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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 28. Spieltag | Bundesliga

Am Osterwochenende in der Bundesliga gab es wieder reichlich Diskussionen über die Schiedsrichter. Teils zurecht, aber auch teilweise völlig zu Unrecht. Große Diskussionen gab es bei Schiedsrichter Robert Schröder aus Hannover, der beim Topspiel zwischen Stuttgart und dem BVB einige Schwächen aufwies. Die größte Diskussion gab es aber diesmal beim deutschen Topschiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin der beim Spiel Freiburg – Bayern die angezeigte Nachspielzeit verlängerte. Warum dies aber völlig richtig war, seht ihr in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Bastian Dankert:
Auf Platz 1 des Spieltages haben wir den erfahrenen Schiedsrichter Bastian Dankert aus Rostock der beim Abstiegskampf zwischen Borussia M’Gladbach und Heidenheim im Einsatz war. Dankert lieferte über 90 Minuten eine souveräne Spielleitung, hat bei einem Tor in der zweiten Hälfte einen sehr guten Vorteil nach Handspiel angezeigt und war jederzeit zur Stelle und sorgte für keine Fehler im Spiel. Gute Leistung vom Rostocker Schiedsrichter in diesem umkämpften Spiel!

Platz 🥈 – Daniel Siebert:
Auf Platz 2 haben wir den Schiedsrichter der für die meisten Diskussionen sorgte. Es handelt sich um Daniel Siebert aus Berlin der bei der Partie SC Freiburg – FC Bayern München zum Einsatz kam. Siebert wählte eine sehr gute Linie zu diesem Spiel und ließ dementsprechend auch viel laufen. Bis zur 90. Minute war Siebert auch quasi kein Thema, bis es zum Ende der Nachspielzeit kam, als die Bayern den Siegtreffer machten. Wie in der anschließenden Analyse zu sehen, war dies völlig richtig von Siebert und die Verlängerung der Nachspielzeit auch legitim. Deshalb ist er zurecht in den Top 3 zu finden.

Platz 🥉 – Harm Osmers:
Auf Platz 3 haben wir einen weiteren Fifa-Schiedsrichter mit Harm Osmers aus Hannover der am Samstagnachmittag bei der Partie TSG Hoffenheim – FSV Mainz im Einsatz war. Osmers war stets souverän, leistete sich nur 1-2 kleinere Fehler und war am Ende des Spiels kein Thema bei den Spielern, Fans und Verantwortlichen. Ein Zeichen für eine gute Spielleitung!

SC Freiburg – Bayern München 2:3 (SR: Daniel Siebert)

Bei dieser Partie hatten die Freiburger den Rekordmeister schon am Rande einer Niederlage und führten schon mit 2:0. Doch dann erzielte Tom Bischof innerhalb 11 Minuten mit zwei Traumtoren den 2:2-Ausgleich und kurz vor dem Abpfiff, in der verlängerten Nachspielzeit traf Bayern Youngster Lennart Karl den 3:2-Siegtreffer. Riesen Ärger beim Sportclub, da die angezeigte Nachspielzeit von acht Minuten um weitere Drei verlängert wurde und der Treffer erst in der 90. plus 11 erzielt worden war.

Nur warum wurde sie verlängert? Das erste Bayern-Tor wurde in der 81. Minute erzielt. Dieser Treffer wurde also schon in die einmal angezeigten acht Minuten eingerechnet. Der zweite Treffer erfolgte aber in der 90 plus 2 (Torjubel plus gelber Karte). Da wurde eine Minute nachberechnet. Dazu gab es noch ein Zeitspiel von Freiburgs Keeper Atubolo wegen Zeitspiels und einer weiter gelben Karte für Günter, wegen Meckern was eine weitere Minute einbrachte. Da sind drei Minuten im angemessenen Rahmen. Es war aber für die Freiburger schon sehr dramatisch und der Ärger aus sportlicher Sicht in gewisser Weise verständlich. Hier bewahrheitet sich mal wieder eine alte Schiedsrichterweisheit „die Nachspielzeit ist der Tod der Schiedsrichters.

