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Eine Einordnung des Gräfe-Artikels im kicker

Manuel Gräfe, „Saubermann im deutschen Schiedsrichterwesen“, hat dem KICKER, unmittelbar nach dem Saisonende, als Dauerkritiker eine sehr umfangreiche Sachstandsübersicht geliefert.

Das Interview ist geprägt von allen Facetten. Zu Wahrheiten und Halbwahrheiten kommen eine Vielzahl von Unwahrheiten. Daneben geht es ihm um Klarstellungen in eigener Sache.

Natürlich ist seine Kritik vor allem auf die Zeit des Schiedsrichter-Ausschussvorsitzenden Lutz-Michael Fröhlich gerichtet, der sein Amt in wenigen Wochen an Knut Kircher übergeben wird. Dabei spricht Gräfe von den nach seiner Meinung vielen Fehlentwicklungen, die dem Fußball nachhaltig schaden. Das betrifft die Förderung der falschen Leute. Unter Fröhlichs Vorgänger Volker Roth sei bis 2010 alles viel besser gelaufen. Ein bekanntes und bereits überproportional strapaziertes Thema, auf das nicht noch einmal näher eingegangen werden soll.

Im Gegensatz zur vorherigen Ära Roth bis 2010,  fehle es dem derzeitigen Schiedsrichterausschuss an einem nachvollziehbar und leistungsgerechten in die Zukunft orientierten Plan. Zugegeben vertritt Gräfe diese Auffassung nicht allein. Die zur EM 2024 nominierten Felix Zwayer und Daniel Siebert – wie Gräfe aus Berlin – sind für ihn keinesfalls die richtige Wahl. Als seinen Favoriten nennt er Sven Jablonski, der nach seiner Auffassung bisher nicht die notwendige Förderung durch den DFB erhalten habe.

Gräfe bringt die Politik bei den Schiedsrichtern, auch während seiner aktiven Zeit ins Spiel, in der er ebenfalls eine Rolle gespielt hat.

Es gehört zu seiner totalen Selbstüberschätzung, sich international mit Felix Brych auf eine Stufe zu stellen. Der Verlauf beider Laufbahnen ist den Zahlen der geleiteten Spiele zu entnehmen. Ein Vergleich erübrigt sich deshalb schon aufgrund der wenigen Einsätze für Gräfe, der international nie eine wesentliche oder wichtige Rolle bei den Verantwortlichen der FIFA, Collina und UEFA, Rosetti, gespielt hat. Er ist in den beiden letzten internationalen Jahren zwar auf der Liste verblieben, hat aber keine Einsätze mehr erhalten. Die Gründe dafür nennt Gräfe bewusst nicht, weil sie nicht in sein Gesamtbild passen. Zur persönlichen Aufarbeitung gehört auch die Ehrlichkeit.

Blanker Zynismus ist Gräfes Darstellung, der DFB habe die Fortsetzung der Karriere für Felix Brych erst nach dem Gerichtsurteil, im Streit um den Fall der Altersgrenze entschieden. Das stand im gegenseitigen Einvernehmen der Beteiligten vorher längst fest. Vieles könnte noch genannt werden, so die Einstellung zum VAR und dessen Chef Jochen Drees. Gräfe lässt im Rundumschlag mit seiner üblichen Pauschalkritik nichts aus.

Auch in diesem Interview gefällt er sich wieder als Selbstdarsteller und Besserwisser. Jahrelang hat er das von ihm so benannte „System Fröhlich“ mit den unzähligen, nahezu ausnahmslos herausragenden Ansetzungen in vollen Zügen genossen und davon profitiert. Nun ist die Geldquelle mit den für ihn wichtigen finanziellen Leistungen des DFB versiegt.

Auf die Frage der KICKER-Redakteure, noch einmal als Aktiver auf den Platz zurückzukehren, erklärt er seine sofortige Bereitschaft, begründet diese mit seiner nach wie vor sehr guten Fitness. Knut Kircher müsste sich nur bei ihm melden.

Gräfe scheint nicht zu bemerken, dass die anfänglich große Zustimmung, unmittelbar nach seinem Rücktritt aus der Bundesliga, weitestgehend geschwunden ist. Auch  scheint er in seiner Wahrnehmung nicht realisieren zu können, dass die andauernde, teils persönliche Kritik, mit den durch ihn geschürten ständigen Querelen um den Schiedsrichterbereich, selbst von seinen einstigen Fans längst nicht mehr ernst genommen wird.

