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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 33. Spieltag | 1. Liga

Der vorletzte Spieltag in der Bundesliga ging zu Ende und es gab überwiegend gute Spielleitungen der Schiedsrichter zu sehen. Im Fokus stand jedoch Robert Schröder aus Hannover der das Spiel um den Champions League Platz zwischen Stuttgart – Leverkusen leitete und dort eine rote Karte übersah. Positiv zu erwähnen war die Spielleitung von Patrick Ittrich beim Auftakt am Freitag Abend bei der Partie Dortmund – Frankfurt. Die Szenen zum Spieltag wie gewohnt nun in der Analyse:

VfL Wolfsburg – FC Bayern München 0:1 (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Szene 1: Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck hat Mitte der ersten Halbzeit einen Freistoß für Wolfsburg gegeben, nachdem Sael Kumbedi unmittelbar an der Strafraumgrenze gegen Leon Goretzka gefoult worden sein soll. Die Zeitlupe zeigte eindeutig: Kein Kontakt – Kumbedi hat sich fallen lassen.

In Echtzeit sah die Szene durchaus nach einem Foul aus: Kumbedi machte eine schnelle Bewegung in den Zweikampf, schwingt das Bein dynamisch und lässt sich dann sehr geschickt fallen. Der Bewegungsablauf ist so gestaltet, dass ein Schiedsrichter aus seiner Perspektive (seitlich versetzt, in voller Geschwindigkeit) leicht einen Kontakt annehmen kann – vor allem, wenn der Spieler den Zweikampf provoziert und den Körper entsprechend mitnimmt. Genau das macht es für Schiris so schwer. In Zeitlupe sieht man klar: kein Kontakt von Goretzka, reines Simulieren. Viele Schiris pfeifen in solchen Grenzsituationen an der Strafraumkante eher mal einen Freistoß, um nicht den großen Fehler (verpasster Elfmeter) zu riskieren. Umgekehrt ist ein falscher Freistoß deutlich weniger dramatisch. Jöllenbeck liegt hier trotzdem falsch (wie auch die meisten Analysen bestätigen), aber es ist eine nachvollziehbare Fehlentscheidung und keine grobe Fehlleistung. Solche „Schwalben an der Kante“ sind eine der schwierigsten Szenen im modernen Fußball – die Spieler werden immer besser darin, sie optisch perfekt aussehen zu lassen. [TV-Bilder – ab 02:45 Minuten]

Szene 2: Nach einem langen Ball von Kimmich löste sich Olise perfekt im richtigen Timing und ist nicht im Abseits, obwohl die Fahne des Assistenten nach oben ging, korrigierte ihn der VAR. Koulierakis kam von hinten ungestüm in den Zweikampf und traf Olise klar im Rücken an der Hüfte, als dieser schon nach innen zog und zentral vor dem Tor ist. Jöllenbeck pfeift zunächst Abseits, hob dieses aber nach VAR-Check auf und das klare Foul bestätigte auf Strafstoß. Die Entscheidung war richtig. Der Kontakt war deutlich genug für einen Elfmeter – Koulierakis war zu ungestüm und trifft den durchbrechenden Olise unfair von hinten. Solche Fouls im Strafraum sind klassische Strafstöße, besonders wenn der Angreifer schon freie Schussposition hat. [TV-Bilder – ab 04:05 Minuten]

Belocian selbst hat später gegenüber BILD sinngemäß zugegeben, dass er da „was leicht“ gemacht hat. Das ist klare Gamesmanship an der Grenze zum Unsportlichen – viele sehen es als Manipulation des Spielfelds. Solche Aktionen sind nicht regelwidrig im engeren Sinne (kein direkter Verstoß, der automatisch eine Karte nach sich zieht), aber sie verstoßen klar gegen den Geist des Fair Plays.

Das sind genau dies fiesen Aktionen die einem den Spaß am Spiel verderben kann. Ob das allein den Abstieg des VfL rechtfertigt, ist natürlich eine andere Frage (Wolfsburg kämpft wohl eh schon am Tabellenende), aber die Szene hat dem Spiel definitiv einen faden Beigeschmack gegeben.