Der Schiedsrichter schätzt die verlorene Zeit durch Unterbrechungen und addiert sie. Es gibt keine feste Obergrenze – und wenn in der angezeigten Nachspielzeit selbst wieder Verzögerungen entstehen, darf (und soll) er nochmal draufpacken. Drei zusätzliche Minuten in so einer hektischen Endphase sind tatsächlich im angemessenen Rahmen. Der Schiri hat nicht willkürlich „Bayern geholfen“, sondern einfach konsequent die verlorene Zeit nachgetragen – was in der Bundesliga (und international) mittlerweile strenger gehandhabt wird, um Zeitspiel zu bestrafen. [Highlights]

VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 0:2 (SR: Robert Schröder)

Szene 1: Angelo Stiller flankte scharf in die Fünfmeterraum, Deniz Undav stieg zum Kopfball hoch – und Ramy Bensebaini war direkt dran mit den Händen am Trikot, ein Drücken nach unten beim Hochspringen. Das ist ein klares Halt- oder Schubsfoul, das einen Elfmeter gerechtfertigt hätte. Solche Szenen sind extrem schwer zu pfeifen, weil im Luftduell vieles erlaubt ist – solange es nicht zu offensichtlich „holding“ oder „pushing“ wird. Schiedsrichter Robert Schröder und der VAR Christian Dingert haben es sich angeschaut. Bensebaini hatte die Hände am Trikot, aber nicht so, dass Undav komplett am Hochkommen gehindert wurde (kein klares Ziehen nach unten über mehrere Sekunden). Beide Spieler sind körperlich sehr präsent – Undav ist kein Leichtgewicht, und Bensebaini ist bekannt dafür, dass er robust verteidigt. Im Zweikampf im Fünfmeterraum wird oft weiterlaufen lassen, wenn es nicht eindeutig regelwidrig ist. Viele Schiris pfeifen hier nur, wenn der Stürmer wirklich zu Boden geht oder der Verteidiger ihn klar mit beiden Händen runterreißt. Es ist sehr grenzwertig, für mich wäre es eher ein Elfmeter, aber ich denke aus Sicht des Schiris mit großzügiger Linie kein 100ig klarer Strafstoß. [TV-Bilder – ab 01:35 Minuten]

Szene 2: Karim Adeyemi schoß das 1:0 in der 90.+4, rannte direkt vor die Cannstatter Kurve und machte die klassische „Shhhh“-Geste (Finger auf den Mund) – quasi „Ruhe da oben“. Das war eindeutig provokant und hat die Stuttgarter Fans (und einige Spieler) sofort auf die Palme gebracht. Danach gab’s Rudelbildung auf dem Platz, und hinterher flogen sogar Gegenstände (u.a. ein Stuhl) aufs Feld, Fans drängten in den Innenraum – es wurde richtig ungemütlich.

Genau das hat Wolfgang Haslberger zuletzt bei Wiesbaden gegen Rostock gemeint, als er einen Rostocker Spieler nach dem Torjubel verwarnte. Hier war Robert Schröder deutlich nachsichtiger, weil die Fans beim Jubel provoziert wurden. Regeltechnisch wäre Gelb für Adeyemi absolut drin gewesen. Die DFB-Regeln  sehen vor, dass unsportliches Verhalten – dazu zählt explizit das Provozieren von Gegnern oder Zuschauern durch Gesten – mit Gelb bestraft wird. Der „Silencer“ vor der gegnerischen Fankurve fällt da klar in die Kategorie provokant. Folglich hätte der Dortmunder nach dem provozierenden Torjubel Gelb/Rot sehen müssen. [TV-Bilder – ab 04:57 Minuten]

Szene 3: Eine weitere sehr diskutable Szene. Das Video zeigt ein aggressives Einsteigen mit offener Sohle und hohem Kontakt oberhalb des Knöchels eines VfB-Spielers, was nach Regelwerk oft als rotes Foul gilt und VAR-Eingriff auslöst – hier aber nicht. Völlig unverständlich. Der Treffer mit dem gestreckten Bein, offener Sohle, mit hoher Intensität oberhalb des Knöchels. Das ist Rot und VAR Dingert hat gepennt 😉  Nach dem aktuellen Regelwerk ist das ein grobes Foulspiel und damit glatt Rot. Die entscheidenden Kriterien dafür sind:

