Der TSV Crossen hat seine Verfolgerrolle in der Westsachsenliga eindrucksvoll untermauert. Beim deutlichen 4:1-Erfolg gegen Empor Glauchau II im altehrwürdigen Zwickauer Westsachsenstadion sorgten die Gastgeber bereits vor der Pause für klare Verhältnisse. Im Mittelpunkt stand Doppeltorschütze Johannes Gemeinhardt. Auch der junge Schiedsrichter Luca Reiher zeigte trotz kleinerer Fehler eine insgesamt gute Leistung.
Traumtor eröffnet Crossener Torreigen
Am heutigen Sonntag besuchte ich die Kreisoberliga-Partie zwischen dem TSV Crossen und Empor Glauchau II. Die Gastgeber, die ihre Heimspiele im traditionsreichen Zwickauer Westsachsenstadion austragen, ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, wer an diesem Nachmittag Herr auf dem Platz sein würde.
Bereits in der 7. Minute brachte Johannes Gemeinhardt die Crossener mit einem sehenswerten Treffer in Führung. Aus rund 30 Metern zog er einfach einmal ab. Der Ball schlug unter der Latte ein und ließ den verdutzten Glauchauer Schlussmann machtlos zurück.
Auch danach bestimmten die Gastgeber das Geschehen. Ramy Gedary erhöhte in der 29. Minute auf 2:0, ehe Tim Baumann noch vor der Pause das vermeintlich vorentscheidende 3:0 nachlegte.
Doch wer glaubte, damit sei der Torreigen in der ersten Hälfte beendet, hatte die Rechnung ohne den überragenden Johannes Gemeinhardt gemacht. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff schnürte er seinen Doppelpack und stellte auf 4:0.
Damit war die Begegnung praktisch entschieden.
Glauchau verkürzt – Unruhe auf der Gästebank
Angesichts der komfortablen Führung ließen es die Crossener im zweiten Durchgang etwas ruhiger angehen. Die Gäste aus Glauchau kamen dadurch besser in die Begegnung und erzielten nach rund einer Stunde den Treffer zum 1:4.
Mit zunehmender Spielzeit wurde allerdings auch die Glauchauer Bank unruhiger. Zwei- bis dreimal beschwerten sich die Verantwortlichen lautstark über Entscheidungen des jungen Schiedsrichters Luca Reiher.
Dabei war die Kritik nicht in jeder Situation völlig unbegründet. Allerdings gehört es gerade im Amateurfußball dazu, Entscheidungen des Unparteiischen zu akzeptieren – auch wenn diese einmal zu Ungunsten der eigenen Mannschaft ausfallen.
Spannung an der Tabellenspitze
Nach neun Spieltagen bleibt das Rennen um die Tabellenspitze der Westsachsenliga ausgesprochen spannend. Die SG Traktor Neukirchen/Pleiß führt mit 19 Punkten das Klassement an, doch der TSV Crossen sitzt dem Spitzenreiter mit nur einem Zähler Rückstand im Nacken.
Punktgleich mit Crossen folgen der SV 1946 Mosel und der Meeraner SV. Auch der Ebersbrunner SV liegt mit 17 Punkten noch in unmittelbarer Schlagdistanz. Damit trennen die ersten fünf Mannschaften gerade einmal zwei Punkte.
Westsachsenliga – Tabelle nach dem 9. Spieltag
| Platz | Mannschaft | Spiele | Tore | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| 1. | SG Traktor Neukirchen/Pl. | 9 | 29:12 | 19 |
| 2. | TSV Crossen | 9 | 26:10 | 18 |
| 3. | SV 1946 Mosel | 9 | 26:14 | 18 |
| 4. | Meeraner SV | 9 | 22:12 | 18 |
| 5. | Ebersbrunner SV | 9 | 20:10 | 17 |
| 6. | FSV Limbach-Oberfrohna | 9 | 16:11 | 15 |
| 7. | ESV Lok Zwickau II | 9 | 24:24 | 15 |
| 8. | VfB Empor Glauchau II | 9 | 20:21 | 15 |
Bemerkenswert: Trotz der deutlichen Niederlage belegt Empor Glauchau II mit 15 Punkten weiterhin den achten Tabellenplatz.