Quelle: ig-schiedsrichter.de/da

Dieter Albrecht

41 Jahre freier Mitarbeiter beim Stader Tageblatt und Sport-Informations-Dienst, Köln, als Journalist. 20 Jahre aktiv als Schiedsrichter bis zur 5. Liga.

Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Oleg

    ihr scheint auch nicht mehr ganz auf der höhe zu sein. was die schiedsrichter leisten die zur em fahren, das hat mit profitum nichts mehr zu tun. das kann man so auch mal ansprechen. es ist nur noch ein postengeschacher

  2. Tommy Nesool

    Das ist keine Einordnung von Gräfe – sondern eine Abrechnung mit ihm!
    Manuel Gräfe werden fehlende Argumente vorgeworfen, es werden aber selber keine Argumente geliefert.
    Die inzwischen unverkennbar vorhandenen großen Schwächen der deutschen Schiedsrichter stützen nur Manuel Gräfe und sonst niemand.
    Und die Nominierungen von Zwayer und Siebert (ohne jedes internationales Ansehen) runden dieses Bild ab. Zwei Berliner Schiedsrichter werden von einem Berliner Schiedsrichter-Chef nominiert.
    Zur Erinnerung: Der wichtigste Satz im DFB-Dokument: „Es ist davon auszugehen, dass Felix Zwayer dem ersten Anwerbeversuch Robert Hoyzers nicht in der von einem redlichen Schiedsrichter zu erwartenden Art und Weise widersprochen und das Geld entgegengenommen hat.“
    Dieser Schiedsrichter hätte nie wieder pfeifen dürfen!

    Die Polemik dieser Einordnung („Fangemeinde von Gräfe …“) zeigt: Sachliche Argumente hat der Autor keine!

  3. Dieter Albrecht

    Sehr geehrter Herr Tommy Nescool, ihr Kommentar bedarf vorab einer Richtigstellung. Von einem Berliner Schiedsrichterchef (gemeint ist Lutz-Michael Fröhlich) werden keine internationalen Nominierungen oder Vorschläge des DFB vorgenommen. Darüber entscheidet allein die Schiedsrichterkommission der UEFA unter ihrem Vorsitzenden Roberto Rosetti aus Italien.
    Zur deutschen Elite-Group gehören derzeit drei Namen: Felix Zwayer, Daniel Siebert und Tobias Stieler. Es stimmt auch nicht, dass Zwayer und Siebert kein internationales Ansehen haben. Gerade Zwayer hat herausragende Ansetzungen, wie u.a. das Finale der Nations League, erhalten. Das war in den europäischen Wettbewerben CL und EL in diesem Jahr ab dem Halbfinale nicht mehr möglich, weil noch drei deutsche Mannschaften dabei waren.
    Zu Manuel Gräfe, mit seinen Fehlentscheidungen in der aktiven Bundesligazeit, ist bereits an anderer Stelle hingewiesen worden. Konkrete Vorschläge macht er nicht, übt nur pauschale Kritik nach dem Motto: Früher, unter Fröhlichs Vorgänger Roth, war alles besser. Dabei hat Gräfe von dem angeprangerten „System Fröhlich“ bis zum Saisonende 2021 hervorragend profitiert.
    Der Skandal um Hoyzer liegt fast 20 Jahre zurück. Es ist bis heute nicht abschließend sicher geklärt, ob Zwayer den oft genannten Betrag von 300 € jemals angenommen hat. Er bestreitet das nach wie vor vehement.
    Ob mein Bericht als eine Abrechnung mit Gräfe verstanden werden kann, bleibt ihrer freien Meinung überlassen. Alles in allem wäre ihrerseits aber weniger Polemik, dafür größere Sachkenntnis angebracht.
    .

