Erst Vladimir Šajn, jetzt Vítor Manuel de Melo Pereira: Sven Jablonski steht erneut unter der Beobachtung einer renommierten UEFA-Persönlichkeit. Mit dem Champions-League-Kracher zwischen Manchester City und Paris Saint-Germain wartet am Mittwochabend eine weitere große Herausforderung auf den 36-jährigen Deutschen. Zugleich stellt sich mit Blick auf die Europameisterschaft 2028 eine spannende Frage: Setzt die UEFA noch einmal auf Felix Zwayer oder schlägt bereits die Stunde für Daniel Siebert und Sven Jablonski?
Große Bühne für Sven Jablonski
Wenn am Mittwochabend Manchester City und Paris Saint-Germain im Etihad Stadium aufeinandertreffen, steht auch ein deutscher Schiedsrichter besonders im Mittelpunkt. Sven Jablonski wurde von der UEFA für diese hochkarätige Champions-League-Begegnung angesetzt.
Unterstützt wird der Bremer von seinen Assistenten Eduard Beitinger und Christian Dietz. Tobias Reichel übernimmt die Aufgabe des Vierten Offiziellen, während Bastian Dankert und Sören Storks für die Video-Unterstützung verantwortlich sind.
Für Jablonski ist diese Ansetzung eine besondere Auszeichnung. Zwei europäische Spitzenmannschaften, zahlreiche internationale Stars und ein Spiel mit entsprechend hoher Aufmerksamkeit verlangen einem Schiedsrichter einiges ab.
Dabei geht es nicht allein um die korrekte Bewertung einzelner Zweikämpfe. Gerade in solchen Begegnungen sind Persönlichkeit, Kommunikation, Spielverständnis und ein souveräner Umgang mit emotionalen Situationen gefragt.
Erst Šajn, jetzt Pereira: Zwei Beobachter mit großem Namen
Besonders interessant ist ein Blick auf die UEFA-Schiedsrichterbeobachter.
Bereits bei seinem vorherigen internationalen Einsatz wurde Jablonski von Vladimir Šajn beobachtet, einer erfahrenen Persönlichkeit des europäischen Schiedsrichterwesens.
Nun übernimmt mit Vítor Manuel de Melo Pereira ein weiterer hochkarätiger Beobachter diese Aufgabe.
Der Portugiese leitete während seiner aktiven Karriere Spiele bei den Weltmeisterschaften 1998 und 2002 sowie bei der Europameisterschaft 2000. Zu seinen bedeutendsten Einsätzen zählt das UEFA-Pokal-Finale 2002 zwischen Feyenoord Rotterdam und Borussia Dortmund.
Später war Pereira auch in der UEFA-Schiedsrichterkommission tätig und übernahm Führungsaufgaben im internationalen Schiedsrichterwesen.
Dass Jablonski bei zwei aufeinanderfolgenden internationalen Einsätzen von derart erfahrenen Beobachtern beurteilt wird, ist bemerkenswert.
Natürlich bedeutet dies nicht automatisch, dass die UEFA bereits eine bestimmte Karriereentscheidung getroffen hat. Beobachter werden regulär für internationale Begegnungen eingeteilt. Dennoch bieten solche Spiele die Gelegenheit, sich vor Persönlichkeiten zu beweisen, die die Anforderungen des europäischen Spitzenfußballs genau kennen.
Tobias Stieler macht den Weg frei
Zusätzliche Brisanz erhält die Entwicklung durch den angekündigten Rückzug von Tobias Stieler aus dem internationalen Schiedsrichtergeschäft.
Der 45-Jährige wird zum Jahresende 2026 freiwillig die FIFA-Liste verlassen. Seine Bundesliga-Karriere setzt er dagegen fort.
Damit endet eine zwölfjährige internationale Laufbahn, in der Stieler zahlreiche Begegnungen in der Champions League, Europa League und weiteren UEFA-Wettbewerben leitete.
Mit seinem Abschied verliert Deutschland einen erfahrenen Vertreter der UEFA-Elite-Kategorie. Gleichzeitig entsteht Raum für die nächste Generation.
Für die Europameisterschaft 2028 ist Stieler damit kein Kandidat mehr.
Umso interessanter wird die Frage, welche deutschen Schiedsrichter die UEFA in den kommenden beiden Jahren für die ganz großen Aufgaben berücksichtigt.
Felix Zwayer: Noch ein letztes großes Turnier?
Felix Zwayer gehört seit Jahren zu den international etablierten deutschen Spitzenschiedsrichtern.
Bei der Europameisterschaft 2024 kam er ebenso zum Einsatz wie bei der Weltmeisterschaft 2026. Auch das Europa-League-Finale 2025 gehörte zu seinen bedeutenden internationalen Ansetzungen.
Mit Blick auf die EM 2028 stellt sich allerdings eine interessante Frage.
Zwayer wäre zum Zeitpunkt des Turniers 47 Jahre alt. Sein Alter allein schließt eine weitere Nominierung nicht aus. Die UEFA berücksichtigt neben der körperlichen Leistungsfähigkeit insbesondere die Qualität der Spielleitungen, internationale Erfahrung und die Entwicklung ihrer Schiedsrichter.
Dennoch könnte die EM 2028 für Zwayer eine letzte Gelegenheit darstellen, noch einmal an einem großen europäischen Nationalmannschaftsturnier teilzunehmen.
Ob die UEFA weiterhin auf seine Erfahrung setzt oder verstärkt jüngere Schiedsrichter berücksichtigt, bleibt abzuwarten.