  • Hohe Geschwindigkeit/Dynamik beim Einstieg
  • Offene Sohle (Stollen voraus)
  • Kontakt am Schienbein oder höher (nicht nur am Fuß/Knöchel)
  • Gefährdung der Gesundheit des Gegners (unabhängig davon, ob er sich schwer verletzt oder weiterspielen kann) [TV-Bilder]

Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg 6:3 (SR: Martin Petersen)

Szene 4: Schiedsrichter Martin Petersen entschied sofort auf Foulelfmeter für Leverkusen, nachdem Ibrahim Maza nach einem Kontakt mit Joakim Mæhle zu Boden ging. Alejandro Grimaldo verwandelte zum zwischenzeitlichen 1:1. Für mich eine klar falsche Schiedsrichterentscheidung. Der Kontakt war so minimal und Maza habe selbst das Bein etwas reingestellt. Das war nicht ansatzweise keine strafstoßwürdige Intensität, sondern ein normales Zweikampfverhalten. Mæhle rempelte bzw. bündelte Maza etwas, aber der Leverkusener war den Bruchteil schneller am Ball und stellte die Körperhälfte rein – ein klassischer softer Strafraumkontakt, bei dem Schiedsrichter oft auf Vorteil oder Weiterspielen entscheiden. Aber wo war der VAR? Der VAR (in diesem Fall Günter Perl mit Assistent Arno Blos hatten nicht eingegriffen. Nach IFAB-Protokoll greift der VAR bei klaren und offensichtlichen Fehlern ein („clear and obvious error“). Bei strittigen oder grenzwertigen Elfmeter-Entscheidungen im Strafraum (sog. „soft penalties“ oder „50:50-Situationen“) bleibt die On-Field-Entscheidung des Schiedsrichters stehen, solange sie nicht eindeutig falsch ist. Hier hat Petersen sofort gepfiffen und die Wahrnehmung (der Schubser fand sich auf den Bildern wieder. Deshalb hat der VAR die Szene protokollkonform als nicht klar genug falsch bewertet, um den Elfmeter zu kippen. [TV-Bilder – ab 02:40 Minuten]

Szene 5: Nach einem Pass von Jonas Wind auf Mohamed Amoura in den Strafraum kam es zu einem Kontakt mit Edmond Tapsoba. Schiedsrichter Martin Petersen pfiff zunächst nicht, weil Tapsoba den Ball zuerst berührte (oder berühren wollte). Der VAR Gunter Perl checkte die Szene jedoch und schickte Petersen zum On-Field-Review. Nach Betrachtung der Bilder entschied dieser dann auf Strafstoß für Wolfsburg. Tapsoba spielte den Ball zwar zuerst (oder versuchte es), traf Amoura aber danach deutlich im Achillessehnen-Bereich (von hinten/seitlich ins Standbein). Das ist ein klassisches Foulspiel nach den Regeln: Der Ballspiel ist irrelevant, wenn der Gegner danach gefährlich oder unsportlich getroffen wird – vor allem im sensiblen Achillessehnen-Bereich mit hohem Verletzungsrisiko. Es handelt sich um ein klares Foul, das einen Elfmeter rechtfertigt. Der VAR-Eingriff war hier richtig und notwendig, weil die On-Field-Entscheidung Weiterspielen ein klarer und offensichtlicher Fehler war. [TV-Bilder – ab 04:35 Minuten]

Szene 6: Nathan Tella wurde von Edmond Tapsoba steil auf die linke Seite geschickt, zog in den Strafraum und wurde dort von Sael Kumbedi von hinten zu Fall gebracht. Schiedsrichter Martin Petersen zeigte sofort zum dritten Mal in diesem Spiel auf den Elfmeterpunkt. Der eingewechselte Patrik Schick verwandelte sicher zum 3:3-Ausgleich. Eine klare Sache! Kumbedi lief Tella ungeschickt in die Hacken / von hinten in die Beine. Es gab keinen Ballkontakt durch den Wolfsburger; der Kontakt war eindeutig und unsportlich genug, um Tella zu Fall zu bringen. Das ist ein klares und unstrittiges Foul im Strafraum. [TV-Bilder – ab 06:10 Minuten]