  4. Volker U.

    ……die Darstellung des D.Albrecht ist an Selbstherrlichkeit kaum zu überbieten……. natürlich hatte der Kollege Brych mehr Spielzeiten bekommen, national wie international. Auch bereits damals war Gräfe nicht groß international im Einsatz, weil Fröhlich und Konsorten ihn nicht der UEFA empfahlen, wie konnten sie bei der Kritikunfähigkeit.
    Der gesamte Artikel besteht nicht aus kritikfähigen Anworten sondern aus reiner Polemik. Es bleibt die leise Hoffnung, dass sich nach Fröhlichs Abgang ( aber nicht Abschied ) doch noch einiges ändern wird und die Kritik Gräfes doch irgendwann Früchte trägt.

    1. Dieter Albrecht

      Volker U.: Auch das ist hinsichtlich Gräfe falsch. Er ist durch den DFB gefördert worden, hat sich international aber nicht behaupten können, bis er aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht mehr berücksichtigt wurde.

  5. Jakob

    Lieber Dieter Albrecht,
    noch jemand der die Vetternwirtschaft in der DFB Schiedsrichtergilde unterstützt.
    Bitte das Interview mit Manuel Gräfe richtig lesen, und nicht etwas interpretieren was er gar nicht gesagt hat.

  6. Dieter Albrecht

    Auch ich bin für Änderungen, die nun vielleicht von Knut Kircher eingeleitet werden. Die teilweise falschen Darstellungen von Gräfe sind reine Polemik in eigener Sache, um genau die handelnden Personen zu verunglimpfen, die ihn ein Jahrzehnt unterstützt haben. Aus ihrer Sichtweise nennt sich das Vetternwirtschaft.

  7. Abdullah

    Dieter natürlich ist geklärt, dass Zwayer das Geld angenommen hat. Jeder Artikel und jede Aussage zu diesem Thema bestätigt dies. Er selbst leugnet es ja nur halbherzig. Ansonsten ist erkennbar, dass du Gräfe nicht magst, was dein Recht ist.
    Für mich läuft im Schiedsrichterwesen vieles schief. So ist mir nach wie vor unklar, warum im Profibereich die Leistung kaum noch eine Rolle spielt. Schlager hat jetzt zwei sehr durchwachsene Saisons gepfiffen. Passiert ist nichts. Stegemann hat seit seiner Berufung zum FIFA SR kein Cl Spiel geleitet, bleibt aber auf der FIFA Liste. Ebenso Dingert und Dankert. Es müsste jedes Jahr Auf bzw. Absteiger geben. Wie ist das zu rechtfertigen, dass einige seit Jahren konstant unterer Durchschnitt sind (Welz) allerdings drin bleiben und Talente wie Dr. Braun oder Dr. Burda deshalb nicht aufsteigen….

  8. Dieter Albrecht

    Abdullah, ich stimme Dir in einigen Angelegenheiten voll zu. Die Sache Zwayer ist in rechtlicher Hinsicht strittig. Aber es gilt nach deutschen Gesetzen immer noch die Unschuldsvermutung, auch wenn es Zweifel daran gibt. Endgültig bewiesen ist nichts.
    An Gräfe stören mich vor allem die Unwahrheiten die er verbreitet.
    Was Du sagst, im Hinblick auf Stegemann, Dankert und Dingert, bezüglich der internationalen Liste, habe ich alles schon geschrieben. Welz und Storks waren in der Rückrunde 2023/24 wieder im Einsatz. Braun und Burda hätten den Aufstieg verdient. Die einfache Lösung: Die Liste hätte von bisher 24 Schiedsrichtern zumindest als Übergang für kurze Zeit erhöht werden können.
    Ich bin gespannt, wie Knut Kircher im kommenden Spieljahr mit der Gesamtlage umgehen wird.

  9. AJ

    Liebe IG Schiedsrichter, vielen Dank für die Einordnung des Kicker Interviews von Gräfe. Bitte leiten Sie meine Nachricht an den Redakteur Herrn Albrecht weiter. Endlich hat mal einer die Wahrheit gesagt oder zumindest angedeutet. Die Wahrheit ist, Felix und Manu waren noch Jahre nach dem Hoyzer Skandal eng befreundet, da hat es Gräfe nie gestört, dass Zwayer es zu spät gemeldet hat mir Hoyzer. Die Wahrheit ist auch, dass Gräfe selbst Lauftests nicht geschafft hat, international in entscheidenden Spielen gepatzt hat, und sich statt mit einem Krankenschein mit einem Foto mit einem Thermometer im Mund von Lehrgängen abgemeldet hat… Die Wahrheit ist auch, dass er seine Geliebte oder alten Freund aus JLK Zeiten mit Beobachtungen zu Aufstiegen in die Frauen Regionalliga oder Berlinliga verholfen hat, bei denen er nicht mal das (gesamte) Spiel gesehen hat. Alles was er anderen vorwirft, schlechte Leistung, Vetternwirtschaft etc., trifft in Wahrheit auf ihn zu. Viele Grüße…