Daniel Siebert: Deutschlands Nummer eins mit besten EM-Perspektiven
Daniel Siebert hat sich in den vergangenen Jahren als einer der führenden Schiedsrichter Europas etabliert. Spätestens mit der Leitung des Champions-League-Finales 2026 unterstrich der Berliner seine herausragende Stellung im internationalen Schiedsrichterwesen.
Der 42-Jährige verfügt zudem über Erfahrung bei den Europameisterschaften 2021 und 2024 sowie bei der Weltmeisterschaft 2022. Auch wenn er für die WM 2026 nicht berücksichtigt wurde, ändert dies wenig an seinen internationalen Referenzen.
Mit Blick auf die Europameisterschaft 2028 dürfte Siebert aus deutscher Sicht zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehören. Dann wäre er 44 Jahre alt und würde sowohl die notwendige Erfahrung als auch die Routine für ein weiteres großes Turnier mitbringen.
Die spannendere Frage ist deshalb weniger, ob Siebert eine weitere EM-Chance erhält, sondern vielmehr, wer ihn aus deutscher Sicht begleiten könnte: Felix Zwayer mit seiner langjährigen internationalen Erfahrung oder Sven Jablonski, der sich zunehmend für die ganz großen Aufgaben empfiehlt?
Sven Jablonski: Die nächste Generation klopft an
Und dann ist da Sven Jablonski.
Mit 36 Jahren gehört er zu den jüngeren deutschen Schiedsrichtern auf internationalem Spitzenniveau. Seit 2022 steht er auf der FIFA-Liste und hat sich inzwischen bis in die UEFA-Elite-Kategorie vorgearbeitet.
Seine Entwicklung verlief in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben. Nach anspruchsvollen internationalen Begegnungen und der Leitung des DFB-Pokalfinales 2026 erhält er nun weitere hochkarätige Champions-League-Ansetzungen.
Das Duell zwischen Manchester City und Paris Saint-Germain ist dabei ein weiterer wichtiger Prüfstein.
Jablonski wäre bei der Europameisterschaft 2028 erst 38 Jahre alt. Er könnte damit nicht nur für dieses Turnier, sondern auch für die Jahre danach eine wichtige Rolle im deutschen Schiedsrichterwesen spielen.
Gerade darin liegt seine Perspektive.
Während Zwayer und Siebert bereits über große Turniererfahrung verfügen, steht Jablonski noch am Anfang seiner möglichen Karriere bei internationalen Endrunden.
Die UEFA hat in der Vergangenheit immer wieder Schiedsrichter über anspruchsvolle Vereinswettbewerbe an größere Aufgaben herangeführt. Ob Jablonski diesen Weg bis zur EM 2028 fortsetzen kann, hängt maßgeblich von seinen weiteren Leistungen ab.
Muss sich die UEFA überhaupt entscheiden?
Eine wichtige Frage darf bei der Diskussion nicht übersehen werden: Deutschland muss bei der Europameisterschaft 2028 keineswegs nur einen Schiedsrichter stellen.
Schon bei der EM 2024 waren mit Felix Zwayer und Daniel Siebert zwei deutsche Hauptschiedsrichter vertreten.
Es ist deshalb durchaus denkbar, dass auch 2028 zwei deutsche Unparteiische berücksichtigt werden.
Allerdings gibt es dafür keine Garantie. Die UEFA trifft ihre Auswahl aus dem gesamten europäischen Schiedsrichterpool. Neben der individuellen Leistung spielen auch die Zusammensetzung des Turnierkaders und die internationale Entwicklung der Kandidaten eine Rolle.
Es könnte also nicht nur um die Frage Zwayer oder Siebert oder Jablonski gehen, sondern auch darum, welche Kombination die UEFA für sinnvoll hält.
Fazit: Wer vertritt Deutschland bei der EM 2028?
Noch sind es rund anderthalb Jahre bis zur Europameisterschaft 2028. Doch die Weichen für die Nominierung der internationalen Spitzenschiedsrichter werden bereits jetzt gestellt.
Mit dem angekündigten internationalen Abschied von Tobias Stieler zum Jahresende 2026 verändert sich die Ausgangslage im deutschen Schiedsrichterwesen. Daniel Siebert dürfte nach seinen herausragenden internationalen Leistungen und der Leitung des Champions-League-Finales 2026 derzeit die besten Karten für eine EM-Nominierung besitzen.
Spannender ist die Frage, wer ihm möglicherweise folgen könnte. Erhält der dann 47-jährige Felix Zwayer noch einmal die Gelegenheit, an einem großen Turnier teilzunehmen, oder gelingt Sven Jablonski der nächste Karriereschritt?
Dass Jablonski zuletzt von Vladimir Šajn und nun von Vítor Manuel de Melo Pereira beobachtet wird, macht seine Entwicklung besonders interessant. Daraus lässt sich zwar keine konkrete Nominierungsabsicht der UEFA ableiten, doch seine zunehmend hochkarätigen Ansetzungen zeigen, welches Vertrauen ihm inzwischen entgegengebracht wird.
Ob Deutschland wie bei der EM 2024 erneut zwei Hauptschiedsrichter stellen darf, bleibt offen. Sollte dies der Fall sein, könnte sich bis 2028 ein spannender Konkurrenzkampf um den zweiten Platz entwickeln.
Für Sven Jablonski bietet sich mit Manchester City gegen Paris Saint-Germain die nächste große Gelegenheit, seine internationale Klasse unter Beweis zu stellen. Vielleicht werden wir in knapp zwei Jahren genau auf solche Spiele zurückblicken, wenn die UEFA ihre Schiedsrichter für die EM 2028 nominiert.