Fazit: Schiedsrichter Martin Petersen mit gravierenden Problemen.  Drei Elfmeter, davon einer sehr fragwürdig und einer erst nach VAR. Der Kontakt von Joakim Mæhle gegen Ibrahim Maza war minimal – ein leichter Arm am Körper, Maza stellte das Bein etwas rein und ging zu Boden und nicht ansatzweise elfmeterwürdig. Zudem übersah er den Ellenbogeneinsatz des verwarnten Tapsopa in der Nachspielzeit der ersten Hälfte als der Leverkusener seinen Ellenbogen eingesetzt hat. Diese Aktion diente als Werkzeug und Tapsopa hätte mit Gelb/Rot des Feldes verwiesen werden müssen. Zudem gab es vor dem 4:3 einen ahndungswürdigen Einsatz von Kofane gegen Vavro im Zweikampf vor der Flanke. Das Foul wurde nicht gepfiffen, obwohl es regelkonform hätte geahndet werden müssen. Das führte direkt zum Leverkusener Führungstreffer und brach Wolfsburgs Moral endgültig. [Note: 6,0]

HSV – FC Augsburg 1:1 (SR: Deniz Aytekin)

Szene 7: Michael Gregoritsch und Fábio Vieira gerieten an der Strafraumgrenze aneinander. Gregoritsch stieg dem Portugiesen unglücklich auf den Fuß, ging selbst zu Boden und hielt sich den Knöchel. Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied zunächst auf Freistoß für Augsburg aus einer sehr gefährlichen Position. Beide Spieler mussten behandelt werden, was zu einer längeren Unterbrechung führte. Während der Behandlungspause sprach Aytekin mit Gregoritsch an der Seitenlinie. Der Österreicher gab ehrlich zu, dass kein Foul von Vieira vorlag: Er sei ausgerutscht und habe selbst den Gegner am Fuß erwischt. Aytekin nahm den Freistoß zurück – korrekte Entscheidung, keine weitere Ahndung. Vieira und Gregoritsch klatschten danach sogar ab. Das ist ein Musterbeispiel für Sportsgeist. Solche Momente sind in der heutigen Profifußball-Welt leider selten und werden deshalb besonders gefeiert. Die „Fair-Play-Aktion der Saison“, die einen Preis verdient.

Man muss aber auch sagen, dass Deniz Aytekin nah genug daneben stand und einen sehr guten Einblick, fast direkten Blick auf die Szene an der Strafraumgrenze hatte. Er zögerte kurz, entschied sich dann aber für Freistoß für Augsburg. Aus seiner Perspektive sah es im Echtzeit-Zweikampf wahrscheinlich so aus, als würde Vieira dem Gregoritsch die Füße wegziehen oder zumindest den Stand behindern – ein klassischer optischer Täuschungseffekt bei engen Duellen am Boden. Solche Szenen sind auch aus 2 Metern Entfernung nicht immer 100 % eindeutig, weil der Fußkontakt sehr schnell und teilweise verdeckt ablaufen kann. Im Nachhinein war klar zu sehen: Gregoritsch war ausgerutscht, landete auf Vieira und erwischte ihn selbst am Fuß/Sprunggelenk. Es war also kein Foul des Hamburgers, sondern eher ein Selbstverschulden des Österreichers. [TV-Bilder – ab 03:05 Minuten]

Szene 8: Miro Muheim konnte einen Ball nicht richtig unter Kontrolle bringen. Anton Kade spritzte dazwischen und war plötzlich frei durch. Muheim rutschte im Fallen von hinten in die Beine des Augsburgers und traf ihn unglücklich an der Hacke. Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied sofort auf Freistoß für Augsburg und zeigte Muheim die rote Karte. Muheim war eindeutig letzter Mann (kein anderer HSV-Spieler konnte Kade mehr stoppen). Der Kontakt war unglücklich, aber regeltechnisch ein klares Foul von hinten in die Hacken. Es handelte sich um eine klassische Notbremse (denying an obvious goal-scoring opportunity). Nach IFAB-Regeln ist bei einem solchen taktischen Foul als letzter Mann außerhalb des Strafraums direkt Rot vorgesehen – auch wenn es nicht böswillig oder mit hoher Intensität war. Der Ballkontakt durch Muheim war minimal oder gar nicht vorhanden, der Gegner wurde klar behindert und zu Fall gebracht. Kein anderer Verteidiger konnte mehr eingreifen. Eine eindeutige Verhinderung der klaren Torchance. [TV-Bilder – ab 05:05 Minuten]