Luca Reiher mit guter Leistung und kleinen Schwächen
Der noch keine 20 Jahre alte Erlbacher Nachwuchsschiedsrichter Luca Reiher aus dem Bereich des Sächsischen Fußball-Verbandes machte seine Sache insgesamt gut. Er hatte die Begegnung weitgehend im Griff, wirkte in seiner Spielleitung ruhig und ließ sich auch von den wiederholten Reklamationen der Gästebank nicht aus dem Konzept bringen.
Dennoch gab es zwei Situationen, in denen seine Entscheidungen durchaus kritisch zu betrachten waren.
Eine notwendige Verwarnung blieb aus: Ein Crossener Spieler hielt einen Glauchauer Gegenspieler deutlich am Trikot fest und unterband damit einen aussichtsreichen Angriff. Hier wäre eine Gelbe Karte erforderlich gewesen. Reiher beließ es jedoch beim Freistoß. Auch der in unmittelbarer Nähe positionierte erste Schiedsrichterassistent Denny Roth hätte seinen jungen Kollegen auf die notwendige persönliche Strafe aufmerksam machen können.
Einfach Weiterspielen wäre die bessere Entscheidung gewesen: Im zweiten Durchgang wurde ein durchbrechender Glauchauer Angreifer durch einen Pfiff zurückgeholt. In dieser Situation wäre es besser gewesen, das Spiel weiterlaufen zu lassen und den möglichen Vorteil abzuwarten.
Gerade diese Entscheidung sorgte auf der Glauchauer Bank erneut für Unmut und weitere Reklamationen.
Hier hätte Reiher durchaus konsequenter auftreten dürfen. Eine klare und bestimmte Ansprache an die Verantwortlichen wäre angebracht gewesen, um die aufkommende Unruhe frühzeitig zu unterbinden. Denn zur Spielkontrolle gehört nicht nur das Geschehen auf dem Rasen, sondern auch der Umgang mit den Personen in den technischen Zonen.
Fazit: Ein verdienter Sieger und ein Schiedsrichter mit Perspektive
Der TSV Crossen wurde seiner Favoritenrolle gerecht und bleibt Spitzenreiter Neukirchen damit dicht auf den Fersen. Besonders in der ersten Halbzeit demonstrierten die Gastgeber ihre offensive Qualität. Johannes Gemeinhardt war mit seinen beiden Treffern, darunter einem sehenswerten Distanzschuss, der herausragende Akteur der Begegnung.
Auch Schiedsrichter Luca Reiher darf mit seinem Auftritt insgesamt zufrieden sein. Die angesprochenen Szenen gingen zwar jeweils zulasten der Glauchauer, schmälerten aber nicht den grundsätzlich positiven Gesamteindruck seiner Spielleitung.
Gerade bei jungen Nachwuchsschiedsrichtern sollte es nicht darum gehen, jede einzelne Entscheidung auf die Goldwaage zu legen. Vielmehr gilt es, ihre Entwicklung zu begleiten, Stärken hervorzuheben und Verbesserungspotenzial sachlich anzusprechen.
Luca Reiher hat gezeigt, dass er eine Begegnung auf Kreisoberliga-Niveau sicher leiten kann. Bei der persönlichen Strafengebung, der Vorteilsanwendung und im Umgang mit einer unruhigen Trainerbank kann er noch dazulernen. Das gehört zur Entwicklung eines jungen Schiedsrichters dazu.
Ordnungsdienst: Wo waren die Verantwortlichen?
Eine Beobachtung abseits des eigentlichen Spielgeschehens fiel an diesem Nachmittag ebenfalls auf. Obwohl sich mehrere Personen in Mannschaftskleidung im Stadion aufhielten, war für mich kein eindeutig erkennbarer Ordnungsdienst auszumachen.
Immerhin verfolgten 58 zahlende Zuschauer die Begegnung im Zwickauer Westsachsenstadion. Gerade im Amateurfußball ist es wichtig, dass sowohl die Zuschauer als auch das Schiedsrichtergespann im Bedarfsfall auf erkennbare und ansprechbare Ordnungskräfte zurückgreifen können.
Ob ein Ordnungsdienst tatsächlich eingeteilt war, lässt sich aus meiner Beobachtung nicht abschließend beurteilen. Sollte dies der Fall gewesen sein, wäre zumindest eine deutlichere Kennzeichnung wünschenswert gewesen.
Denn ein Ordnungsdienst sollte nicht erst dann erkennbar sein, wenn es bereits zu Problemen gekommen ist.
