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Ferhat Gündoğdu, der Präsident des Zentralen Schiedsrichterausschusses (MHK) des türkischen Fußballverbandes (TFF) ist von der Polizei festgenommen.

Schiedsrichter-Skandal in der Türkei: MHK-Chef Gündoğdu festgenommen

Der türkische Fußball wird von einer neuen Affäre erschüttert. Bei Ermittlungen wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Mobbing wurden sieben Personen in Polizeigewahrsam genommen. Unter ihnen befindet sich mit Ferhat Gündoğdu ausgerechnet der Vorsitzende des zentralen Schiedsrichterkomitees MHK. Die Vorwürfe reichen von Eingriffen in Schiedsrichter-Einstufungen und Ansetzungen bis hin zur Manipulation von Prüfungen.

Es sind schwere Vorwürfe, die das türkische Schiedsrichterwesen erschüttern. Am Dienstagmorgen gingen die Ermittlungsbehörden in mehreren Provinzen gegen Verantwortliche und frühere Funktionäre vor. Im Mittelpunkt steht dabei Ferhat Gündoğdu, Vorsitzender des Merkez Hakem Kurulu (MHK) und damit einer der mächtigsten Männer im türkischen Schiedsrichterwesen.

Insgesamt wurden sieben Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Istanbul geführt.

Ermittlungen wegen Urkundenfälschung und Mobbing

Ausgangspunkt des Verfahrens waren nach Angaben der türkischen Behörden Aussagen von Betroffenen und Zeugen. Im weiteren Verlauf wurden unter anderem Sachverständigengutachten sowie Telefon- und Finanzdaten ausgewertet.

Dabei gerieten Vorgänge innerhalb des türkischen Schiedsrichterwesens zunehmend ins Visier der Ermittler.

Im Raum stehen unter anderem die Vorwürfe „Urkundenfälschung“ und „Mobbing“. Doch dahinter verbirgt sich eine ganze Reihe mutmaßlicher Eingriffe in die Karriere und Bewertung türkischer Unparteiischer.

Wurden Schiedsrichter gezielt aussortiert?

Besonders brisant sind die Ermittlungen rund um die Einstufung und Einteilung von Schiedsrichtern.

Nach den bislang veröffentlichten Informationen wird untersucht, ob einzelne Unparteiische ohne nachvollziehbare sportliche Begründung aus bestimmten Leistungsklassen entfernt, bei Ansetzungen übergangen oder auf andere Weise systematisch benachteiligt wurden.

Umgekehrt steht der Verdacht im Raum, dass andere Schiedsrichter bevorzugt behandelt worden sein könnten.

Damit geht es längst nicht mehr nur um einzelne strittige Entscheidungen auf dem Platz. Die Ermittler beschäftigen sich mit der Frage, ob Bewertungen, Einstufungen und Ansetzungen innerhalb des türkischen Schiedsrichterwesens gezielt beeinflusst worden sein könnten.

Schiedsrichterlisten nachträglich verändert?

Ein weiterer Teil der Ermittlungen betrifft Schiedsrichter- und Beobachterlisten aus den Jahren 2022 und 2024. Hier soll geprüft werden, ob Dokumente nachträglich verändert wurden.

Auch eine im Jahr 2025 in Riva durchgeführte Regelprüfung steht im Fokus. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden besteht der Verdacht, dass dort Prüfungsfragen, Bewertungen und sogar Ergebnisse einzelner Schiedsrichter verändert worden sein könnten.

Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, würde die Affäre damit einen besonders sensiblen Bereich treffen. Denn Einstufungen, Beobachtungen und Prüfungen entscheiden letztlich darüber, welche Schiedsrichter aufsteigen, in welchen Spielklassen sie eingesetzt werden und welche Perspektiven sie innerhalb des Systems besitzen.

Sieben Verdächtige in Polizeigewahrsam

Im Rahmen zeitgleicher Einsätze in vier Provinzen wurden insgesamt sieben Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen.

Neben MHK-Chef Gündoğdu befinden sich darunter weitere Personen aus dem türkischen Schiedsrichterwesen. Durchsucht wurden Wohnungen, Arbeitsplätze und Büros. Auch Räumlichkeiten einer Schiedsrichter- und Beobachtervereinigung in Istanbul waren Teil der Maßnahmen.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Ob und in welchem Umfang sich die erhobenen Vorwürfe bestätigen, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen.

Ausgerechnet der Schiedsrichter-Boss

Besonders schwer wiegt die Affäre durch die Position Gündoğdus. Als Vorsitzender des MHK steht er an der Spitze des Gremiums, das maßgeblich für die Organisation und Entwicklung des türkischen Schiedsrichterwesens verantwortlich ist.

Noch vor wenigen Wochen trat Gündoğdu beim Sommerseminar der türkischen Spitzen-Schiedsrichter öffentlich auf. Dort betonte er die Bedeutung gemeinsamer Standards, objektiver Saisonanalysen und der Weiterentwicklung der Unparteiischen.

Nun steht der MHK-Chef selbst im Zentrum einer strafrechtlichen Untersuchung.

Türkischer Fußball erneut vor Vertrauensfrage

Die Affäre trifft den türkischen Fußball an einer besonders empfindlichen Stelle. Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen und die Arbeit des MHK gehören seit Jahren zum Alltag in der Süper Lig. Auch Gündoğdu persönlich stand zuletzt massiv in der Kritik.

Nun geht es allerdings nicht um einen nicht gegebenen Elfmeter oder einen umstrittenen VAR-Eingriff, sondern um die Strukturen hinter den Schiedsrichterentscheidungen.

Sollte sich bestätigen, dass tatsächlich Einfluss auf Einstufungen, Bewertungen, Prüfungen oder Ansetzungen genommen wurde, wäre der Schaden für das Vertrauen in das türkische Schiedsrichterwesen erheblich.

Justizminister kündigt Aufklärung an

Der türkische Justizminister Akın Gürlek erklärte im Zusammenhang mit den Ermittlungen, dass Vorwürfe, die das Vertrauen in den Fußball beschädigen könnten, umfassend untersucht würden.

Fairer Wettbewerb sowie transparente und unparteiische Prozesse im Schiedsrichterwesen seien eine wesentliche Grundlage für das Vertrauen in den Sport. Niemand dürfe aufgrund seiner Position oder Funktion bevorzugt behandelt werden.

Wie es mit Gündoğdu und den übrigen Verdächtigen weitergeht, hängt nun vom Fortgang der Ermittlungen ab. Schon jetzt aber steht fest: Die Türkei hat einen Schiedsrichter-Skandal, der weit über die nächste strittige Entscheidung auf dem Platz hinausgeht.

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