffen, besonders wenn der Angreifer übertreibt oder der Kontakt minimal ist. Nur signifikante, einseitige Behinderung (z. B. klares Ziehen, das den Lauf stoppt) → Elfmeter. [TV-Bilder – ab 01:36:30 Minuten]

Szene 9: Maximilien Krauß zog mit Tempo in den Strafraum, Symalla setzte nach, es kam zu Körperkontakt – dabei ein Fußkontakt (Bein/Tackle-Versuch), der außerhalb der Strafraumlinie stattfand. Dieser Fußkontakt ist die ursächliche Behinderung → Krauß verlor dadurch das Gleichgewicht oder wurde leicht abgelenkt. Der ursächliche Kontakt (Fuß/Bein) liegt außerhalb → kein Strafraum-Foul, selbst wenn es ein klares Foul gewesen wäre, würde es höchstens Freistoß außerhalb geben. Das Schieben mit beiden Händen im Strafraum ist sekundär/nicht ursächlich – es behindert Krauß nicht entscheidend (er fällt nicht primär dadurch), und es ist kein übermäßiges, einseitiges Umreißen/Ziehen. In der IFAB/DfB-Auslegung wird bei solchen Kettenreaktionen (erstes Foul außerhalb → zweiter Kontakt drin) der kausale Auslöser entscheidend bewertet: Wenn der Fall durch den außerhalb liegenden Kontakt verursacht wird, pfeift man keinen Elfmeter. [TV-Bilder – ab 01:26:23 Minuten]

Szene 10: Felix Ruschke dringt in den Strafraum ein, er kam touchiert von Symalla zu Fall – leichter Körperkontakt im Zweikampf. Es ist ein typischer Zweikampf im Strafraum: Schulter-an-Schulter, leichter Touch/Körperkontakt beim Versuch, den Ball zu behaupten oder abzudrängen – kein klares Umreißen, kein Bein drin, kein übermäßiges Schieben/Ziehen. In der aktuellen IFAB/DfB-Auslegung gilt: Normaler, gegenseitiger Körpereinsatz (auch mit leichtem Schieben oder Berührung) wird bewusst nicht als Foul gewertet, solange es fair bleibt und nicht einseitig behindernd oder brutal ist. Stürmer fallen oft in solchen Duellen, aber wenn der Kontakt minimal ist → Play on, um Spielfluss zu halten und Übertreibungen nicht zu belohnen [TV-Bilder – ab 02:03:18 Minuten]

Alemannia Aachen – Energie Cottbus 4:1 (SR: Cristian Ballweg)

Szene 11: Joel da Silva sah nah knapp einer halben Stunde die gelbe Karte. Die hatte aber schon einen roten Touch. Hier bräuchte man noch Bilder von der Seite. Mit offenen Sohle trifft er ihn und bei der Intensität ist die Wahrscheinlichkeit einer roten Karte richt hoch. Allein in dem Tempo, der Intensität mit offener Sohle so in den Zweikampf zu gehen, ist für mich Rot die bessere Entscheidung. [TV-Bilder – ab 01:03:00 Minuten]

Szene 12: Moustfa sucht edas 1-gegen-1 gegen Nadjombe. Er drang ein und kam im Sechzehner zu Fall – leichter Körperkontakt, Schulter-an-Schulter oder ein minimaler Touch beim Versuch, den Ball zu behaupten. Kein klares Foul: Kein Bein drin, kein Umreißen, kein Trikot-Ziehen – maximal normales körperliches Duell im Tempo. Der Spieler fällt auch so, dass er den unbedingt haben will. In der aktuellen IFAB/DfB-Auslegung wird genau das berücksichtigt: Wenn der Fall übertrieben wirkt und der Kontakt minimal ist, pfeift man nicht, um Belohnung für Schwalben zu vermeiden und Spielfluss zu halten. [TV-Bilder – ab 02:00:25 Minuten]

VfB Stuttgart II – TSG Hoffenheim II 1:0 (SR: Timo Gansloweit)

Szene 13: Valentin Lässig wollte nach einer Ecke die Kugel aus dem Sechzehner klären/schlagen. Mirza Catovic hält den Fuß rein und trifft klar Lässig am Bein statt den Ball zu spielen. Direkter Kontakt am Gegenspieler, ohne Ballberührung. Gansloweit pfeift sofort Foul und zeigt auf den Elfmeter-Punkt für Stuttgart. Unstrittig! Catovic spielt nicht den Ball, sondern trifft den Gegenspieler direkt und klar – das ist reckless/careless Tackle mit Kontakt Wenn der Tackle den Spieler trifft statt den Ball, und es im Strafraum passiert → strafbares Foul, Elfmeter. [TV-Bilder – ab 01:15 Minuten]

Szene 14: Kurz vor Schluss eine der kuriosesten und hochumstrittensten Entscheidungen. Abseits des laufenden Geschehens bei einem Einwurf liegt ein zweiter Ball auf dem Feld. Yannis Hör schießt diesen Ball weg vom Feld Richtung VfB-Bank, um ihn aus dem Spiel zu nehmen. Der Ball trifft dabei einen VfB-Betreuer am Kopf (keine schwere Verletzung, aber schmerzhaft und sichtbar). Schiedsrichter Timo Gansloweit wertet das als Absicht (unsportliches Verhalten mit Gefährdung einer Person) und zeigt sofort Rot.Diese Entscheidung ist viel zu hart. Kein harter Schuss den er nur vom feld kriegen wollte und traf dabei eine Person. Hör wollte den Ball nur vom Feld kriegen – ein normaler Reflex in der Hektik der Nachspielzeit, um den Spielfluss wiederherzustellen. Kein harter, gezielter Schuss auf Personen (kein „Abschuss“ Richtung Bank als Provokation). Der Treffer am Betreuer war unglücklich/unbeabsichtigt – der Ball flog nicht mit voller Wucht, sondern eher als normaler Klärversuch. Hier hätte Gansloweit eine Ermahnung machen sollen, die rote Karte eine Fehlentscheidung! [TV-Bilder – ab 04:30 Minuten]

SSV Ulm – FC Ingolstadt 1:3 (SR: Konrad Oldhafer)

Szene 15: Röser schließt ab und trifft den Arm des am Boden liegenden Maljojokis. Das ist Stützarm oder stützarmähnlich. Ein klassischer Grenzfall bei Handball-Entscheidungen im Strafraum – und genau das scheint in der Szene mit Maljojokis zu sein, wo Röser nach dem geblockten Schuss Elfmeter fordert. Wenn ein Spieler zu Boden geht (Grätsche, Rutschen, Fallen) und der Arm als Stütze dient (also zwischen Körper und Rasen liegt), ist eine Ballberührung dort meist kein Handball-Verstoß – auch nicht im Strafraum. Das ist explizit in den IFAB-Clarifications und DFB-Auslegungen als Ausnahme geregelt, um nicht jeden Sturz/Block zu bestrafen. Nur wenn der Arm aktiv weg vom Körper ist oder der Spieler den Ball „boxt/schiebt“ → Elfmeter möglich. [TV-Bilder – ab 0:55 Minuten]

 

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