VfB Stuttgart – Bayer Leverkusen 3:1 (SR: Robert Schröder)

Szene 3: Tapsoba versuchte einen Abpraller zu klären, schoß den Ball, schwenkte das Bein aber mit offener Sohle ans Schienbein von Stiller durch. Ein gestrecktes Bein mit offener Sohle auf die Wade (vor allem seitlich oder von hinten) ist extrem gefährlich – das geht weit über normales Tackling hinaus und erfüllt die Kriterien für ein schweres Foulspiel („endangering the safety of an opponent“). Solche Szenen werden in der Bundesliga (und international) zurecht hart bestraft. Hier hätte Video-Assistent Bastian Dankert eingreifen müssen und Schröder an den Monitor schicken müssen. Auch wenn der Ball vorher berührt wurde, ist das harte Einsteigen unnötig und verletzungsgefährdend. Für mich daher höchst fragwürdig, warum das nicht geschah. Da hat WM-VAR Dankert massivst gepennt. Hier wird das klare Trefferbild als brutales Einsteigen gewertet (gestrecktes Bein, offene Sohle, Tritt über Knöchel und hohe Intensität). Alle Kriterien für ein grobes Foulspiel sind regeltechnisch erfüllt. Das Balltreffen ist kein klares spielen des Balls, sondern touchieren. Deshalb, Fehlentscheidung nicht Rot gezeigt und keinen Strafstoß gegeben zu haben. [TV-Bilder – ab 02:55 Minuten]

Balltreffen schützt nicht

Das ist regeltechnisch kein Grund. Wenn man den Ball spielt und mit offener Sohle den Gegenspieler danach trifft, vorallem in der Region des Beines, dann ist es nun mal klar ein Foulspiel + Rot, denn das Treffen mit der offene Sohle danach schützt nicht. Sonst würden es jeden Spieltag nur noch gesundheitsgefährdende Fouls geben wenn das erlaubt wäre. Und international, wird dieses „Ballspielen steht im Vordergrund“ schon sehr kritisch gesehen. Und auch national wird das auch kritisch gesehen. Gibt einige Szenen, die ähnlich sind und es dann auch Rot gab. Bei Augsburg war’s tatsächlich bisschen harmloser, gerade auch vom Trefferbild. Aber hier ist es ja schon mehr als gesundheitsgefährdend.

Szene 4: Kurz vor der Pause wurde in Stuttgart ein möglicher Strafstoß überprüft. Beim Querpass von Stiller streckte Edmond Tapsoba das rechte Bein raus und traf Ermedin Demirović klar. Das ist ein klassisches Foul im Strafraum. Kein Ballkontakt zuerst, nur ein reines „Mann statt Ball“, das Bein wird rausgestellt und behinderte den Angreifer deutlich wodurch Demirović wird zu Fall gebracht. Es war zwar nur ein kurzer Tritt, aber der reicht. Nach Videobeweis der Strafstoß die richtige Entscheidung! [TV-Bilder – ab 05:55 Minuten]

Szene 5: Die zweite Hälfte begann erneut mit einer langen Unterbrechung. Wieder ein Tor nach weniger als einer Minute – aber das Tor zählte nicht! ! Flekken blockte einen Schuss von Undav nur nach vorne. Chema und Tapsoba rangen um den Abstauber, aber da freut sich der Dritte. Demirović schob unten links ein, allerdings pfiff Schröder sofort das Foul ab. Nach VAR-Prüfung gab es aber keinen Elfmeter. Zunächst wurde ein Foul an Tapsoba geprüft, das sich eher als Foul von Tapsoba herausgestellt hat. Allerdings stand Undav schon im Abseits, als er den ersten Schuss abgegeben hat, der das ganze Durcheinander ausgelöst hat. Entsprechend gibt es den Freistoß für Leverkusen. Korrekte Entscheidung, die man erstmal ordnen musste – kein Foul, aber Abseits. Undav stand im Abseits, als er den ersten Schuss abgegeben hatte. Das ist der entscheidende Punkt. Alles, was danach passiert (Abpraller von Flekken, Gerangel zwischen Chema/Tapsoba, Abstauber von Demirović), gehört zur gleichen Spielphase. Sobald der Ursprungsspieler im Abseits war, ist die komplette Aktion ungültig – unabhängig von späteren Fouls. [TV-Bilder – ab 07:25 Minuten]

TSG Hoffenheim – Werder Bremen 1:0 (SR: Sören Storks)

Szene 6: Gleich in der 2. Minute setzte Sugawara ein frühes, sehr unerfreuliches Ausrufezeichen, indem er Touré unweit der Seitenlinie auf die rechte Wade trat. Unverständlicherweise kam der Japaner zunächst ohne Gelbe Karte davon. Der aufmerksame Video-Assistent Nicolas Winter bat den Schiedsrichter Sören Storks aber an den Monitor, wo er das sehr harte Einsteigen sah und korrekterweise den sehr frühen Platzverweis aussprach. Das war einfach ein zu hartes Einsteigen weit über dem Knöchel in gesundheitsgefährdender Art und Weise. Schön wäre es aber gewesen, hätte des der Unparteiische selbst auf den Platz erkannt. Der Treffer mit hoher Intensität, kein Versuch, den Ball zu spielen, das Verletzungsrisiko ist bei solchen Fouls mit der Sohle extrem hoch. [TV-Bilder – ab 00:09 Minuten]

Szene 7: Beim 1:0 für Hoffenheim wurde der Ball schnell durch einen Balljungen zugeworfen. Nachdem der Ball „ruhte“, wurde er schnell ausgeführt, wodurch die Bremer verunsichert waren Bazoumana traf schnell ins lange Eck zum Siegtreffer für Hoffenheim.