  10. Dieter Albrecht

    Danke, Frau AJ, für ihren absolut treffenden Kommentar. Ich kann dazu nur sagen, dass ich zu seiner aktiven Zeit selten Kritik an Gräfe geübt habe, obwohl auch er entscheidende Fehler gemacht hat. Was er danach aber mit seinen ehemaligen Kollegen und der DFB-Spitze veranstaltet, schadet dem Schiedsrichterwesen in Deutschland insgesamt und ist zum Großteil unwahr.
    Was Sie zum Ausdruck gebracht haben, ist von mir bereits mehrfach kommentiert worden. International hat er sich selbst disqualifiziert, weil er Pflichtlehrgänge nicht besucht oder Leistungsprüfungen nicht bestanden hat. Auch diese Tatsache wird von ihm anders dargestellt.
    Sie wissen regional mehr als ich, kommen vermutlich aus dem Großraum Berlin. Die Geschichten mit seinen „Fördermaßnahmen“ beim Aufstieg von Freunden oder Freundinnen etc. kannte ich nicht, passen aber in Gräfes Allgemeinbild. Ich hatte den Fall Gräfe für mich abgeschlossen, musste mich aber nach dem KICKER-Interview unbedingt dazu äußern.
    Weil die Geldquelle vom DFB nicht mehr fließt, holt er stetig zu seinen Rundumschlägen aus. Er sollte sich als Sportwissenschaftler endlich mal einen Job zu suchen. Die Frage könnte allerdings sein: Wer will mit ihm arbeiten? Bei SPORT 1 war Gräfe als sogenannter Experte zuletzt nicht mehr gefragt. Nur das ZDF hält (noch) an ihm fest. Gräfes allgemeiner Tenor: Im Ausland ist alles gut, in Deutschland alles schlecht.
    Leider finden sich im Netz immer noch Unterstützer, die für richtig halten, was Gräfe sagt. Aber die Zahl seiner Anhänger hat deutlich abgenommen. Viele wollen das Geschwafel eines Nestbeschmutzers, der selbst wunderbar von den Vorzügen profitiert hat, nichts mehr hören.
    Allein sein Angebot, er wäre körperlich völlig fit und man müsse sich nur melden, dann würde er nach drei Jahren sofort wieder pfeifen, sagt alles über den Menschen Gräfe. Mit diesem „Angebot“ wird er auch beim neuen Vorsitzenden, Knut Kircher, keinen Erfolg haben.

  11. Alon

    Gräfe und Aytekin sind ein bisschen vergleichbar. Beide werden national (auch nicht ganz zu Unrecht) hoch gelobt, haben aber international nie eine grosse Rolle gespielt. Charakterlich könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Aytekin wird sich zukünftig sicherlich nicht die Blöße geben, gräfeartige Hasstiraden auf die ehemaligen Kollegen abzufeuern. Gekränkte Eitelkeit und Neid sind die Begriffe die mir immer wieder bei Gräfe in den Sinn kommen. Sein Ansehen im eigenen Landesverband – vom einfachen Kreisliga-Schiedsrichter bis zur Verbandsführung – rundet das Bild über den „Saubermann“ Gräfe ab.

  12. Dieter Albrecht

    Jakob: Beleidigt zu sein, wenn überhaupt, käme für mich 35 Jahre zu spät. Ich habe außer der Schiedsrichtertätigkeit, auf regionaler Ebene bis zum Landesverband, auch nie etwas mit dem DFB zu tun gehabt. Ob ich Unsinn schreibe, überlasse ich Deiner grenzenlosen Phantasie. Vor Dir kann ich mich nur voller Respekt verneigen. Mach einfach weiter so.

    1. Jakob

      @Dieter Albrecht
      Ich meinte den Artikel in dem Link, nicht Dich. Und, ob dies auch ein SR wie Manuel Gräfe ist, der aus dem System gefallen ist.

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