Szene 9: Fabio Vieira zog von halbrechts in den Strafraum und schoss aus 10 Metern. Der Ball wurde von Cédric Zesiger geblockt. Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten zunächst auf Handelfmeter für den HSV,  wohl weil er den Ball am linken Arm von Zesiger gesehen hatte, der etwas vom Körper abstand. Die Augsburger protestierten heftig. Nach dem VAR-Check von Nicolas Winter schaute sich Aytekin die Szene am Monitor an und nahm den Elfmeter schnell zurück. Es blieb beim Schiedsrichterball.

Aytekin hatte wohl im Echtzeit-Zweikampf einen optischen Fehler gemacht (vermutlich den abstehenden linken Arm mit dem Kontakt verwechselt), Zesigers rechter Arm war deutlich angelegt am Körper. Der Ball traf ihn am Oberarm.  Zesiger drehte sich sogar leicht weg, um den Körper zu schließen – das ist eine natürliche und erlaubte Armhaltung im Sinne der Regeln (keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche). Der linke Arm stand etwas weiter ab, aber der tatsächliche Treffer erfolgte am rechten Oberarm, wo kein Handspiel vorlag. Schnell korrigierte er seinen Irrtum. [TV-Bilder – ab 06:35 Minuten]

Fazit: Insgesamt eine ordentliche Leistung von AytekinDie rote Karte gegen Miro Muheim war klar regelkonform, beim Handelfmeter in der 85. Minute entschied er aber falsch und brauchte die VAR-Hilfe und beim vermeintlichen Foul von Gregoritsch die Augsburger Hilfe. [Note: 3,0]

1.FC Union Berlin – FC St. Pauli 1:1 (SR: Tobias Welz)

Szene 10: Jackson Irvine versuchte mit einer Grätsche von der Seite gegen András Schäfer zu retten. Er kam nicht mehr an den Ball, traf den Ungarn stattdessen am Schienbein und fällte ihn. Schiedsrichter Tobias Welz gab zunächst Vorteil, weil Union den Ball weiterlaufen lassen konnte, pfiff dann aber ab und zeigte Irvine die zweite Gelbe Karte. Irvine kam klar zu spät, berührte den Ball nicht mehr und traf Schäfer mit der Grätsche am Bein. Da es die zweite Gelbe Karte war, war Gelb-Rot die einzig richtige Konsequenz. Es handelte sich nicht um ein brutales Foul, aber um wiederholtes unsportliches Verhalten („persistent infringement“) und ein taktisches Foul in einer kritischen Phase.[TV-Bilder – ab 08:35 Minuten]

Fazit: Schiedsrichter Tobias Welz hatte in diesem intensiven, aber insgesamt fairen Kellerduell keine spielentscheidenden Fehlentscheidungen getroffen. Die einzige wirklich große Szene war die Gelb-Rote Karte gegen Jackson Irvine in der 90.+3. Minute. Aber er hatte auch erkennbare Schwachstellen. Welz wirkte bei manchen Zweikämpfen im Mittelfeld und im Zweikampfverhalten etwas unsicher oder inkonsistent. Es gab Phasen, in denen er leichte Rempeleien oder Haltefouls durchgehen ließ, während er bei ähnlichen Situationen (vor allem von St. Pauli) früher pfiff. Die beiden Fouls von Irvine gegen Schäfer waren zwar klar, aber die Linie bei „späten Grätschen“ oder „taktischen Fouls“ war nicht immer ganz einheitlich über 90 Minuten. Das sind aber keine groben Schnitzer, sondern eher typische Kleinigkeiten in der Zweikampfbewertung – etwas, das Welz in der Vergangenheit schon öfter gezeigt hat: Er ist ein sehr ruhiger, erfahrener Referee, der selten eskaliert, aber bei engen, intensiven Spielen manchmal nicht die allerpräziseste Linie bei 50:50-Zweikämpfen findet. [Note: 4]

AnmerkungIch bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!

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