Seit der Saison 2025/26 gibt es eine klare DFL-Empfehlung und einheitliche Vorgabe basierend auf dem Premier-League-Modell: Ballkinder dürfen den Ball nicht mehr direkt zuwerfen. Sie sollen ihn auf markierten Hütchen/Stationen ablegen, damit beide Teams die gleiche Chance haben, sich zu sortieren. Das soll genau solche Heimvorteile durch „motivierte“ Balljungen verhindern. Schiedsrichter Sören Storks hat das hier nicht unterbrochen oder zurückgepfiffen. Technisch ist es eine Verletzung der Verfahrensregel zur Spielfortsetzung, aber in der Praxis wird das selten hart geahndet und deshalb kein Tor zurückgenommen, meist nur eine Ermahnung. Es ist trotzdem unsportlich und genau der Grund, warum die Regel eingeführt wurde. Solche kleinen Tricks gehören zu den Grauzonen, die die Liga fairer machen wollte. [TV-Bilder – ab 02:30 Minuten]

Szene 8: Kurz vor Schluss reklamierte Werder ein mögliches Handspiel, Schiedsrichter Storks hatte gute Sicht und ließ weiterspielen. Hier hing der Arm eng am Körper in natürlicher Armhaltung herunter und zog diesen sogar noch nach hinten weg. Kein Handspiel. Solche Szenen werden besonders engen Spielen trotzdem reklamiert, besonders kurz vor Schluss, aber nach den aktuellen Handspielregeln ist das kein strafbares Handspiel. Gute Sicht für Storks und eine klare Nicht-Entscheidung. [TV-Bilder – ab 06:16 Minuten]

FC Augsburg – Borussia Mönchengladbach 2:0 (SR: Tobias Reichel)

Szene 9: Anton Kade holte sich den Ball mit dem langen Bein im Strafraum, Kevin Diks kam zu spät und trifft ihn klar am Standbein/Fuß. Kade ging zu Boden. Augsburg reklamiert sofort Elfmeter – Tobias Reichel winkt direkt ab und ließ weiterspielen. VAR Pascal Müller hatte offenbar auch keinen „clear and obvious error“ gesehen und nicht interveniert.

In Echtzeit-Perspektive von Reichel kann es grenzwertig wirken. Kade machet eine große Bewegung, Diks kam von der Seite. Manche Schiris pfeifen das als Foul, andere sehen es als normalen Zweikampf oder als Kade, der schon etwas den Kontakt suchte. In Zeitlupe sah es aber nach einem klaren Foul aus: Diks ist zu spät, trifft den Gegner statt den Ball. Das wäre ein berechtigter Elfmeter gewesen. Es handelt sich um eine Fehlentscheidung von Reichel und dem VAR, der hier nicht eingegriffen hat. Solche frühen, strittigen Strafraum-Szenen sind immer heikel, weil der Schiri noch nicht voll im Spielrhythmus ist. Dennoch lag Reichel hier falsch, auch wenn die Szene nicht ganz so eklatant war wie manche anderen dieser Saison. Insgesamt war seine Leitung aber solide, ohne dass es weitere große Aufreger gab und Augsburg hat das Spiel trotzdem klar 3:1 gewonnen. [TV-Bilder – ab 0:04 Minuten]

Szene 10: In der 28. Minute erhöhte Michael Gregoritsch auf 2:0 für den FCA. Im Zuge einer Umschaltsituation schickte Wolf Kade über rechts, der den am zweiten Pfosten lauernden Kömür sah. Der probierte es nicht direkt, sondern legte überlegt per Kopf für den in der Mitte lauernden Gregoritsch ab, der erneut nur noch das Leder über die Linie drücken muss. Der VAR prüfte und Referee Reichel nahm den Treffer zurück. Gregoritsch stand hauchdünn im Abseits. [TV-Bilder – ab 02:40 Minuten]

Bei so einem hauchdünnen Abseits („millimeter“) ist der VAR verpflichtet, genau hinzuschauen. Wenn Gregoritsch auch nur mit einem kleinen Körperteil (Schulter, Hüfte, Fußspitze) vor dem Ball/Abwehrspieler stand, als der Pass kam, dann muss das Tor zurückgenommen werden. Die Abseitsregel sieht kein „Vorteil“ bei minimalem Offside vor, macht aber solche Entscheidungen oft extrem ärgerlich, aber regelkonform ist sie.

Die Platzierungen der Schiedsrichter des Spieltags:

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